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Die Zukunft der Videogames - On Demand

vor 8 Jahren von DN

An der Game Developers Conference in San Francisco vor zwei Wochen sorgte eine reizvolle Zukunftsvision bezüglich interaktiver Unterhaltung für Aufruhr: Vorbei die Zeiten von teuren Maschinen, die einem den Platz im Wohnzimmer verstellen, und wo unter Umständen sogar mehrere Game-Büchsen sich gegenseitig um die Gametime streiten.

Neben all den Meldungen und Berichten zu neuen Games, coolem Zubehör und Kampfreden der Videogame-Giganten Microsoft, Nintendo und Sony, gab es einige wirklich aussergewöhnliche Neuigkeiten. Eine der meistdiskutierten an der Konferenz: Ein Gerät, das zu einem günstigen Preis High-End-Gaming via Internet-Stream verspricht. Das Zauberwort heisst "OnLive".

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OnLive ist ein Videogames-On-Demand-Service, welcher mittels einem günstigen PC zuhause und Datenstreaming via Internet die technologisch forgeschrittensten Games flüssig und in voller Power bieten soll - ohne Hochrüsten, ohne technische Probleme durch fehlende Patches und dem ganzen restlichen Ärger.

Möglich wird diese Idee vom Hersteller Rearden durch sogenanntes "Cloud Computing", wo Datenpackete auf mächtigen Grossrechner-Servern verteilt gerechnet und dem Endkunden zuhause vorgerendert geliefert werden.

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Alles was man zusätzlich braucht ist ein kleiner PC oder eine Minikonsole zuhaus, die den Controllerinput (Maus, Tastatur, Gamepad, u.a.) aufnimmt und mit etwas Arbeitsspeicher die Wiedergabe sicherstellt. Denkbar wäre, dass die Hardwarehersteller sich auf die Produktion von Controllern beschränken würden, die universell kompatibel mit diesen OnLive-Maschinen wären.

Das grösste Problem bei dieser Idee stellt der Lag dar, also die kleine Verzögerung, die via Internet entstehen kann. Andererseits zeigen neuste Versionen von Onlinegames wie World Of Warcraft oder Killzone 2 Multiplayer, dass sich diese Verzögerung auf ein unmerkliches Minimum reduzieren lassen. Sind die Lags im Milisekunden-Bereich, ist dies für den Spieler nicht wahrnehmbar.

Mal abgesehen davon haben wir alle wohl schon leichte Einbrüche in der Systemleistung erlebt in der Vergangenheit, wo es unter Umständen zu Rucklern gekommen ist auf unserer Konsole oder dem PC durch nicht ausreichende Rechenleistung, bzw. schlecht kompilierten Code. Mit minimen Lags zwischendurch könnte die Gamerwelt also wohl im Notfall durchaus leben.

OnLive ist momentan noch in der Testphase und noch nicht marktreif, die Idee klingt aber extrem vielversprechend.

Man mag gar nicht aufhören zu fantasieren darüber, was sowas bedeuten würde: Keine Abhängigkeit mehr von Hardwareherstellern, je nach Lust und Laune ein Wii-Game, ein PS3-Exclusive oder den neusten 360-3rd-Person-Shooter einwerfen - vielleicht auch das neuste Echtzeit-Strategie-Spiel in vollen Details und maximalem Grafiksetting? - und das alles bequem von der Couch aus, dargestellt in Full HD auf dem grossen Plasma-Screen. Keine vollen Regale mehr mit Gameschachteln, unter Umständen sogar Plattform-übergreifende Onlineabenteuer, und keine hohen Anschaffungskosten mehr für einzelne Spiele. Diese Entwicklung wäre streng genommen nichts anderes als was in den letzten Jahren im Musikbusiness oder im Filmgeschäft sich bereits vollzogen hat.

Der Haken an der Sache: Fehlt der Internetanschluss, ist fertig lustig. Ein temporärer Netzausfall dürfte also wesentlich mehr Ärger bringen als in der Vergangenheit, obwohl ein solcher bereits heute natürlich sämtlichen Online-Game-Freuden ein kurzzeitiges Ende bereitet.

Kein Wunder also sind Gamedeveloper-Grössen wie Warren Spector, Will Wright und Peter Molyneux von der Idee vollkommen begeistert, würde eine solche Technologie doch der Wandel hin zu einer universellen und sich permanent auf State Of The Art befindenden Konsole ermöglichen.

Vorbei der Tanz um Exclusives und die allzuoft kindischen Kindergartenparolen der Hardwarehersteller, sei es im Bereich der Konsolen oder im Bereich der Grafikkarten.

OnLive rocks!

Zweite Meinung von LKM

Im Lag (oder Latency oder Ping) liegt hier der Hund begraben. Hat der Input vom Controller keinen Unmittelbaren Einfluss auf das Spielgeschehen, so wird OnLive für den Spieler zur grossen Enttäuschung. Da die Steuereingaben vom Spieler zuerst an einen entfernten Server geschickt und dann das Spielbild zurück zum Spieler muss wird das Lag-Problem zu einem beinahe unlösbaren Hindernis.

Vergleichbar mit aktuellen Online-Spielen ist das nicht, weil bei diesen der Input des Spieler sofort lokal gerendert wird. Erst später wird bei einem Multiplayer-Spiel auf dem Server das Verhalten des lokalen Spielers mit den Eingabedaten der anderen Spielern zusammengefügt. Deshalb sieht man in Online-Spielen oft, dass sich die anderen Spieler ein bisschen seltsam Verhalten und gelegentlich über das Spielfeld teleportieren; die eigene Spielfigure verhält sich aber meist vorhersehbar und ist ohne Lag steuerbar.

OnLive hat den Luxus nicht, die Eingaben des lokalen Spieler sofort auf den Screen rendern zu können. Wer also eine Internet-Verbindung mit hoher Latency hat wird mit OnLive nie ein zufriedenstellendes Spielvergnügen haben. Crytek vermutet, dass die Technologie etwa 2013 soweit ist dass so ein System möglich wird.

Das zweite grosse Problem von OnLive ist der Spieleinhalt. Third-Party-Entwickler wird man für die Idee wohl begeistern können. Die wichtigsten Spiele stammen aber nach wie vor von den First-Party-Entwicklern: Microsoft, Sony und Nintendo. Und diese werden keine Fremdplattform unterstützen, die eine Konkurrenz zu der eigenen Plattform darstellt.

Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

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# vor 8 Jahren
Ja, natürlich ist das alles komplette Zukunftsmusik. Vorerst wird sowas nicht fliegen, aus verschiedenen Gründen, wie LKM treffend festhält. Trotzdem ist der Gedanke sehr reizvoll und dürfte einiges an Sprengkraft bieten hinsichtlich dessen, wie die Videogameindustrie heutzutage funktioniert.
DNDN
 
 


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