THE HOUSE OF THE DEAD: OVERKILL
Testbericht | Wii

The House of the Dead: Overkill

vor 7 Jahren von LKM

Nintendo's Wii ist vor allem für die kinderfreundlichen Spiele bekannt. Dabei geht ganz vergessen, dass die Konsole auch eine ganz ansehnliche Bibliothek an guten Spielen für Erwachsene bietet. The House of the Dead: Overkill gehört definitiv in die zweite Kategorie.

Von den zwei grossen Zombie-Franchises war Resident Evil schon immer das "ernstere" Spiel, während The House of the Dead eher für die amüsanten Momente gesorgt hat. Nie war das klarer sichtbar als bei den zwei neusten Versionen der beiden Spiele. Resident Evil 5 ist ein ernstes Spiel, spielt auf einem ernsten Kontinent und wird auf ernsten Konsolen veröffentlicht. The House of the Dead dagegen erscheint auf der "lustigen" Konsole und nimmt so ziemlich alles auf die Schnippe, was im Zombie-Bereich Rang und Namen hat.

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Schon die Verpackung vom Spiel schlägt die richtigen Töne an. Die verblichene Farbe und das sich langsam auflösende Papier erinnert daran, dass wir uns hier in eine andere Zeit begeben, und der Spieler wird darauf aufmerksam gemacht, dass der Inhalt "in color" sei und ausserdem "like something out of a videogame!"

Planet Terror

In den 60er-Jahren waren die "Exploitation"-Filme beliebt und bekannt: Filme mit kleinen Budgets, die bestimmte Themen übertrieben und populistisch darstellten. Qualität war irrelevant, dafür konnten Themen wie Sexualität, Drogen oder Rassismus aufgriffen werden, die für "normale" Filme nicht geeignet waren.

Quentin Tarantinos Filme waren schon immer stark von den Exploitation-Filmen beeinflusst. Sein Grindhouse-Projekt war eine direkte Homage an diese Filme. Und die Grindhouse-Filme wiederum waren die Inspiration für The House of the Dead: Overkill.

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Und damit schliesst sich der Kreis: Im Jahre 2009 erhalten wir ein Spiel welches von zwei Filmen aus dem Jahre 2007 inspiriert wurde, welche als Homage an ein Film-Genre aus den 60er-Jahren gedacht waren.

Zombie Strippers!

Diese Kette an ironischen Satiren bildet den Kontext, in dem der tiefschwarze Humor des Spiels zu verstehen ist. Mittlerweilen sollte klar sein, dass The House of the Dead: Overkill keine konsistente Story bietet, keine tiefgründigen Charaktere enthält und nicht an die höhere Natur des Spielers appelliert. Statt dessen wird hier alles veräppelt und nichts ernst genommen.

Wer also leicht zu beleidigen ist sollte sich dieses Spiel definitiv nicht besorgen.

Faster, Pussycat! Kill! Kill!

Die Präsentation des Spiels kann absolut überzeugen. Sobald man das Spiel gestartet hat wird man in das Grindhouse-Universum entführt. Als erstes spielt ein Film-Intro, in dem man auf die verwendete Farb-Technologie und ähnliches aufmerksam gemacht; natürlich ist alles in faux-verblassten Farben gehalten, und kleine Staubflocken flittern über den Bildschirm, als ob man wirklich in einem altmodischen Kino sitzen würde.

Sobald man die erste Mission beginnt bekommt man ein kurzes Intro zu sehen, welches im Stil eines Kinofilm-Trailers gehalten ist, komplett mit den für die Grindhouse-Filme typischen Schnittfehler (in einem Bild wird einem Charakter eine Brille von der Nase gehauen. Im nächsten Schnitt sitzt die Brille wieder auf seiner Nase, und nach einem weiteren Schnitt ist sie wieder verschwunden).

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Im Intro erfährt man, dass "Agent G" und sein unfreiwilliger Partner Issac Washington ("Named after my dad. And that shit's biblical, so how about having a motherfucking bit more respect!") eine Zombie-Invasion stoppen müssen. Die Story ist - ebenfalls dem Genre entsprechend - absolut wirr und hat grosse Logik-Lücken, und natürlich wird bald ein leicht bekleideter weiblicher Charakter eingeführt.

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"Motherfuck! what does a brother have to do to pacify a bitch!"

Dem Thema entsprechend ist die Sprache kaum für Kinder geeignet. Es vergeht kein Satz, ohne dass nicht mindestens zwei oder drei mal "fuck" oder "shit" gesagt wird.

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Die Story und die Texte sind aber trotzdem interessant und gut geschrieben und immer für einen Grinser zwischendurch gut.

"I'm alive! I'm motherfucking still alive!"

"Yeah, just my luck."

Auch musikalisch erinnert das Spiel an Filme wie Pulp Fiction. Die musikalische Untermalung passt perfekt zum visuellen Bild des Spiels, und die Effekte und Voice-Overs (mit der typischen tiefen Männerstimme, die die Geschicht erzählt und regelmässig in ernstem Tonfall "Extreme Violence" ankündigt) sind einfach fantastisch gemacht.

Einzig die teilweise einbrechende Framerate stört die tolle Präsentation des Spiels.

Two Thousand Maniacs!

Das Gameplay des Spiels ist simpel: Es handelt sich um einen Rail-Shooter. Die Kamera bewegt sich mehr oder weniger automatisch, und man hat die Aufgabe, die erscheinenden Zombies zu erschiessen bevor sie einem Schaden zufügen. Das Spielgeschehen wird aufgelockert, indem man ab und zu "normale" Menschen vor den Zombies retten muss. Ausserdem kann man an gewissen Stellen durch geschicktes Schiessen einen Modus aktivieren, in dem das Spiel vorübergehend in Zeitlupe weiterläuft.

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Was das Spiel von anderen Rail-Shootern unterscheidet ist ausserdem die Möglichkeit, das Bild durch Zielen auf den Bildrand zu bewegen. So kann man umherschauen. Meistens greifen die Zombie-Horden aber so regelmässig an, dass dazu nicht vel Zeit bleibt.

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Rail-Shooter können oft recht schnell langweilig werden. Das ist bei The House of the Dead: Overkill glücklicherweise nicht der Fall. Die Gegner sind unterhaltsam und verhalten sich unterschiedlich, je nach dem wie man sie angreift. Die Levels sind extrem kreativ und vielseitig. Die Architektur der Gebäude im Spiel ist abwechslungsreich (unter anderem schiesst man sich durch einen Spital, komplett mit halb operierten Zombies auf Operationstischen und den obligatorischen Zombie-Krankenschwestern, oder durch einen Zirkus, in dem man einen Abschnitt auf einer Geisterbahn fährt und zwischen echten und falschen Zombies unterscheiden muss).

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Während dem Spiel wird man durch Kommentare von Agent G und Issac Washington unterhalten, die ab und zu bei besonders miesen Zombies oder bei aufgefundenen Menschenleichen Sätze wie "this shit ain't right" bringen.

Zuletzt sind die Levels recht kurz gehalten. So wird man regelmässig von Cut-Szenen über den Weitergang der Geschichte informiert, was den Spielfluss etwas auflockert.

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Mit im Spiel gewonnen Geld können neue Waffen und andere Dinge freigeschaltet werden. Gute Spieler können einen "Director's Cut" freischalten, in dem noch mehr Zombies zu finden sind.

Das Spiel macht schon alleine viel Spass; wer mag, kann es mit einem Freund zusammen durchspielen (oder beide Rollen gleich selber übernehmen und mit zwei Pistolen bewaffnet durch die Levels rennen).

Last House on Dead End Street

Neben dem Hauptspiel gibt es auch drei Minigames, die man mit bis zu vier Spielern spielen kann: "Money Shot", eine Schiessbude; "Stayin' Alive", ein Game in dem man sich gegen dauernd grösser werdende Zombie-Horden verteidigen muss; und "Victim Support", in dem man Zivilisten vor Zombies beschützen muss.

Die Spiele machen durchaus Spass und sind ein nettes Bonus-Feature für ein tolles Spiel.

Bad Girls Go to Hell

Unterhaltsame Gegner, eine tolle Story, die fantastische Präsentation und der erwachsene Humor machen The House of the Dead: Overkill zu einem absolut einzigartigen Spiel. Wer Rail-Shooter mag oder auf Filme wie Planet Terror steht muss diesen Titel im Spiele-Regal haben.

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Wir empfehlen ausserdem den Kauf von Gun-Shells wie beispielsweise den Blaster Pro von Hama. Dieses Plastik-Teil verwandelt die Wii-Fernbedienung in eine Pistole, was etwas bequemer zu bedienen ist und das Spielgeschehen noch intensiver macht.


judgementbox
Diverse
Positiv

Fantastische Story, tolle Grafik, unterhaltsames und motivierendes Gameplay, überzeugende Parodie der Grindhouse-Movies, witzige Story und Writing, gute Homage an alte Zombie-Filme

Negativ

Framerate bricht teilweise ein

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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