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Meinung

Nachtnotiz: 1UP, top down - ein Nachruf

vor 8 Jahren von DN

Mit grossem Bedauern habe ich heute erfahren, dass eine meiner Lieblings-Gamesites, www.1UP.com, den Besitzer (sprich Mehrheitsaktionär) gewechselt hat. Diesmal also nichts mit Finanzkrise oder so, hier ging's wirklich nur um die schnelle Kohle (okay, ja, kennen wir irgendwoher) und vielleicht noch um irgendwelche Hahnenkämpfe im Hintergrund. Scheinbar war die bisherige Besitzerin Ziff Davis Media seit längerem schon in Geldnot gewesen.

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Das Ganze wäre an und für sich kein Drama, aber als Folge der Übernahme wird die Publikation der amerikanischen Gamezeitschrift EGM (Electronic Gaming Monthly) eingestellt, die sich seit fast 20 Jahren gegen starke Konkurrenz zu wehren vermochte und ihren eigenen Style dabei ständig verfeinert hat.

Und auch dies wäre natürlich zu verkraften, wäre da nicht noch die Hammermeldung gewesen, die mich echt mal kurz vom Hocker gehauen hat: 30 Redaktoren verlieren per sofort ihren Job, darunter einige der besten englischsprachigen Gamejournalisten auf dem Planeten (1UP soll weitergeführt werden, frage mich bloss wie - vom Praktikanten und von der Empfangsdame?).

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Als direkte Folge werden die 1UP-Show, sowie der Podcast und sämtliche anderen Eigenproduktionen der Site, eingestellt.

Dabei war gerade die 1UP-Show nun wirklich eine Perle unter den hochgezüchteten hyperventilierenden Scheinwerferfressern, die es sonst häufig zu ertragen gilt, wenn es um Gameshows geht (natürlich gibts da Ausnahmen, aber leider wenige). Die 1UP-Ausgabe war ehrlich, witzig, in den Büros und an anderen Schauplätzen gedreht, und man besprach in erster Linie Games, und viele Szenen zeigten die 1UPers auch beim Gamen. Dies ist einfach immernoch die ehrlichste Art über Games zu berichten, eigentlich nicht so schwer. Der Betrachter kriegt den Eindruck mit im Raum zu sein, wie wenn einem ein guter Freund sein neustes Spiel demonstriert.

Die ausschliesslich über's Internet vertriebene Sendung im Zwei-Wochen-Rythmus hatte ganz einfach Charme, und die Kritiken und Auseinandersetzugen hatten Hand und Fuss. Die Leute wussten von was sie sprachen. Der Soundtrack war jeweils Sahne, und je nach Thema gingen die 40 Minuten runter wie Öl. Schade, schade, schade!

Und hier komme ich auf meine eigentliche Meinung: Es ist mir von A bis Z unverständlich wie man derart machtversessen und des Wissens um das Game-Biz unmächtig sein kann, etwas derart Idiotisches zu veranlassen. 1UP.com gehört zusammen mit Gamespot.com, IGN.com und Gamespy.com sicherlich zu den populärsten, zuverlässigsten und attraktivsten Gameportalen überhaupt. Bloss war 1UP von all den Giganten die weitaus menschlichste, charmanteste und auch von Design und Usability her gesehen die zugänglichste Site irgendwie: Von Gamern für Gamer, weniger geprägt von Management-Denken und sehr nah an den Leuten dran.

Dies konnte man heute auch an den vielen Feedbacks auf die Hiobsbotschaft bei Kotaku oder Joystiq deutlich erkennen. Es war wie wenn ein Bus voller Freunde ins Niemandsland geschickt worden wäre.

In dem Sinn: Viel Glück für die Zukunft, Freunde, und lasst Euch nicht unterkriegen!

Das Opfer des kapitalistischen Terroranschlages, www.1UP.com

User-Reaktionen auf Joystiq.com

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