MEINUNG
Meinung | PS3

Killzone 2 Demo - Erster Eindruck

vor 8 Jahren von DN

Der Ansturm auf den europäischen PlayStation Store war gross am frühen Donnerstagabend, als die grosse Öffentlichkeit zum ersten Mal die Chance erhielt, das vieldiskutierte und ultra-gehypte Spiel von Guerrilla Games selber auszuprobieren. Da ich die Entwicklung des Spiels seit dem vermeintlichen "Gameplaytrailer" von der E3 2005 genau mitverfolgt hatte, war ich ebenfalls sehr gespannt auf den Testdrive.

Nun, nach einem 1.2 GB schweren Download geht's also auf zum Planeten Helghan, zum intergalaktischen D-Day. Bereits im Anflug auf den Strand, wo die Landung stattfinden soll, bricht die Hölle los. Kaum (bruch)gelandet, hagelt es von überall her Kugeln, FLAK-Feuer zerplatzen im Himmel, weitere Landungsschiffe fliegen über einen hinweg, Detonationen erschüttern den Controller in der Hand: Willkommen im Krieg.

Screenshot

Die Demo ist ziemlich kurz, man darf und soll sich aber durchaus Zeit lassen um die Spielumgebung etwas genauer unter die Lupe nehmen. Auf Anhieb wird klar dass die Entwickler sehr nah an den damaligen ersten CGI-Trailer rangekommen sind. Nicht unbedingt pixelgenau, aber darum ging's wohl im Endeffekt gar nicht. Das Gefühl eines Teufelsritts mitten in eine grossangelegte Schlacht kommt voll rüber, und die Grafik dürfte wohl das meiste bisher Dagewesene auf Konsolen in den Schatten stellen.

Screenshot

Die Farbgebung und die Lichteffekte stellen sogar den CGI-Trailer in den Schatten, die Bodentexturen sind derart real, dass man schon fast meint, man könne die Kieshaufen und Sandflächen anfassen. Die Soundkulisse kann locker mit Hollywood-Blockbustern mithalten und die Action ist angenehm kernig. Feuert man in einem geschlossenen Raum die Waffe ab, klingt es eher dumpf, wogegen in einer Halle sich der Knall weit fortsetzt.

Über die Präsentation wurde aber sonstwo schon mehr als genug geplappert, was mich eigentlich am meisten interessierte waren die Gefechte mit den Helghast. Die Jungs sind wirklich erstaunlich clever, und dies sogar auf dem (leider im Demo fix eingestellten) zweitleichtesten Schwierigkeitsgrad (von gesamthaft vier).

Screenshot

Sie agieren unterschiedlich, je nach dem welche Deckung zur Verfügung steht, ob sie in Über- oder Unterzahl sind, und wie sonst die Begebenheiten der Umgebung sich präsentieren.

Screenshot

Sie ducken sich bei Beschuss, hechten in Deckung, bewegen sich dahinter hin und her, schiessen mitunter auch blind darüber hinweg, teilen sich auf, versuchen den Spieler zu flankieren oder aus dem Sichtfeld zu gelangen. Es kommt auch vor dass einer eine Ladehemmung hat und fluchend auf sein Sturmgewehr eindrischt. Fantastisch!

Eindrücklich sind auch die Reaktionen der Gegner, wenn sie getroffen werden. Bei Granatenexplosionen hinter ihnen halten sie sich beim Fallen am Rücken, trifft man sie beim Laufen an den Beinen fallen sie vorwärtes auf die Nase, Treffer an der Schulter reissen die armen Verteidiger ihres Planeten herum, unter Umständen fallen sie hin, rollen kurz benommen zur Seite und stehen wieder auf, und so entsteht gesamthat ein sehr glaubwürdiger Eindruck eines "echten" Gegners. Sie sind durch ihre leuchtend roten Sturmmasken-Augen auch gut von der gleichfarbigen Umgebung zu unterscheiden, wenn sie sterben erlischen die Lichter langsam.

Da man Teil einer Invasion ist, strömen auch regelmässig verbündete Soldaten um einen herum, und die Mitglieder der eigenen Squad begleiten den Spieler fast überallhin. Die Helghast bekämpfen dabei alle ISA-Truppen gleichmässig, was wiederum das "Dabeisein"-Gefühl verstärkt. Man selbst ist bloss ein Teil eines Ansturms, nicht das Zentrum davon. Leider ist kein echter Co-Op Modus geplant, was diesem Spiel schon im Vorfeld der Veröffentlichung etwas einen bitteren Nachgeschmack verleiht, da es sowohl vom Design wie auch vom Setting her wie dafür gemacht scheint. Wer weiss, vielleicht liefert da GG noch etwas nach via Downloads.

Aber zurück zur Action: Jeder abgegebene Schuss hat einen spürbaren Effekt, auf allen Materialien und Oberflächen entstehen Einschusslöcher, die auch nicht nach ein paar Sekunden wieder verschwinden. Getroffene kleine Ölkannen platzen unter einem schwarzen Schwall von Flüssigkeit auf, Treffer auf Metall führen zu einem Funkensprühregen, auf den Boden einschlagende Kugeln lassen etwas Staub und Dreck aufwirbeln, viele Objekte werden durch die Kugeln deformiert. Deckungen und Objekte lassen sich z.t. zerstören, leichtere Objekte werden von Explosionen kreuz und quer durch die Gegend geschleudert, wie auch die Gegner.

Screenshot

Die Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig, da weniger auf Speed getrimmt als auf "echt", es lohnt sich aber auf jeden Fall die Sensibilität etwas raufzuschrauben und das Kontrollschema Alternativ 2 (à la Call Of Duty 4) einzustellen. Mir persönlich sagt das Feeling des Spiels sehr zu, da man nicht das Gefühl hat auf nem Schlachtfeld rumzuschweben mit einem Lastwagengrossen Rucksack voller Knarren ohne Gewicht auf dem Rücken. Killzone 2 ist schwerer, dreckiger, kerniger, aber trotzdem nicht plump oder lahm.

Neu ist das sogenannte "Lean and Peak", also die Möglichkeit hinter allen möglichen Objekten selber in Deckung zu gehen und aus der Deckung heraus die Gegner unter Beschuss zu nehmen. Im Gegensatz zu Rainbox Six: Vegas bleibt man dabei in der Egoperspektive, und das System funktioniert sehr flüssig und gut einsetzbar. Da Killzone 2 kein Ich-bin-der-Kriegsgott-Spiel ist, wo man einfach durchrennen und draufloshenkern kann, ist dieses Deckungssystem öfters sehr nützlich. Man stirbt ziemlich schnell, sogar im zweitleichtesten Schwierigkeitsgrad, wenn man nicht ein wenig Taktik in das eigene Vorgehen einfliessen lässt.

Zu Werke gehen darf man mit fünf verschiedenen Waffen im Verlauf der Demo, darunter die Magnum mit unbeschränkter Munition, sowie dem Messer. Neben Messer und Revolver kann man jeweils nur eine Hauptwaffe mit sich rumtragen, was einige taktische Überlegungen erfordert und ebenfalls das "Echt"-Gefühl steigert.

Screenshot

Wenn man bedenkt, dass die Software, die im Demo eingesetzt wurde, wohl nicht ganz dem neusten Stand der fertigen Verkaufsversion entspricht, macht das ganze erst Recht ziemlich Eindruck. Die seltenen eher unscharfen Texturen und wenigen sonstigen Bugs dürften also in der Ende Februar erscheinenden Vollversion behoben sein.

Der Teufel sitzt im Detail, und wenn man im Jahr 2009 einem Shooter eine neue Dimension verleihen will, muss man als Entwickler wohl genau an diesen präzise und vielfältig arbeiten. Meines Erachtens hat dies GG mit Bravour geschafft, die Waffenanimationen, die Authentizität der Bewegung und der Kulisse, die vielen Kirschen auf dem Kuchen der Präsentation und die kernigen Gefechte machen Killzone 2 leichterhand zu einem frühen Favoriten für den Titel "Actiongame des Jahres". Wer auf Action und Shooter steht, kommt um diesen Titel auf der PlayStation 3 sicherlich nicht herum.

Nicht besonders gelungen sind die manchmal etwas halbschlauen Statements der Mitstreiter, sowie die Reanimationen von verletzten Compagnons. Hier hat GG etwas geschludert, was so gar nicht in's Bild passt. Der ursprüngliche Trailer hatte auch wesentlich die kernigeren Schussgeräusche, diejenigen im Spiel wirken manchmal etwas zuwenig satt für meinen Geschmack.

Ein umfassender Testbericht folgt Ende Februar zum Release der Vollversion. DN out.

Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


Das könnte dich auch interessieren:


Abonniere Kommentare zu diesem Artikel.ch als RSS-Feed
Killzone 2
Erhältlich für PlayStation 3
Von Guerrilla Games (Developer), Sony (Publisher)