PLAYERUNKNOWN'S BATTLEGROUNDS PUBG
Testbericht | PC | Xbox One

Playerunknown's Battlegrounds PUBG gold_medium

vor 6 Tagen um 20:03 Uhr von DN, Aktualisiert: vorgestern um 15:19 Uhr

100 Spieler landen per Fallschirm irgendwo auf einer umgerechnet 8x8km grossen verwaisten Karte und kämpfen ums nackte Überleben. Man durchsucht Hütten, Bunker und Hallen nach Waffen und Items, idealerweise ohne entdeckt zu werden. Der Spielbereich wird immer kleiner, wer nicht früh genug reagiert, stirbt im Niemandsland. Wer als letzter noch steht, gewinnt das Spiel. Was verlockend und abenteuerlich klingt, zeigt sich in den ersten paar Runden von seiner unerbittlichen Seite. Nach und nach kriegt man die Kurve. Der Hype um PUBG, das seine Wurzeln im Survival-Genre mit Zombie-Apokalypse-Hintergrund hat, erreichte 2017 ungeahnte Höhen, da war es an der Zeit, selbst auf Gegnerfang zu gehen und den virtuellen Fallschirm anzuschnallen. Mein Weg in die Top 1% des Leaderboards war ein steiniger, aber auch ein bislang unerreicht einzigartiger Trip in Sachen Online-Battles.


Hochgradiger Suchtfaktor

Über die Bugs und Schwächen von PUBG, das erst vor relativ kurzer Zeit in einer ersten offiziellen Non-Alpha-Version auf Steam erhältlich ist, wurde andernorts bereits ausführlich und ausreichend geschrieben. Ich habe glücklichweise erst spät im Entwicklungszyklus den Einstieg versucht und bislang (PC-Version) relativ wenige spielentscheidende Fehler erlebt.

Sprechen wir lieber über den Kern der atomaren Adrenalinbombe: PUBG (wie in der Kurzform das Spiel «PLAYERUNKNOWN'S BATTLEGROUNDS») in der Community genannt wird, bietet ein Erlebnis, das selbst unter den überall aus dem Boden spriessenden Battle Royal-Games einzigartig ist. Der Mix aus Realitätsnähe und unerbittlichem, weitgehend ironiefreiem Gameplay (gepaart mit einer sehr sehr steilen Lernkurve und dem Ruf nach Skills) verdient meines Erachtens die von vielen Seiten erhobenen Lorbeeren. Natürlich weist der Titel Imperfektionen und Schwächen auf, diese fallen spieltechnisch allerdings kaum ins Gewicht.

Ich lobe diesen Aspekt (Lernkurve, Unerbittlichkeit) deswegen, weil PUBG den Glücksfaktor auf ein sinnvolles Niveau senkt und schlichtweg die Spieler belohnt, die am meisten draufhaben (solange es sich nicht um Cheater handelt, von denen es natürlich auch hier welche gibt). Egal ob es sich dabei um Experten im Verstecken oder im Austragen von Gefechten handelt: Wer gut ist, kommt weit. PUBG ist insofern vergleichbar mit den guten alten Arcades oder Supermarios dieser Welt, auch da ist in allererster und bis in weite Ränge nach hinten vor allen Dingen Fertigkeit gefragt.

Screenshot Screenshot

Ganz ohne Glücksfaktor gehts natürlich nie. Manchmal bieten durchsuchte Gebäude tolle Items, auch abseits von Stadtzentren und neuralgischen Punkten, eine Runde später findet man im gleichen Gebäude nur mittelmässige Ware. Aber auch mit nicht idealer Ausrüstung lässt es sich überleben bis in die Top 10.

Wenn man sich der Experience von PUBG hingibt, verlangt dies zu Beginn ein ausserordentlich grosses Mass an Gelassenheit, Nervenstärke und Geduld. Dies ist natürlich leichter gesagt als getan – und ich kann nicht behaupten, ich hätte mich selbst wirklich daran halten können während meiner gesamten bisherigen Spielzeit –, aber es lohnt sich definitiv nicht, sich aufzuregen. Dies kann zu Herzstillstand-ähnlichen Zuständen führen und ist der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich. Dieses Spiel verlangt sonst schon alles von einem ab, will man nicht zu den ersten 20, 30 Opfern gehören.

Wieso sage ich das? Nach hunderten von Stunden in irgendwelchen anderen Online-Battles, MMOs und Arena-Gedöns fühlte ich mich der Misson «PUBG» nervlich und fachlich recht gut gewachsen – so kann man sich täuschen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, in einem einzigen Feuergefecht, das ich zur Abwechslung als Sieger beendete, mit zitternden Händen vor dem Screen zu sitzen und mich zu fragen, wieso mich diese Erfahrung dermassen mitreisst. Am Ende ist alles Pixel, sollte man meinen. Ich spreche hier nicht vom Akt des eigentlichen Besiegens meines hier besagten Gegners («Giorgio_10pistols», du wirst mir verzeihen, wenn ich hier diese eine Szene zitiere, wer auch immer du bist), sondern die ganze Szene des Schusswechsels von vielleicht zwei Minuten an sich. Wenn man stirbt im Spiel, folgt gleich ein Neues, wenn man dann will. Keine Warterei, keine bleibenden Items (mit Ausnahme einiger spieltechnisch unbedeutenden Kleidungsstücke), alles beginnt immer wieder von vorn.

Man könnte fast sagen, dies kommt einer fernöstlichen Lebensweisheit gleich: Alles geht immer verloren, nichts hat Bestand. Bis auf das adrenalingeladene Erlebnis und die Erfahrungspunkte, die man für Belohnungsboxen mit Kleidung oder Mützen eintauschen darf. Und dann ist da noch die Gesamtstatistik über alle absolvierten Runden hinweg, die aber auch kaum von Belang ist. Es sei denn, man will die eigenen Aktivitäten genauer unter die Lupe nehmen zu Analysezwecken.

Screenshot Screenshot

PUBG ist auf seine eigene Weise überaus realistisch und gnadenlos strafend, wenn man sich fahrlässig verhält und nicht die Deckung nutzt / Vorsicht walten lässt. PUBG erinnert in virtueller Weise an ein Paintball-Gefecht, einfach mit einer riesigen Karte, 100 Spielern und allen möglichen Gimmicks und Fahrzeugen. Klingt nach Spass? Macht Spass.

Gespielt werden darf je nach Präferenz in erster oder dritter Sichtperspektive, erfolgreich sein kann man mit beidem. Spätestens beim Zielen im ADS-Modus ist die 1st-Person die bessere Wahl, ich persönlich habe abgesehen vom Zielmodus die 3rd-Person gewählt.

15 goldene Regeln für PUBG-Rookies

An Tipps mangelt es im Internet nicht, wenn man ein paar Minuten in eine Google-Suche investiert, findet man reichlich Dos and Don'ts. Ich habe die besten zusammengetragen (subjektiv meine Ansicht) und ein paar weitere ergänzt, basierend auf meiner Erfahrung mit PUBG:

  • Sich niemals stressen und im Zweifelsfall Geduld walten lassen. Gerade zu Beginn hat man reichlich Zeit bis die blaue Todeszone näherrückt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

  • Man sollte Sträucher nutzen als Tarnung, niemals hohes Gras. Dieses kann von Gegnern ausgeblendet werden in den Grafiksettings, aus grosser Distanz ist es so oder so ausgeblendet. Bäume bieten mittelmässig Deckung, Wälder eignen sich andererseits hervorragend zur verdeckten Fortbewegung zu Fuss.

  • Wenn man unter Beschuss gerät und nicht erkennt, woher die Schüsse kommen, sollte man sofort in Zick Zack-Manier weglaufen - niemals hinlegen. Idealerweise Hindernisse in den Laufweg miteinbeziehen, um die Sichtlinie zu brechen. Am besten bleibt man komplett unentdeckt ;-)

  • Stets per Marker auf der Karte planen, wo man als nächstes hingeht. Am besten in Schritten von 200 bis max. 400m.

  • Sich über die Karte zu Bewegen vom selbst gewählten Startbereich zu Plünderorten zu Zielbereichen ist unausweichlich, aber gefährlich – also immer wieder mal hinlegen, innehalten und die Gegend absuchen mit «alt». Rumstreunern ohne Ziel ist nicht zu empfehlen, das Verlassen der Deckung wann immer möglich zu vermeiden.

  • Grafische Details respektive Sichtweite runterdrehen: Hohe Sichtweite des Grases ist eine Illusion von Schutz und hilft nur den Gegnern.

  • Immer so schnell wie möglich als Erstes einen Rucksack, einen Helm, eine Schusswaffe (egal was, mit Ausnahme der nutzlosen Armbrust) und Sanitätermaterial besorgen. Alles Weitere ergibt sich mit fortlaufendem Spiel, die Premium-Gear erscheint nach und nach bei längeren Sessions sowieso per Algorithmus. Bratpfanne bietet Schutz des Popos bei Beschuss des Rückens.

  • Niemals gierig werden. Überzählige Munition ist nur Ballast, meist benötigt man kaum mehr als zwei bis drei volle Magazine pro Waffe von egal was. Man kann (aus eigener Erfahrung) unter die letzten Drei kommen mit nur zehn Schuss verbrauchter Sturmgewehr-Munition und einem einzigen Abschuss.

  • Erstlandung empfiehlt sich bei einem abgelegenen Gehöft, niemals im Zentrum, ausser man will explizit Gefechte üben. Ansonsten bringen Gegneransammlungen nur Frust und Ärger (im dümmsten Fall Tod durch Bratpfanne nach 2 Minuten im Spiel). Ausnahmen bilden Vororte von grossen Städten, da verteilt sich die Gegnerschaft schneller (oder ist bald mal hinüber).

  • Fahrzeuge und Boote sind zu Beginn der Runden sehr wertvoll. Je weiter weg vom Zentrum / definierten Spielbereich man landet, desto nötiger hat man sie. Allerdings sollte man sie nur nutzen bis man unter den ca. letzten 20 Spielern ist, ab dann ausschliesslich zu Fuss weiter. Sonst wird man leichte Beute von Campern an Strassen oder erhöhten Positionen aufgrund des Motorenlärms.

  • Das Jagen von Gegnern lohnt sich kaum je – am besten ist es, komplett unentdeckt zu bleiben. Kills geben zudem kaum Punkte im Vergleich zur Platzierung bei Tod / Ende des Spiels. Trefferpunkte sind auch kaum die Rede wert. Das Spiel belohnt in allererster Linie das Überleben, das Töten oder Verwunden ist Beilage. Als Vergleich: Um gleich viele Punkte für den dritten Platz zu erhalten, muss man rund 8 Gegner erledigen (inkl. Trefferpunkten). Das schafft ausser den Top Cracks kaum jemand. Falls es zu Schusswechseln kommt: Immer auf Kopfhöhe zielen, da Treffer auf dieser Höhe fast immer über Erfolg oder Niederlage entscheiden.

  • Türen aller Gebäude bestehen aus Holz und lassen sich wegschiessen. Im Zweifelsfall bei Begegnungen mit anderen Spielern immer die Durchgänge freiballern, insbesondere beim Sturm von Gebäuden (falls dies nötig wäre oder man es sich aussucht).

  • Will man sich verarzten oder auf die Lauer legen, tut man dies idealerweise an leicht erhöhten Stellen mit sicheren Flanken, sichtgeschützt und nicht Innern von Gebäuden. Gebäude sind zum Plündern da, ansonsten eher umgehen oder ganz meiden. In Ausnahmefällen kann man sich ein Verschanzen in grösseren Gebäuden überlegen, muss aber stets mit Gefechten rechnen.

  • Fahrzeuge eignen sich hervorragend als Fallen. Man muss genau an einer bestimmten Stelle stehen, um den Fahrersitz einzunehmen. Wer Fallen stellt, muss aber stets damit rechnen, dass man ganz schnell selbst in einer solchen sitzt, völlig unerwartet.

  • Was die Waffen angeht, so sind Sturmgewehre mit 2x / 4x oder Holovisier das Gelbe vom Ei, alle anderen Knarren kann man getrost als Beigabe ansehen. Snipergewehre sind selten und nicht sehr vielseitig einsetzbar, zudem setzen sie eine passende Schussposition voraus. Durch den ständigen Zwang zur Weiterbewegung in die verkleinerten Spielbereichen werden Sturmgewehre mit Visier-Zubehör zur absolut ersten Wahl. Die beste Ausrüstung bieten von Flugzeugen abgeworfene Supply-Kisten, aber auch da gilt: Sofort mit Fahrzeug verfolgen und bei Landung plündern, da diese Lieferungen Gegner anziehen wie der Honig die Fliegen.

Fazit

Wer auf Online-Battles und gleichzeitig auf Survival-Games steht, sollte sich PUBG anschauen. Aber Achtung: Es kann einem ganz ordentlich den Ärmel reinziehen. Wer damit leben kann, mal ne Weile nichts anderes zocken zu wollen, feel free to join.

Der Kampf um das Chicken Dinner (so nennt die Community den 1. Platz einer Runde) ist ein ständig sich wiederholender wilder Ritt quer durchs Gefechts-Hamsterrad.


judgementbox
Playerunknown's Battlegrounds
gold_medium
Positiv

Adrenalingeladenes Gameplay, fast unendlich viele taktische Möglichkeiten, hoher Suchtfaktor, Übung macht den Meister, tolles Setting, begrenzte Spielareale (Quasi-Mexiko-Wüste oder Quasi-Osteuropa-Gegend) mit vielen toll umgesetzten Details

Negativ

Ab und zu paar Bugs nicht vermeidbar, hohe Performance und Auflösung des eigenen Rechners ein Vorteil im Kampf um die vordersten Plätze, hoher Suchtfaktor, Controls nicht immer ganz einwandfrei (insbesondere Fahrzeuge eher schwammig), Loot Boxen auf dem Testserver aufgetaucht als unnötiger und nicht-relevanter Teil des Spiels – kann man getrost vergessen

Alleine spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


Abonniere Kommentare zu diesem Artikel.ch als RSS-Feed
Playerunknown's Battlegrounds
Erhältlich für Xbox One
Von Bluehole Games (Developer, Publisher)