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Acht Videogames-Mythen

vor 6 Jahren von LKM

Henry Jenkins, Professor am MIT, hat vor kurzem einen Artikel über acht Videogames-Mythen veröffentlicht. Darin erwähnt er acht verschiedene Märchen, die die Öffentlichkeit über Videogames glaubt, und vergleicht diese Ideen mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Hier eine kurze Zusammenfassung der acht Punkte, die er erwähnt.

Gerücht 1: Der freie Zugang zu Videogames hat zu mehr Jugendgewalt geführt

Wahrheit: Gemäss offiziellen Statistiken ist die Jugendkriminalität in den USA auf einem 30-Jahre-Tief. Dazu kommt, dass jugendliche Kriminelle vor ihrer Festnahme weniger Medien konsumiert haben als der durchschnittliche Jugendliche. Dass man Videospiele mit Gewalt in Verbindung bringt führt gleich zu zwei Problemen: Es führt zu falschen Verdächtigungen von unschuldigen Jugendlichen, und es lenkt die Aufmerksamkeit von den tatsächlichen Quellen von Jugendgewalt ab.

Gerücht 2: Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Action-Games und aggressivem Verhalten bei Jugendlichen

Wahrheit: Solche Aussagen basieren laut Jenkins auf der Arbeit von einer kleinen Gruppe Forschern, die "Medieneffekte" studieren. Es gibt etwa 300 Studien in diesem Bereich, aber die meisten zeigen keine Effekte, und viele weisen methodologische Fehler auf.

Gerücht 3: Kinder sind der Primärmarkt für Videospiele

Wahrheit: Eine Mehrheit der Gamer ist mehr als 18 Jahre alt.

Gerücht 4: Frauen spielen keine Videospiele

Wahrheit: Immer mehr Gamer sind weiblich; eine Mehrheit der Spieler von Flash-Spielen im Web sind Frauen.

Gerücht 5: Spiele werden verwendet, um Soldaten auszubilden. Ergo haben sie den selben Effekt auf "normale" Gamer

Wahrheit: Spiele bringen den Gamern tatsächlich neue Fähigkeiten bei. Gamer suchen eher nach neuen, besseren Lösungen für Probleme, und formulieren und testen Hypothesen schneller. Es gibt keine objektiven Hinweise darauf, dass dies einen negativen Effekt auf die Spieler hat, im Gegenteil.

Gerücht 6: Videogames sind keine bedeutende Ausdrucksform

Wahrheit: Moderne Spiele sind oft als "Sandkasten" für ethische Fragen gedacht, in denen Spieler mit relevanten Entscheidungen und deren Konsequenzen konfrontiert werden. Kein anderes Medium kann das Gefühl von "Schuld" auf die Art vermitteln, wie es ein Videospiel kann; viel stärker als andere Medien kann ein Videospiel uns dazu bringen, unsere eigenen Überzeugungen und Werte in Frage zu stellen.

Gerücht 7: Videospiele führen zu sozialer Isolation

Wahrheit: Videogames sind ein soziales Medium. 60% aller Gamer spielen oft mit Freunden, 33% spielen mit Geschwistern, 25% mit Lebenspartnern oder Eltern. So gut wie alle modernen Spiele sind für mehrere Spieler entwickelt, und auch Einspieler-Games werden oft von mehreren Spielern gleichzeitig gespielt. Online-Systeme verbinden Spieler auf der ganzen Welt und lassen sie miteinander kommunizieren. Während Gamer sich im Spiel bekämpfen, kommen sie sich im echten Leben näher.

Gerücht 8: Videospiele führen zu Desensibilisierung

Wahrheit: Studien mit Primaten zeigen, dass diese Tiere (dazu gehören wir Menschen) klar zwischen Spiel-Kampf und echtem Kampf unterscheiden. Genau gleich wie (insbesondere junge) Primaten (inklusive Menschenkinder) miteinander kämpfen ohne sich weh zu tun und ohne aggressive Gefühle zu entwickeln, spielen wir auch in Videogames diese Kämpfe ohne uns zu verletzen, und ohne aggressive Gefühle zu entwickeln. Eine Desensibilisierung für "echte" Gewalt ist bei solchem Verhalten nicht feststellbar; es handelt sich um ein natürliches Verhalten, welches alle Primaten zeigen.

Den ganzen Artikel von Henry Jenkins könnt ihr auf English auf pbs.org lesen.

Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

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