PLAYERUNKNOWN'S BATTLEGROUNDS PUBG
Testbericht | PC | Xbox One

Playerunknown's Battlegrounds PUBG gold_medium

vor 10 Monaten von DN, Aktualisiert: vor 3 Monaten

100 Spieler landen per Fallschirm irgendwo auf einer umgerechnet 8x8km grossen verwaisten Karte und kämpfen ums nackte Überleben. Man durchsucht Hütten, Bunker und Hallen nach Waffen und Items, idealerweise ohne entdeckt zu werden. Der Spielbereich wird immer kleiner, wer nicht früh genug reagiert, stirbt im Niemandsland. Wer als letzter noch steht, gewinnt das Spiel. Was verlockend und abenteuerlich klingt, zeigt sich in den ersten paar Runden von seiner unerbittlichen Seite. Der Titel birgt aber auch einzigartige Erlebnisse, wenn man so langsam die Kurve kriegt.


Hochgradiger Suchtfaktor

Der Hype um PUBG, das seine Wurzeln im Survival-Genre mit Zombie-Apokalypse-Hintergrund (z.B. DAYZ) hat, erreichte 2017 ungeahnte Höhen. Da war es an der Zeit, von meiner Seite selber auf Gegnerfang zu gehen und den virtuellen Fallschirm anzuschnallen. Mein Weg in die Top 0.1% des Leaderboards war ein steiniger, aber auch ein überaus adrenalingeladener Trip gespickt mit Online-Battles.

Über die Bugs und Schwächen von PUBG, das erst vor relativ kurzer Zeit in einer ersten offiziellen Non-Alpha-Version auf Steam erhältlich ist, wurde andernorts bereits ausführlich und ausreichend geschrieben. Ich habe glücklichweise erst spät im Entwicklungszyklus den Einstieg versucht und bislang (PC-Version) relativ wenige spielentscheidende Fehler erlebt.

Sprechen wir lieber über den Kern der atomaren Adrenalinbombe: PUBG (wie in der Kurzform das Spiel «PLAYERUNKNOWN'S BATTLEGROUNDS») in der Community genannt wird, bietet ein Erlebnis, das selbst unter den überall aus dem Boden spriessenden Battle Royal-Games einzigartig ist. Der Mix aus Realitätsnähe und unerbittlichem, fehlerintolerantem Gameplay (gepaart mit einer sehr sehr steilen Lernkurve und dem Ruf nach Skills) verdient meines Erachtens die von vielen Seiten erhobenen Lorbeeren. Natürlich weist der Titel Imperfektionen und Schwächen auf, diese fallen spieltechnisch allerdings kaum ins Gewicht.

Ich lobe diesen Aspekt (Lernkurve, Unerbittlichkeit) deswegen, weil PUBG den Glücksfaktor auf ein sinnvolles Niveau senkt und schlichtweg die Spieler belohnt, die am meisten draufhaben (solange es sich nicht um Cheater handelt, von denen es natürlich auch hier welche gibt). Egal ob es sich dabei um Experten im Verstecken oder im Austragen von Gefechten handelt: Wer gut ist, kommt weit. PUBG ist insofern vergleichbar mit den guten alten Arcades oder Supermarios dieser Welt, auch da ist in allererster und bis in weite Ränge nach hinten vor allen Dingen Fertigkeit gefragt.

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Ganz ohne Glücksfaktor gehts natürlich nie. Manchmal bieten durchsuchte Gebäude tolle Items, auch abseits von Stadtzentren und neuralgischen Punkten, eine Runde später findet man im gleichen Gebäude nur mittelmässige Ware. Aber auch mit nicht idealer Ausrüstung lässt es sich überleben bis in die Top 10.

Geduld und Timing als oberste Tugend

Wenn man sich PUBG hingibt, verlangt dies zu Beginn ein ausserordentlich grosses Mass an Gelassenheit, Nervenstärke und Geduld. Dies ist natürlich leichter gesagt als getan – und ich kann nicht behaupten, ich hätte mich selbst wirklich daran halten können während meiner gesamten bisherigen Spielzeit –, aber es lohnt sich definitiv nicht, sich aufzuregen. Dies kann zu Herzstillstand-ähnlichen Zuständen führen und ist der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich. Dieses Spiel verlangt sonst schon alles von einem ab, will man nicht zu den ersten 20, 30 Opfern gehören.

Wieso sage ich das? Nach hunderten von Stunden in irgendwelchen anderen Online-Battles, MMOs und Arena-Gedöns fühlte ich mich der Misson «PUBG» nervlich und fachlich recht gut gewachsen – so kann man sich täuschen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, in einem einzigen Feuergefecht, das ich zur Abwechslung als Sieger beendete, mit zitternden Händen vor dem Screen zu sitzen und mich zu fragen, wieso mich diese Erfahrung dermassen mitreisst. Am Ende ist alles Pixel, sollte man meinen. Ich spreche hier nicht vom Akt des eigentlichen Besiegens meines hier besagten Gegners («Mr_Blue360360», du wirst mir verzeihen, wenn ich hier diese eine Szene zitiere, wer auch immer du bist), sondern die ganze Szene des Schusswechsels von vielleicht 90 Sekunden an sich. Wenn man stirbt im Spiel, folgt gleich ein Neues, wenn man dann will. Keine Warterei, keine bleibenden Items (mit Ausnahme einiger spieltechnisch unbedeutenden Kleidungsstücke), alles beginnt immer wieder von vorn.

Man könnte fast sagen, dies kommt einer fernöstlichen Lebensweisheit gleich: Alles geht immer verloren, nichts hat Bestand. Bis auf das adrenalingeladene Erlebnis und die Erfahrungspunkte, die man für Belohnungsboxen mit Kleidung oder Mützen eintauschen darf. Und dann ist da noch die Gesamtstatistik über alle absolvierten Runden hinweg, die aber auch kaum von Belang ist. Es sei denn, man will die eigenen Aktivitäten genauer unter die Lupe nehmen zu Analysezwecken.

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PUBG ist auf seine eigene Weise überaus realistisch und gnadenlos strafend, wenn man sich fahrlässig verhält und nicht die Deckung nutzt / Vorsicht walten lässt. PUBG erinnert in virtueller Weise an ein Paintball-Gefecht, einfach mit einer riesigen Karte, 100 Spielern und allen möglichen Gimmicks und Fahrzeugen. Klingt nach Spass? Macht Spass.

Gespielt werden darf je nach Präferenz in erster oder dritter Sichtperspektive, erfolgreich sein kann man mit beidem. Spätestens beim Zielen im ADS-Modus ist die 1st-Person die bessere Wahl, ich persönlich habe abgesehen vom Zielmodus die 3rd-Person gewählt.

15 goldene Regeln für PUBG-Rookies

An Tipps mangelt es im Internet nicht. Man findet man an vielen Orten mehr oder weniger sinnvolle «Dos and Don'ts». Ich habe die meines Erachtens nützlichsten Inputs zusammengetragen und basierend auf meiner Erfahrung mit PUBG ergänzt:

  • Man sollte sich niemals stressen und im Zweifelsfall Geduld walten lassen. Gerade zu Beginn hat man reichlich Zeit bis die blaue Todeszone näherrückt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Wenn man in den ersten zwei, drei Zonenverkleinerungen mal kurz im «Blauen» stehenbleiben und die Gegend scannen muss, ist das nicht weiter tragisch. Einfach vorher schauen, dass man ausreichend Med-Packs im Gepäck hat für diesen Fall.

  • Man sollte Sträucher nutzen als Tarnung, niemals hohes Gras. Dieses kann von Gegnern ausgeblendet werden in den Grafiksettings, aus grosser Distanz ist es so oder so ausgeblendet. Bäume bieten mittelmässig Deckung, Wälder eignen sich andererseits hervorragend zur verdeckten Fortbewegung zu Fuss.

  • Wenn man unter Beschuss gerät und nicht erkennt, woher die Schüsse kommen, sollte man sofort in Zick Zack-Manier weglaufen - niemals hinlegen. Idealerweise Hindernisse in den Laufweg miteinbeziehen, um die Sichtlinie zu brechen. Auch rumzuhüpfen ist absurderweise in einem solchen Fall keine schlechte Idee, es vermindert die Gefahr eines Kopfschusses. Am besten bleibt man komplett unentdeckt ;-)

  • Stets per Marker auf der Karte planen, wo man als nächstes hingeht. Am besten in Schritten von 200 bis max. 400m.

  • Es ist unausweichlich, sich über die Karte zu Bewegen vom selbst gewählten Startbereich zu Plünderorten zu Zielbereichen, aber gefährlich – also immer wieder mal hinlegen, innehalten und die Gegend absuchen mit der«alt-Taste». Rumstreunern ohne Ziel ist nicht zu empfehlen, das Verlassen der Deckung wann immer möglich zu vermeiden.

  • Grafische Details respektive Sichtweite runterdrehen: Hohe Sichtweite des Grases ist eine Illusion von Schutz und hilft nur den Gegnern.

  • Am Anfang jeder Runde empfiehlt es sich, so schnell wie möglich einen Rucksack, einen Helm, eine Schusswaffe (egal was, mit Ausnahme der nutzlosen Armbrust) und Sanitätermaterial besorgen. Alles Weitere ergibt sich mit fortlaufendem Spiel, die Premium-Gear erscheint nach und nach bei längeren Sessions sowieso per Algorithmus. Bratpfanne bietet Schutz des Popos bei Beschuss des Rückens.

  • Niemals gierig werden. Überzählige Munition ist nur Ballast, meist benötigt man kaum mehr als zwei bis drei volle Magazine pro Waffe von egal was. Man kann (aus eigener Erfahrung) unter die letzten Drei kommen mit nur zehn Schuss verbrauchter Sturmgewehr-Munition und einem einzigen Abschuss.

  • Für die Landung eignen sich abgelegene Gehöfte oder kleine Weiler. Zentren und Basen sollte man eher meiden, ausser man will explizit Gefechte üben. Ansonsten bringen Gegneransammlungen zu Beginn des Spiels nur Frust und Ärger (im dümmsten Fall Tod durch Bratpfanne nach 2 Minuten im Spiel). Ausnahmen bilden Vororte von grossen Städten, da verteilt sich die Gegnerschaft schneller oder hat sich bald gegenseitig dezimiert.

  • Fahrzeuge und Boote sind zu Beginn der Runden sehr wertvoll. Je weiter weg vom Zentrum / definierten Spielbereich man landet, desto nötiger hat man sie. Allerdings sollte man sie nur nutzen bis man unter den ca. letzten 20 Spielern ist, ab dann ausschliesslich zu Fuss weiter. Sonst wird man leichte Beute von Campern an Strassen oder erhöhten Positionen aufgrund des Motorenlärms.

  • Das Jagen von Gegnern lohnt sich kaum je – am besten ist es, komplett unentdeckt zu bleiben, wenn man in die vorderen Ränge gelangen will. Kills ergeben nur marginal Punkte im Vergleich zur Platzierung am Ende der Runde. Trefferpunkte sind auch kaum die Rede wert. Das Spiel belohnt in allererster Linie das Überleben mit Punkten, das Töten oder Verwunden ist Beilage. Natürlich muss man zwingend jeden Kampf zu Ende führen, in den man verwickelt wird. Ich sage nicht, man soll Gefechte immer meiden. Aber wenn man eingreift, sollte der «Fangschuss» quasi garantiert sein, keine halbherzigen Schiessereien riskieren. Immer auf Kopfhöhe zielen, da Treffer auf dieser Höhe quasi immer über Erfolg oder Niederlage entscheiden.

  • Türen fast aller Gebäude bestehen aus Holz und lassen sich wegschiessen. Im Zweifelsfall bei Begegnungen mit anderen Spielern immer die Durchgänge freiballern, insbesondere beim Sturm von Gebäuden, ausser natürlich man will sich anpirschen. Spätestens beim Öffnen von Türen weiss aber jeder im Haus, dass ihr da seid.

  • Will man sich verarzten oder auf die Lauer legen, tut man dies idealerweise an leicht erhöhten Stellen mit sicheren Flanken, sichtgeschützt und nicht Innern von Gebäuden. Gebäude sind zum Plündern da, ansonsten eher umgehen oder ganz meiden. In Ausnahmefällen kann man sich ein Verschanzen in grösseren Gebäuden überlegen, man muss aber stets mit Gefechten rechnen.

  • Vorbeifliegende Flugzeuge eignen sich hervorragend als Audio-Tarnung. Will man ein Haus unerkannt (respektive unbelauscht) betreten oder verlassen, kann man dies besser geschützt dann tun, wenn ein Flugzeug vorbeifliegt. Viele Spieler wollen dann sehen, wohin das Transportflugzeug fliegt und wo es seine Ladung abwirft, und der Lärm ist laut genug, um Schritte und andere Geräusche zu übertönen – mit Ausnahme von Schussgeräuschen natürlich.

  • Was die Waffen angeht, so sind Sturmgewehre (SCAR-L, AKM, M16A4) mit 2x / 4x oder Holovisier das Gelbe vom Ei, alle anderen Knarren kann man getrost als Beigabe ansehen. Durch den ständigen Zwang zur Weiterbewegung in die verkleinerten Spielbereichen sind Sturmgewehre mit Visier-Zubehör quasi gemacht für PUBG-Gameplay. Ausnahme 1: Snipergewehre sind tödlich, aber leider selten und nicht sehr vielseitig einsetzbar, zudem setzen sie eine passende Schussposition voraus, sind also eher etwas für Fortgeschrittene. Ausnahme 2: Die beste Ausrüstung bieten von Flugzeugen abgeworfene Supply-Kisten, aber auch da gilt: Sofort mit Fahrzeug verfolgen und bei Landung plündern, da diese Lieferungen Gegner anziehen wie der Honig die Fliegen. Wenn die Ladung allzu zentral dropt, wird man öfter bei der Bergung eliminert als dass man in den Genuss der besten Ausrüstung im Spiel kommt. Wenn es aber klappt, machen die Premium-Waffen und Spezialitems wie Tarnanzug, Adrenalinspritze, AUG A3 und Groza etc. natürlich Laune ohne Ende.

Bonustipp fürs Endgame / Fortgeschrittene

Irgendwann werdet ihr nach ein paar Dutzend Runden und einiger Erfahrung in den Top Ten landen. Um dann auch noch das Chicken Dinner zu sichern und als Gesamtgewinner hervorzugehen, braucht es eine Portion Glück und eine ruhige Hand, sowie viel taktisches Geschick und die Fähigkeit, die Spielsituation richtig zu lesen.

Zusätzlich hilfreich kann folgende Taktik sein: Je kleiner der Spielbereich wird, desto eher lohnt es sich, den Zielbereich in kreisenden Bewegungen durchs Gelände anzupeilen. Also rotierend an der blauen Elektronengrenze entlang, bis man wieder im neuen Bereich angekommen ist. Auf dem Weg lassen sich einige Gegner ausschalten, die einen Angriff von der Seite nicht erwarten (ich bin selber x-Mal auf diese Weise eliminiert worden). Natürlich sollte man stets daran denken, jede Deckung und jeden Sichtschutz auszunutzen. Bewegung in geduckter Haltung kann man sich getrost sparen.: Entweder rennen, kriechen oder stillstehen / -liegen.

Fazit

Wer auf Online-Battles und gleichzeitig auf Survival-Games steht, sollte sich PUBG anschauen. Aber Achtung: Es kann einem ganz ordentlich den Ärmel reinziehen. Wer damit leben kann, mal ne Weile nichts anderes zocken zu wollen, feel free to join.

Der Kampf um das Chicken Dinner (so nennt die Community den 1. Platz einer Runde) ist ein ständig sich wiederholender wilder Ritt quer durchs Gefechts-Hamsterrad.


judgementbox
Playerunknown's Battlegrounds
gold_medium
Positiv

Adrenalingeladenes Gameplay, fast unendlich viele taktische Möglichkeiten, hoher Suchtfaktor, Übung macht den Meister, tolles Setting, begrenzte Spielareale (Quasi-Mexiko-Wüste oder Quasi-Osteuropa-Gegend) mit vielen toll umgesetzten Details

Negativ

Ab und zu nerven Bugs, hohe Performance und Auflösung des eigenen Rechners ein Vorteil im Kampf um die vordersten Plätze, hoher Suchtfaktor, Controls nicht immer ganz einwandfrei (insbesondere Fahrzeuge eher schwammig), Loot Boxen kann man getrost vergessen, Cheater verpesten teilweise die vorderen Ränge im Spiel

Alleine spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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