METROID: SAMUS RETURNS
Testbericht | 3DS

Metroid: Samus Returns gold_medium

vor 3 Monaten von LKM, Aktualisiert: vor 2 Monaten

Mit Metroid: Samus Returns zeigt Nintendo, dass es auch heute noch möglich ist, ein echtes Metroid-Game zu veröffentlichen. Samus Returns ist nicht nur ein echtes Metroid-Game - es ist auch ein echt gutes Metroid-Game.

Das letzte echte Metroid-Game, Metroid: Zero Mission, kam 2004 für den Game Boy Advance raus. Es ist nicht so, dass zwischen 2004 und heute keine Games mit dem Namen "Metroid" im Titel veröffentlicht wurden, aber seien wir ehrlich: Games wie Metroid Prime Pinball, Metroid Prime Hunters, Metroid Prime: Federation Force, Metroid: Other M oder sogar Metroid Prime 3 sind einfach keine echten Metroid-Games.

Nicht dass alle diese Games mies waren. Einige der Spiele - insbesondere Prime 3 - sind sogar wirklich gut. Aber es bleibt ein Fakt: es sind keine Metroid-Games. Nicht wirklich.

Echte Metroid-Games sind Sidescroller, in denen man riesige Welten erforscht und ständig neue Fähigkeiten erlernt, die den Zugang zu neuen Bereichen ermöglichen. Games wie Hollow Knight, Owlboy, oder Axiom Verge haben mehr mit einem echten Metroid-Game gemeinsam als Metroid Prime: Federation Force. Und während die Stammväter des Genres, die ihm auch seinen Namen gegeben haben - aus Metroid und Castlevania ensteht der Genre-Namen Metroidvania - die letzten zehn Jahre eher wenig interessantes geliefert haben, haben diese Indie-Titel die Lücke gefüllt.

Aber nun sind die Urahnen des Genres zurück. Castlevania-Producer Koji Igarashi arbeitet aktuell an seinem Kickstarter-Game Bloodstained, und Nintendo zeigt den Jünglingen mit Samus Returns, wie man ein Metroidvania richtig macht.

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3DS

Zu Beginn müssen wir gleich mal ein Thema aus dem Weg räumen. Samus Returns erschien auf dem 3DS, nicht auf der Switch. Ich gebe zu, das hat mich zunächst ein bisschen enttäuscht. Seit ich die Switch habe, hat sich mein 3DS eher als Staubfänger entpuppt.

Diese Enttäuschung war aber nur von kurzer Dauer. Samus Returns sieht auf Screenshots nicht so fantastisch aus, aber wenn sich das Game bewegt, und man die 3D-Effekte sieht, die tiefen Kavernen im Hintergrund, die Monster, die sich weit entfernt durch den Boden bohren, die riesigen Untergrund-Techno-Kathedralen, in denen sich die Geschichte abspielt, dann ändert man seine Meinung bald. Mein ursprünglicher Gedanke - schade, dass dieses Game nicht für die Switch entwickelt wurde - hat sich umgekehrt. Schade, dass wir ein solches Spiel nie auf der Switch sehen werden, weil solche 3D-Effekte auf dem traditionellen Switch-Screen nicht möglich sind.

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Sicher, die Switch hat mehr Pixel, und Grafik-Fähigkeiten, welche den 3DS weit hinter sich lassen. Aber Samus Returns nutzt den 3D-Effekt so gelungen und so stilvoll, dass einem echt bewusst wird, was wir mit der Switch verloren haben, nachdem Nintendo die 3D-Technologie aufgegeben hat.

Samus ist zurück

Was soll man über Samus Returns genau sagen? Es ist, kurz gesagt, genau das Spiel, welches sich Metroid-Fans immer gewünscht haben. Es ist nicht nur ein fantastisches Metroid-Game, es ist für mich das beste Metroid-Game aller Zeiten.

Klar, ich liebe die Pixel-Grafik von Metroid Fusion. Und ja, Super Metroid wird immer das wichtigste Metroid-Game aller Zeiten bleiben, ein bahnbrechendes Spiel welches Game-Design für alle Zeiten beeinflussen wird, und welches immer als eines der wichtigsten Spiele aller Zeiten bestehen wird.

Aber aus moderner Sicht? Samus Returns ist das bessere Game. Besser als Zero MIssion, besser als Fusion, und ja, besser als Super Metroid.

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Kontrolle

Was mir als erstes auffällt: das Spiel benutzt den Analog-Stick für digitale Kontrolle, als D-Pad-Ersatz. Das Steuerkreuz wird verwendet, um zwischen Zusatzfähigkeiten zu wechseln. Für die ersten paar Sekunden des Spiels ist das irritierend. Dann vergisst man's, weil... es funktioniert. Das Spiel steuert sich butterweich und pixelgenau.

Einen Gegner in der Luft einfrieren, innert einem Sekundenbruchteil auf den Gegner hüpfen, den nächsten Gegner frieren, auf ihn hüpfen, zur nächsten Plattform springen und sich dort an der Kante festhalten - kein Problem. Exakte Kontrolle war schon immer ein Eckpunkt der Metroid-Serie, und Samus Returns haut diesen Nagel mit einem Schlag bis zum Kopf in die Kiste.

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Map

Die Map von Samus Returns ist riesig. Sie ist definitiv viel, viel grösser als die Map von Metroid 2: The Return of Samus, dem Spiel, auf dem Samus Returns basiert. AM2R, das Fan-Remake von Metroid 2, hat sich relativ eng an die originale Metroid-Map gehalten, aber Samus Returns hat die grösse der Untergrund-Kavernen auf ein vielfaches ausgebaut.

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Und hier zeigt sich ein weiterer Vorteil vom 3DS. Während man bei Spielen wie Super Metroid spezifisch auf eine Map-Ansicht wechseln musste, zeigt der zweite Bildschirm vom 3DS eine konstant sichtbare Karte. Wer damals Metroid 2 auf dem Game Boy gespielt hat, kann sich vielleicht daran erinnern, dass dieses Spiel überhaupt keine Kartenansicht hatte, was - zusammen mit der engen, eintönigen Grafik auf dem kleinen grün-gelben Bildschirm - zu einem enorm klaustrophobischen Spielerlebnis geführt hat. Das ist mit Samus Returns nicht mehr so.

Scanner

Auch anderes hat sich geändert. So besitzt Samus in diesem Spiel nun einen Scanner, mit dem sie auf Knopfdruck versteckte Blöcke erkennen, und die Karte in ihrer Umgebung ausfüllen kann. Das widerspricht zunächst dem Grundgedanken von Metroid, dem Erforschungsdrang.

Aber keine Angst, das Level-Design wurde dieser neuen Fähigkeit angepasst. Versteckte Geheimnisse sind nun nämlich oft einfacher zu finden, aber genau so schwierig zu erhalten, weil sie durch kleine Umgebungspuzzles geschützt sind, die erfordern, dass man die verschiedenen Fähigkeiten - den Klebeball, beispielsweise, oder den Gefrierstrahl - auf kreative Weise einsetzt.

Gegenattacke

Noch etwas hat sich in Samus Returns geändert: es gibt eine Gegenattacke, die man ausführen kann, wenn man von einem Gegner angegriffen wird.

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Weshalb dieses neue Feature existiert, ist nicht schwierig zu erkennen. In älteren Metroid-Games waren die normalen Gegner - abgesehen von den Boss-Gegnern - eher einfach zu besiegen. Samus selber konnte dank D-Pad-Einschränkung nur in acht Richtungen schiessen, was dazu geführt hat, dass es dem Spielfluss geschadet hätte, ständig mit starken Gegnern konfrontiert zu werden.

Samus Returns löst das "nur in acht Richtungen schiessen"-Problem dadurch, dass man mit dem linken Schulterknopf mit dem Analog-Stick in alle Richtungen schiessen kann. Aber - wenn man das tut, kann man Samus nicht bewegen, weil sie ebenfalls mit dem Analog-Stick gesteuert wird. Damit kann man sich entweder bewegen und horizontal schiessen, oder stehen bleiben und in alle Richtungen schiessen.

Das wiederum bedeutet, dass man sich oft nicht bewegen kann, wenn man mit einem Gegner kämpft. Und hier kommt die Gegenattacke ins Spiel. Wird man von einem Gegner angegriffen, und er kommt einem zu nahe, löst man mit X eine Attacke aus, die den Gegner kurz betäubt, und es erlaubt, ihn ins Jenseits zu befördern.

Tönt alles sehr kompliziert, führt aber unter dem Strich zu einem dynamischeren Spielsystem, in dem man oft verschiedene Optionen hat, Gegner zu bekämpfen. Alles in allem eine gelungene Neuheit, die mitunter dazu führt, dass sich Samus Returns moderner und interessanter anfühlt als frühere Metroid-Games.

Fazit

Wer Angst hatte, dass Nintendo nach 13 Jahren vergessen hat, wie man ein richtiges Metroid-Game macht, der darf sich beruhigen. Samus Returns ist nicht nur ein fantatisches Metroid-Game, sondern schlicht das bisher beste Metroid.

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Zweite Meinung von DN

Ein rundum gelungener Eintrag in die Metroid-Saga, die kein Fan oder Neuling der Franchise auslassen sollte. Die Animationen sind eine Augenweide, der Soundtrack unterstützt die Atmosphäre quasi ideal, die mystischen Tunnel und Wege schaffen einen Sog, der einen still und stark zugleich packt und nicht mehr loslässt.

Bewährte Metroidvania-Mechanismen wurden vom Entwicklerteam für diesen Titel clever neu interpretiert, die Controls habe ich noch nie in einem anderen (sonst schon sehr satt-guten) Metroid-Game dermassen präzise empfunden. Der Einsatz des Sticks zusammen mit dem Touchscreen, einer gewissen Flexibilität und der Verwendung des Tastenkreuzes schaffen die Basis für ein Gameplay, das zum weltweit besten gehört, das es gibt. Das Gameplay ist gleichzeitig auch die Story, entsprechend wichtig ist jedes Mikrodetail der Bedienung.

In einem Satz gesagt: So muss ein Sidescroller mit aller Weisheit, Erfahrung und Reichtum aus den letzten 30 Jahren Videogamegeschichte aussehen und sich anfühlen. Chappeau!

judgementbox
Metroid: Samus Returns
gold_medium
Positiv
  • Geniale Grafik mit tollem 3D-Effekt
  • Knackige Steuerung
  • Riesige Levels
  • Tolle Änderungen am traditionellen Metroid-Prinzip
  • Das bisher beste Metroid
Negativ
  • Wir mussten 13 Jahre auf dieses verdammte Spiel warten. Was zum Teufel, Nintendo???
  • Ich konnte das Spiel so lange nicht weglegen dass mir jetzt die Hände schmerzen
Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
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