RDR - UNDEAD NIGHTMARE DLC
Testbericht | PS3 | Xbox 360

RDR - Undead Nightmare DLC gold_medium

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Die Welt wirkt wie ein umgekehrter Handschuh. Wo man gerade noch mit dem durchgeknallten Professor McDouglas durch dichte Wälder ritt, hat sich eine grünlich-gelbe Farbstimmung voller dunkler Vorahnung über die Landschaft gelegt. Und die grösstenteils sympathischen Einwohner von Blackwater wollen neuerdings nur noch eins: euch so schnell als möglich den Kopf abbeissen. Wie konnte es dazu kommen?

Pijama-Party

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Da liegt er friedlich da, im Schlafanzug. John Marston ist zurück im trauten Heim nach seiner langen und anstrengenden Jagd, geniesst seine Familienglück und kümmert sich wieder um seine Farm, als eines Nachts urplötzlich die Hölle in Form seines besessenen Onkels über das Haus hereinbricht. Bald findet man sich von ausschwärmenden Seuchenopfern und auferstandenen Halb-Verwesten umgeben. Das kann der Herr Ex-Bandit und erfolgreiche Kopfgeldjäger natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Ihr erkundet in den nachfolgenden rund 15 Stunden die Ursachen der Zombie-Pest und versucht dem Treiben ein Ende zu setzen.

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Einige Überlebende und Noch-Nicht-Zombies versuchen in den Städten, Aussenposten und Dörfern der Westernwelt von New Austin sich so gut es geht gegen die Plage zur Wehr zu setzen. Die bedrohliche Stimmung eines Western-Horror-B-Movies ist fantastisch umgesetzt, und bald fühlt man sich in eine ganz eigenartig andere Welt versetzt als im Hauptspiel. War es damals das Gefühl von Freiheit, eines gewissen Stolzes und Übermacht den Gegnern gegenüber (zumindest gegen Ende der Geschichte), sind es jetzt Ohnmacht, Munitionsknappheit und geschickt inszenierte Horror-Sequenzen, die eure Zeit mit dem Spiel begleiten.

Augenfällig ist wie schon zuvor die wunderschön gestaltete Spielwelt mit den Wetterwechseln, Tages- und Nachtzeiten und unglaublich vielen Details in der Landschaft. Gepaart mit der hübschen Weitsicht ist RDR - Undead Nightmare ohne Zweifel und mit Abstand das schönste Open-World-Spektakel der Videospielgeschichte.

Alleingelassen

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Shops gibt es keine mehr. Entsprechend knapp sind die Munition und sonstige Utensilien, welche man in Truhen oder bei niedergemähten Untoten findet. Dies allein schon gibt dem Spiel eine ganz andere Dynamik. Viele Orte wirken selstam verlassen, und vermeintliche Ghost-Towns entpuppen sich als Monsternester. Diese lassen sich per heftigen Kampf und Beistand für die verschanzten Bewohner für einige Zeit von den Horden befreien, dies ist jedoch nur ein temporärer Effekt. Einige Zeit später wimmelt es wieder von üblen Gestalten. Es bleibt jedoch genügend Zeit, um Nachforschungen anzustellen, Quests zu erfüllen und der Lösung des Problems näher zu kommen, um anschliessend an einen anderen Ort hinzureiten.

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Aber auch in den Weiten der Prärie und in den Wäldern tummeln sich die stinkenden Fäulnis-Schläger. Die Zombies kommen in verschiedenen Formen vor. Es gibt u.a. rasende Sprinter, die sich wie ein Raubtier auf euch schmeissen, riesige Schlägertypen, verstrahlte wandelnde Seuchenbomben und zu allem Elend auch noch untote Vieher wie Bären und anderes Gefleuche. Für viele Schusswechsel und die eine oder andere Rückzugsflucht ist also gesorgt.

Bei all dem Treiben verliert Rockstar aber traditionell nie den Humor, die Geschichte glänzt mit Selbstironie, Gesellschaftskritik und markigen Sprüchen. Wie da Marston poetisch und mitfühlend äussert: «Noone deserves to have their blood drunk.» Da gibt es eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Einige bekannte Gesichter aus der Hauptgeschichte tauchen wieder auf, und alle leiden gleichermassen unter der Plage. Manche überleben sie erst gar nicht, und haben damit wohl endgültig Ruhe.

Missionen satt

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Die Suche nach einer vermissten Person hat in dieser Szenerie eine komplett neue Tiefe. Die Welt wirkt sehr glaubwürdig bedrohlich, und es ist nicht auszudenken, wie es einem bemitleidenswerten Zeitgenossen ohne Waffen und Verbündete inmitten der Zombiehorden ergeht. Die blutige und mit viel Gore versehene Umgebung mit all ihren besessenen Gestalten wirkt nicht gerade ermutigend für frohe Ausritte in die Abenddämmerung. Aber genau darin liegt der Reiz des Add-Ons, wie auch die Schockmomente beim Erkunden von verlassenen Gebäuden, wo immer wieder mal ungebetene Gäste auftauchen können.

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Auf dem Weg, den ihr seit neustem nicht mehr per Schnellreise zurücklegen dürft, findet Ihr auch ein paar abgefahrene Reituntersätze, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Die Leere der Welt im Vergleich zum Hauptspiel macht storymässig Sinn und unterstützt die Stimmung prächtig. Ein von einer Zombieseuche verheertes Land sprudelt nun mal nicht von Leben, und Schnellreisen mit Bedrohungen um jede Ecke ist auch folgerichtig unmöglich. Anstelle der Lagerfeuerreiserei darf man aber via Safehouses sich quasi rumbeamen.

Der Kampf hat sich im Vergleich zu vorher stark verändert, und das ist als Abwechslung auch gut so. Verschanzen ist nicht gut fürs Wohlbefinden, ständig muss man in Bewegung bleiben. Eine Handvoll neue Waffen versorgen euch mit der nötigen Feuerkraft, um im Strudel der Geschehnisse etwas weniger schnell unterzugehen. Brennende Fackeln sind treue Verbündetet eures Tuns, und Dead Eye Slow-Motion wird definitiv zu eurem besten Freund, wie es im Hauptspiel auch schon der Fall war.

Mit Freunden zum Schlachthof

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Neu ist die Online-Koop-Variante, die sich wie eine Mischung aus Horde-Modus und Left 4 Dead spielt. Es gibt vier Klassen zur Auswahl, die sich mit unterschiedlicher Spezialisierung und entsprechenden Waffen wunderbar ergänzen. Es gibt Männer fürs Grobe mit Schrotflinte, Scharfschützen und Spezialisten mit Explosivausrüstung. Das Ziel: 15 Wellen überleben. Habt ihr eine ausgelöscht, wird die nächste Stufe härter. Gemeinsam mit Freunden ist das so ziemlich genau das richtige Adrenalin-Futter.

Dieser Trailer zeigt einige neue Gameplay-Elemente auf:

Fazit

Rockstar serviert uns hier für 16 Franken eine unglaublich grosse Portion Spiel fürs Geld. Wer die Vollversion noch nicht gespielt hat, soll sich ein wenig schämen und sich diese endlich besorgen. Dann hat man nämlich echt was verpasst im Gamejahr 2010.

Positiv fällt auch der Soundtrack auf, der im Vergleich zum Hauptspiel etwas neuzeitlicher daherkommt. Die paar zusätzlichen Beats und hochtalentierten Sprecher machen getreu den hohen Rockstar-Standards ordentlich was her.

Undead Nightmare setzt dem ganzen die Krone auf und ist für Fans des Western-Abenteuers ein klarer Pflichtkauf.

Der DLC ist im PSN für 16 Franken / 9.90 Euro oder für 800 Punkte auf Live zu haben. Am 26. November erscheint eine Disc-Version zum Preis von 45 Franken (prov.), welche alle Zusatzinhalte zusammenfasst, und ohne Hauptversion spielbar ist.

judgementbox
Red Dead Redemption - Undead Nightmare
gold_medium
Positiv

Genial umgesetzte Spielwelt, völlig neue Dynamik und verändertes Kampfverhalten, diverse neue Waffen, wunderbar B-Movie-mässige Horrorelemente und Schockmomente, humorvolle Dialoge und abgefahrene Charakter

Negativ

Für einmal gibt es, zu dem Preis erst recht, nichts auszusetzen - ausgesprochene Horror-Verachter dürfen aber gerne verzichten

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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Red Dead Redemption - Undead Nightmare
Erhältlich für PlayStation 3, Xbox 360
Von Rockstar Games (Developer, Publisher)