DIRT 3
Testbericht | PS3 | PC | Xbox 360

DiRT 3

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Codemasters bringt bereits keine zwei Jahre nach dem letzten Teil Nachschub für die hartgestottenen Liebhaber von Offroad-Racern auf den Markt. Erstmals ohne die Beischrift des (bei einem Heliabsturz verunglückten) Rallye-Gottes Colin McRae, weiss der dritte Eintrag in die Serie in fast allen Belangen zu überzeugen. Neugierig? Zurecht.


Willkommen im Team

Nach einer wohl oder übel hinzunehmenden Installation (PS3) finden wir uns in edel gestalteten Menus wieder. Der Soundtrack wummert und schafft eine stimmige und gespannte Atmosphäre. Der betont eigene Grafik-Stil der Einstellungs-Ansichten und die dynamischen Mischungen bei Sequenzen zwischen den Auswahl-Screens aus herumdriftenden Autos und 3D-Elementen kommt frisch und unverbraucht daher. Codemasters legt wert auf das Anrichten der Game-Speisen, und wir quittieren das mit einem ersten positiven Gefühl im Bauch. Es soll bei weitem nicht das letzte bleiben, aber dazu später mehr.

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Beschwingt und gespannt gehts los mit der DiRT Tour, und wir schreiben uns im ersten Team ein. Die Managerin möchte einige Personalien von uns wie Herkunft und vollständiger Name. Cooles Feature: Man kann aus einer recht grossen Liste einen Rufnamen wählen, und fortan spricht uns die nette Dame aka. das Spiel mit Vornamen an. Das schafft Nähe und Greifbarkeit, an sich eine simple Idee, aber mit einem grossen Effekt.

Gestartet wird die erste von vier Saisons, welche wiederum je aus vier Hauptevents mit nochmals einem halben Dutzend Anlässen besteht – gesamthaft also über 100 Rennevents — in Finnland. Ich entscheide mich für Team Castrol mit dem Peugeot 207 Champions Car 2009, und kaum habe ich mich versehen stehe ich auch schon am Start in den weiten Wäldern von Skandinavien.

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Am Auto lassen sich alle möglichen Einstellungen verändern, sowie für die eigentliche Fahrt diverse Hilfsmassnahmen ein- oder ausschalten. Für Veteranen ist das alles natürlich kein Thema, ausser das Feintuning des Fahrzeuges, für Rallye-Grünnasen lohnt sich auf jeden Fall die eine oder andere Unterstützung zur Minderung des Frustpotentials. Hier zeigt sich eine der grossen Stärken von DiRT: Von Simulation bis Arcade-Spassbolzen bietet das Spiel ein riesiges Spektrum in ein und demselben Rennen. Wer sich fordern möchte, kann dies bis zur Selbstmarterung tun, wer einfach ein bisschen leichtherzigen Rallye- oder Drift-Spass haben möchte, ist ebenso gut aufgehoben. Das schafft in dieser Form kaum ein anderes Rennspiel auf dem Markt.

Ab in den Dreck

Gaspedal runter, ersten Gang rein, und ab geht die Post. Bereits in den ersten Rennevents wird klar dass sich die Engine nochmals ein gutes Stück weiterentwickelt hat. Vorbei sind die Zeiten der Kisten-Feelings aus DiRT 1, hochpräzis fühlt sich das Ganze an. Das ist bei einem Tempo on 200 km/h und der schieren Nähe von Baumstämmen der finnischen Wälder oder den afrikanischen Abhängen neben den staubigen Strassen auch nötig.

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Die Fahrphysik, das Geschwindigkeitsgefühl (besonders in der Bug-Ansicht), fein getimete Drifts und ordentlich umgesetztes Bremsverhalten sorgen für gute Laune. Dabei beschränkt sich D3 nicht nur auf herkömmliche und einigermassen bekannte Rallye-Events mit Zeitmessung, welche auf verschiedenen Unterlagen u.a. in Finnland, Kenia oder den USA stattfinden. Mit im Programm sind auch Landrush-Rennen mit Trucks oder Buggies, oder Trailblazer-Rennen mit PS-Monstern. Spassig sind auch die Rundkurse mit Rallye-Wagen, wo Gerangel an der Tagesordnung und Blechschaden zu Pflicht wird. Aber das gabs alles mehr oder minder ausgeprägt auch schon in vergangenen DiRTs.

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Sagt dir GYMKHANA irgendwas? Mir auf Anhieb auch nicht, muss ich zugeben, aber seit DiRT 3 sind wir alle nicht nur etwas schneller, schnittiger und rasanter, sondern auch etwas schlauer. Die einigermassen neuartigen Disziplinen sind ein Mix aus PGR-Kudos-System und Freestyle-Events, wie wir sie vom Snowboarden oder Skaten kennen. In offenen Arenen muss man Tricks wie Jumps oder Drifts in freier oder bestimmter Reihenfolge absolvieren.

Gerade das Punktesammeln mit dem Zerbröselen von gelben Schaumstoff-Pads hat was von HiSpeed-PacMan mit rauchenden Reifen und schafft willkommene Abwechslung im sonst schon nahrhaften Rennprogramm.

Blitzblanker Schlamm und Regen, glänzender Staub

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DiRT 3 kann optisch den Klassenbesten durchaus das Wasser reichen. Die Grafik ist nicht ganz so scharf gerendert wie in einem GT5, und vielleicht etwas weniger filigran als ein Forza oder ein Motorstorm, um einen eher terrain-verwandten Mitbewerber zu nennen. Aber die Welten, durch welche man donnert, wirken plastisch und oftmals gar malerisch. Die Wettereffekte sind top notch, die Schauplätze abwechslungsreich. Die Fahrezugmodelle und besonders die Präsentationen der einzelnen Wagen vor den Rennen sind einzigartig und schön gemacht, und das Konzept wird im Rennverlauf mit hübschen Deformationen und herumfliegenden Fahrzeugteilen fortgesetzt.

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Fährt man während einem Renn in Kenia der untergehenden Sonne entgegen, oder donnert in Minnesota auf einem Rundkurs durch den peitschenden Regen, lächelt das Offroad-Racing-Herz. Nettes Detail: Fährt man den einen oder anderen Pfosten mit Absperrband um, kann es beim nächsten Passieren der Stelle sein, dass das Band im Wind wedelt. Hübsches Auge fürs Detail, Codemasters! Chappeau. Und dazu die Geräuschkulisse, die aufbrandet beim Vorbeifahren von bestimmten Tribünen oder einzelnen Zuschauern. Das ist grosse Klasse habe ich so noch nie in einem Racer gesehen.

In die Kies-Pfanne gehauen

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DiRT3 bietet neben vielfältigen Karrieren- und Einzelrenn-Optionen auch nahrhafte Multiplayermodi. Dazu gehört zum einen der Split-Screen, den man nicht genug loben kann, und zum anderen der Online-Multiplayer mit der gesamten Palette von Rennen aus dem Karrieremodus. Zusätzlich gibts eine Art Partyspiele wie Capture-The-Flag-Abwandlungen und andere kreative Ideen. Kurzum: Wer den ordentlich langen Karrieremodus durch hat, kriegt hier nochmal ordentlich Spiel fürs Geld.

Kleiner Wehmuts-Tropfen: Ein Online-Pass wird benötigt für Online-Spiel. Wer das Game aus zweiter Hand ersteht, muss sich im PSN / Live eine neue «Lizenz» kaufen. Das finden wir nicht so nett. Wer voll bezahlt für ein Spiel, soll volles Spiel erhalten, und auch der Käufer einer Second-Hand-Version soll volles Spiel erhalten. Die Tendenz in Richtung solcher Zusatzverkäufe halten wir für problematisch. Wer zusätzlichen Spielinhalt kriegt, der darf auch dafür bezahlen wenn der Umfang stimmt. Aber für versteckte Kosten bei Multiplayer-Modi bringen wir kein Verständnis auf.

Fazit

DiRT ist alles andere als ein Dreck. Das Spiel ist ein gelungenes, reichhaltiges und cool präsentiertes Rennspektakel-Kraftpaket, das kaum Wünsche offen lässt.

Wer Offroad-Racer mag, der muss hier zugreifen.

Wir bedanken uns bei Codemasters für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Version für PlayStation 3.


judgementbox
DiRT 3
Positiv

Stimmige Präsentation, abwechslungsreiche Rennen, viele unterschiedliche Wagen der letzten 40 Jahre, alle möglichen Wetter- und Klimaumgebungen abgedeckt mit Ausnahme von tropischem Dschungel, präzise Steuerung, gelungene Fahrphysik, glaubwürdiges Verhalten der Fahrzeuge

Negativ

Installation nötig (PS3), Ladezeiten könnten noch etwas kürzer sein, die meisten Rennevents setzen Streckenkenntnis voraus und müssen mehrmals absolviert werden was spontanes Spiel erschweren kann

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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DiRT 3
Erhältlich für PlayStation 3, Windows PC, Xbox 360
Von Codemasters (Developer, Publisher)