Testbericht | Xbox 360
LIMBODie Schatten der Nacht schleichen umher, alles ist trist und tot. Verendete Bäume überall, und übles Gebein lauert im Unterholz. Der kleine Junge ist allein, kein Ton erklingt, keine erhebende Melodie, die ihm Trost schenken möge. Es gibt keine Glückseligkeit in diesem Reich der Schwärze, und er fühlt sich einsam, verlassen, belauert und verfolgt. Er schlägt seine Augen auf – im düsteren Wald liegend – überall lauern Fallen und Gruben, und Erhängte singen ihr stummes Lied. Der Junge steht langsam auf – der Junge bist Du. Erwachen im AlbtraumDer Begriff «Limbo» hat in einem jüngst erschienen Kinofilm eine wichtige Rolle gespielt als tiefster Ort des Unterbewusstseins, der untersten Ebene der Welt der Träume. In «Inception» wollten die Charakteren das Eintauchen in diese Dimension unter allen Umständen verhindern, zumindest grösstenteils. Gemessen an der Darstellung dieses Raumes im Spiel von Playdead ist dies auch niemandem zu verübeln. Kaum feindlicher könnte ein Umgebung sein, niemand möchte darin erwachen. Ohne jegliche Farbe, nur aus Schatten, Silouetten, Unschärfe und wenigen Geräuschen bestehend, hat diese merkwürdige Welt etwas packendes. Man könnte meinen, die Spielwelt von Limbo habe aufgrund seiner Anmutung eine abschreckende Wirkung – genau das Gegenteil ist der Fall. Ihr bewegt Euch durch eine Abfolge von Umgebungen, die wie kunstvoll erstellte Schwarz-Weiss-Abzüge aus dem Fotolabor anmuten. Euer Charakter hat dabei die Agilität und die einfache Bedienbarkeit eines Sackboys aus LittleBigPlanet. Nur müsste es hier wohl eher heissen «DarkLonelyPlanet», denn Euer namenloser Hauptcharakter hat so einige Dutzend Tode zu erleben bis er endlich an seinem Ziel angelangt ist. Irgendwie fühlt sich aber Limbo tatsächlich so an, wie wenn die Leute von Playdead eine Menge Zeit mit LBP verbracht und dann doch was komplett eigenes hätten bauen wollen, und das ist gut so. Es steuert sich entsprechend flüssig und die Figuren und Animationen sind äusserst feingliedrig. Ohne Umweg ins VerderbenDas Ziel des Jump'n'Run, welches man fast als Scare'n'Run bezeichnen möchte, und die Handhabe sind denkbar einfach: Nach rechts durch die Welt vorankommen – und zu diesem Zweck einen Stick für Bewegung, einen Knopf fürs Springen und einen Button für Spezialaktionen verwenden. That's it. Das Vorankommen an und für sich kann jedoch den einen oder anderen Grauzellen-Grips und öfters ein perfektes Timing von Euch abverlangen. Es regnet in der Hölle Die Welt von Limbo ist dermassen voll von Horror und bösen Überraschungen, dass einem nach kurzer Zeit notgedrungen ein permanentes Gefühl der düsteren Vorahnung überkommt. Glücklicherweise bleibt einem das rote Spritzen von Blut durch die Monochrom-Grafik erspart. Dass man beim Vorankommen des öfteren auch im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen gehen muss, unterstützt diesen Eindruck natürlich. Und es macht durchaus Sinn, dass das Spiel mit einer Altersbeschränkung ab 18 Jahren zu haben ist, denn es handelt sich hierbei zwar um sehr kunstvolle, aber alles andere als leichte Kost. Komischerweise behält das Spiel auch eine gewisse Leichtigkeit, die wohl an der Eleganz und Feinheit des Hauptfigürchens liegen mag. Den Jungen schliesst man schnell in's Herz, obwohl er niemals etwas sagt, keinen Namen hat und mehr stirbt als sonst was. Knallhart, raubeinig, brutal, unvermittelt und böseSo könnte man den Parcours ungefähr beschreiben, den da jemand für Euch ausgelegt hat. Riesenspinnen, Bärenfallen, Parasiten, Speergruben, gewaltige Stahlpressen, Riesenfräsen und aggressive Jäger sind nur einige der unangenehmen Überraschungen, welche die Welt von Limbo für Euch bereit hält. Eigentliche Levels in dem Sinn gibt es nicht, der Weg geht jeweils nahtlos weiter, die Schauplätze wechseln sich ab, und es bleibt durchwegs düster. Die Szenerien sind unverzeihlich, teilweise auch schockierend, rau – und doch stellen sich auch Momente von einer gewissen Poesie ein in all dem Schrecken. Und es ist still – es gibt keine Musik in Limbo, nur die minimalistische Geräuschlandschaft des Wetters, der Maschinen und der Gefahren. Und trotzdem: Wenn der kleine Held in einem Boot über den Fluss segelt, hat das etwas unglaublich anmutiges. Schwer zu beschreiben – am besten selbst ausprobieren. Allein auf weiter Fahrt Besonders cool sind auch die Physikeffekte gelungen, so hat Wasser eine ziemlich bedrohliche Macht, besonders in rauen Mengen. Atmosphäre schaffen zusätzlich die Wettereffekte wie Nebel oder Regen, oder auch der ab und zu auftretende leichte Wind. Die wehenden schwarzen Gräser und das Plätschern des Regens haben irgendwie schon fast etwas paradiesisches in den Weiten des dunklen Schlundes. Hier ein paar Eindrücke aus dem Spiel als Video: LIMBO gibts auf Xbox Live für 1200 Punkte oder -kalkulier- -ächz- CHF 19.20. Und auch auf PSN ist der Titel zu haben für um die 20 Franken. Zweite Meinung von LKM
Die wunderschöne, tiefschwarze Grafik gepaart mit den kindlichen Figuren und der grausamen Realität, in der man sich bewegt, machen Limbo zu einem ganz besonderen Spiel. Die Atmosphäre des Spiels ist aber nicht der einzige Punkt, der überzeugt. Auch das Gameplay ist gut durchdacht; die Rätsel sind clever, die Steuerung fühlt sich gut an, und die Hüpf-Sequenzen sind nie so frustrierend dass man aufgibt. Ein rundum gelungenes Spiel für ein erwachsenes Publikum.
Positiv
Tolle Controls, einzigartige Atmosphäre und Präsentation, fantastische Stimmung und kunstvolles Design, technisch einwandfrei, im weit ausgetretenen Genre des Jump'n'Run hat Limbo etwas total eigenes Negativ
Eher kurz geraten, da herunterladbarer Inhalt, gerade so ordentlich viel Spiel für die knapp 20 Franken, ansonsten gibts nichts zu meckern
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