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Meinung | PS3 | Xbox 360

Versteckte Kosten beim Konsolenkauf

vor 6 Jahren von DN

Kabelsalat

Kaum ist die neue Konsole ausgepackt, fehlt schon das erste Kabel für reinen HD-Genuss. Oder ist es am Ende sogar der wiederaufladbare Akku für den Controller, den man sich zu überrissenen Preisen noch separat holen muss?

Screenshot

Blöd oda wa?

Es war schon länger geplant einen Artikel über dieses leide Thema zu schreiben. Nun ist es also soweit, und das Plädoyer gegen proprietären Mist und versteckte Kosten hat es ans Online-Tageslicht geschafft.

Das Testsetting schaut wie folgt aus:

  • PlayStation 3 Slim 120GB / XBox 360 Elite 120GB
  • Logitech Z5450 Sourround System 5.1 mit zwei Optical-Eingängen
  • Panasonic TX-P46G15 46-Zoll Full-HD Plasma-Screen mit drei HDMI-Eingängen

Das Ziel: Ein spielfertiges Setup mit Video über HDMI auf den Screen und separatem Digitalsound in Dolbyqualität via Optical-Kabel, ein funktionierendes Headset, dazu eine WiFi-Verbindung für etwas weniger Kabelsalat und ein Onlinekonto für Spiele übers Netz mit Freunden.

Für die folgenden Vergleiche wurden zwei normale Basispakete der beiden Konsolen ohne Spielebundle oder sonstige Spezialdeals gewählt. Wenn man bei der Xbox 360 das absolut unbrauchbare Arcade-Modell nicht mitzählt, handelt es sich bei den beiden Versionen um die günstigere der jeweils zwei Optionen.

PlayStation 3

Basispaket für Vergleich: PlayStation 3 Slim mit 120GB HD, ein Controller, ein Mini-USB-Kabel, ein Ethernetkabel, ein Composite Videokabel, 430 Franken

Sony arbeitet fast ausschliesslich mit Industriestandards (ausser beim kombinierten analogen Video-Ausgang, das geht wohl nicht anders), und es ist soweit alles dabei was man braucht wenn man die Konsole ausgepackt hat – mit einer grossen Ausnahmen: dem HDMI-Kabel.

Die Vorteile der handelsüblichen Anschlüsse sind vielfältig: Man kann Headsets oder anderes Zubehör wie Mini-USB-Kabel auch für andere Geräte benutzen, und man muss nicht spezifisch PlayStation3-proprietärem Zubehör nachrennen, was neben Geld auch Platz und Nerven spart.

Hier die Fakten:

  • HDMI-Kabel nicht im Lieferumfang (2m kosten ca. 40 Franken). Alternativ gibt es auch einen etwas günstigeren Komponenten-Video-Adapter (ca. 35 Franken)

  • Optisches Audiokabel nicht im Lieferumfang (ca. 10 Franken für 2m)

  • Beliebiges USB- oder Bluetooth-Headset zusätzlich nötig, falls man online mit Freunden zocken will (ab ca. 30 Franken)

  • WiFi integriert, Optical Sound out integriert, HDMI Standard, Ethernetanschluss, USB-Anschlüsse ohne proprietäre Endverbindungen, Controller standardmässig mit Akku und aufladbar mit normalem Mini-USB-Kabel (im Lieferumfang)

  • Die integrierte Harddisk kann auch von Normalsterblichen mit wenigen Handgriffen gegen eine grössere Version ausgetauscht werden. Für zusätzliche Kapazität kann mit normalen externen USB2-HDs gearbeitet werden, egal von welchem Hersteller (z.B. handelsübliche externe USB2-HD, 500 GB ab 89 Franken)

  • PlayStation Eye (Kamera), bisher noch wenig von Games unterstützt, 45 Franken

  • Benutzung der Onlinedienste sind uneingeschränkt kostenlos für alle zugänglich. Anfängliche Schwächen zum Launch der PS3 sind inzwischen von Sony weitgehend ausgemerzt worden.

XBox 360

Basispaket für Vergleich: Xbox 360 Elite mit 120GB HD, ein Controller, ein Ethernetkabel, ein XBox 360-proprietäres Headset, ein Composite Videokabel, 350 Franken

Microsoft arbeitet wo immer möglich mit proprietären Anschlüssen und eigenem Zubehör. Die Strategie ist offensichtlich: Was bei der Produktion der Konsole eingespart wurde, muss sich der Käufer (mühselig) zusammenkaufen und obendrauf noch unschön aufeinanderstapeln, Beispiel WiFi-Port. Das Zubehör passt sich nicht besonders pflegeleicht in das Gesamtbild ein. Microsoft kassiert und den Kunden ärgerts. Sowas findet unsereiner gar nicht nett.

Sachlage:

  • HDMI-Kabel nicht im Lieferumfang (2m kosten ca. 40 Franken). Alternativ gibt es auch einen noch teureren, proprietären Komponenten-Video-Adapter (ca. 45 Franken)

  • Optisches Audiokabel nicht im Lieferumfang (ca. 10 Franken für 2m)

  • Akku und Ladekabel für Controller nötig (40 Franken, oder Batterieverschleiss bis zum St.Nimmerleinstag)

  • WiFi-Adapter (120 Franken)

  • Nur ein USB-Port, also nichts mit Movie ab USB-Stick und gleichzeitig Controller aufladen

  • Kaum von Games unterstützte Live Vision (Kamera) für 40 Franken

  • Kein Optical Out standardmässig, nur via analogen Videoanschluss und ohne Verwendung von HDMI. Alternativ gibt es einen zusätzlichen proprietären Adapter für HDMI mit Optical Sound-Buchse (50 Franken).

  • Proprietäre externe HDs zu exorbitanten Preisen, 60 GB ab 100 Franken (Vergleich: handelsübliche USB2-HD, 500 GB ab 90 Franken)

  • Benutzung der Onlinedienste für Multiplayergames sind kostenpflichtig, und Neukäufer werden mit Probeabos schnell eingewickelt. Premium-Inhalte sind teilweise temporär exklusiv nur für Top-Kunden mit Live-Gold-Abo zugänglich (ab 30 Franken für 3 Monate).

Fazit

Für das eingangs beschriebene Setup mit HDMI-Video und Optical-Audio, WiFi, inklusive wiederaufladbarem Controller und einem Headset für Onlinegames summieren sich folgende angenäherte Kosten:

  • PlayStation 3: CHF 510 | Basiskosten CHF 430 Zusatzkosten CHF 80 (bestehend aus HDMI- und Opticalkabel, Headset)

  • XBox 360: CHF 640 | Basiskosten CHF 350 Zusatzkosten CHF 290 (bestehend aus HDMI- und Opticalkabel, Akku für Controller und Ladekabel, WiFi-Port, Spezialadapter für Optical Sound Ausgang, Basisabo Xbox Live Gold für 3 Monate)

Eines ist allgemein aus Sicht des Kunden ganz klar: Dieses ganze Zubehör-Trara nervt gewaltig. Sowohl Sony wie Microsoft hätten sich ein paar Freunde machen können mit dem Mitliefern eines HDMI-Kabels. Bei Budgetknappheit unter den Grosskonzernen wäre halt ein kleiner Aufpreis von 20 Franken nötig gewesen, der einem zumindest das nachträgliche Nachrennen erspart hätte. Dieser letzte Satz ist natürlich komplett ironisch gemeint, würde es doch Sony / Microsoft zusätzlich kaum mehr als einen schlappen Fünfliber kosten in derart grossen Mengen HDMI-Kabel einzukaufen und gleich mit in die Box zu packen.

Spitzenreiter im Kundenverschaukeln ist einmal mehr Microsoft, deren halbfertige Hardware mit mühseligem Zukauf bis zum Erreichen derselben Features sogar mehr kostet als eine «fertige» PlayStation 3. Die 360 wirkt zusammengeflickt und wenig durchdacht. Man betrachte sich zum Beispiel das abartig grosse und unförmige Netzteil, mit welchem man locker den Neanderthalern Konkurrenz machen könnte in Sachen Keulen. Auch bei den Lüftern und in der Gesamtkonstruktion hat Microsoft jeden Rappen eingespart wo es nur ging. Die Betriebsgeräusche der 360 machen dementsprechend jedem Staubsauger Angst. Die Launch-PS3 im Wohnzimmer macht nach einiger Zeit mehr Lärm als neu, aber auch nach bald dreieinhalb Jahren ist sie nur halb so laut wie eine neue 360 in Hochbetrieb.

Die Wii zeigt sich bezüglich Zusatzkosten transparenter, da gehen einfach die zusätzlichen Controller mächtig ins Geld (relativ zum Preis der Konsole). Da die Wii aber weder HD-tauglich noch auf Online-Multiplayer ausgelegt ist, fallen viele Optionen eh weg. Darum ist sie im direkten Vergleich hier nicht vertreten.

Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

Bilder


# vor 6 Jahren
kleine anmerkung: die eye toy kamera für ps3 beläuft sich auf "nur" ca. 45.- Fr.

die schlimmste konsole ist meiner ansicht nach die Wii: das ganze tra ra mit den zusatzsachen für die wii controller den man quasi haben muss für den richtigen spielspass... speicherkarten usw. ist zwar günstiger als das ps3 und xbox zubehör aber nerviger da man alles in 3 oder 4facher ausführung haben muss, was ordentlich ins geld gehen kann
mineichenmineichen
 
 


7444
1 3 10
# vor 6 Jahren
Danke für den Hinweis, habe es korrigiert ;o)

Ja, das ganze extensive Zubehör-Theater ist nervig. Zu einem gewissen Teil kann ich das aus Herstellersicht auch nachvollziehen, aber bitte alles im Mass. Das wäre nicht mehr als fair.
DNDN
 
 


10922
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# vor 6 Jahren
Man braucht die Controller für PS3 und Xbox nur deshalb nicht in vierfacher Ausführung weil die meisten Xbox- und PS3-Games keinen guten lokalen Multiplayer-Modus haben. Also nicht wirklich ein Argument für diese Konsolen :-)
LKMLKM
 
 


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3 Kommentare
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