HALO: REACH
Testbericht | Xbox 360

Halo: Reach

vor 7 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 7 Jahren

Der vorerst letzte Eintrag in die Serie von Bungie spielt chronologisch gesehen vor dem ersten Teil mit dem klingenden Namen «Halo: Combat Evolved». Die Zerstörung des Planeten lässt sich wohl nicht abwenden, aber was passiert genau auf dem Weg bis da hin?

Number Six, Noble Team

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Wer den Halo-Games einigermassen nahe steht, weiss, dass der Planet «Reach» der Vernichtung geweiht ist zum Zeitpunkt des Spielstarts. Als die inneren Kolonien der Menschheit im Jahre 2552 vor ihrer Auslöschung stehen, beordert man die überlebenden Eliteeinheiten der SPARTAN-II-Klasse zum Planeten Reach, darunter euch.

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Reach ist nicht nur Zentrum für Wissenschaft und Technologie, sondern auch Hauptwerft für die UNSC-Streitkräfte und letztes Bollwerk vor der Erde gegen die heranrückenden Truppen der Covenant, oder in der deutschen Synchronisation, der «Allianz». Wobei hier «Alieanz« eigentlich der richtigere Ausdruck wäre, da es sich um eine zusammengerottete Truppe von verschiedenen ausserirdischen Völkern handelt. Aber egal. Ihr erreicht also den Planeten Reach, und die Allianz bricht über euch herein — und mit ihnen die Hölle.

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Der Rest der Geschichte ist allgemein bekannt: Der Plan des UNSC, der menschlichen Verbände, bestand ursprünglich darin, ein Allianzschiff zu entern, die Heimatwelt der Allianz zu finden, deren Anführer gefangen zu nehmen und die Aliens so zu einem Waffenstillstand zu zwingen. Zwei Tage vor Beginn dieser Mission greifen jedoch die Allianzstreitkräfte unerwartet an. Durch das Bombardement des Planeten verschmilzt seine Oberfläche zu Glas. Einziger überlebender Spartan-Krieger wird der Master Chief sein, in dessen Haut man in den Teilen 1 bis 3 herumgeballert hat.

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ihr könnt also als Mitglied «Nummer Sechs» des Noble Teams tapfer kämpfen und alles in eurer Macht liegende tun, und trotzdem wird Reach die grosse Schlacht nicht überstehen. Irgendwie merkwürdig, und doch unterhaltsam.

«Truppentransporter der Allianz nähern sich Eurem Zielgebiet»

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Zu Beginn entscheidet ihr euch, ob ihr Weiblein oder Männlein Number Six spielen wollt, und bei eurer Ankunft bei der Truppe wir euch auch gleich klargemacht, dass die Zahl «6» bei den Teammembers irgendwie mit Unheil vollgetankt ist. Dies wird jedoch weniger wichtig, sobald die ersten Aliens um die Ecke dahergerannt kommen.

Die Gefechte in Reach sind gewohnt spassig und machen sowohl im Single-Player-Modus als auch als Kooperativ-Action ordentlich was her. Leider hat es Bungie verpasst, dem Co-Op-Teil entsprechend alternative Cut-Scenes zu gönnen und die Story leicht anzupassen. Viel Aufwand wäre dazu nicht nötig gewesen. Leider scheint auch das Gegneraufkommen nicht den zusätzlichen menschlichen Spielern angeglichen zu werden, was natürlich zu einer allgemeinen relativen Senkung des Schwierigkeitslevels führt. Zu zweit ist dies bereits spürbar, zu dritt oder zu viert ist das Vorankommen schlichtweg zu einfach.

Sehr zu rühmen ist Bungie an dieser Stelle für die konsequente Einbettung eines Split-Screen-Modus. Hey, Gamebranche! Wir mögen gemeinsames Zocken mit Freunden am selben Screen! Irgendwie scheint das immernoch nicht überall angekommen zu sein. Gerade Action-Games müssten standardmässig eine Option für gemeinsames Durchspiel der Kampagne bieten, wie ich finde.

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Jooomp

Zurück zum Planeten Reach: Cool sind die Equipment-Optionen, wo ihr euren hart verdienten Cash in neue Panzerschrauben und ähnliches investieren dürft. Im Verlaufe Eures Aufstiegs könnt ihr euch so einen klaren Wettbewerbsvorteil beschaffen, denn ohne Verbesserungen sterbt ihr, gerade in den hohen Schwierigkeitsgraden, noch schneller als so schon.

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Die Missionsdesigns kennt man als alter Halo-Veteran auswendig. Die Aussenareale sind gewohnt cool zu spielen und sorgen mit unterschiedlichen Gefällen und Deckungen für Laune. Die Innenräume der Alien-Spaceships kommen hübsch daher — bloss wirkt das alles irgendwie nicht mehr ganz so frisch. Die Farbgebung ist etwas düsterer geworden als auch schon, und das hat dem Spiel gut getan. Aber wo ist die erhoffte Wundertüte? Ich kann mich gut daran erinnern, wie in «Combat Evolved» urplötzlich die Flood ins Spiel hereinbrach und mir einen gehörigen Schrecken versetzte. Die folgenden Dreiecksgefechte zwischen Menschen, Allianz und Flood waren absolut fantastisch. Reach ist dahingehend etwas lau, die Nachtmissionen sind sicherlich okay, aber halt auch nicht der Reisser. Nettes Detail in der Dunkelheit ist das animierte Visier des Präzisionsgewehrs.

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Eine Mission hat es gewaltig in sich. Ihr fliegt nachts mit Eurem Heli samt Besatzung in einer brennenden Großstadt im peitschenden Regen von Wolkenkratzerdach zu Wolkenkratzerdach, landet, kämpft, ballert Allianz-Trupps weg und helft so, den Luftraum für die Evakuierung der Zivilisten frei zu machen. Die Innenräume hoch über der Stadt sind cool umgesetzt. Das «Finale» in einer Art Nobel-Club, wo statt tanzender Menschlein für einmal ein ganzer Trupp von Huntern, den riesigen bepanzerten Jägern der Allianz, für Stimmung sorgen, überzeugt mit vielen Details und witzigen Designideen. Der gesamte Abschnitt spielt sich wie ein Crescendo von aufbrausender Explosivität, und ist sicherlich eines der spannendsten und abwechslungsreichsten Levels der Halo-Geschichte.

Hätte Bungie genausoviel Benzin in den Tank der der restlichen Levels gefülllt, wäre das Spiel den ganzen Ruhm und die viele Ehre wirklich wert, das es von vielen Seiten erhält. Leider besteht aber der grössere Teil der Spielabschnitte aus Verschnitten bekannter Teile der vorangegangenen Halo-Games, und zwar sowohl was Gegener, Waffen, Vehikel als auch was Umgebungen angeht.

Die Gegner verhalten sich gewohnt clever, sind jedoch gemessen an aktuellen «Kollegen» in anderen Games nicht mehr oder weniger agil. Es gibt (temporär) getarnte Schurken, Sprinter mit Nahkampfwaffen, kleine Wichte mit Raketenwerfer-artigen Wummen und alle wissen mit ihren Fähigkeiten mehr oder weniger umzugehen. Wenn man die Gegnerschaft in den weiten Spielwelten allerdings selber geschickt flankiert, stossen sie wie alle Computergegner schnell an ihre Grenzen. Ein frontales Anstürmen hingegen kontern sie geschickt mit eigenen Flankierungsbewegungen.

Zwei neue Gefährte / Gleiter, welche an dieser Stelle der Neuheit wegen nicht verraten sein sollen, dürfen ebenfalls pilotiert werden. Zu beachten gilt es dabei jedoch, dass die im Singleplayer-Modus die eigenen Mitkämpfer nicht gerade mit brillantem taktischem Verständnis glänzen. Wer also mit Gefährt / Gleiter zum Ziel kommen will, fährt / fliegt am besten selbst. Schiessen können die KI-Kumpanen einigermassen, aber auch da ist selbst der (bessere) Mann. Die Steuerung des Warthogs ist mir persönlich immernoch ein Knochen im Rad, da gäbe es bestimmt gängigere Arten für die Lenkung. Gleiter und andere Vehikel steuern sich jedoch erste Sahne.

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Was die zusätzliche Ausrüstung angeht, so hat mir das Jetpack sehr gut gefallen. Einige Optionen, wie z.b. der Holo-Screen oder der Schildboost schienen jedoch wenig wirksam. Oft ist die Sprint-Fähigkeit sehr nützlich für das schnelle Erreichen einer taktisch besseren Position, und dürfte Eure Standardwahl bleiben für die meiste Zeit.

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Einige Raumgefechte, welche allerdings relativ leicht zu meistern sind, haben auch ihren Platz im Spiel bekommen.

Schön reicht nicht

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Reach präsentiert sich gewohnt hübsch, für ein Spiel mit Erscheinungsdatum Herbst 2010 dürfte man allerdings hier und da noch etwas mehr grafischen Schmackes erwarten. Die regelmässig auftretenden Textur-Pop-Ins, die teilweise sehr unscharfen Texturen auf nahen Objekten und die manchmal auftretenden Framerate-Probleme trüben etwas den Eindruck einer sonst Bungie-üblichen Schnittigkeit.

Sehr gut gelungen sind die Himmel über euren Köpfen, welche mit sich abspielenden Luftkämpfen und dahinziehenden Wolken des öfteren für ein Staunen sorgen. Gerade die eine oder andere Berggegend mit herbstlicher Stimmung und tief stehender Sonne vermag durchaus zu gefallen. Nichts desto trotz stellen Titel wie Alan Wake oder Uncharted 2 das neuste Halo-Kind locker in den Schatten, wenn es um die Präsentation geht. Einige zusätzliche Wettereffekte (à la Sturm in Alan Wake) und eine wirklich konstant hohe Framerate mit durchwegs scharfen Texturen hätte sicherlich geholfen.

Imposant und gewohnt genial ist hingegen der Soundtrack. Die deutsche Synchronisation kann der englischen Originalausgabe das Wasser nicht ganz reichen, aber zum Glück ist der Soundtrack eh wichtiger als das Geplappere.

Multiplayer satt

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Gewohnt solide präsentiert sich der Multiplayer-Modus, über den wohl nicht mehr allzuviel gesagt werden kann, was nicht andernorts und zu anderen Zeiten schon verlautet worden ist. Wer Online-Multiplayer-Gefechte mag, ist mit Halo mindestens seit dem höchstgepriesenen dritten Teil schon immer gut bedient gewesen. Oder besser gesagt: Reach wird die Multiplayer-Fans mit Halo-Affinität montelang beschäftigen.

Etwas erweitert wurde der Forge-Modus, wo man eigene Levels bauen und gleich selbst zocken darf. Dies funktioniert aber leider am ehesten mit eigenen Herscharen von Gamekumpels, da das Match-Making mit Fremdbeteiligung hier seine liebe Mühe bekundet.

Fazit

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Es ist nicht so, dass der neuste Halo-Titel keinen Spass macht. Bloss: Wenn «Halo» draufsteht, sollte auch Halo drin sein. Halo steht für höchste Ansprüche und exzellente Spielspass-Garantie mit einer grossen Prise Neuland. Die Serie hat sich, basierend auf einem fantastischen Einstand mit den grosszügigen Spielwelten, über die letzten Jahre stetig weiterentwickelt. Der zweite Teil brachte viel Abwechslung samt neuer Perspektive, Halo 3 einen gewaltigen und immernoch unglaublich erfolgreichen Multiplayer und selbst der Ableger Halo 3: ODST mit Firefight eine interessante Co-Op-Variante. Reach bringt hier nichts neues auf den Tisch und ist dementsprechend schlichtweg kein Halo 4. Was jedoch die treue Fangemeinde nicht davon abhalten wird, sich den Titel eh zu holen, was die aktuellen Verkaufszahlen zeigen. Die letzten Levels steigern sich zwar zu einem Furioso mit dem Flug-Level als vorzeitiges Highlight vor dem Finale, aber dies kann nicht über das über weite Strecken schon gesehene Spielmaterial hinwegtäuschen.

Bungie scheint ein bisschen Halo-müde, und darum ist es gut dass Reach vorerst das Ende der Serie bedeutet. Wer weiss, vielleicht bringt die Zukunft etwas frische Inspiration.


judgementbox
Halo Reach
Positiv

Solides Gameplay und Story, hübsche Hintergründe, packende Gefechte mit vielen Beteiligten, teilweise geniale Spielwelten mit viel Auslauf und entsprechend vielen taktischen Optionen, genialer Multiplayer, Splitscreen (juhee!)

Negativ

Wenig Innovation, kleinere technische Mängel, leichte «been there, done that»-Gefühle können aufkommen, etwas viel Repetition in Sachen Gegnertypen und Waffen

Alleine spielen: Nur für Fans.
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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