Angespielt: Sacred 2 - Fallen Angel
Manchmal kann ein Zufall zu einer ganz witzigen Gamesession führen, die so wohl ansonsten kaum zustande gekommen wäre. Diese Woche entstand spontan die Idee für einen Gameabend für zwei Spieler mit einem einigermassen frischen Multiplayer-Sofa-Game für die PS3. Da Terminator - Salvation gerade ausverkauft war (wohl zum Glück), griffen wir zu Sacred 2 - Fallen Angel. Das Game erwies sich in der Folge als ein Stück ungewöhnliche und gleichzeitig unterhaltsame Software. Suchtgefahr ahoy! Der Einstieg in das ziemlich komplex aufgebaute Action-RPG gestaltete sich nicht ganz blitschnell, da man sich mit der Steuerung und den ganzen Elementen erstmal zurechtfinden musste. Etwas anderes war im Bereich RPG auch kaum zu erwarten. Also wurde kurzerhand mal ein Charakter generiert, und gleichzeitig etwas im Manual geblättert. Der zweite Spieler durfte sich via Einloggen auf einem anderen Benutzerkonto auf derselben Konsole umgehend mit ins Spiel beamen, nachdem dieser sich ebenfalls aus den diversen Klassen und Rassen eine Figur gebastelt hatte. Die Optionen zur Selbstgestaltung der Spielfigur schienen uns gemessen an Oblivion und Co. ultramässig minimiert, aber grundsätzlich tat dies dem Spielspass keinen grossen Abbruch. Umso schneller kommt man ohne grosse Customize-Umwege ins eigentliche Gameplay rein, wo man dann noch genug Zeit damit verbringt, die Menus, Inventare, Spruch- und Aktionsbelegung der Buttons etc. einigermassen zu begreifen. Das Spiel ist theoretisch bis maximal zu viert spielbar, also maximal zwei Spieler an derselben Konsole und zwei weitere übers Internet, oder alle komplett online vernetzt. Die Welt «Ancaria», wo die Handlung sich drin abspielt, ist gigantisch gross. Wir haben auf unserer knapp vierstündigen Session kaum 5% der Weltkarte abgewandert. Die Story ist, wie bei den Diablos und ähnlich gelagerten Spielen, eher vernachlässigbar. Es geht um die sogenannte «T-Energie», eine Art magische Kraftquelle. Nach der recken sich alle Völker der Welt, und hauen sich entsprechend gegenseitig in Form von Gut und Böse die Köpfe ein, um an sie ranzukommen. Allerhand Gnome, Untote, Inquisitoren, Rieseninsekten, Tiere und unzählige andere Wesen erweitern den Mix aus Hochelfen, Menschen, Orks und anderen Völkern zu einer manchmal etwas belustigenden, oftmals aber durchaus faszinierenden RPG-Welt. Der Tag-Nacht-Zyklus und die verschiedenen Wetterelemente vermögen atmosphärische Stimmungen zu erzeugen. Das Grundprinzip des Spiels, welches bereits nach kurzer Zeit zur Totalsucht führt, besteht eigentlich aus Kämpfen-Einsammeln-Wegwerfen-Aufrüsten. Durch das ständige Einsammeln von Gegenständen, Waffen, Gold, Tränken, Erfahrungspunkten und neuen Zaubersprüchen wird man ständig vorwärtsgetrieben auf der Suche nach dem noch besseren Schwert um die nächste Ecke. Spielt man zu zweit oder mehr, darf untereinander auch fleissig getauscht werden, da wie in allen RPGs nicht alle Fundstücke für alle Klassen nutzbar sind. Die Kämpfe werden durch das relativ rasche Aufsteigen schnell mal ziemlich witzig, es donnert, blitzt, brennt, dornt und hagelt was das Zeug hält, und man darf auch weiterhin traditionell mit diversen ein- oder zweihändigen Waffen draufloshacken. Die Attacken oder Sprüche werden auf die vier Hauptbuttons gelegt, und dürfen dreifach besetzt werden. Umgeschaltet wird dann mit L2 und R2. Bald mal wird man auch von ganzen Herscharen von Gegnern überrannt, was das ständige Aufrüsten schlichtweg zur Pflicht macht. Die Landschaft, durch die man sich von oben herab betrachtet bewegt, ist toll gestaltet. An jeder Ecke wartet ein Auftraggeber mit einer Subquest, wo man sich mal kurz für ein kleines Aufträglein prostituieren darf (natürlich im Sinne von ein paar Schergen abmurksen, was abliefern oder wen beschützen). Speziell hübsch fanden wir die Wasseranimationen am Meer oder bei Bächen, die Elfenstädte (man darf fast sämtliche Gebäude betreten in Ancaria, das Dach wird einfach ausgeblendet), das Laubwerk der Wälder und viele andere Gimmicks und Details. Nervig ist die Tatsache, dass man nicht mehrere Spawnpoints aktivieren kann, es steht jeweils nur ein Seelenstein zur Aktivierung bereit zur selben Zeit. Das kann zu langen Rückmärschen zum Ort des aktuellen Geschehens führen, sollte mal beide Teilnehmer der Fantasy-Expedition gleichzeitig das Zeitliche segnen. Zusätzlich haben die Designer an manchen Orten unseres Erachtens unnötige Blockaden in Form von Felswänden oder Buschwerk hingepflanzt, was manchmal ein grossräumiges Umgehen nötig macht. Erleichtert wird das Reisen wohl im späteren Verlauf des Spiels durch Reittiere, aber soweit waren wir natürlich noch nicht. Wer Fantasy mag und von Diablo angetan war in der Vergangenheit, darf hier bedenkenlos zugreifen. Wieviel Spass die Sache im Alleingang macht, ist schwer zu sagen, zu zweit auf dem Sofa vermag es auf jeden Fall reinzuziehen.
Sacred 2 - Fallen Angel
Positiv
Riesige Spielwelt mit vielen Details, grosses Suchtpotential durch Hunderte von Gegenständen wie Waffen und Zaubersprüche, unterhaltsame Action Negativ
Spawnpoints etwas dürftig, lange Wege, einige merkwürdige Figuren und Designs
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.
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