NEED FOR SPEED: SHIFT 2
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Need For Speed: Shift 2

vor 6 Jahren von SW, Aktualisiert: vor 6 Jahren

EA schickt einen Konkurrenten ins Fahrsimulations-Rennen, der den Seriensiegern anderer Hersteller die Reifen heiss machen soll. Ist das Unterfangen gelungen? Kann EA mit der neuen Sub-Franchise die Grand-Prix-Trophäe einfahren? Am besten schnallen wir uns an und geben Vollgas.


Einfacher Einstieg

Der Einstieg ins Spiel ist simpel: Am Anfang ist man ein Nobody. Um herauszufinden wie gut man sich bereits im (virtuellen) Rennsport zurechtfindet, darf man erstmal im geliehenen Nissan GT-R ein paar erste Runden drehen. Brachial heult der Motor, schnell wie der Wind gehts Richtung Zieleinfahrt, wo man als erstes vom Spiel bewertet wird. Handling, Traktionskontrolle oder andere Fahrhilfen werden uns dann vorgeschlagen, welche man aber auch selber ändern kann. Im nächsten Rennen wird noch der Schwierigkeitsgrad ermittelt, welchen man aber auch selber anpassen darf.

Ab ins erstes Auto, auf in die Karriere

Weiter gehts danach mit dem obligatorischen ersten Autokauf. Die Auswahl reicht von Audi über Seat bis hin zu VW. Ich hab mich mal für einen BMW 135i Coupe entschieden. Und schon gehts auf den glühenden Asphalt.

Nach und nach wird eine breite Auswahl an Rennmodis freigeschaltet: Normales Rennen, Drift, Elimination, Zeitrennen, Hotlap-Rennen usw. Für reichlich Abwechslung ist also gesorgt. Man beginnt wie gesagt als Grünschnabel und muss sich «hochfahren», um auch an den grösseren Wettbewerben teilnehmen zu können.

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Man muss allerdings nicht bei jedem Rennen mit dem eigenen Wagen antreten, denn vielfach wird der passende Wagen zur Verfügung gestellt. Da man am Anfang nicht so viel Geld in der Tasche hat, ist es umso cooler zur Abwechslung auch mit Edelboliden Rekorde zu brechen. Wenn wir schon bei den Rekorden sind: Einen wirklich hohen Suchtfaktor bietet die Speedwall. Freunde, welche sich auch mit Shift 2 Unleashed beschäftigen, werden in der Speedwall mit der jeweils gemeisterten Zeit angezeigt. Nun heisst es den Rekord des/der Gamerkollegen zu unterbieten und das macht vor allem eins: Ganz grossen Spass.

«Endloser Kampf...»

Ein Satz am Anfang des Spiels – «Es ist ein endloser Kampf. Ein Kampf gegen deine Angst, gegen die Strecke und ein Kampf gegen die anderen Fahrer», darf man ruhig wörtlich nehmen. Die KI Fahrer sind sehr aggressiv und neigen über weite Strecken zu unfairen Methoden. Auch wenn man sauber überholt kommt es zum Beispiel sehr oft vor, dass die KI einem noch auf irgendeine Art und Weise rammen muss oder sonstwie reinfährt. Die Autos verkeilen sich dann sehr schnell ineinander und fertig ist der Traum der perfekten Runde.

Die KI Mitstreiter sollten zwar so eingestellt sein das sie dem Spieler angepasst sind, doch gibt es meistens einen oder zwei Fahrer welche weit besser sind als die restlichen Konkurrenten. Wenn man dann nicht schnell genug überholen oder dranbleiben kann, ist ein Renn-Neustart fast schon vorprogrammiert. Denn Fehler macht die KI eher selten. Tut sie dies trotzdem, kann es schon mal passieren, dass der virtuelle Kontrahent das Auto einfach stehen lässt und dieses dann einfach so im Weg stehen bleibt.

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Überhaupt scheint EA bei der Qualitätssicherung ein wenig geschlafen zu haben. Zum Teil gab es sogar totale Aussetzer der KI. Bei gewissen Passagen, egal mit welcher Einstellung oder Wagen, fuhren die Gegner völlig falsch und endeten dann in einem grossen Autowürfel. Nicht schön. Im Allgemeinen kann man allerdings sagen dafl man hier doch sehr knackige Gegenspieler bekommt welche man wirklich bekämpfen muss. Besseres Balancing wäre aber gut gewesen, so gibt es doch einige Momente des Frusts. Hier wird EA hoffentlich mit einem Patch nachbessern.

Traktion und Aerodynamik

Die Fahrphysik ist im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr so rutschig, seifenartig. So ist das Handling der Wagen etwas verbessert worden. Man hat allerdings noch nicht immer das Gefühl hinter dem Steuer eines Rennwagens zu sitzen. An die Fahrphysik eines Gran Tourismo oder Forza 3 kommt Shift 2 noch nicht ganz ran. Aber die Entwickler sind definitiv auf dem richtigen Weg dazu. Hinzu kommt, dass die Empfindlichkeit für die Dosierung von Gas und Co. sehr sensibel ist. Dies führt so zu manchem ungewollten 360-Grad-Dreher. Damit wird übrigens Driften zu einer echten Herausforderung, welcher mancher Pilot irgendwann aufgeben wird.

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Technische Überlegenheit und Technik steckt im Detail

Tuning ist auch bei Shift 2 Unleashed wieder ein grosser Part. Tunen kann man so ziemlich alles. Vom Fahrwerk über den Motor bis hin zu der Karosserie lässt sich so ziemlich alles optimieren. Gekaufte Teile kann man übrigens wieder rausnehmen, falls man sich mal verklickt hat. Selbstverst‰ndlich lässt sich auch vieles an der Optik machen, so kann man seinem Wagen den eigenen Style verpassen, ganz nach der bewährten Need For Speed Manier.

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In Sachen Feintuning findet so mancher Hobbyschrauber gefallen. Egal ob man nur den Reifendruck verändern will, die Bremskraftverteilung, das Getriebe optimieren möchte oder sich dann doch durch den gesamten Setup-Bereich arbeiten will – hier lässt sich wirklich alles verändern und sofort per Testfahrt überprüfen.

Hut ab EA, hier hat man das Potential wirklich so gut wie komplett ausgeschöpft. Verschiedene Setup- Einstellungen lassen sich zudem abspeichern, so kann man bei einer anderen Strecke einfach auf die gewünschte Einstellung zurückgreifen. Das ist wirklich cool.

Das «Mittendrin-Gefühl»

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Eine weitere sehr gelungene und interessante Umsetzung ist die Helmansicht. Nichts Neues denkt ihr? Falsch gedacht. Denn neben der normalen Cockpitansicht gibt es noch die wirkliche Helmansicht. Und die lässt sich wirklich schwer beschreiben, die muss man einfach erlebt haben.

Beschleunigung, Bodenwellen, Kurvenlagen, Kollisionen, Bremsmanöver usw. werden direkt über diese Ansicht wiedergegeben. Geht man zum Beispiel in eine Kurve, verändert sich auch die Helmansicht, so dass man dann wirklich in die Kurve schaut. Das ist einfach fantastisch umgesetzt. Schaut euch am besten dieses Video an dazu:

Der Anfang der Rennen ist sehr schön dargestellt, da fragt man sich warum es keinen Boxenstop gibt mit ähnlich schönen Animationen. Damit wäre das Mittendrin-Gefühl noch stärker.

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Technische Umsetzung

Grafisch bewegt sich das Spiel etwa auf demselben Niveau wie der Vorgänger. Die Framerate ist so gut wie immer konstant hoch. Es gibt schöne Lichteffekte und sehr detaillierte Wagenmodelle bestaunen.

Die Kurse bewegen sich dagegen nicht immer in der gleichen Detailverliebtheit. Etwa vergleichbar wie bei Gran Turismo 5, wo gewisse Kurse sofort den «WOW»-Effekt auslösten neben anderen Strecken, welche sich eher schlicht und ein wenig trostlos präsentierten.

Der Sound kann voll und ganz überzeugen. Brachialer Motorensound und cooler Soundtrack donnert aus den Boxen. Hier hört sich ein Auto noch nach einem Auto an und nicht nach Kaffeemaschinen. Dabei dreht man die Lautsprecher gerne ein wenig hoch. Leute mit einer 5.1 Anlage, die auch mächtig Bass produziert, kommen voll auf ihre Kosten. ROOOOAAAAMMMMM. Der Ärger mit dem Nachbaren ist also garantiert lach

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Splittscreen, LAN - Fehlanzeige

Warum man bei Shift 2 Unleashed wieder keinen Splittscreen oder wenigstens LAN verpasst hat ist unverständlich. Man hat leider «nur» die Möglichkeit, Online gegeneinander anzutreten. Wirklich schade. Das wünschen wir uns für den allfälligen nächsten Teil.

Fazit

Den grossen Durchbruch hat EA mit Shift 2 Unleashed leider nicht geschafft. Es wirkt eher wie ein riesiges Add-On zum Vorgänger mit einigen kleinen Verbesserungen und Neuerungen.

Dabei würde nicht viel fehlen, um eine ernstzunehmende Konkurrenz zu den anderen Simulationen darzustellen. Mit Need For Speed: Shift 2 Unleashed bekommt man keine durchschnittliche Kost. Es ist (noch) nicht die perfekte Simulation, aber doch ein sehr gutes Rennspiel, welches Dank der vielen Ausbau-Möglichkeiten, der Speedwall und der gelungenen Abwechslung viel Spass macht.

Auf einen nächsten Teil freue ich mich jetzt schon und hoffe, dass man aus den Fehlern endlich mehr gelernt hat. So könnte Shift ganz bestimmt noch zum Simulations Kracher werden!

Wir bedanken uns bei Electronic Arts / ABC Software für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.

Ein spezieller Dank geht an Steph Wenzinger, den wir hiermit herzlich im Kreis der Wisegamers-Redaktoren willkommen heissen.


judgementbox
Need for Speed: Shift 2
Positiv

Satter Sound, schöne Rennwagen, sehr gelungene Helmkamara, Speedwall macht unendlich Spass, Tuning und Einstellungen soweit das Auge reicht, schöne Menüs, abwechslungsreich mit z.B. Nachtrennen

Negativ

Kein Multiplayer-Splitscreen, Einsteiger können schnell mal überfordert sein, Fahrphysik nicht immer ganz ausgereift, teilweise heftige KI Aussetzer, Grafikqualität schwankend, KI vielfach sehr aggressiv

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst SW, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Von Electronic Arts