LARA CROFT AND THE GUARDIAN OF LIGHT
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Lara Croft and the Guardian of Light gold_medium

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 6 Jahren

«Lara Croft» war neben einer traditionell attraktiven äusseren Erscheinung auch lange Zeit gleichbedeutend mit endlosen und einsamen Erkundungen von uralten Katakomben, dem Sterben tausender Tode in irgendwelchen Fallen und eher lauwarmen Actionsequenzen. Der Wächter des Lichtes setzt der Einsamkeit und der dünnen Action ein Ende.

Es war einmal im Dschungel...

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Der Einstieg in den neusten Eintrag der Lara Croft-Serie klingt wie schon hundertmal gehört. Diesmal sind wieder die Azteken an der Reihe, deren alte Kammern für Schiessereien und Schleichtouren herhalten müssen. Der oberböse aztekische – nicht zu verwechseln mit asketische – Dunkelrauch-Gott namens Qeutzalopec (kurz «Quietschbitch») droht mit dem Untergang der Welt. Dies nachdem Lara mit ein paar Dschungelbanditen im Schlepptau den dampfenden Mittelamerika-Dämon aus Versehen losgelassen hat. Natürlich sind die paar Guerrilleros auch vor Ort, werden aber bereits im Intro niedergemäht und sind in dem Sinn mehr Statisten als sonst was.

Der Story-Rahmen ist geradeaus gesagt nicht besonders wichtig. Das Setting gibt viel her in Sachen Artwork und Leveldesign, und es macht sofort dermassen viel Spass (alleine oder noch besser zu zweit, siehe weiter unten) die stimmigen Schatzgräber zu räubern, dass man die Geschichte gar nicht mehr wirklich wahrnimmt. Eingestreut werden unterwegs einzelne Zwischensequenzen, die aber v.a. dazu da sind, den nächsten Aufenthaltsort des Oberbösen = euer nächstes Ziel klarzumachen.

Come with me, dear

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Begleitet wird Lara auf ihrem neusten Abenteuer vom Azteken-Wächter «Totec», der scheinbar ein paar Jahrhunderte ohne Probleme überlebt hat. Spielt ihr allein, übergibt er Lara gleich am Anfang ein Artefakt in Form eines Speers, den sie für das Erreichen höher gelegener Plattformen zwecks Einstecken in die Wände und anschliessendem Raufklettern benötigt.

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Viel spannender wirds jedoch, wenn neben euch ein Kumpel auf dem Sofa Platz nimmt, und ihr zu zweit die alten Gemäuer und Dschungelabschnitte unsicher macht. Die eingebauten Zusammenarbeits-Mechanismen haben es in sich wie selten in ähnlich gelagerten Games. Und sie funktionieren ohne Mucken und Pannen in jeder bisher ausprobierten Situation einwandfrei. Totec, auch ein netter Name, klänge er etwas weniger morbid, kann der Frau Croft z.b. helfen, indem er seinen Schild über den Kopf hält, und sie dann quasi «auf Schilden» trägt. So kann man höher gelegene Ebenen erreichen. Lara wiederum kann ihr Kletterseil dazu verwenden, Totec sicher über Abgründe hinwegzubringen, wenn sie selbst die andere Seite bereits erreicht hat. Auch balancieren kann der tapfere Latino auf dem Seil.

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Es gibt viele Arten zu sterben in diesem Spiel. Eine davon: Kugelfallen, die man auch noch sprengen muss an manchen Stellen.

Zusammen mit den tollen Physikrätseln und kreativen Schalterkombinationen macht das Spiel einfach ungeheuren Spass zu zweit. Der Online-Modus wird für alle Plattformen zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht, heisst es seitens des Publishers. Solange ihr einen geneigten Mitspieler in der Nähe habt, ist dies aber mehr als zu verschmerzen.

Die Plattforming-Elemente machen das Spiel zusätzlich zu einem genialen Spiessrutenlauf. An manchen Stellen bricht hinter euch das pure Chaos aus, während ihr so schnell als möglich zu entkommen versucht. Oder es kommt vor, dass euer Ausflug im doppelten Nirvana endet – etwa wenn euer Mitstreiter zu früh, trotz eurem verzweifelten «Neiiiiin, nicht beweg... !» von einer Bodenplatte weggeht, die euch vor dem Speerfallen-Tod bewahrt. Und er gleichzeitig in die direkt daneben gelegene Speerfalle spaziert.

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Dies passiert zur genüge natürlich auch umgekehrt, und so hat man immer was zu tun. Tatsache ist, dass ein Versagen mit zwei verwurstelten Abenteurer-Überbleibseln am Grund einer Fallgrube wesentlich mehr Spass macht als alleine.

Aus dem Level fallen kann man nicht, aber wenn die eigenen Punktzahl auf Null gesunken ist, gibts natürlich keine Bonusitems oder Upgrades bei Abschluss des Levels. Aber die Punkte lassen sich schon organisieren, und so bleibt der Game-Flow eigentlich permanent mit neuen Umgebungen, Waffen, Artefakten und Rätseln erhalten.

Action Jackson, ähem, Croft

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Wer hat Angst vor Spinnen? Arachnophoben sollte sich diesen Abschnitt sparen, es wuselt und fleucht in jeder Ecke – perfektes Futter für den Flammenwerfer.

Ungewohnt für ein Lara-Croft-Spiel sind die ausgeprägten, hitzigen und hochkarätigen Arcade-Style-Schiessereien. Die Kämpfe dürfen mit Sprengstoff, allerhand Knarren, Granaten und unter Einbezug der Umgebung angegangen werden. Eine Partie Spinnenbowling gefällig? Wenn euer Mitspieler verrückt genug ist, die lieben Achtbeiner anzulocken, darf der andere gerne eine Steinkugel die Treppe runterrollen lassen. Alles eine Frage des Timings, das Spiel lässt es auf jeden Fall zu. Oder auch das Hochjagen von verlassenen Guerrillero-Jeeps kann durchaus Spass machen und Gegner vernichten.

All dies geschieht in einer optisch äusserst ansprechenden Spielwelt, wo sich dynamisches Wetter, zerstörbare Objekte, lauschige Wasseroberflächen und plauschige Explosionen samt herumfliegenden Trümmern um den ersten Platz im Rampenlicht streiten. Ergänzt wird die schöne Präsentation von einem bombastischen Soundtrack und treibenden Beats und orchestralen Einlagen.

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Wem es nach knapp sieben Stunden und Beendigung der Kampagne noch nicht genug ist, darf überall alle Extra-Sammel-Items jagen, Punkterekorde knacken oder Speedlimits pulverisieren (zehn rote Schädel können verdammt schwer zu finden sein). Fünf DLCs sind bereits in Arbeit. Die Zusatzkapitel kommen mit neuen Gebieten zum Erkunden, neuen Rätseln für dampfende Hirne und neuen Fallen für gemeinsames Aufgespiesst-Werden, und werden diesen Herbst / Winter ebenfalls in den Online-Handel gelangen. Bis dahin dürfte ein Replay diverser Level kaum Langeweile aufkommen lassen.

Vielen Dank an Bladerunner für die tolle Zusammenarbeit in der Gruft. Auf bald wieder!

Lara Croft and the Guardian of Light ist auf PSN und Live zu haben für günstig-knappe 21 Franken

judgementbox
Lara Croft and the Guardian of Light
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Positiv

Sehr viel Spiel fürs Geld, fantastische Präsentation, stimmige Atmosphäre und fein gestaltete Umgebungen, flüssiges Gameplay, tolle Action, genialer Kooperativmodus für Spiel zu zweit, abwechslungsreiche Welten, exzellente Rätsel und Geschicklichkeitspassagen, hohe Langzeitmotivation mit Belohungen für Punkterekorde und laufend neuen Items / Waffen / Relikten

Negativ

Nichts auszusetzen – Kampagne vielleicht mit rund sieben Stunden eher kurz geraten, kostet aber auch nur knapp 20 Franken

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Lara Croft and the Guardian of Light
Erhältlich für PlayStation 3, Xbox 360
Von Eidos (Developer), Square Enix (Publisher)