WHITE KNIGHT CHRONICLES
Testbericht | PS3

White Knight Chronicles

vor 7 Jahren von DN

Bereits vor mehr als einem Jahr ist das RPG «White Knight Chronicles» mit den Giganto-Rittern in Japan erschienen. In der Zwischenzeit kamen einige neue Inhalte und etwas Feinschliff dazu. Ob dies für zusätzlichen Schwung in der Klinge oder eher für Rost an der Rüstung gesorgt hat, sagen wir Euch in unserem Testbericht.

Vorsprung durch Technik?

Gleich nach Füttern der PS3 mit der BluRay-Disc ist eine ausgiebige Installation nötig. Satte 2.8 GB Daten schaufelt das Spiel auf Eure HD. Allgemein sind Lade- und Speicherzeiten relativ lang, was ordentlich merkwürdig scheint anhand eines PS3-exklusiven-Spiels. Andere Titel machen das bedeutend besser und ergonomischer.

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Abgesehen von diesen Umständen ist die Technologie im Spiel einwandfrei, es gibt keine Ruckler oder Textur-Pop-Ins und die Spiellandschaft samt Figuren präsentiert sich smooth und zappelfrei. Hat man also erstmal die Installation erduldet, macht das Spiel richtig was her. Auffällig dabei ist die fehlende Einstellung für den Schwierigkeitsgrad. Entweder passt sich dieser dynamisch an, und dies war schwer erkennbar, oder es gibt schlichtweg keine diesbezüglichen Einstellungen. Es ist nicht besonders schwierig, voranzukommen, wenn man die Heldentruppe ordentlich ausrüstet und die Fertigkeiten ausbildet. Aber mehr dazu später.

Manga it yourself

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Steigt man in das Spiel ein, darf man sich seinen eigenen Anime-Held basteln, je nach Wunsch männlich oder weiblich, gross oder klein, dick oder dünn, hübsch oder hässlich mit allen möglichen Graustufen dazwischen. Extensive Charakter-Design-Optionen sind also vorhanden, entsprechend der Ästhetik des Spiels stark japanisch gefärbt. Es macht durchaus Spass, sich seinen eigenen Manga-Charakter zu gestalten.

Bloss ist die Tatsache in der Folge ziemlich werkwürdig, dass der Hauptcharakter, den man zu Beginn mit einigem Zeitaufwand erstellt, eher eine Nebenrolle einnimmt, und man eh eine ganze Party steuert. Man kann sich also fragen, warum man eine nicht unerhebliche Zeit damit verbringt zu Beginn, den eigenen Charakter zu stylen. Euer Avatar ist ein stummer, meist betroffen dreinblickender Mitläufer in nahezu allen Szenen des Spiels.

Satte Wiesen und krasse Krieger

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Schnell macht sich bemerkbar, dass es keine Sprachausgabe für normale Charakterdialoge gibt, mit Ausnahme der Zwischensequenzen. Hier wäre eine Lösung wie in «Golden Sun» auf dem Game Boy Advance, wo bei Geplapper einfach ein simpler Computerton erklingt, auch eine Möglichkeit gewesen. Das hätte zumindest nostalgische Qualitäten gehabt. So wirkt das Ganze eher etwas flau.

Was die Spielwelt angeht, so darf man sich einigermassen frei bewegen, und die einzelnen Gebiete nach Schatztruhen und Minibossen durchforsten. An manchen Stellen wirken die Umgebungen etwas gewollt in die Länge gezogen, was darin resultiert, dass man teilweise lange Umwege gehen muss. Solange die Welten toll ausschauen, macht einem das wenig aus. Gerade die grünen Ebenen mit Bäumen, grünen Wiesen und Gewässern zu Beginn des Spiels wirken idyllisch. Wehende Gräser, Felsblöcke, lauschige Weiher und eindrückliche Wetterstimmungen sorgen für gute Laune.

Man bleibt also durchaus ab und zu mal stehen und schaut sich etwas die faszinierende Landschaft an. Die Musik und manche Orte die man besucht, erinnern irgendwie ein bisschen an Zelda. Verirren kann man sich nicht, ein Stern auf der Karte zeigt einem jeweils, wo es weitergeht mit der Hauptgeschichte. Toll ist auch die grosse Kartenansicht, auf der man sich weiter bewegen darf, während man sich orientiert.

Es war einmal...

Leider zeigt sich bald, dass sowohl Story als auch Hauptcharakteren eher generisch daherkommen. Das Ganze wirkt zwar solid, aber eben halt auch wenig überraschend.

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Ausnahmen bilden einige einzigartige Figuren wie der Gehilfe des Öberbösen (kleiner Wicht mit Zwirbelschnauz) oder ein pompös inszenierter Stadteinzug eines Gaukler-Zirkus. Diverse Fabelwesen und merkwürdige Gestalten bevölkern die Weiten um das Schloss Balandor, etwa ein überdimensionales Zugtier für einen Karren und dessen Pokemon-mässiger Kutscher-Zwerg und viele andere, und so scheint ein gewisses Mass an humorvoller Komik durchaus gewollt. Das farbenfrohe Abenteuer nimmt sich nicht übermässig ernst, und kommt ohne den in westlichen Landen vorherrschenden düster-grau-dunklen Endzeitton in Fantasy-Games charmant und frisch daher.

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Die lebhafte Verfolgungsstory, aufgelockert mit freiwilligen Nebenaufgaben, die zwischendurch erledigt werden dürfen für zusätzliche Items, Gold und Erfahrungspunkte, verläuft an sich ziemlich linear.

Lerne oder stirb

Bei der Generierung eines Charakters gibt es keine Attributspunkte oder Klassen, die man vergeben kann. Die Kampfaktionen, magischen Fähigkeiten und Eigenschaftstunings gibt es in WKC ausschliesslich via Erfahrungspunkte, die man in einen sehr umfangreichen Fertigkeitsbaum investieren darf.

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Die so gewonnenen Skills dürfen im Mix aus rundenbasiertem und Echtzeit-Kampf eingesetzt werden. Rundenbasiert trifft zwar eher wenig zu, da man sich frei bewegen und Aktionen auswählen darf, in etwa nach dem Prinzip von Sacred 2, aber die Moves benötigen jeweils etwas Zeit zur Regeneration. Die meisten Aktionen benötigen gleich viel Zeit, und so ergibt sich ein ansatzweiser rundenkampf-ähnlicher Rythmus.

Zusätzlich zu den «normalen» Aktionen kann man sogenannte «Actionchips» ergattern mit dem Ausführen von Standardattacken. Diese ACs darf man dann für die Verwandlung in den überdimensionierten Superkrieger, den weissen Ritter, oder für sonstwie aufwändige Attacken einsetzen. So ergeben sich taktisch interessante Kämpfe, da man sich überlegen muss, wie und wann man die Actionchips einsetzt. Sei es für die White-Knight-Verwandlung (welche ein bisschen wie Powerrangers anmutet) oder für spezialisierte Angriffsaktionen, die Chips sind meist höher in Nachfrage als im Angebot. Trotzdem lohnt es sich, diese nicht zu horten, sondern zu verpulvern.

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Wer im Kampf fällt, darf ab dem letzten Logikstein wieder einsteigen. An diesen ausreichend oft vorkommenden Stellen darf man sich heilen, Zeugs reparieren auf magische Weise und natürlich den Fortschritt speichern.

Die Mitstreiter verhalten sich im Kampf einigermassen vernünftig, was nerven kann ist das Umschalten auf ein anderes Ziel. Gerade wenn man zum Megakrieger mutiert ist und eigentlich z.B. einen Riesentroll bearbeiten sollte, muss man allenfalls vom ausgewählten Ziel einer Riesenwespe auf das andere Opfer umschalten. Dies geht nicht einfach per Knopfdruck, und sowas strapaziert das Nervenkostüm. Sonst macht das Getümmel ziemlich Spass, man darf Kombos erstellen, Gegner in die Luft schleudern und mit massenhaft Magieattacken losrötzen. Das alles lässt sich frei kombinieren.

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Hilft alles nichts, kann man an den meisten Stellen die Flucht ergreifen, oder monsterversuchte Gegenden grossräumig umgehen.

Wem die Singleplayer-Kampagne zuwenig Anreize bietet, dürfte Online auf die Kosten kommen. Zusammen mit Freunden sich auf Abenteuerreise zu begeben hat durchaus einen gewissen Reiz. Man ist jedoch geneigt zu sagen, dass Level 5 besser daran getan hätte, die Einzelspieler-Story noch etwas feiner zu schmieden, statt den (zugebenermassen gelungenen) Online-Modus mit einzubauen. Gerade die Integration der Figur des Spielers, die man zu Beginn zurechtschnitzt, scheint ziemlich ausserhalb des Spielfeldes irgendwie.

Fazit

Die Langzeitmotivation ist etwas fraglich. Wenn man sich an den schönen Umgebungen und dem gigantischen Aktions- und Magie-Fähigkeitsausbau erfreuen kann, dürften die eher generische Story und die paar Ecken im Gameplay weniger ein Problem darstellen. Das Spiel lässt einfach ein wenig den eigenen Charme vermissen, den die Vorgänger wie Rogue Galaxy aus der gleichen Spiele-Schmiede eben mitbrachten. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass einige Charakteren und Kapitel in «White Knight Chronicles» etwas generisch wirken.

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Die Präsentation ist fantastisch, entgegen der Meinung anderer Gametester. Dieses Spiel ist optisch und akkustisch auf höchstem Niveau – falls einen die japanische Dudelmusik bekannt aus Zelda und Co. nicht speziell stört. Besonders die Grafik ist wahrlich eine Pracht, etwas anderes zu behaupten ist schlichtweg nicht objektiv. Diese positive Meinungsäusserung kommt wohlgemerkt nach bereits vor längerer Zeit getätigtem God-Of-War-3-Durchlauf.

Aus allen Beobachtungen ergibt sich zusammengefasst eine Kaufempfehlung mit Einschränkungen: Wer RPGs und speziell japanische RPGs liebt, darf hier durchaus zugreifen ohne lange Überlegungen. Wer nur ab und zu RPGs anspielt und kein ultimativer Fantasy- oder Manga-Fan ist, darf getrost auf eine günstigere Platinum-Ausgabe warten. Wer aber mit Animes und typisch japanischen Spielen generell wenig anfangen kann, oder nicht geneigt ist, einiges an Zeit in ein Spiel zu investieren, dem sei hier abgeraten.

Wir bedanken uns bei Sony für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken


Zweite Meinung von LKM

Wenn man gerade eine Viertelstunde lang seine perfekte Spielfigur zusammengebastelt hat, nur um dann festzustellen dass man (falls man die Figur nicht manuell wechselt) gar nicht mit dieser Figur spielt, dann ist man zunächst schon etwas überrascht. Der Hauptcharakter spielt in der Geschichte leider eher eine Nebenrolle.

Grafisch gehört das Spiel nicht zu den PS3-Top-Games. Wenn man gerade Heavy Rain gespielt hat und dann auf White Knight Chronicles wechselt wirken die Figuren schon etwas Detail- und leblos.

Das Kampfsystem ist robust, wird aber ohne grosses Tutorial innert kürzester Zeit eingeführt. Wer nicht regelmässig JRPGs spielt ist hier zunächst von den vielen Optionen stark überfordert.

Alles in allem ist White Knight Chronicles ein kompetentes JRPG, welches allen Fans dieses Genres zu empfehlen ist. Genre-Neulinge werden sich nach einer etwas steilen Einstiegslernkurve gut zurechtfindet. Wer bisher JRPGs nicht besonders interessant fand, wird in diesem Spiel allerdings nichts finden was seine Meinung ändert.

judgementbox
White Knight Chronicles
Positiv

Tolle Präsentation und Grafik, langlebiger Co-Op-Modus (online), motivierender Städtebau (Georama), extensive Items plus Upgrades und Fertigkeitsausbau, große Gegner mit unterschiedlichen Trefferzonen für taktische Kämpfe, praktische Kartenfunktion

Negativ

Relativ geringe Gegnervielfalt, merkwürdig stummer Spielercharakter ohne Storybezug, lange Lade- und Speicherzeiten trotz obligatorischer Festplatteninstallation

Alleine spielen: Nur für Fans.
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Nur für Fans.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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White Knight Chronicles
Erhältlich für PlayStation 3
Von Level 5 (Developer), Sony (Publisher)