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Ständerat-Motionen gegen Action-Games (Updated)

vor 6 Jahren von Die Redaktion

Nach dem Nationalrat hat nun auch der Ständerat Motionen gegen Action-Games an den Bundesrat geschickt.

Obwohl der Bundesrat bereits einen Bericht zu dem Thema veröffentlicht hat und zum Schluss gekommen ist, dass eine Games-Zensur sowohl nutzlos ist als auch gegen die Verfassung verstösst, haben unsere Politiker nichts besseres zu tun als weiterhin auf diesem Thema herumzureiten.

Die Schaffung einer nationalen und medienübergreifenden Zertifizierungsstelle wie in den Niederlanden wäre mit einem unverhältnismässig grossen Aufwand mit beschränktem Mehrwert gegenüber dem bestehenden System verbunden. Ausserdem würde die notwendige gesetzliche Flankierung der Tätigkeiten einer solchen Stelle die Schaffung von verfassungsrechtlichen Grundlagen auf Bundesebene erfordern.

(Bundesrats-Bericht zur Wirkung von Mediengewalt)

Neue Motionen

Gestern hat der Ständerat trotzdem zwei Motionen an den Bundesrat geschickt, die das Verbot von Action-Games fordern. Einmal mehr setzt sich leider gerade die SP für Kunstverbot und Staatszensur ein. Die NZZ schreibt:

[Evi Allemanns] Vorstoss verlangt ein Verbot der Herstellung, des Anpreisens, der Einfuhr, des Verkaufs und der Weitergabe von Computerspielen mit gewalttätigem Inhalt.

Dass davon vor allem erwachsene Menschen betroffen sind ist den Politikern entweder nicht bewusst, oder ganz einfach egal. Es ist ja okay, wenn man Action-Games nicht gut findet, aber dass man daraus das Recht ableitet, anderen erwachsenen Menschen den Zugang zu diesen Spielen zu verbieten - das ist etwas seltsam und erinnert an andere moralisch motivierte Gesetze, für die wir uns unterdessen schämen müssen.

Nun ist der Bundesrat verpflichtet, aufgrund von Allemanns Motion einen Gesetzesvorschlag auszuarbeiten.

Hallo Internet?

Die ganze Situation ist sowieso absurd. Jeder weiss, dass ein solches Verbot im Zeitalter des Internets nicht mehr durchsetzbar ist. Wir müssen nur die Grenze nach Deutschland überschreiten um dies zu sehen. Das aktuelle Kapitel dieser Geschichte ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Politik mehr mit Populismus zu tun hat als mit dem Versuch, echte Lösungen für echte Probleme zu finden.

Nun wird bald viel Steuergeld ausgegeben um erwachsene Menschen zu zensieren und ein nicht existierendes Problem zu lösen, und das Ganze funktioniert noch nicht einmal - wer die Games will wird sie sich einfach im Ausland kaufen.

Wer mit der aktuellen Entwicklung nicht einverstanden ist, findet unter gamerights.ch und bei der Piratenpartei weitere Infos.

[Update] Beitrag in 10vor10 SF und Tagesanzeiger Printausgabe

10vor10 vom 17.03.2010

Ein sehr guter und differenzierter Beitrag aus 10vor10 vom 17.03., der das "Problem" auf den Punkt bringt. Es handelt sich bei dieser Debatte zu einem Grossteil auch um einen Generationenkonflikt. Ausserdem ist heute in der Printausgabe des Tagis ebenfalls ein (mit Ausnahmen) vernünftig recherchierter Artikel zum Thema zu lesen. Zumindest zeugen diese jüngsten Ausseinandersetzung mit dem Thema seitens gewisser Medien von der Hoffnung auf eine kühle und sachliche Diskussion, und ein allfälliges Referendum dürfte gute Chancen haben. Dank geht an Michi für den Tipp!

[Update 2] Falsches Bild im Tagi - Recherchen ein Fremdwort?

Inzwischen liegt uns auch der Tagi in gedruckter Form vor, und wie so oft hat da mal wieder ein Journalist schwer geschlampt. Auf Seite 5 oberhalb des (eigentlich vernünftig verfassten) Textes ist ein Bild aus Gran Theft Auto 4 abgedruckt, und nicht wie die Bildlegende besagt, eines aus Manhunt 2.

Da kann man sich schon fragen wieso es scheinbar nicht möglich ist, für Artikel im Bereich der Videogames zumindest einigermassen kompetente Schreiberlinge abzustellen in den Schweizer Redaktionen. Peinlich. Was auch extrem stört, ist die über alle heutigen Tagi-Artikel hinweg dutzendfache Erwähnung des Unwortes "Killergames", mit welchem wir uns niemals anfreunden werden.

Screenshot

Das Corpus Delicti

Vielleicht sei an dieser Stelle nochmals zum unzähligsten Mal darauf hingewiesen, dass Videogames niemanden töten. Liebe Journalisten und Politiker, schreibt Euch dies doch bitte endlich mal auf die Kappe. Menschen töten Menschen – Videogames unterhalten Menschen. Das ist doch eigentlich nicht so schwer zu begreifen.

[Update 3] Nun hat die Nachricht auch die USA erreicht

Der besucherstarke amerikanische Gameblog Kotaku hat heute via Gamesmarkt ebenfalls über den Vorstoss gewisser Schweizer Politiker berichtet.

Dabei wird dem Jugendschutz durchaus auch eine gewisse Berechtigung zugesprochen, und eine bessere Lösung als in den USA unterstützt (siehe auch Kommentarsektion). Die Geschehnisse im Parlament von Ende letzter Woche sind also definitiv keine Rohrkrepierer mehr. Interessant ist auch eine Aussensicht auf unsere politische Landschaft zu betrachten, wenn man bedenkt, dass «Volksreferendum» oder «Volksinitiative» im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Fremdwörter sind.

[Update 4] Motion Online

Die Motion von Evi Alleman findet man unter Admin.ch. Am Ende des Beitrags findet ihr eine Liste von mitunterzeichnenden Parlamentariern. Ein Klick auf den Namen zeigt Kontaktmöglichkeiten. Falls ihr für Politiker aus dieser Liste gestimmt habt, schickt ihnen doch eine kurze (freundliche!) Nachricht und erklärt ihnen, weshalb ihr mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden seid. Eine Liste der Ständeräte, die für die Motion gestimmt haben, haben wir leider nicht gefunden. Diese Leute wären wohl empfänglicher für unsere Meinung.

Mögliche Argumente für ein Mail sind beispielsweise:

  • Das Verbot ist nutzlos. Der Effekt ist lediglich, dass Videospiele im Internet geladen werden. Statt Jugendliche zu schützen ist der Effekt, dass der Jugendschutz so ganz umgangen wird.
  • Die meisten Studien finden keine statistisch signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Videogames und Gewalt.
  • Da der Konsum von Videogames steigt, aber Jugendgewalt sinkt kann der Zusammenhang - falls er existiert - nur minim sein. Videospiele deshalb zu verbieten scheint unverhältnismässig.
  • Die Antwort vom Bundesrat auf die Motion findet die Massnahme ebenfalls unverhältnismässig.
  • Studien welche einen Zusammenhang zwischen Medienkonsum und kurzfristigem aggressivem Verhalten finden, finden dies auch bei Filmen, und bei Autorennspielen stärker als bei "brutalen" Spielen; es würden also sowieso die falschen Dinge verboten.
  • Für linke Politiker: Historisch haben sich die linken Parteien immer gegen Kunstverbote und Kunstzensur eingesetzt. Weshalb jetzt die Kehrtwende? Gerade linke, sozialkritische Kunst ist oft von diesen Verboten betroffen. Weshalb also so ein Verbot unterstützen?
  • Für linke Politiker: Viele linke Politiker setzen sich für persönliche Freiheiten ein, und gegen staatlich vorgeschriebene Moral, beispielsweise bei der Drogenpolitik. Weshalb sollen erwachsene Gamer nicht ebenfalls von diesen persönlichen Freiheiten profitieren dürfen, insbesondere wenn mögliche negative Folgen zwischen nicht existent und statistisch nicht signifikant liegen? Bei Drogen sind negative Folgen erwiesen; trotzdem setzen sich linke Parteien (zu recht) für eine Liberalisierung ein.
  • Für rechte Politiker: Erwachsenen Menschen vorzuschreiben welche Spiele sie spielen dürfen ist gegen die liberale, freiheitliche Grundhaltung vieler rechter Parteien. Das Verbot führt zu neuen, teuren staatlichen Strukturen.

Wichtig anzumerken ist, dass wir nicht gegen Jugendschutz sind.

[Update 5]

Dieses "Malcolm in the Middle"-Video von Freaky_Rabbit passt perfekt zum Thema:

Du kannst Die Redaktion, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

Bilder


# vor 6 Jahren
ich hoffe nur das in diesem fall ein verbote wie wasser im heissen öl wirken wird, gewalt spiele gehören zu der gesammten game litertur einach dazu.
brainlessboybrainlessboy
 
 


5518
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# vor 6 Jahren
Eine Motion der beiden Räte bedeutet vorderhand ja noch nicht das Ende aller Tage. Der Bundesrat hat nun einfach den offiziellen Auftrag, sich nochmals mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ein allfälliges Gesetz, das aus dieser Affäre heraus entstehen könnte, muss erstmal ausgearbeitet, mit der Verfassung in Einklang gebracht und nochmals dem National- und Ständerat zur Debatte vorgelegt werden. Sowas passiert so oder so nicht von heute auf morgen. Und bis dann sind auch die diesjährigen Wahlen vorbei. Die Suppe dürfte also in diesem Fall noch weniger heiss gegessen werden, als sie gekocht wurde. Hoffen wir das Beste. Das Medienecho war ziemlich gross diese Woche, und ganz so einfach sollte es mit etwas Unterstützung durch die Gamer-Gemeinde nicht möglich sein, dass sich das Schweizer Volk übertölpeln lässt.

Auf jeden Fall kann es nicht schaden, wenn jeder Gamer auch in seinem Umfeld für etwas mehr Akzeptanz und Verständnis sorgt durch Offenheit und Aufklärungsarbeit.
DNDN
 
 


10922
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# vor 6 Jahren
Immer wenn ich dieses Thema höre dann kommt mir automatisch dieser Ausschnitt vom Malcolm in the Middle in den Sinn:

www.youtube.com/watch?v=0koAJSXoR7Y

(Habe das Video selber ausgeschnitten um euch zu zeigen, is halt nicht die super Quali :P)

Aber es stellt auf eine ironische Art und Weise die Situation dar wie sie im Moment bei uns herrscht. Ich find das passend zu diesem Thema.


Nachtrag: Danke ;)

Dieser Kommentar wurde nach seiner Veröffentlichung vom Autor nochmals geändert.

StephSteph
 
 


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# vor 6 Jahren
Hahaha, super! Ich hab's zum Artikel hinzugefügt.
LKMLKM
 
 


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# vor 6 Jahren
firlefanz-kake...

mich nähms mal wunder wieviele familien zusammen die tagesschau kucken um halb 8 und die berichte von krieg und toten, abgetrennten armen und leid mitbekommen... und das soll nicht schlimm sein für die kids... pahh ! verkauf ab 18 ist ja okey, aber mir als 30jähriger zu sagen was ich gamen darf und was nicht ist ne absolute katastrophe !
mineichenmineichen
 
 


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# vor 6 Jahren
die jugendgewalt, und die brutalität in videospielen hat unumstritten zugenommen. einen kausalen zusammenhang herbeizufantasieren ist zwar nicht abwegig, im endeffekt jedoch nicht mehr als populistische polemik und ein absurdum höchsten grades.

es stellt eine ganze gamer-gemeinde in eine eventuelle täter-ecke, weil
ein paar emotional gestörte honks amok laufen und zufälligerweise ein, uhuu, "killergame" zuhause haben. und völlig unlogischerweise ist jetzt das spiel daran schuld. aber auf gar keinen fall das umfeld, die psyche, die erziehung oder die waffengesetze. ganz grosses kino... :P

die effizienz eines dialoges mit reaktionären individuen wie frau allemann muss ich stark bezweifeln,
denn so ziemlich alles, was von der politik und den medien den "gefahr" stempel aufgedrückt bekommt, wird langfristig von der breiten masse geächtet und mit einem verbot bestraft.

man könnte ebenso gut realistische racing-games für die häufung von "raserunfällen" verantwortlich machen... :P
(ups, hoffentlich hab ich jetzt niemanden auf eine idee gebracht...)

und dass pac-man dafür verantwortlich ist, dass wir heute alle durch dunkle gänge irren, pillen fressen und repetitive elektronische musik hören, weiss ja auch jeder... ;)

ABER wenn es nach Jane McGonigal geht, werden es dereinst die gamer sein, welche die welt retten!

http://www.youtube.com/watch?v=dE1DuBesGYM

ein silberstreifen am horizont...
shinobishinobi
 
 


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# vor 6 Jahren
Dass die Jugendgewalt zunimmt ist seit Jahrhunderten der Fall. Tatsächlich hat sie in den letzten paar Jahren nur unterdurchschnittlich stark zugenommen; gewisse Delikte sind sogar am abnehmen. Nichtsdestotrotz spricht sich beinahe niemand gegen Jugendschutz aus.

Dass Amokläufer oft Videogames zu Hause haben ist insofern kein Zufall, als dass quasi *alle* männlichen Jugendlichen Videogames zu Hause haben :-)
LKMLKM
 
 


10252
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# vor 6 Jahren
hahaha... stimmt! :)

ja es hätte wohl, "brutalität der jugendgewalt und der videospiele" heissen müssen... ;)
shinobishinobi
 
 


10294
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8 Kommentare
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