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Urteil im Pirate Bay Prozess: Schuldig!

vor 8 Jahren von DN

Das Schiff scheint zu sinken - wenn auch mit wehenden Fahnen. Neun Tage dauerte das gerichtliche Verfahren rund um die schwedische p2p-Site www.piratebay.org. Die vier in Stockholm lebenden Betreiber wurden für schuldig befunden, das Raubkopieren von urheberrechtlich geschütztem Material zu fördern, und wurden zu je einem Jahr Gefängnis unbedingt und gesamthaft umgerechnet rund vier Millionen CHF Busse verurteilt.

Dieser Ausgang war sicherlich eher erstaunlich, und entsprechend überrascht war die p2p-Community wohl weltweit als das Urteil bekannt wurde am Freitag.

Bisher war man in der Szene davon ausgegangen, dass sich p2p-Netzwerke nur schwerlich rechtlich verfolgen lassen, und dass durch das Zerstückeln nicht genau festgehalten werden kann, wer, wann und wo genau die illegalen Daten zur Verfügung stellt. Theoretisch und technisch ist dies aber durchaus möglich.

The Pirate Bay Four, wie die Betreiber sich auch nennen, waren sich ihrer Sache ziemlich sicher gewesen, was den Ausgang des Verfahrens angehen würde. Sie sahen sich als Serviceprovider ohne direkten Anteil am eigentlichen Austausch von illegalen Kopien, was ja an sich richtig ist. Scheinbar sah dies das schwedige Gericht anders.

Die Betreiber der Site werden gegen das Urteil Berufung einlegen, und liessen verlauten, dass die Site auf jedenfall weiterbetrieben werde. Die geschätzen 20 Millionen Nutzer weltweit werden es ihnen danken, aber wie es ausschaut gibt es jetzt wirklich massive Bemühungen aus der Musik- und Filmindustrie, solche Netzwerke lahmzulegen. Auch Games (v.a. auf der PC-Plattform) sind beliebte "Tauschartikel" auf solchen und ähnlichen Websites. Regierungen weltweit haben natürlich ein gewisses Interesse daran, solchem Treiben Einhalt zu gebieten, da für sie dadurch einiges an Steuereinnahmen und Gebühren flöten geht.

Lasst uns wissen was ihr von der Sache hält, und wohin Eurer Meinung nach sich diese ganze Geschichte weiterentwickelt.

Update

Laut neusten Nachrichten ist der verantwortliche Richter bei diesem Verfahren, Tomas Norström, in diverse schwedische Organisationen verwickelt, die den Schutz des Urheberrechts zum Ziel haben. Diese Organisationen stehen in direktem Zusammenhang mit der Klägerschaft, der Unterhaltungsindustrie. Damit wäre die logische Konsequenz eigentlich die, dass das Urteil nicht sauber ist, da ein Interessenkonflikt besteht. Falls es also zu einem Berufungsverfahren kommt (worauf momentan alles hindeutet), dürfte diese Sachlage nicht unterschätzbar in's Gewicht fallen für eine eventuelle Aufhebung des Urteils.

www.mashable.com hat die Details (englisch)

Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

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# vor 8 Jahren
Wo soll ich da nur anfangen?! Ich lade mir seit Jahren selber Files aus dem Netz, geb ich zu. Angefangen mit dem berümt berüchtigten Nepster, dann über ander Torrents, zwischenzeitlich von grossen privaten Server (der grösste war 8TB gross!) ond nun eigentlich aussschliesslich nur noch von One Click Hostern wie Rapidshare und Co. Für was eigentlich frag sich sicher mancher und genau da kommt der riesen Vorteil dieses Dienstes: man kann sich Sachen runterladen und anschauen oder ausprobieren. Mal im Ernst: Bei all dem Schrott der Heute produziert wird, um einfach "nur" Geld zu machen, muss man sich einfach einen Eindruck machen können, ohne es sich gleich kaufen zu müssen! Ich selber versuche nach und nach alles was ich mir runterlade auch zu kaufen, vorausgesetzt es ist gut, macht Spass und es auch verdient gekauft zu werden!

Nur von einer Demo oder eines Trailers lass ich mich nicht beeindrucken! Und in den Laden gehen und sagen, "Sorry, aber ich habe vorgestern The Tribe gekauft und der ist sowas von schlecht, ich will den zurückgeben!", das geht ja nicht... Ihr wisst wie ich es meine.

Wohin das führt. Ich denke nicht sehr weit. Das Torrent Netz kränkelt schon seit längerem immer mehr. Ich denke es werden vermehrt One Click Hoster und private Server zum Einsatz kommen. Das Torrent Netz wird irgenwann "aussterben" denk ich mal, da es zu unsicher ist. Jeder Anfänger fängt mit Torrent an, ist einfach so. Was ich mir aber auch vorstellen kann ist das sich mit der Zeit die Leute der Film, Musik und Gameindustrie auf einen Deal einlassen mit den Betreibern solch grosser Seiten. Eher unwarscheindlich aber ich denke es ist ein riesiger noch nicht voll entdeckter Markt.
StephSteph
 
 


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# vor 8 Jahren
Illegal kopierte Spiele sind für den Videospiele-Markt ein riesiges Problem. 80% - 90% aller gespielten Spiele wurden illegal kopiert. Gerade Spiele für "Hardcore-Gamer" sind davon übermässig betroffen. 20% der Gamer bezahlen für die restlichen 80% mit - wenn alle für die Spiele bezahlen würden, müsste weniger dafür verlangt werden. Andererseits würde nur ein Bruchteil der 80% tatsächlich Geld für die Spiele ausgeben wenn sie sie nicht kopieren könnten; wir alle waren mal jünger und hatten nicht genug Geld für Videogames. Wir hätten auch dann nicht mehr Spiele gekauft wenn wir sie nicht hätten kopieren können.

Dass so viele Spiele illegal kopiert werden war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Früher gab's dafür Kopierschutz auf Disketten oder diese Code-Räder, mit denen man zum Spielstart einen speziellen Code eingeben musste, um das Spiel starten zu können. Genützt hat's nichts, kopiert wurden die Spiele trotzdem - zusätzlich hat man einfach die Code-Räder auf dem Xerox-Kopierer der Schule dupliziert.

Genau so wenig wie die Disketten mit Kopierschutz wird dieses Urteil irgend einen Einfluss auf kopierte Spiele haben. Statt offene Systeme wie BitTorrent werden in Zukunft einfach vermehrt völlig anonyme Systeme verwendet, die es verunmöglichen, Leute zu identifizieren oder strafrechtlich zu verfolgen.

Problematisch ist dieser Fall vor allem auch, weil er ein Präzedenzfall ist. The Pirate Bay ist keine ausschliesslich illegale Site. Viele der Inhalte auf der Site sind völlig legal. Die Site wird von ihren Benutzern aber oft für illegale Zwecke verwendet, wobei aber kein illegaler Inhalt auf der Site selbst gespeichert wird. Die Inhaber der Site tun also selber nichts illegales, sie stellen lediglich eine Site zur Verfügung, mit der Besucher illegale Dinge tun können.

Nun die Inhaber der Site zu verurteilen ist extrem gefährlich, weil man sie für das Verhalten ihrer Besucher verantwortlich macht. Das ist etwa das Selbe, als ob ein Mörder in der Migros ein Messer kaufen und jemanden umbringen würde und man danach die Migros für den Mord verantwortlich machen würde. Ist nun etwa Facebook dafür verantwortlich, wenn ein Facebook-Mitglied über Facebook ein Torrent-File veröffentlicht? Ist Google verantwortlich, wenn jemand über Google ein Torrent-File findet?
LKMLKM
 
 


10252
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# vor 8 Jahren
Oh, ein besseres Beispiel als die Migros wäre vielleicht die Post. Postsysteme gehören zu den weltweit grössten Drogenverteilern, aber sie werden nicht dafür verantwortlich gemacht, statt dessen verfolgt man die eigentlichen Drogendealer. The Pirate Bay sollte gleich behandelt werden: die Site ist ein neutraler Service, der für legale und illegale Dinge verwendet werden kann, genau wie das Postsystem. Verfolgt werden sollte nicht The Pirate Bay, sondern die Leute, die mit der Site illegale Dinge tun, genau wie man nicht die Post verfolgt, sondern die Dealer, die mit der Post Drogen versenden.
LKMLKM
 
 


10252
4 6 10
# vor 8 Jahren
Ein gutes Beispiel muss ich sagen. Allerdings könnte man dies ohne Grenzen Ausweiten ;) Ist der Vatikan verantwortlich das viele Prister "Kinderliebhaber" sind...?! Naja, lassen wir das. Ein Ende wird es nie geben im Raubkopier-Geschäft. Allerdings ist nun mal der Betreiber einer Seite, die so öffentlich auch illegales Material anbietet, rechtich anfechtbar, dass sollten die wissen. Wenn man noch einen Schritt weiter gehen würde müsste man all jene Personen verfolgen welche diese Raubkopien überhaupt in den Umlauf bringen (Der effektive Ursprung) Aber mal erlich, findet man einen, macht ein anderer Weiter, ist nun mal so. Da kann man die ganze Menschheit verurteilen, bringt nun mal nichts.
StephSteph
 
 


9812
0 2 11
# vor 8 Jahren
Es ist eben nicht klar, dass die Betreiber solcher Sites rechtlich gesehen für eine Straftat verantwortlich sind. The Pirate Bay bietet ja kein illegales Material an, sondern Torrent-Files. Das illegale Material ist nicht auf den Servern vom Pirate Bay, sondern auf den Computern der Benutzer von Pirate Bay.
LKMLKM
 
 


10252
4 6 10
# vor 8 Jahren
Na ja, es ist eben wie gesagt momentan rechtlich gesehen streitbar, ob Leute wie die Pirate Four was illegales tun oder nicht. Das Pirate-Bay-Urteil ist wie LKM richtigerweise festhält, ein Präzedenzfall, an das sich die Gerichte weltweit in Zukunft halten können. Das Urteil zeigt aber in aller Klarheit, dass die Rechtssprechung der technologischen Entwicklung hinterherhinkt, wie das schon immer der Fall war. Wenn die p2p-Netzwerke verschwinden, wird sich der Austausch illegaler Daten in anonymisierte Alternativsysteme verschieben (wie Freaky_Rabbit richtigerweise annimmt), und dies wiederum würde eine strafrechtliche Verfolgung von Raubkopierern weiter erschweren. Die Unterhaltungs-Industrie als Produzenten von Musik, Film, Videogames u.a. sollte sich konstruktiverweise eher um eine Annäherung an das p2p-Phänomen bemühen, als dem Austausch von Daten weiter Vorschub zu leisten mit hohen Preisen und Machtgehabe. Nehmen wir als Beispiel die iPhone-Games: Kein Spiel kostet mehr als 10 Franken, die meisten sogar deutlich weniger, und dies trotz teilweise hohen Entwicklungskosten. Der tiefe Preis schafft allerdings wenig Anreiz, sich die Spiele anderweitig zu beschaffen. Dies ist ein in meinen Augen viel cleverer Umgang mit der Materie seitens von Apple. Würden die Games im App-Store 20, 30 Franken kosten, würde der Austausch von Games auf illegalem Weg wohl schon längst florieren.
DNDN
 
 


10922
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# vor 8 Jahren
@DN: Genau richtig. Der App Store funktioniert ja sogar so gut, dass sie bereits 1 Milliarde Verkäufe haben.

Was noch zum TPB-spectrial zu bemerken wäre: Das Problem ist, dass die TPB-Admins auf Anfragen seitens der Inhaber der Urheberrechte nicht oder pubertär reagierten. Unternehmen wie Google haben links zu Torrent-Dateien, die zu urheberrechtlich geschütztem Material führen, meist sofort entfernt. Ob das jetzt 'gut' oder 'schlecht' ist, sei dahingestellt; wichtig ist, dass TPB mit ihrem Verhalten natürlich provozierte.

Unabhängig davon, ob TPB jetzt endgültig verurteilt wird oder nicht, verlieren die **AAs an Boden: Wenn sie 'gewinnen', machen sie Märtyrer aus den Gründern von TPB, wenn sie 'verlieren', wäre es ein Signal, dass sie außerhalb der USA wirklich keine Handhabe gegen Betreiber von torrent sites haben.

Ich frage mich halt, ob die **AAs irgendwann aus ihrem Traum von Recht und Ordnung (nach ihrem Gusto) erwachen und feststellen, dass die Welt sich verändert hat und sie sich anpassen müssen... oder ob sie dann einfach irgendwann mal hops gehen.
toshirotoshiro
 
 


7798
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# vor 8 Jahren
@toshiro: Dass Google Links auf .torrent-Files aufgrund von Beschwerden der RIAA aus dem Index entfernt ist nicht korrekt. Google indiziert beispielsweise thepiratebay.org nach wie vor. Google hat in bestimmten lokalen Versionen (z.B. google.de oder google.fr) Links entfernt - aber nur, wenn Google sonst eindeutig gegen lokale Gesetze verstossen hätte (ein Beispiel dafür sind Links auf antisemitische Sites in google.de). Zusätzlich: ob The Pirate Bay mit ihrem Verhalten jemanden provoziert hat oder nicht ist rechtlich gesehen irrelevant.
LKMLKM
 
 


10252
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# vor 8 Jahren
Dann sollte ich den Kommentaren auf ars technica weniger vertrauen schenken, mein Fehler :)

Abgesehen davon ist es rechtlich gesehen natürlich ziemlich irrelevant, ob jetzt die Leute von TPB provokativ oder nicht handelten, nur hat es wohl eher die Konsequenz, dass sie die **AAs zusätzlich gegen sich aufbringen. Ich will damit weder das Verhalten verurteilen noch es entschuldigen.
toshirotoshiro
 
 


7798
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# vor 8 Jahren
Grundsätzlich hast du natürlich schon recht. Solange die RIAA et al sich gegen ihre eigenen Kunden auflehnen wird sich die Situation für die Copyright-Inhaber nie verbessern.
LKMLKM
 
 


10252
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# vor 8 Jahren
@LKM: Ja genau. Die ganzen RIAAs dieser Welt kommen mir manchmal vor wie eine Meute pöbelnder Opas ;o) Sie wissen genau, dass ihnen die Luft ausgeht, und versuchen nun auf Biegen und Brechen noch ihre Bastionen zu erhalten. Aber ich glaube wir sind uns alle einig, dass diese Ära ihre letzten paar Kapitel schreibt.

Dieser Kommentar wurde nach seiner Veröffentlichung vom Autor nochmals geändert.

DNDN
 
 


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11 Kommentare
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