PRO EVOLUTION SOCCER 2011
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Pro Evolution Soccer 2011

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 6 Jahren

«Alle Jahre wieder» denkt man sich insgeheim, und ist gespannt auf die neuen Features und die überarbeitete Grafik samt Gameplay. Und siehe da! Dieses Jahr hat sich definitiv etwas getan. Also nichts wie los mit der Berichterstattung live aus dem Stadion.

And the winner is: Benedikt Mathis!

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Wir gratulieren dem glücklichen Gewinner zu seiner Ausgabe Pro Evolution Soccer 2011 für die Xbox 360 und bedanken uns herzlich bei Koch Media AG und Konami.

Aussenrist und ab in die Ecke

Wie wir von unserem Hands-On an der diesjährigen GAMESCOM in Köln bereits berichtet haben, hat Pro Evo 11 einige grosse Schritte nach vorn getan. In einer Zeit, wo der geneigte Virtuell-Fussball-Fan zwei hochwertige Produkte zur Wahl hat, und wo die Konkurrenz aus dem Hause EA ständig offensiver auftritt, ist es für die Pro Evolution Reihe ebenfalls an der Zeit, aus einer soliden Defensive heraus nach vorn zu spielen.

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Pro Evo 11 erspielt sich gleich nach Anpfiff, sprich nach Einlegen der Disc, erste Chancen in unseren Herzen mit einer frischen, hübsch überarbeiteten Grafik. Die Engine sei zwar immernoch dieselbe, neu optimierte Version wie letztes Jahr, doch nehmen wir diese gern als flüssig spielbare und knusprig anzuschauende Spielfeldszenerie an.

Wendig am Ball, präzis im Abschluss

Die neue, stufenlose Steuerung vermag einen der letztjährigen Nachteile der FIFA-Konkurrenz gegenüber auszubügeln. Gerade das neue Passsystem macht gemeinsam mit den altbewährten und weitherum geschätzten Qualitäten der japanischen Fussballsimulation ordentlich was her und sorgt für smoothes flüssiges Fussball-Game-Feeling. Leider gelingt ein klitzekleines Detail immernoch nicht ganz so gut wie beim Mitbewerber — das Vor-sich-hin-kullern-lassen des Digitalleders im ultralangsamen Tempo klappt einfach nicht so ganz. Entweder man steht, rennt oder sprintet, oder wechselt die Richtung, ganz feines Fortbewegen ist aber nach wie vor Fehlanzeige, im Gegensatz zur Konkurrenz. Nun ja, Fortan sei auf eine ständige Vergleicherei mit dem zweiten grossen Fussball-Game unserer Zeit im weiteren Verlauf dieses Artikels verzichtet, aber so manches Detail lässt sich nur schwerlich anders umschreiben.

Die Frage nach dem Pro oder Contra PES / FIFA muss schlussendlich jeder, am besten via Tests der jeweiligen Demos auf PSN oder Live selbst klären. Je näher sich die beiden Titel kommen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen, je weniger kommt man um einen direkten Vergleich herum. Aber eben. Selber testen, Auswahl treffen.

Pässe für die Ewigkeit

FIFA-Fremdgänger aufgepasst: Wenn das optimierte Bewegungssystem nicht reicht, sind es die neuen freien Pässe, welche eine Heimkehr für zumindest ein Testspiel wert machen. Einerseits darf man neu den Ball unter Zuhilfenahme einer der linken Schultertaster in jede gewünschte Richtung passen (siehe "manuelle Pässe" der Vergangenheit die früher auf dem rechten Stick zu finden waren). Das Rund kommt andererseits ohnehin immer so, wie man es haben wollte, hat man erstmal ein paar Partien geübt. Richtiges Zielen und ausreichende Stärke der Ballabgabe natürlich vorausgesetzt, damit der Pass nicht unterwegs verhungert, gelingen so wunderbar genaue Zuspiele.

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Tricks leicht gemacht mit dem rechten Stick.

Gerade bei den Steilpässen ist dieses System eine Offenbahrung. Es ist guten Mittelfeldspielern mit Übersicht durchaus möglich, 30-Meter-Pässe durch eine Gasse in der gegnerischen Abwehr quer über das Feld in den Lauf eines Flügelstürmers zu schlenzen.

PES mag nicht ein komplette neues Dress samt Trainer erhalten haben, wenn man aber spielt, merkt man, dass zumindest neues, hochpräzises Schuhwerk hinzugekommen ist, das die Magnetpässe der früheren Ausgabe ziemlich verstaubt erscheinen lässt. Dabei wurden den Werte des «Pick Up & Play» nicht über Bord geworfen, man kann sehr schnell sehr viel Spass haben mit Pro Evo — nach wie vor.

Never change a winning team

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Was PES schon immer einzigartig spassig und gleichzeitig recht gut annehmbar für Einsteiger gemacht hat, war die glaubwürdige Ballphysik, welche ein feines Tuning erhalten hat. Der Sound der Ballabgabe ist nach wie vor unerreicht. Und es kommt noch besser: Die Animations-Übergänge der Spieler, und die intensivere Bearbeitung des Balles bei Dribblings ergeben mehr Ballberührungen. Nachvollziehbares Rempeln und Stolpern schenken dem Spieler besseres Feedback auf seine Aktionen.

Es ist durch und durch PES, wenn die Physik ermöglicht, dass der Ball glaubwürdig im Strafraum hin und her dongelt wie in einem Flipperkasten, oder wenn der Torhüter nach einer erst scheinbar geglückten Parade den Ball doch noch aus Versehen selbst über die Torlinie «ärschelt». Und das ist Fussball. Kein Spiel fühlt sich mehr nach Fussball an, trotz nach wie vor offensichtlichen Nachteilen in Sachen grafische Detailtreue und Stadionanimationen.

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Stärker geworden sind die spürbaren Eigenarten der einzelnen Teams, auch seit je her eine Stärke von PES, und (ich sage leider) auch die sogenannten Superstars. Man kann davon halten was man will, und realistischerweise muss ein gegnerisches Team von Messi und Co. eben diese wirklich neutralisieren, um nicht von zwei gelungenen Solos ausgehebelt zu werden. Bloss verhält sich dies in virtuellen Stadien irgendwie merkwürdig, wenn der Unterschied zu gross wird. Hier wäre eine Orientierung an der Vergangenheit die bessere Wahl gewesen, wo die Rasen-Divas bereits stark genug agierten.

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Ein Modus, der besonders gut reinkommt, und wo die Superstars gezwungenermassen eine grosse Rolle spielen, ist natürlich die Champions League. Die wohlbekannte Melodie allein verpasst jedem Fussball-Fan einen wohligen Schauer, daran hat sich seit der Premiere in PES in der 09er-Ausgabe nicht viel geändert. Der Modus ist cool aufgezogen und macht mächtig Spass. Wahlweise darf man einen «echten» Teilnehmer zum europäischen Championat des letzten Jahres führen, oder eine Mannschaft nach eigener Wahl. Wer eine echte Herausforderung sucht, geht mit einem Team der Schweizer Super League an den Start und spielt auf höchstem Schwierigkeitsgrad. Dies dürfte in etwa dem Kräfteverhältnis der Realität entsprechen, spätestens ab den Achtelfinals.

Konditionelle Schwächen

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Ein paar wenige Negativpunkte gibt es leider auch zu verzeichnen. So wurden ein paar Altlasten wie der unnötig lange Unterbruch bei Abstössen, eher unelegantes Ballauswerfen des Torhüters, gelegentliches Unterlaufen hoher Bälle durch denselben, oder merkwürdige Schiedsrichterentscheide nur teilweise ausgeräumt.

Warum man immernoch derart lange auf die Ausführung von Freistössen warten muss, wird ein Geheimnis von Seabass bleiben. «Ohh... schnell ausgeführt, die Verteidiger komplett überlaufen und Toooor!» wird man in einem PES-Match nicht hören. Wo wir gerade von den Kommentatoren sprechen: Auch diese haben ihre Macken, und so ist es kein Wunder, wenn man Kombinationen hört wie «Da war nicht mal ein Rempler auszumachen» nachdem der Schiri ein harmloses Foul gepfiffen hat, bloss um von «absolut richtiger Entscheid, hier muss der Unparteiische hart durchgreifen!» gefolgt zu werden. Ein bisschen schmunzeln muss man da schon.

Elfemeterschiessen ist Lotterie — der seitliche Blickwinkel beim Anlauf ist noch weniger erfreulich als die Frontalansicht der letzten Jahre. Die Schusstaste startet lediglich euren Anlauf. Je früher ihr den Stick in die gewünschte Richtung lenkt, desto weiter entfernt von der Mitte landet der Ball. Das Ergebnis ist eine unintuitive Beinahe-Katastrophe. Ein Tipp bei aufkommender Agression: Niemals versuchen, den Controller an die Wand zu werfen, wenn sich Lebewesen oder Designerstücke in der Nähe befinden.

Altbekannte kleine Krücken in den Köpfen eurer KI-Kollegen, wenn sie z.b. in aller Seelenruhe an einem einfachen Pass vorbeitraben, sind leider nicht ganz ausgemerzt. Aber angesichts der grundsätzlich guten Taktiktreue und der Optimierung des Abwehrverhaltens lässt sich da hie und da drüber hinwegsehen. Schliesslich kapieren auch in echten Fussballspielen die Teamkollegen manchmal die einfachsten Spielzüge nicht.

Glänzende Fights auf der Couch

2 gegen 2, Multiplayer, all das klingt wie Musik in den Ohren von Fussball-Zocker-Fans. Erstaunlicherweise machten bereits vergangene Versionen von PES auch eher hartgesottene Sportspiel-Hasser oder Fussball-Nihilisten zu begeisterten Torjägern.

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Dahingehend hat sich nichts geändert, PES 2011 macht Spass wie eh und je und es sei jedem empfohlen, der sich dies noch nie gegeben hat, bei Gelegenheit mit drei Freunden eine Spielchen 2 vs. 2 aufzugleisen. Laut fluchende Zeitgenossen, unvermittelt aufspringende Jubelposer und verdutzte Gesichter nach einem abgelenkten Weitschuss samt Kullern im Netz inklusive.

Online geht momentan noch nicht so viel, es herrscht ziemlicher Lag vor. Eine Ergänzung zu den Online-Modi folgt also allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt.

Fazit

Klare Steigerung im Vergleich zu den letzten Jahren — wer Fussball in digitaler Form liebt, kommt um PES 2011 nicht herum. Und sei es auch nur zumindest für ein Auswärts-Testspiel, PES hat alles was ein emotionsgeladener Fussball-Game-Abend braucht.

Wir bedanken uns bei der Koch Media AG / Konami für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.


judgementbox
Pro Evolution Soccer 2011
Positiv

Solides Fussball-Game mit einigen cleveren Renovationen, tolles neues Pass-System, auch für Anfänger grundsätzlich einfach zu begreifen und gegen oben fast unendlich komplex und präzise

Negativ

Immernoch grafisch etwas hinkend im Vergleich zur Konkurrenz, ein paar immernoch pieksende kleine Altlasten

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Nur für Fans.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Von Konami (Developer, Publisher)