Dragon Age: Origins – Epische Drachenjagd
Rollenspielveteranen unter uns, welche sich bereits vor Jahren mit der Ultima-Reihe, den Geschichten aus Baldurs Gate oder den Sagas der Elder Scrolls unterhalten haben, dürfen sich seit etwas mehr als zwei Wochen über ein neues episches Abenteuer freuen: Dragon Age enthält alle Zutaten für über Hundert Stunden beste Fantasy-Unterhaltung. [Update] Gegen Ende Januar erscheint die erste grössere Erweiterung "Rückkehr nach Ostagar" für Dragon Age: Origins (Genauer Termin noch nicht bekannt). Und bereits im März folgt ein noch umfangreicheres Zusatzpacket mit dem Titel "Das Erwachen" mit mindestens 15 Stunden neuen Inhalten, einer neuen Einstiegsgeschichte und neuen Gebieten, dann aber in den Verkaufsregalen und ungefähr zum halben Preis einer Verkaufs-Vollversion. Abenteuer in Ferelden - von Magiern und SchurkenBevor man sich der eigentlichen Hauptgeschichte zuwendet, darf man sich erstmal nach allen Raffinessen einen eigenen Held, bzw. eine eigene Heldin basteln. Dies geschieht in ähnlichem Rahmen wie beispielsweise bei Elder Scrolls IV: Oblivion. Spezialisierungen und Fertigkeiten kommen im Verlauf des Prologs und bis zum Ende der Hauptgeschichte hinzu, die Möglichkeiten sind entsprechend des gigantischen Umfangs des Spiels nahezu unerschöpflich. Egal ob filigraner Attentäter oder mächtiger Blutmagier, erfahrener Giftmischer oder Fallenbauer – je nach spielerischer Vorliebe darf munter ausgebildet werden. TeamworkHat man die Grundauswahl für die eigene Spielfigur einmal abgeschlossen und das Aussehen definiert, spielt man eine von sechs verschiedenen Vorgeschichten. Je nach dem für welche Rasse und Klasse man sich entschieden hat, beginnt der Prolog an einem anderen Ort: im Turm eines mächtigen Magierzirkels, in den Elendsvierteln einer grösseren Stadt oder in den Hallen der Zwerge, um ein paar zu nennen. Man bleibt jedoch nicht lange allein. Für die gesamte Dauer des Abenteuers wird man von maximal drei Kampfgefährten begleitet. Dieses nette Wesen darf man via Zusatzinhalt in die Gruppe aufnehmen Im Lager der Gefährten warten je nach dem, wen man auf der Reise in die Gruppe mit aufgenommen hat, noch weitere sechs, sieben tatkräftige Mitstreiter oder verbündete Wesen auf ihren Einsatz. Man darf quasi jederzeit die Gruppe entsprechend seinen Vorlieben zusammenstellen, es lohnt sich aber zu jeder Zeit zumindest eine auf Heilung spezialisierte Magierfigur sowie einen starken Nahkämpfer dabeizuhaben. An gewissen Stellen wird einem von der Geschichte eine der vier Personen vorbestimmt für eine gewisse Dauer, wo es je nach Geschehnissen eben Sinn macht. Die dunkle BrutZu bekämpfen gibt es natürlich eine finstere Bedrohung, welche die Ländereien von Ferelden in den Abgrund zu reissen drohen. Zwecks Niederschlagung der üblen Gestalten gilt es gemäss uralten Verträgen sämtliche Völker von Ferelden zu vereinen. Die Reihenfolge, in welcher man die Magier des Turms, die Zwerge in ihren tiefen Bergfestungen oder die Elfen in den Wäldern für das Bündnis gewinnt, ist weitgehend offen. Klingt alles ein bisschen nach Herr Der Ringe? Stimmt, aber das ist in dem Sinn nicht besonders schlimm. So reist man also kreuz und quer durch die Länder und Berge und hat einige Abenteuer zu bestehen. Daneben gibt es in bester RPG-Manier natürlich auch Dutzende und Aberdutzende von kleineren und grösseren Nebenquests zu entdecken, die sich zur Vertiefung des Spielspasses oder für das Erwerben ganz spezieller Gegenstände durchaus lohnen. Sag mir wer Du bist, und ich sage Dir wie Du stirbstWas Dragon Age neben der packenden, mit vielen Wendungen versehenen Story zu einem ganz besonderen Erlebnis macht, ist das dynamische Dialogsystem. Es ist wegweisend, wie immer wieder Entscheidungsäste entstehen, und das eigene Handeln und Argumentieren bei verschiedenen situativen Gabelungen zu ganz unterschiedlichen Konsequenzen führen. Es kann durchaus vorkommen, dass einem die Entscheidung über Leben oder Tod von unschuldigen Unglücksraben übertragen wird, die durch die Ungemach der dunklen Tage in scheinbar ausweglose Situationen geraten sind. Partei ergreiffen muss man mehr als einmal im Verlauf der Kampagne, und man darf dies nach eigenem Gusto und Gutdünken tun. Entsprechend muss man aber auch mit den entsprechenden Konsequenzen leben, bzw. weiterspielen. Der Kampf um Zuneigung und Abneigung von Gefährten und NPCs und der eine oder andere moralische Zwiespalt ist im Verlauf des Spiels also gang und gäbe. Dieses dämonische Wesen ist so oder so übel gelaunt und pfeifft auf jegliche Sympathie Die gute Stimmung im Team darf man mit passenden Geschenken und sprachlicher Begabung heben, und es ist sogar möglich mit dem einen oder anderen Mitglied der Gruppe eine Affäre oder Liebesbeziehung einzugehen. Die kreativen Köpfe von Bioware haben also an fast alles gedacht. Wer eher auf noch unverbindlicheren Spass steht, darf auch ein Bordell aufsuchen und gleich mit mehreren Wesen seinen Spass haben. Solide KämpfeEin guter Teil eines jeden RPGs besteht neben Erkunden, Sammeln, Aufrüsten, Verkaufen und Erobern natürlich auch schon seit je her aus handfesten Gefechten. Durch die Kontrolle von vier Kämpfern stehen einem auch in der Hinsicht Dutzende Möglichkeiten zur Verfügung. Taktische Einstellungen für passives, agressives oder hinterhältiges Agieren im Kampf – sowie das Zuweisen von bestimmten Handlungen bei bestimmten Kampfsituationen – bereiten zu Beginn ein paar schwindlige Momente, bis man einmal damit zurechtkommt. Was sich dann jedoch offenbahrt, ist eine geniale Mischung aus Echtzeitkampf und planerischem Denken. Immer wieder lohnt es sich, für bestimmte härtere Widersacher unterschiedliche Taktiken und Vorgehensweisen auszuprobieren. Des öfteren entscheidet eine kleine Umstellung in der Taktikeinstellung über Erfolg oder Verderben. Dragon Age ist offensichtlich vorwiegend als PC-Spiel gedacht, bietet diese Version doch einige zusätzliche taktische Möglichkeiten und eine weiter entfernte Zoomstufe für die Gefechte. Die Konsolenumsetzung präsentiert sich jedoch durchaus ebenfalls gelungen, die Steuerung geht flüssig von der Hand. Offene Welt vs. weite GasseDragon Age spielt nicht in dem Sinn in einer offenen Welt wie beispielsweise Oblivion. Zwar darf man Tränke mischen, Fallen bauen, mit allen möglichen und unmöglichen Leuten sprechen und wie gesagt unzählige Nebenaufgaben lösen, aber ganz frei durch die Wälder stapfen und auf einer Anhöhe den Sonnenaufgang abwarten ist nicht drin. Ob dies gut oder schlecht ist im Sinne des Spielspasses dürfte die Geister scheiden. Einige meiner RPG-Kollegen waren diesbezüglich etwas anderer Meinung als ich. Mir persönlich hat die freie Begehbarkeit von Oblivion, die Egoperspektive und das entdeckerische Moment sehr gut gefallen. Ein Highlight: die zwergischen Felsenfestungen tief in den Bergen Offensichtlich lagen damals die Gewichte etwas stärker auf den grossen Gildenquests, den Zusatzinhalten und der Erlebbarkeit einer relativ grossen eigenen Welt – wo hingegen bei Dragon Age das Hauptaugenmerk ganz klar auf einer kernigen Hauptgeschichte mit vielen Verästelungen und einem taktisch ausgeprägten Kampfsystem mit Gefährten lag. Grundsätzlich muss man die beiden Ansätze auch nicht wirklich gegeneinander ausspielen, ich persönlich denke dass die Geschichte von Dragon Age auch in einer frei begehbaren Welt wie derjenigen von Oblivion möglich wäre. Auch eine Egoperspektive (halt ausserhalb der Kämpfe) wäre denkbar und vereinbar mit der Welt von DA. FazitEntwickelt vom Team hinter den Baldurs-Gate-Titeln und Mass Effect, den erfahrenen Fantasten von Bioware, bietet DA ein eigenes Universum mit allem was das RPG-Herz begehrt: Eine dunkle Bedrohung, gefallene Könige, Elfen, Zwergenfestungen, gestandene Heroen und vieles mehr. Scheinbar soll es acht verschiedene Enden geben, was zu den sechs Variationen im Einstieg eine grosse Wiederspielbarkeit eröffnet. Nervig fand ich die Erstellung eines eigenen EA-Kontos für den Download der Zusatzinhalte (Liebes Marketingteam von EA: Wir wollen das nicht. Ein für allemal. Nein!) Mehr als nervig war auch die magere Zusatzepisode rund um die Wächterfestung. Für eine Stunde zusätzlichen Spielinhalt und die Truhe mehr als 10 Franken bezahlen zu müssen, empfand ich als Affront. Offensichtlicherweise waren die Heldentruhe und die Wächterfestung ursprünglich teil des Gesamtpacketes – die Heldentruhe zum Verstauen von Gegenständen, die man weder verkaufen noch mitschleppen will, ist zugegebenermassen sehr nützlich – wurden dann jedoch aus dem Packet raussondiert. Pfui EA zum zweiten! Wir sind gerne bereit, für vernünftige Zusatzinhalte zu bezahlen, aber so nicht.
Dragon Age: Origins
Positiv
Packende epische Saga, fantastische Welten, vielfältige Gameplay-Elemente, streckenweise geniale Aufmachung, toller Soundtrack – für RPG-Freunde so oder so ein Muss! Negativ
Teilweise leichte Performancemängel (gilt für PS3-Version, andere nicht getestet), Erstellung EA-Konto für Downloads von Zusatzinhalten nötig, Fehlen einer Möglichkeit zur Markersetzung auf der Karte, wenig intuitive Minimap in der Bildschirmecke, relativ lineare Spielwelt
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.
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