Call Of Duty – Modern Warfare 2
Gemessen an den Erstwochen-Verkaufszahlen dürfte «Call Of Duty (6) – Modern Warfare 2» alle bisher erhältlichen Videogames in die Schranken weisen – mehr als 9.4 Mio Exemplare gingen über den Ladentisch über alle Versionen hinweg (PC, PS3 und XBox 360). In Sachen Online-Multiplayer-Gefechte und im neuen Co-Op-Modus Online oder Splitscreen glänzt MW2 wie schon der Vorgänger und dürfte für lange Zeit die Server heisslaufen lassen. Was den Singleplayer-Modus angeht, ist MW2 die grösste Enttäuschung seit langer Zeit. Right to the pointEines vorweg: Wer sich überlegt, den neusten Modern Warfare-Titel vor allen Dingen für die Single Player-Kampagne zu kaufen, dem sei hier abgeraten. War MW 1 vor zwei Jahren in der Solo-Sparte noch eine gemessen am Szenario zwar fragwürdige, aber durchaus sehr unterhaltsame Kriegsorgie, macht hier der aktuelle Teil mehr als einen Fehltritt. Das liegt wohl daran, dass die meisten Fans sich diesen Titel vorwiegend wegen der Online-Schiesserei kaufen (werden), und nicht wegen der Kampagne. Die Entwicklung derselben hat also wohl etwas weniger Nestwärme gekriegt als der Rest. Nichts desto trotz empfand ich die Story als über alle Massen unzusammenhängend, abstrus, streckenweise geschmacklos und generell einfach irgendwie uncool. Es gab ein paar interessante Ideen, ein paar spektakuläre Szenarios, aber das war's dann irgendwie auch schon. MW 1 war an manchen Stellen auch ein bisschen zerstückelt in der Erzählweise. Man hatte aber trotzdem das Gefühl, an einem gigantischen Achterbahn-Trip teilzunehmen, und eine Art Kriegs-Action-Movie live gleich selber zu spielen – samt einer einigermassen existierenden Kontinuität und hohem Thrill. Wer sowas erwartet, sollte sich nicht von MW 2 enttäuschen lassen. Das Gefühl der Immersion für die Handlung fehlte mir im zweiten Teil über weite Strecken komplett. Obendrauf ist eine gewisse Szene auf einem russischen Flughafen einfach derart stumpfsinnig, pervers und gesamthaft auch noch sinnlos im Handlungsstrang, dass man sich schon fragen kann, welcher Minderbemittelte sich denn diese Story samt Szenarios ausgedacht hat. Oder erinnert Ihr Euch an die geniale Stealth-Mission in der Nähe einer verlassenen russischen Stadt gegen Ende des ersten Teils? Auch diese wird platt und schlecht kopiert neu aufgegossen und das Ganze wirkt so noch mehr wie ein Nachhilfsprojekt für die Praktikanten bei Infinity Ward. Der Fokus lag ganz klar in einer anderen Sektion des Spiels, und die Single Player-Kampagne wurde einfach unter ferner liefen auch noch reingepappt. Den Eindruck von vielen Gametestern weltweit, dass es sich bei diesem Teil des Spiels um ein packendes Erlebnis von der Qualität des ersten Teils handeln soll, teile ich ganz und gar nicht. Nun, wie gesagt, die Handlung schliesst Grosso Modo an diejenige des ersten Teils an und spielt fünf Jahre später. Das gewohnt verklärte Gut-Böse-Nato-US-Irgend-Weltbild dröhnt wieder aus jeder Ecke entgegen, bloss wirds diesmals wirklich ad absurdum getrommelt und dann auch noch irgendwie umgekehrt. Ich hab die Geschichte wirklich nicht verstanden, aber im Kern geht's bei allem Satellitengeblinke und Agentenfilm-mässigen Auflisten von irgendwelchen Briefingdaten hier wohl doch ganz einfach ums Ballern. Angestaubte FlintenDer Absurdität der Handlung nicht genug, wirkt die Grafik zwei Jahre nach dem ersten Teil langsam ein bisschen angestaubt. War man damals noch einigermassen begeistert vom Artwork und der ganzen Atmosphäre, kommt das Ganze heutzutage irgendwie etwas unter Durchschnitt daher. Dass Infinity Ward es nicht fertiggebracht hat, mehr als eine 600p aufskalierte Auflösung aus den Konsolen zu pressen, spricht auch nicht unbedingt für die Entwickler. Das Spiel läuft zwar weitgehend flüssig und man kann nicht sagen die Optik sei übel. Gerade die Weitsicht lässt sich durchaus sehen, aber zwei Jahre Zeit hätten an der Präsentationsfront trotzdem für ein paar grössere Optimierungen sorgen müssen – hätte man dies gewollt. Der frühpensionierten Grafik nicht genug, kriegt man von Activision auch noch den Patch-Krieg erklärt: Sage und schreibe vier Mal in der ersten Woche war ein Update nötig (PS3-Version). Ich meine – what?! Man liefert mir quasi dasselbe Spiel wie vor vier Jahren mit neuen Levels, und benötigt tausend Korrekturen gleich nach dem Verkaufsstart? Ich spare mir hier einen bissigen Kommentar. Abgesehen von der Technologie klingt die mangelnde Qualität in Dramaturgie und Gameplay bereits zu Spielbeginn an, wo der erste Teil mit einem genialen Auftakt aufwarten konnte. MW 2 ist im Vergleich ganz einfach ein laues Lüftchen. Dazu kommen im Spiel selbst ziemlich absurde Situationen. So stehen z.b. im Prolog des öfteren mal dieselben Figuren gleich nebeneinander (mal mit und mal ohne Sonnenbrille, aber so dumm und halbblind ist wohl nicht mal der durchschnittliche Ego-Shooter-Junky), oder man gelangt in der ersten Mission nach einem harten Gefecht direkt zu einer Kolonne von Verbündeten samt General – um die nächste Ecke, als lägen ein halbes Dutzend Kilometer zwischen den Schauplätzen. Irgendwie wirkt das dann simply ein bisschen arg zusammengekocht und halbgar. Pfui! Packende und unerbittliche OnlineschlachtenWo MW 2 wirklich glänzt, ist bei den Online-Gefechten und im lokalen Multiplayer. Vorweg ein paar Worte zum Online-Betrieb quasi als vorweggenommenes Fazit: Der Einstieg gelingt für jeden halbwegs erfahrenen Ego-Schützen mit leichter Hand, und der Multiplayer-Part von MW 2 ist wohl locker als Gesamtpacket das Beste, was es in dieser Sparte gibt. Die verschiedenen Optionen und Spielmodi werden erst nach und nach freigeschaltet, was es einem ermöglicht, sich schrittchenweise mit der Fülle von Einstellungen und Ausrüstungsgegenständen zurechtzufinden. Die vielseitigen Levels in verschiedenen Szenarios von Wüste bis Eis sind toll gelungen und bieten Kämpfe auf mehreren Ebenen, Tunnels, Stockwerken, Sniperpositionen und so weiter. Gut gelungen sind die Welten auch von da her, dass es fast keine ausschliesslichen Sniper-Levels gibt, wo immer irgendwo einer hockt und einem das Licht auspustet, bevor man überhaupt ne Ahnung hat wieso und woher. Die Abschusskamera zeigt einem ausserdem immer, woher der Schütze gekommen ist und man kann so je nach Schnelligkeit die Position des Übeltäters ausfindig machen, um diesen seinerseits zur Strecke zu bringen. Es dürfte also sehr schwer sein für einen Spieler, sich irgendwo zu verschanzen und unbedrängt ständig von da den anderen das Leben schwer zu machen. Dieser Mechanismus sorgt für hohes Tempo, aufregende Gefechte und viel Spass. Weitere Zutaten wie Aufklärungsdronen, Lenkwaffen, Bomberangriffe, Helikopter- und Harrierunterstützung, Munitionsabwürfe und vieles mehr machen MW 2 zum weiterhin unbestrittenen König der Onlinekriege. Bei grösseren Gefechten kann das Matchmaking ab und zu etwas Probleme bereiten, bei 12-Spieler-Maximum-Team-Deathmatches waren kaum Probleme zu erkennen. Vielleicht handelt es sich dabei um ein PS3-only Problem, unserer Testversion, worauf die Patches hindeuten. Dahingehend auf jeden Fall schade, dass Infinity Ward den Standard von Killzone 2 mit problemlosen Games mit bis zu 32 Spielern, oder anderen neueren Online-Shootern, nicht annähernd erreicht. Das Online-Multiplayer-Vehikel von MW 2 spielt sich fix und flüssig, bringt viel auf den Tisch, hat aber irgendwie doch auch mit ein paar technischen Beulen zu kämpfen. Mit Freunden im EinsatzNeu im MW-Package drin sind die taktischen Missionen gegen computergesteuerte Gegner, welche man zusammen mit einem Freund zu zweit bestreiten darf. Die Schauplätze orientieren sich lose an denjenigen der Single Player-Kampagne. An Angriff nehmen darf man die Tactical Ops entweder lokal im Split-Screen oder via Online. Diese Addition ist hübsch gelungen, macht ebenfalls ordentlich Spass, und darf grösstenteils auch alleine ausprobiert werden. Empfehlenswert sind diese Aufgaben auch für solche, die sich vor dem Einstieg in Online-Kriege als Neuling erstmal anderweitig etwas beschäftigen wollen. So gibt es z.b. eine Mission, wo der eine sich um die Luftunterstützung kümmert, während der andere sich auf dem Boden zum Ziel durchkämpfen muss. Grundsätzliche taktische Möglichkeiten für den Online-Einsatz können also in dieser Sektion mit viel Unterhaltungswert schonmal eingeübt werden.
Call Of Duty – Modern Warfare 2
Positiv
Geniale und vielseitige Multiplayer- und Onlinegefechte – gespickt mit allen möglichen Maps, Waffen, Specials, Bonusgegenständen, einstellbaren Waffenupgrades und was des Online-Kriegers Herz sonst noch begehrt Negativ
Absurde und teilweise geschmacklose Single-Player-Kampagne mit wenigen Glanzpunkten, dafür mit merkwürdigen Wendungen
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.
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