GP2X WIZ
Testbericht | iPhone | DS | PSP

GP2X Wiz

vor 8 Jahren von LKM

Im portablen Gaming-Bereich gibt's Nintendo und Sony. Und Apple, wenn man grosszügig sein möchte. Und das war's dann auch schon. Andere Firmen versuchen gar nicht erst, in diesem Markt etwas zu bewegen. Oder doch? Die Südkoreanische Firma GamePark Holdings bietet seit bald einer Dekade Konsolen an, die all das tun was die "Grossen" sich nicht erlauben dürfen.

Begonnen hat das Ganze 2001 mit dem GP32, einer portablen Konsole der Firma GamePark (nicht zu verwechseln mit der oben erwähnten GamePark Holdings):

GP32

Die Konsole war mit einem für damalige Verhältnisse akzeptablen 124GHz-ARM-Prozessor mit 10 Megabytes RAM unterwegs und konnte mit SmartMedia-Karten gefüttert werden. Was die Konsole vor allem auszeichnete war die Tatsache, dass jeder dafür Programme entwickeln konnte. Im Gegensatz zum Game Boy musste man sich nicht zuerst bei Nintendo um eine Lizenz bemühen, sondern konnte einfach mit programmieren loslegen.

Interne Streitereien führten dazu, dass viele der Mitarbeiter von GamePark die Firma verliessen und GamePark Holdings gründeten, die 2005 den inoffiziellen Nachfolger vom GP32, den GP2X veröffentlichte. Diese Konsole war mit einem 200-MHz-ARM-Prozessor bestückt und ebenfalls offen für alle Entwickler. In den folgenden Jahren hat GamePark Holdings mehrere Updates für den GP2X veröffentlicht. Dieses Jahr wurde nun der offizielle Nachfolger vom GP2X, der GP2X Wiz veröffentlicht. Oben auf dem Bild der GP2X, unten der GP2X Wiz:

GP2X und Wiz

Hardware

Der Wiz ist ein enormes Update vom GP2X. Der Prozessor wurde durch ein 533-MHz-ARM-Chip mit 3D-Beschleunigung ersetzt. DIe neue Konsole verfügt zudem über einen OLED-Touch-Screen, eine interne Li-Ion-Batterie (die ziemlich lange hält, was natürlich vom Gebrauch abhängt), 1GB internes Flash-Memory und 64MB RAM. Ausserdem ist das Gerät einiges kleiner als der GP2X und wirkt enorm stabil. Während sich der GP2X eher billig anfühlte, wirkt der Wiz wie ein unzerstörbarer Metallblock.

Wiz

Obwohl der Wiz ähnlich wie ein GBA Micro aussieht, ist er einiges grösser:

Wiz und Micro

Grössenmässig ist der Wiz in etwa mit einem iPhone zu vergleichen, er ist aber dicker - etwa so dick wie ein DS.

Wiz und iPhone

Hier ein Grössenvergleich von allen aktuellen portablen Konsolen:

Wiz und andere portable Konsolen

Der OLED-Screen ist hell, scharf und kontrastreich, und er kann mit einem Pen bedient werden, der bei Nichtgebrauch seitlich in den Wiz gesteckt werden kann.

Pen

Beim alten GP2X war vor allem das miese D-Pad ein konstanter Grund für Ärgernisse; dieses Problem wurde beim Wiz behoben, das D-Pad und die Knöpfe sind superpräzise und beinahe so gut wie die Nintendo-Konkurrenz. Die vier Knöpfe auf der Vorderseite sind zwar wie ein D-Pad-Kreuz angeordnet, aber trotzdem einzelne Buttons. Diese Anordnung eignet sich sowohl für traditionelle Games, als auch für Spiele die zwei D-Pads benötigen. Ausserdem können Linkshänder so theoretisch mit der linken Hand den Stylus verwenden und mit der rechten Hand die Buttons als D-Pad verwenden.

Ausserdem verfügt der Wiz über einen Kopfhöreranschluss, einen SD-Karten-Slot der SDHC-Karten unterstützt, und über einen proprietären USB-Anschluss der auch Video-Ausgabe unterstützt (das passende Kabel ist standardmässig aber nicht dabei, das mitgelieferte Kabel eignet sich nur dafür, den Wiz per USB an einen Computer anzuschliessen).

Games

Software

Die mitgelieferte Software vom Wiz kann Filme abspielen (MPEG4, Xvid und DiVX), unterstützt Musikwiedergabe, hat einen Foto-Viewer, kann Comics und E-Books darstellen und sogar Töne aufnehmen. Ausserdem spielt der Wiz Flash-Spiele, wenn auch eher langsam. Es gibt auch einen Kalender, eine Uhr, einen Rechner und einen Timer.

Ausserdem wird der Wiz mit einer Reihe von eingebauten Spielen ausgeliefert, die in ihrer Komplexität aber eher an iPhone-Games als an DS-Spiele erinnern.

Neue Spiele können über die SD-Karte in die Konsole geladen werden. Was aber wirklich interessiert, sind die Emulatoren. Dank dem schnellen Chip kann der Wiz so ziemlich alle relevanten Konsolen emulieren. Wer schon immer mal seine (natürlich legal erstandenen) Amiga-Games im Zug spielen wollte kann das mit dem Wiz.

Emulation

Negatives

Auf der negativen Seite gibt es eigentlich nur zwei Punkte zu vermerken, aber vor allem der erste Punkte ist - ja nach Anforderungen an das Gerät - enorm relevant.

Erstens: Es gibt so gut wie keine kommerzielle Spiele-Entwicklung für den Wiz. Wer diese Konsole kauft muss wissen, dass er nicht in den nächsten Laden gehen und GTA oder Super Mario dafür kaufen kann. Diese Konsole ist ein Gerät für Leute, die gerne Beta-Software installieren und kein Problem damit haben, wenn die aktuellen A-Liste-Games nicht erhältlich sind.

Zweitens: Der verbaute OLED-Screen ist eigentlich für Mobiltelefone gedacht. Weshalb ist das relevant? Mobiltelefone haben keine breiten Bildschirme, sondern hohe Bildschirme. Das heisst, dass alle Wiz-Games den Bildschirminhalt um um 90° drehen müssen, damit er auf dem Wiz-Screen korrekt erscheint. Das ist noch immer kein Problem. Das Problem ist, dass GamePark Holdings ein Entwicklungssystem veröffentlicht hat, welches einen Bug hatte; beim Drehen vom Bildschirm wurde ein vertikales Screen-Tearing eingefügt. In diesem Video ist das Problem beispielsweise um 3:50 sichtbar:

Wichtig dabei ist dass dies ein Software-Problem ist, welches von den einzelnen Programmen behoben werden kann. Einige Games und Emulatoren sind bereits in neueren Versionen erhältlich, die dieses Problem nicht haben.

Fazit

Wer auf kommerzielle Games verzichten kann und damit leben kann dass einige der Spiele ein diagonales Tearing haben, der findet mit dem Wiz eine geniale Alternative oder Ergänzung zu den anderen portablen Konsolen. Die gute Verarbeitung, der tolle Screen, die interessante Software und die lange Batterielaufzeit machen den Wiz zu einem coolen kleinen Spielzeug.

Erhältlich ist der GP2X Wiz beispielsweise bei ThinkGeek oder bei Play-Asia für umgerechnet etwa 250 Franken inklusive Zoll. Erwähnt werden sollte in diesem Zusammenhang wohl auch, dass eine einigermassen vergleichbare, aber weniger populäre Konsole - der Dingoo A320 - für wesentlich weniger Geld erhältlich ist. Der Dingoo A320 hat halb so viel RAM, einen langsameren Prozessor und einen weniger guten Screen als der Wiz, und hat weniger Software-Support, könnte aber eine Alternative darstellen falls euch 250 Franken für ein solches Gerät zu viel Geld sind.

(Anmerkung: Einige der Fotos stammen von pocketgamer.co.uk)

judgementbox
Positiv

Toller OLED-Screen, schneller Prozessor, Touch-Screen, grosse Auswahl an Games und Programmen, gute Verarbeitung, kleiner als andere aktuelle portable Konsolen, lange Batterielaufzeit, unterstützt Standard-SDHC-Karten.

Negativ

Keine kommerzielle Spiele-Entwicklung, "Diagonal Tearing" in vielen Games

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


Abonniere Kommentare zu diesem Artikel.ch als RSS-Feed