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Testbericht | PSP
Gran Turismo
Versprochen wurde uns das Spiel zum Launch der PSP. Nun, fünf Jahre später, ist das Spiel hier. Und ich frage mich was genau Polyphony Digital die ganze Zeit gemacht hat. An diesem Spiel gearbeitet hat die Firma zumindest ganz sicher nicht, sonst wäre kein derart unfertiges Spiel rausgekommen. Gleich zu Beginn des Spiels fragt man sich, was zum Teufel das soll. Obwohl man mit einer Schwemme von Menus begrüsst wird, findet man nirgends einen Karriere-Modus. Nope, das Spiel bietet nur einzelne Rennen, Zeit-Tests und Drift-Tests. What the Fuck? Bei den Zeit-Tests und Drift-Tests ist man alleine auf der Strecke, und selbst wenn man ein Einzelrennen fährt hat's nur drei Gegner. Liebe Menschen von Polyphone Digital, ich weiss dass die PSP nicht die allerneuste Konsole auf dem Markt ist und unterdessen Performancemässig eher zum alten Eisen gehört, aber wenn sogar Mario Kart auf dem Super Nintendo mehr als doppelt so viele Gegner auf die Strecke bringt, dann stimmt bei euch etwas nicht ganz. GrafikNicht nur die Anzahl der Gegner ist enttäuschen, die Grafikqualität ist ganz allgemein nicht da, wo sie sein sollte. Die Texturen sind teilweise nur übel, die Strecken sind oft leer, sie wirken lieblos und kantig. Ausserdem hat das Spiel auf einigen Strecken krasse Grafikfehler: Zwischen den Polygonen sieht man weisse Punkte, an denen die Polygone nicht perfekt zusammenpassen. Und ihr dachtet alle, dieses Problem hätten wir seit PS1-Zeiten hinter uns gelassen. Anscheinend nicht. In einigen Levels ist das Problem so stark, dass man das Gefühlt hat, dass es schneit wenn man durch einen Tunnel fährt. Wenigstens ist das Problem in den Schnee-Levels nicht sichtbar, weil dort sowieso alles weiss ist. Positiv fallen die Automodelle auf, die hübsch modelliert sind. Leider gibt's kein Schadensmodell, und so fährt man unabhängig von Crashes die ganze Zeit mit einem fabrikneuen Auto durch die Runden. Dafür hat sich auch niemand die Mühe gemacht, die Cockpits der Autos zu modellieren, und so sehen alle Cockpits gleich schwarz aus. Wirklich gut gelungen ist die konstant hohe Framerate, die die eher langweilige Grafik etwas wett macht. Auch genial sind die Staub-Effekte. Verschiedene Strecken haben Abschnitte, in denen von den Autos Staub aufgewirbelt wird, und das ist eindrücklich gelungen. Folgt man an vierter Stelle den anderen Fahrzeugen, so sieht man oft nur eine riesige Staubwand vor sich. Absolut atemberaubend. Solche Szenen sollte es in diesem Spiel (und auch in der PSP-Version von Motorstorm, für die wir auch ein Review haben) öfters geben. Alles in allem ist es kein Wunder, dass die Trailer vom Spiel nur sekundenlange Briefmarkengrosse Videos vom Spiel enthalten haben. GameplayWie üblich bei GT-Games besteht auch hier das Problem, dass die Streckengrenze nicht immer klar ist. An vielen Stellen sind Bordsteinkanten an der Kurveninnenseite Grenzen, die man nicht überfahren kann. Da muss man einfach aus Fehlern lernen und die wissen, wo man in welchen Levels durchfahren kann und wo nicht. Aber dieses Problem sollte unterdessen einfach nicht mehr auftreten. Sowieso ist die Steuerung der Autos problematisch. Das D-Pad ist zu wenig sensibel, deshalb muss man den bei der PSP am absolut dümmsten Ort platzierten Analog-Nub verwenden. Das Problem dabei ist, dass der Analog-Nub bei vielen Autos zu sensibel reagiert! Mit einigen der Autos ist es beinahe unmöglich, auf einer geraden Strecke geradeaus zu fahren, weil man bei der geringsten Berührung vom Nub zu stark steuert und sofort wieder gegensteuern muss, was wieder zu stark ist, und so weiter. Absurd. Ansonsten entspricht die Steuerung in etwa den anderen GT-Spielen. Entweder man mag's, oder man mag's nicht. Der Fokus ist hier klar auf Simulation, und nicht auf einem Arcade-Fahrverhalten. Will heissen: Strecken wollen gelernt werden, die einzelnen Fahrzeuge verhalten sich völlig verschieden, und wer nicht bremsen kann kommt auch nicht um die Kurven. Erwähnt werden müssen die Rennen auf Dirt- oder Schnee-Untergrund. Das Handling der Autos auf diesen Strecken ist einfach nur lächerlich. Man driftet durch die Kurven als ob das Auto auf auf einer Eisfläche fahren würde, absolut ohne Traktion. Diese Rennen sind extrem frustrierend. Nachdem man Strecke und Fahrzeug gewählt hat, wählt GT passende Gegner aus. Es bringt also nichts, schnellere Fahrzeuge zu wählen. Tatsächlich werden einige der Strecken eher schwieriger, wenn man mit einem schnelleren Fahrzeug antritt. Das Spiel weckt mit über 800 Fahrzeugen bald den Pokémon-Instinkt, und man möchte möglichst viele der Boliden in die eigene Garage stellen. Jeden "Tag" (der Tag wechselt nach ein paar Rennen) bekommt man eine zufällige Auswahl an Autos zum Kauf angeboten. Das hat den Nachteil, dass man jeweils nur ein halbes Dutzend Autos kaufen kann. Ist das Lieblingsauto nicht dabei, so heisst es: warten. Und zwar potentiell wochenlang (echte Wochen, nicht Game-Wochen). Wie gewohnt können die Fahrzeuge getunt werden, die Optionen sind aber weniger ausführlich als in anderen GT-Versionen. MusikDie Musik ist mieses Background-Pop-Geplätschere. Langweilig, und muss nicht weiter kommentiert werden. MultiplayerDas Spiel verfügt über einen Offline-Multiplayer-Modus für vier Spieler. Es gibt kein Leaderboard und keinen Austausch von Ghosts. FazitIch habe lange mit mir gerungen, wie ich dieses Spiel bewerten soll. Das Review ist extrem negativ, aber das hat auch viel mit den Erwartungen zu tun. Die Gran Turismo-Serie gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Spiele-Serien der Welt. Dieses Spiel wurde uns zum PSP-Launch versprochen, und nachdem wir so lange warten mussten sind die Erwartungen entsprechend gestiegen. GT PSP ist das realistischste PSP-Rennspiel auf dem Markt. Wer Gran Turismo liebt und kein Spiel erwartet, welches genau so gut ist wie die Versionen auf den "grossen" Konsolen, der wird viele Stunden in dieses Spiel investieren können. Und trotzdem. Das Spiel hat positive Punkte, aber es hat noch weit mehr negative Punkte. Das bisher am längsten erwartete PSP-Game ist leider gleichzeitig auch das bisher enttäuschendste PSP-Game. Polyphony Digital war anscheinend einfach nicht motiviert genug, um viel Zeit und Geld in ein Spiel für diese nur mässig erfolgreiche Konsolen-Plattform zu investieren. Ergo: Finger weg, ausser für Hardcore-GT-Fans.
Gran Turismo PSP
Positiv
Viele Autos, realistische Physik und Handling Negativ
Nur drei Gegner auf der Strecke, Grafik unter den Erwartungen, Gameplay-Probleme, kein Karriere-Modus, frustrierendes Handling auf Dirt- und Schnee-Boden, einige der Spielmechanismen (z.B. die zufällige Auto-Auswahl) machen das Spiel eher zu einem Pokémon-Game als einem Autorennspiel, gemessen an den Erwartungen wohl die grösste Enttäuschung aller PSP-Games
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