GRIM FANDANGO (REMASTERED)
Testbericht | Mac | PS4 | Vita | PC

Grim Fandango (Remastered) gold_medium

vor 2 Jahren von LKM

Als 1998 Grim Fandango auf den Markt kam, war das zugleich der Höhepunkt für das Adventure-Genre, als auch sein vorläufiges Ende. Obwohl sich das Spiel relativ gut verkaufte und einen Profit erwirtschaftete, entschloss sich Entwickler LucasArts, keine weiteren Adventure-Spiele mehr zu entwickeln. Andere Spiel-Genres wie Ego-Shooter waren profitabler, und ihre Entwicklung war weniger aufwändig.

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Während viele andere LucasArts-Spiele dank ScummVM ein zweites Leben erhielten, gang Grim Fandango mehr oder weniger vergessen. Der Grund ist einfach: Grim Fandango war das erste Lucas-Arts-Adventure, welches 3D-Grafik verwendete. Daher hatte es eine eigene Engine, welche nicht mit der alten Scumm-Engine kompatibel war. Grim Fandango am Leben zu erhalten war für Hobby-Entwickler also viel schwieriger, als bei anderen Lucas-Arts-Adventures. Resultat davon ist, dass es relativ einfach ist, auf einem modernen Computer Monkey Island zu spielen, aber ziemlich schwierig, Grim Fandango zum Laufen zu bringen.

Bis heute.

Im Juni 2014 kündigte Sony an, dass eine remasterete Version von Grim Fandango für PS4, PS Vita, Windows, Mac und Linux erscheinen würde. Die Hintergrundgeschichte für diese Ankündigung ist relativ komplex, kurz gesagt haben wir aber Disney dafür zu danken. Hätte Disney nicht Star Wars (und, gemeinsam damit, andere Lizenzen von LucasArts) gekauft, wäre es wohl nie zu diesem Deal gekommen. Dazu kommt, dass Tim Schafer, der "Erfinder" von Grim Fandango, unterdessen mit Double Fine ein relativ erfolgreiches Entwickler-Studio besitzt, welches den Auftrag übernahm, die neue Version von Grim Fandango zu entwickeln. Und damit wären wir in der Gegenwart, und können Grim Fandango endlich wieder spielen.

Manuel "Manny" Calavera

Aber was ist Grim Fandango eigentlich genau? Grim Fandango ist ein Adventure-Spiel, in welchem man (im Gegensatz zu traditionellen Point-And-Click-Adventures den Protagonisten nicht mit der Maus steuert, sondern mit Gamepad oder Keyboard (die remasterete Version bietet aber zusätzliche Maus-Controls an). So kommt das Spiel gänzlich ohne "künstliches" UI aus. Man bewegt den Protagonisten Manuel "Manny" Calavera durch vorgerenderte Bildschirme (in den 90ern waren Computer nicht schnell genug, um das ganze Bild live zu rendern).

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Manuel "Manny" Calavera ist ein Reiseführer für die Toten. Stirbt man, muss man eine Reise durch Manny's Zwischenwelt antreten. Wer im Leben gut war, bekommt ein Zug-Ticket; wer besonders mies war, muss die Reise zu Fuss angehen.

Recht schnell bemerkt Manny, dass etwas nicht stimmt. Aus irgend einem Grund bekommt er nur Fälle zugewiesen, die im Leben nicht für viel Gutes verantwortlich waren, während sein Partner im Büro nebenan, Domino, alle guten Fälle bekommt. Um seine Karriere etwas zu verbessern, klaut er einen Kunden von Domino — nur um festzustellen, dass auch Menschen, die im Leben gut waren, keine Tickets für den Zug bekommen. Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, begibt sich Manny auf ein Abenteuer, welches ihn vier Jahres seines nicht-Lebens kosten wird.

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Während dieser vier Jahre reist er durch die Zwischenwelt zwischen Leben und Tod, gewinnt Freunde, macht Feinde, wir verraten, rettet leben, und erlebt viele Abenteuer. Besonders Glottis, den er früh im Spiel antrifft, sollte man an dieser Stelle erwähnen. Der Dämon des Tempos hilft ihm immer wieder aus der Patsche, und begleitet ihn während der ganzen Reise.

Adventure

Grim Fandango ist, trotz 3D-Welt, in vielen Belangen ein typisches 90er-Adventure. Manny klaut Gegenstände zusammen, um verschiedenste Rätsel zu lösen, die ihn nach und nach näher an die Antwort nach den verlorenen Zugtickets bringt. Das Hauptproblem der 90er-Adventures — dass einige der Rätsel nicht unbedingt logisch nachvollziehbare Lösungen haben — ist auch in Grim Fandango ersichtlich.

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Glücklicherweise halten sich die wirklich wirren Rätsel in einem engen Rahmen. Ich hatte rund 10 Stunden, um das Spiel durchzuspielen, und musste während dieser Zeit fünf oder sechs mal eine Antwort in einem Walkthrough nachschauen, weil ich echt nicht auf die Lösung eines Rätsels kam. Schade ist hier lediglich, dass Entwickler Double Fine kein Hint-System in die neue Version des Spiels eingebaut hat. Das hätte mir den Gang zum Walkthrough erspart, und vielleicht dazu geführt, dass ich das eine oder andere dieser Rätsel mit einem kleinen Tipp vielleicht doch noch selber hätte lösen können.

Remastered

Damit wären wir bei den Änderungen der Remastered-Version. Die offensichtlichste Änderung ist, dass die in 3D gerenderten Figuren neue Texturen und eine höhere Auflösung spendiert bekommen haben. Ausserdem werden neu Umgebungsschatten auf die Figuren gerendert.

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Die Hintergründe sind identisch mit der Originalversion, was aus meiner Sicht okay ist; sie sehen immer noch gut aus.

Die vorgerenderten Filme wurden neu gemastert, und sehen nun viel besser aus als im Original.

Eine relevantere Neuerung ist, dass zusätzlich zu den "Tank"-Controls vom Original (die Steuerung von Manny ist relativ zu seiner Sicht, drückt man auf dem Gamepad nach rechts, dreht sich Manny also um die eigene Achse nach rechts) durch eine moderne Bildschirm-relative Steuerung erweitert wurde (drückt man auf dem Gamepad nach rechts, rennt Manny relativ zum Bildschirm nach rechts). Ausserdem kann man das Spiel neu auch mit der Maus steuern. Ich war nie ein grosser Fan von Tank-Controls, und diese Neuerung alleine macht das Spiel extrem viel spielbarer.

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Ein letzter relevanter Teil sind die Entwickler-Kommentare. An vielen Orten kann man mit dem linken Schulterbutton einen optionalen Kommentar ablaufen lassen, bei dem die Entwickler von Grim Fandango Kommentare zum Spiel geben, welche teils aufschlussreich, teils banal, teils spannend, aber immer interessant sind. Eine geniale Erweiterung für alle, die sich für die Gedanken hinter den Gameplay-Elementen oder für historische Einsichten in die Spiele-Entwicklung interessieren.

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Probleme

Die neue Grim Fandango-Version ist nicht perfekt. Ich habe bereits das fehlende Hint-System erwähnt. Ein relevanteres Problem ist, dass ich das Spiel zwei mal in einen unlösbaren Zustand versetzen konnte. Glücklicherweise war es beide Male extrem offensichtlich, und ich konnte beide male auf ein Savegame zurückgehen, welches nur ein paar Minuten alt war (speichern muss man übrigens manuell). Trotzdem bleibt zu hoffen, dass Double Fine solche Bugs noch beheben wird.

Unter dem Strich

In diesem Review habe ich bisher viel über Grafik und LucasArts und Tank-Controls und Puzzles und Bugs erzählt, aber das Wichtigste ist dabei verloren gegangen: Grim Fandango macht unendlich viel Spass. Die Story ist einfach unglaublich gut, die Dialoge sind enorm witzig, die Charaktere sind liebevoll und tiefgründig, und man möchte einfach immer mehr Zeit mit ihnen verbringen. Manchmal spielt man Spiele, bei denen man sich aktiv wünscht, dass sie nie zu Ende gehen, weil sie einfach so perfekt sind. Grim Fandango ist so ein Spiel.

All die anderen Dinge in diesem Review, die Bugs, die Controls, die Puzzles — all das ist eigentlich völlig egal. Relevant ist einzig dies: Grim Fandango ist ein unglaublich gutes, unglaublich liebevoll gestaltetes Spiel, welches in einer fantastischen, schönen Welt gefüllt mit interessanten, witzigen Figuren spielt.

Wer sich die Zeit nicht nimmt, um die Welt von Grim Fandango kennen zu lernen, der verpasst eines der besten Games aller Zeiten.

Wir bedanken uns bei Sony für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.

judgementbox
Grim Fandango
gold_medium
Positiv
  • Geniale Welt
  • Witzige, tiefgründige Charaktere
  • Tolle Story
Negativ
  • Wen interessiert's, die positiven Dinge an diesem Spiel sind so gut, dass die negativen Dinge gar keine Rolle spielen
Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Von Double Fine, LucasArts