MADWORLD
Testbericht | Wii

MadWorld

vor 8 Jahren von LKM

Nach dem überzeugenden House of the Dead: Overkill bringt Sega bereits das nächste für Kinder ungeeignete Wii-Spiel auf den Markt. Wie auch bei House of the Dead orientiert sich das Spiel am aktuellen Hollywood-Kino und beruft sich gleichzeitig auf ein bereits etwas älteres Videospiel-Genre. Und erneut vermag die Kombination zu überzeugen.

Vor fünf Jahren, mitte 2004, gründete der japanische Videospiel-Konzern Capcom ein internes Label für innovative Games. Das Label wurde Clover Studio genannt und sorgte für eine Reihe von fantastischen Games wie Viewtiful Joe oder Ōkami, bis es wegen mangelndem kommerziellem Erfolg 2006 geschlossen wurde. Die ehemaligen Mitglieder des Studios verliessen daraufhin Capcom und gründeten ein eigenes Studio namens Platinum Games. Heute, drei Jahre später, bringt das mit vielen Vorschusslorbeeren versehene Studio endlich die ersten Spiele auf den Markt, darunter MadWorld, ein Spiel für die Wii.

Publiziert werden die Platinum-Spiele von Sega. Sega scheint auf der Wii einen bisher wenig bearbeiteten Markt für Spiele die sich ausschliesslich an Erwachsene richten gefunden zu haben. The House of the Dead: Overkill haben wir bereits angeschaut. Heute ist MadWorld an der Reihe.

Sin City, Double Dragon und Stephen King

Wie The House of the Dead: Overkill orientiert sich auch MadWorld am aktuellen Hollywood-Kino. Während House of the Dead stark von den Grindhouse-Movies von Tarantino und Rodriguez beeinflusst war, ist MadWorld grafisch gesehen faktisch eine interaktive Version von Sin City.

Sin City

Wie auch Sin City verzichtet MadWorld abgesehen von einigen blutroten Zwischentönen gänzlich auf Farbe und sogar auf Graustufen, was dem Spiel zu einer extrem reinen, schroffen Ästhetik verhilft.

Schroff

Die parallelen mit House of the Dead hören damit aber noch nicht auf. Wie House of the Dead versucht MadWorld, einem bereits verloren geglaubten Genre neuen Atem einzuhauchen. House of the Dead hat dem Rail-Shooter zu einem neuen Leben vorholfen. MadWorld versucht das Selbe mit den Prügel-Spielen, die zu Super-Nintendo-Zeiten äusserst beliebt waren.

Double Dragon

Und wie bei House of the Dead handelt es sich bei MadWorld nicht ein Spiel, welches für Kinder geeignet ist. Die Story orientiert sich an dem japanischen Film Battle Royale und an Stephen King's The Running Man. Nachdem Terroristen einen Bereich der Stadt übernehmen und darin einen Virus freilassen wird bekanntgegeben, dass nur diejenigen ein Gegenmittel bekommen, welche an einer Game-Show namens DeathWatch teilnehmen. Jack, der Protagonist des Spiels, nimmt deshalb (scheinbar) unfreiwillig an der besagten Show teil. In der Show geht es mehr oder weniger einzig darum zu überleben.

Bike

Wie bei King nimmt die Story bald tiefere Züge an und man erfährt, dass Jack nicht per Zufall rechtzeitig zum Terror-Anschlag zur Stelle war, und dass mehr als nur ein paar Terroristen hinter der ganzen Sache stecken. Die Story bietet zwar weit mehr Tiefgang als man von einem simplen Prügel-Spiel erwarten dürfte, mit einem Shakespeare-Stück oder mit Konkurrenz zu GTA IV hat man es hier storytechnisch aber trotzdem nicht zu tun.

Tony Hawk mit Kettensägen

Das Gameplay orientiert sich nicht nur an den Prügel-Spielen aus SNES-Zeiten, sondern interessanterweise vor allem auch an Extreme-Sport-Titeln wie Tony Hawk's Pro Skater. Es geht in dem Spiel nämlich nicht darum, den Weg durch die Levels zu finden und dabei die Gegner auszuschalten. Statt dessen hat die Game-Show an der man teilnimmt ein Punkte-System. Ziel des Spieles ist, innerhalb einer vorgegebenen Zeitlimite genügend Punkte zu erzielen und dann einen Boss-Gegner zu besiegen. Punkte erzielt man durch die Kombination von verschiedenen Aktionen. Wer einen Gegner nur verprügelt erhält wenig Punkte. Wer ihn zuerst bewegungsunfähig indem er ihm einen Autoreifen überstülpt, und ihn dann auf einen anderen Gegner wirft so dass beide in einen Abfallcontainer fallen, der kriegt schon sehr viel mehr Punkte für diese Aktion.

Weiss, Schwarz, Rot

MadWorld ist nicht besonders lang, was aber genau genommen kein negativer Punkt ist - das eher etwas repetitive Gameplay führt dazu, dass man nach einigen Stunden mehr oder weniger alles gesehen hat was das Spiel zu bieten hat.

MadWorld ist äusserst brutal und definitiv nicht für Kinder geeignet. Abgesehen von der Story des Spiels und der darin verwendeten Sprache sind auch die Aktionen die man zum Gewinnen der Game-Show ausführen muss im Allgemeinen sehr blutig. Der abstrakte grafische Stil des Spiels führt glücklicherweise dazu, dass man die Brutalität weniger stark wahrnimmt und das Ganze bisweilen sogar komische Züge annimmt.

Multiplayer

MadWorld hat einen unspektakulären Multiplayer-Modus, in dem man zu zweit Minigames spielen kann. Ein Coop-Modus fehlt leider.

Fazit

MadWorld ist ein solides Spiel. Vor allem grafisch kann es absolut überzeugen und zeigt, dass Art Direction eben immer noch wichtiger ist als schiere Hardware-Power - das Spiel braucht sich vor keinem PS3- oder Xbox-360-Game zu verstecken. Die erwachsene Story und die extreme Brutalität des Spiels machen es zu einem Erlebnis, welches nicht für Kinder und wohl auch für viele Erwachsene ungeeignet ist.


judgementbox
MadWorld
Positiv

Fantastische Grafik, ein "erwachsenes" Spiel auf der Wii, Gameplay und Story vermögen zu überzeugen, altes Spiele-Genre wird wiederbelebt

Negativ

Extrem brutal, Gameplay wird nach einiger Zeit etwas repetitiv, nicht sehr lang

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Vermeiden!
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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