Testbericht | PS3
ModNation Racers
Als ModNation Racers angekündigt wurde, wurde es oft mit LittleBigPlanet verglichen. Die Spieler können für das Kart-Racing-Game eigene Tracks entwerfen, genau wie sie für LittleBigPlanet eigene Plattformer-Levels entwerfen können. Die Kreations-Tools sind echt gut gelungen und einfach zu bedienen. Nach kurzer Zeit kann man komplexe Rennstrecken mit Abkürzungen, Fallen und Powerups zusammenbasteln. In den selber erstellten Tracks kann man dann übers Internet oder lokal gegen andere Spieler antreten. Als Nintendo 1992 Super Mario Kart auf den Markt brachte, hat die Firma mit dem Spiel ein neues Genre gegründet. In den letzten 20 Jahren haben sich viele Vertreter in diesem Genre versucht, aber abgesehen von wenigen Ausnahmen wie den Crash-Kart-Spielen auf den PlayStation-Konsolen waren keine dieser Games in irgend einer Weise bemerkenswert. Einzig die Mario-Spiele blieben konstant beliebt, und konnten Jahr für Jahr überzeugen. Was viele der Mario-Konkurrenten nicht verstanden haben ist die einfache Tatsache, dass der eigentliche Star eines Kart-Spieles die Rennstrecke ist. Die beste Physik, lustige Charaktere und geniale Grafik machen jedes Kart-Spiel zu einer Gähn-Party wenn die Rennstrecken nicht unterhaltsam sind. United Front Games, die Macher von ModNation Racers, haben dies erkannt. In ihrem Spiel sind die Rennstrecken ganz offiziell die Stars des Spiels. Und deshalb beginnt dieses Review nicht wie sonst üblich mit Bemerkungen zur Grafik oder zum Gameplay, sondern mit dem Level-Editor. Eigene Strecken gestaltenWer ModNation Racers startet, kommt zuerst in einen Hub. Von hier aus gelangt man in den Karriere-Modus des Spiels, in den Multiplayer-Modus, man sieht populäre Strecken, Charaktere und Autos, und man kann den Editor aktiveren. Der Editor ist das eigentliche Herzstück vom Spiel. Hier gestaltet man seinen Avatar, sein Auto, oder eine ganze Rennstrecke. Während der Auto-Editor und Avatar-Editor eher einfach und zweckmässig gehalten ist, zeigt das Spiel beim Rennstrecken-Editor seine wahren Muskeln. Mit einer Asphalt-Verlegemaschine fährt man zuerst die gewünschte Form der Rennstrecke ab. Ein Metermass zeigt an, wie viel "Asphalt" man noch hat (d.h. wie lange die Rennstrecke noch sein kann). Drückt man auf X, so beendet die Maschine die aktuelle Rennstrecke und fährt automatisch an den Beginn der Strecke zurück, so dass man die Strecke nicht selber genau fertigmachen muss. Mit dem rechten Stick kann man die aktuelle Höhe der Strecke ändern; so ist es einfach möglich, über früher verlegte Streckenstücke hinwegzufahren und Brücken oder sogar Spiralen zu bauen. Als nächstes kann man die Strecke feintunen; die Breite der Strasse kann individuell angepasst werden, die Strasse kann geneigt werden (was vor allem in engen Kurven nützlich ist). Abkürzungen und Verzweigungen können eingebaut werden. Mit einem Berge-Editor macht man Berge, Täler und Seen, und pflanzt Gras auf dem Boden. Wetter und Licht können ebenfalls beeinflusst werden. Danach platziert man Powerups, Bäume, Häuser, Absperrungen, Schanzen und ähnliche Elemente auf der Strecke. Wer will kann dies auch automatisch machen lassen und danach von Hand anpassen. Neben diesen Elementen hat man auch Zugriff auf komplexere "Bausteine". Beispielsweise kann man Brücken nachträglich auflösen, so dass der Spieler mit einer Schanze über das neu entstandene Loch hüpfen muss. Oder man kann "Trigger" einbauen, die spezifische Aktionen (wie Feuerfallen, oder Absperrungen) aktivieren wenn der Spieler sie auslöst. Der Editor ist sehr einfach zu bedienen. Wer will kann sich Tutorial-Filme anschauen, die nicht nur erklären wie der Editor funktioniert, sondern auch nützliche Tipps für interessante Levels geben. Es ist nämlich gar nicht so einfach, wirklich unterhaltsame Rennstrecken zu bauen. Es lohnt sich definitiv, die Filme anzuschauen. Obwohl der Editor einfach zu bedienen ist bietet er nämlich viele fortgeschrittene Features; wer will kann schon mal einen Tag vor dem Editor sitzen bevor er alles gesehen hat, was es hier zu entdecken gibt. Wer das Spiel länger spielt kann ausserdem zusätzliche Elemente freischalten. Wie bei LittleBigPlanet ist der Editor auch hier ein richtiges kleines Spiel-im-Spiel, welches mindestens ebenso viel Spass macht wie das "Hauptspiel." Schade ist, dass die Länge der Rennstrecken begrenzt sind. Wirklich lange Strecken sind in ModNation Racers nicht möglich. Diese Beschränkung zeigt sich auch im normalen Spiel. Alle Rennstrecken sind eher kurz gehalten. Wer sich länger mit dem Editor auseinandersetzt findet früher oder später Dinge, die nicht umsetzbar sind. Alles in allem ist es aber erstaunlich, wie viel man mit einem derart einfach benutzbaren Tool erreichen kann. GrafikEs ist ein gutes Gefühl, endlich ein Kart-Spiel in HD zu sehen, aber was hier wirklich interessiert ist die Framerate. Und wo es wirklich zählt - in den eigentlichen Rennen - kann ModNation Racers absolut überzeugen. Das Spiel läuft butterweich mit konstant stabiler Framerate, auch wenn 12 Gegner gleichzeitig über die Strecke fetzen und verschiedene Dinge am explodieren sind. Einzig negativ fällt auf, dass die Kameraperspektive im Spiel etwas zu niedrig ist. So fehlt oft die Weitsicht, und wenn man eine Strecke noch nicht kennt ist es teilweise nicht ersichtlich, worauf man gerade zufährt - ein Boost-Pad, oder eine Falle? In diesem Zusammenhang wäre auch eine Kart-Kamera (mit Sicht aus der Perspektive des Fahrers) witzig gewesen. Die hübsche, farbenfrohe Grafik macht einfach nur Spass. Einzig im Hub bricht die Framerate stark ein, das stört aber nicht weiter, weil man sich selten mehr als ein paar Sekunden im Hub aufhält. GameplayNormalerweise sind wir uns von Kart-Spielen ein Gameplay gewöhnt, welches sehr Anfängerfreundlich ist. Auch wer das erste mal Mario Kart auf der Wii spielt kann mit erfahrenen Spielern einigermassen mithalten; die Steuerung ist einfach, und Spieler in den hinteren Ränken werden mit einer dynamischen Beschleunigung und speziell starken Powerups "belohnt". ModNation Racers reiht sich nicht in diese Gruppe von anfängerfreundlichen Kart-Spielen ein. Das Spiel hat so viele Features dass einige der Knöpfe auf dem Gamepad doppelt belegt sind; ein Defensiv-Mechanismus verlangt taktisches Spielen, und wer nicht dauernd auf der Hut ist wird von den gnadenlosen Computergegnern abserviert. Die Kart-Physik ist tadellos gelungen. Man fühlt sich sofort wie zu Hause und driftet bereits beim ersten Versuch mühelos um die Kurven. Wie bei Burnout füllt man so einen Boost-Meter auf. Der Boost-Meter kann aber nicht nur für einen kurzen Turbo verwendet werden. Er ist ausserdem ein Defensiv-Mechanismus. Wer will kann damit vorübergehend ein Schild aktivieren, welches vor gegnerischen Attacken schützt. Dies gibt dem Spiel einen taktischen Aspekt. Soll man eher auf Speed spielen und möglichst Distanz zwischen sich und die Gegner bringen, oder soll man sich den Boost sparen, so dass man sich gegen Ende der Runde vor gegnerischen Attacken schützen kann? Auch die Powerups haben in ModNation Racers einen taktischen Aspekt. Wendet man ein Powerup nicht direkt an, so kann man es durch das aufnehmen von weiteren Powerups "verbessern". Bis zu drei Stufen gibt es für jedes Powerup, und auch hier stellt sich damit dauernd die Frage: Wann macht es Sinn, ein Powerup trotz tiefem Level zu verschwenden, und wann wartet man lieber bis man es verstärken kann, mit der Gefahr dass man es bei einer gegnerischen Attacke ganz verliert? Wie von Kart-Spielen gewohnt kann man in ModNation Racers den Windschatten der Gegner ausnützen. Zusätzlich gibt es hier aber die Möglichkeit, Gegner seitlich anzugreifen. Mit dem rechten Stick kann man andere Autos seitlich rammen, was vor allem auf der Zielgeraden oft zu verzweifelten Kämpfen um den ersten Platz führt. Der erste Platz ist einem in diesem Spiel übrigens überhaupt nicht garantiert. Die Computergegner verhalten sich extrem aggressiv und sind intelligent genug, um Abkürzungen und Powerups gut auszunützen. Die etwas kurz geratenen Strecken habe ich bereits angesprochen. Ansonsten ist das Design der vorgefertigten Rennstrecken tadellos. Die Strecken sind abwechslungsreich, übersichtlich, und bieten genügend Abkürzungen und clevere Ideen dass sie auch nach mehrmaligem Durchspielen noch unterhaltsam bleiben. Die vorgefertigten Rennstrecken dienen somit auch als gute Inspirationsquelle für selber hergestellte Tracks. MultiplayerEin Online-Modus gehört bei PS3-Spielen mittlerweile ja zur Standard-Ausstattung. Was oft fehlt ist dafür ein Splitscreen-Modus. ModNation Racers enttäuscht hier im Gegensatz zu vielen anderen Games nicht. Das Spiel bietet nicht nur einen tadellos umgesetzen Split-Screen-Modus für zwei Spieler, bei dem jeder Spieler die volle Breite des Fernsehers ausnützen kann. Das Game bietet zusätzlich einen Vier-Spieler-Splitscreen, der absolut perfekt läuft; trotz der Tatsache dass die PS3 vier Bilder gleichzeitig auf den TV bringt bleibt die Framerate absolut stabil. Davon dürfen sich viele andere Games gerne eine riesige Scheibe abschneiden; so muss lokaler Multiplayer technisch umgesetzt werden. Wie bereits angesprochen ist ModNation Racers weniger anfängerfreundlich als Mario Kart. Das hat positive und negative Folgen. Einerseits ist das Spiel so interessanter für erfahrene Gamer. Andererseits fällt es Anfängern oft schwer, den Zugang zu dem Spiel zu finden. Wenn man sich mit ein paar Freunden zum Game-Abend trifft die sonst nicht viele Videogames spielen, dann eignet sich ModNation Racers nicht; als Multiplayer-Game für Nicht-Gamer ist ModNation Racers kaum geeignet. Bei unserem Spiele-Test haben viele Anfänger nach kurzer Zeit verzweifelt aufgegeben; ständig auf dem letzten Platz herumzukurven macht ganz einfach keinen Spass, und es gibt keine Möglichkeit, einzelnen Spielern ein Handicap zu geben. Ganz perfekt ist der Offline-Multiplayer-Modus allerdings nicht: Es können nur einzelne Rennen gefahren werden, einen Cup-Modus wie bei Mario Kart (bei dem mehrere Spieler über mehrere Rennen gegeneinander antreten können) sucht man hier vergeblich. OnlinePer Online-System kann man nicht nur in Rennen antreten, sondern auch Rennstrecken austauschen. Es besteht kein Zweifel, dass wir hier wie bei LittleBigPlanet bald hunderte von genialen und innovativen Strecken finden werden. Bereits heute findet man schnell interessante Tracks. Da die Tracks nur klein sind — maximal ein paar Megabytes — dauert das Herunterladen eines neuen Tracks bloss Sekunden. Leider ist Download und Spielen in ModNation Racers getrennt, man kann also nicht im Download-Modus einen Track wählen und ihn gleich befahren, sondern muss ihn zuerst runterladen und dann im Renn-Modus wählen. Neben dem Track-Austausch bietet der Online-Modus auch die Möglichkeit, gegen andere Leute Rennen zu fahren. Wie beim Splitscreen-Modus fehlt hier die Option, einen ganzen Cup zu fahren. Man kann online lediglich einzelne Rennen fahren. Man findet schnell Gegner, und sobald vier Gegner gefunden wurden kann das Rennen gestartet werden. Bis zu 12 Spieler können an einem Rennen teilnehmen. Besonders cool ist, dass man optional auch mit zwei lokalen Spielern (per Split-Screen) Online-Rennen fahren kann. Wenn da nur nicht die Ladezeiten wären...... dann wäre ModNation Racers rundum perfekt. Das Spiel lädt beinahe 4 GB Daten auf die PS3-Disk (was übrigens lange dauert und langweilig ist — dass man eine Installation interessant machen kann hat beispielsweise Heavy Rain bewiesen). Trotzdem erinnern die Ladezeiten zu stark an PS1-Zeiten. Vom Start der PS3 bis zum Start vom ersten Rennen können schon einmal dreieinhalb Minuten vergehen, hauptsächlich verursacht durch lange Ladezeiten. Das selbe Bild zeigt sich beispielsweise beim Multiplayer-Modus: Spielt man auf dem Sofa gegen ein paar Freunde und wechselt den Track, so wartet man alles in allem schnell mal zwei Minuten bis das nächste Rennen startet. Die Ladezeiten sind nicht so schlimm dass sie den Spielspass verderben. Trotzdem darf man von einem PS3-Spiel mehr erwarten. Laut dem Entwickler des Spiels soll das Problem in einem Update behoben werden. Bleibt zu hoffen dass dieses Update bald erhältlich sein wird. FazitModNation Racers ist definitiv und mit grossem Abstand das beste Kart-Spiel für HD-Konsolen. Der Level-Editor ist extrem mächtig und macht Spass, die vorgefertigten Tracks sind vielseitig und farbenfroh, die Spiele-Physik ist perfekt, und auf den lokalen Multiplayer-Modus können andere Games nur neidisch sein. Mario hat im Karting-Genre endlich Konkurrenz bekommen. Wir bedanken uns bei Sony für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken
ModNation Racers
Positiv
Genialer Track-Editor, tolle Physik, unterhaltsame Tracks, definitiv mit enormem Abstand das beste Kart-Game für HD-Konsolen Negativ
Lange Ladezeiten, maximale Streckenlänge ist begrenzt, Renn-Perspektive für ein Kart-Spiel etwas zu tief angelegt
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.
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