DARK SOULS
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Dark Souls

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Der Überraschungshit aus dem Hause From Software namens «Demon's Souls» schlug letzten Winter ein wie eine Bombe, wie ihr in unserem Test nachlesen könnt. Erreicht der Nachfolger die Einzigartigkeit des Originals? Die Entwickler haben uns an der Gamescom verkündet, dass Dark Souls noch schwieriger wird als der Vorgänger, was unglaublich klang. Aber leider – oder zum Glück, je nach Hang zum Masochismus – haben die Jungs aus Japan ihr Versprechen eingelöst. Und wie! Darum für einmal ein Einstieg mit poetischer Note:


Ode an die Dunklen Seelen

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«Mit Verzweiflung und Schrecken;

erbärmlich im Staube und Blut;

manch Krieger wird verrecken;

tausendfach stechender Schmerz;

d'rum seid auf der Hut;

auf dass nie zerbreche euer Herz;

*

Dunkle Schatten krallen und fallen;

mit euch und um euch elendes Leid;

mannigfacher Tod in schwarzen Hallen;

dünn ist euer Seelenkleid;

*

Verzweiflung und Marter;

so arg und fein;

kalte Verliesse mit zarter;

und gar ew'ger Pein»


Damit wäre eigentlich schon alles gesagt, was man über das Spiel wissen muss. Ihr wollt noch etwas mehr erfahren? Bitteschön:

Sisyphus im Ritterland

Der Einstieg in das Spiel verläuft durch die obligate Klassenwahl. Diese ist als eine Art «Starterset» zu verstehen, denn unabhängig von eurer Basiswahl dürft ihr später frei nach Lust und Laune Werte verbessern und Fähigkeiten dazulernen. Rudimentäre Optionen für die Erscheinung eures Spielcharakters ergänzen den Speiseplan.

Ich habe mich für einen Pyromanten entschieden, der mit der Grundausstattung eines Feuerballs über einen kleinen Startvorsprung verfügt. Im ersten Teil des Spiels habe ich konsequent an den Kampffertigkeiten geschraubt, plus natürlich an der Vitalität, da bekanntlich jeder – und ich meine damit JEDER – Lebenspunkt über die Gesundheit eures Nervenkostüms entscheiden kann.

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Die Hintergrundgeschichte des Spiels ist ganz ansprechend, aber im Game selbst bleibt davon nicht der Haufen übrig. Man ist auch ständig dermassen mit Überleben beschäftigt, dass man kaum an irgendwelche heroischen Grosstaten oder zu rettende Prinzessinnen denken mag. Mit einem Wort: Gaming pur! So dürfte sich wohl auch der eine oder andere Recke mitten in einem Getümmel mit Orks im Zentrum einer epischen Schlacht fühlen, viel bleibt da von Helden-Blabla nicht übrig.

Nichts desto trotz: Das Ziel des Spiels ist es, die übermächtig gewordenen Halbgötter aka. Fürsten namens Nito der erste von den Toten, die Hexe von Zalitz, und ihre Kumpanen zu beseitigen. Das Alles in einem Zeitalter des ewigen Zwielichts, und umgeben von einem merkwürdigen dunklen Sog. Untote Ritter suchen das Land Heim, und schreien nach einem Befreier.

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Dazu müsst ihr aber erstmal wieder menschlich werden, denn – Oh Schreck! — zu Beginn des Spiels seid ihr genauso tot wie alle Zellennachbarn und die euch umgebende Festung. Da geht's also los: Als Untoter am Dahinrotten in einem verlassenen Kerker im Nirgendwo. Toll. Nett. Es gibt bestimmt schönere Arten zu Erwachen, und wenn das dem Leben nach dem Tod entsprechen soll, na dann mal Prost und Goodbye! Dann lieber schön langweilig am Leben bleiben und langweilige Jobs in langweiligen Bürotürmen erledigen. Das wollt ihr nicht? Hab ich's mir doch gedacht. Dann ab zum Game-Dealer und Dark Souls kaufen.

Tausend Tode in 1001 Form

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Hey, Hallo! Wie geht's denn so? Öfters kommt mal ein Drächelchen oder ein Giganto-Dämon unverhofft um die Ecke.

Die neu im Spiel vorkommenden Leuchtfeuer als Quasi-Checkpoints erleichtern vordergründig das Vorankommen. Denkste. Nach jedem Rasten sind alle Gegner wieder da, und die Portionen im Heiltrank-Fläschchen reichen kaum je aus. Das bedeutet: Tod. Sterben ist integrer Bestandteil von Dark Souls. Sterben ist quasi Programm. Schön sterben, hässlich sterben, unverhofft sterben, langsam sterben, verbrennen, verbluten, verrecken. Alles wunderbar. Damit das etwas weniger häufig als sonst schon vorkommt, hier ein paar Tipps:

  • Niemals Gegner in der Nähe oder mittlerer Distanz umgehen oder stehenlassen. Wenn du weisst, wo ein Gegner steht, geh hin und mach ihn kaputt. Sonst steht er ganz sicher im dümmsten Moment hinter dir und beschert dir einen erfreulichen Tod. Einzige Ausnahme: Die besonders brutal schwierigen Widersacher (relativ zu eurer Stufe), welche an abgelegenen Stellen rumlungern.

  • Müll entsorgen: Dinge lassen sich nur aufheben, nicht vorher selektieren. Wählt ihr «plündern», wird alles aufgehoben. Das Zeug sortieren und Unbrauchbares sofort wieder loswerden ist die Devise.

  • Nicht aufregen. Dark Souls ist die beste Übung für Zen-Buddhisten.

  • Bossfights mit folgender Haltung angehen: «Ich werde sowieso das erste Mal dabei sterben, also schaue ich mir den Raum und die Begebenheiten genau an, um einen Weg zum Sieg auszutüfteln.» Alternativ möglich ist auf Youtube oder im Dark Souls-Wiki nachschauen, wie man siegreich aus dem Kampf hervorgeht.

  • Leuchtfeuer mit aktivierter Menschlichkeit «entfachen». Damit erhält ihr 5 zusätzliche Heilportionen, ein absolutes Must.

  • Pflichtaufwertung: Vitalität, Kraft, Beweglichkeit, Kondition. Alles andere ist Geschmackssache und Kür.

  • Neuer Raum betreten: Schild rauf und rechter Daumen für Ausweichen bereitmachen! Unbedingt. Und ich meine damit: UNBEDINGT!

Schöner, aber nicht schön

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Dark Souls hat im Vergleich zu Demon's Souls einen grossen Sprung gemacht in Sachen Präsentation. Der Sound ist nach wie vor minimalistisch und stimmig, die Grafik und die Designs der Monster und Charakteren haben viel dazugewonnen. Trotzdem gehört die Engine mit manchen Framerate-Einbrüchen (PS3) und den kruden Texturen sicherlich nicht zur Optik-Spitze. Wenn man einen Bossfight um zwei Haarbreit verliert, weil im ungelegensten Moment das Ruckeln einsetzt, nervt das sprichwörtlich gewaltig.

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Hervorzuheben gibt es in diesem Spiel natürlich auch den aussergewöhnlichen Multiplayermodus. Man darf Spieler (leider keine bestimmten, sondern zufällig auf dem gleichen Server angemeldete) mit ins Spiel holen, um gemeinsam zu metzgen.

Andererseits darf man später via Phantom andere Spieler mitten in ihrer Pein angreifen und das Spiel für sie so noch schwerer machen. Das kann einem natürlich auch selbst passieren, was dem sonst schon schwierigen Spiel den ultimativen Controller-an-der-Wand-Zersplitter-Diplom verleiht.

Hooommmm... Hoooommmm... schön auf 10 zählen. Ruhig bleiben. Argh!

Auch dieses Mal – es hat seit Demon's Souls schon Tradition – gibt es wieder unsere Rubrik «Guter Rat ist gratis», und zwar mit dem Link zum (englischen) Dark Souls Wiki »

Fazit

Mit ein paar technischen Kapriolen weniger hätte hier ein Award dringelegen. Leider konnten wir die Versionen für 360 und PS3 nicht vergleichen, weswegen wir diesen Punktabzug vorläufig nur für Sony's Schwarze konstatieren.

Der Sog der Dunklen Seelen ist schwer zu erklären. Man benötige unglaublichen Ehrgeiz, Geduld, ein starkes Nervenkostüm und ungebrochenen Willen, um sich durch die Gefilde des mysteriösen und geheimnisumwitterten Landes und seiner Verliesse zu schlagen.

Festhalten muss jeder objektiv denkende Gamer jedoch folgendes: Es gibt kein Spiel, an das ich mich erinnern kann, welches in diesem Mass eine Spannung aufbaut, gemischt mit Zorn und ehrfürchtigem Respekt vor dem Beschreiten der nächsten Ecke eines unbekannten Levels, weil man nie weiss, welchen grässlichen Tod der Spielfigur man als nächstes mitansehen muss.

Wir bedanken uns bei Namco Bandai für die freundliche Bereitstellung einer Vollversionen zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.


judgementbox
Dark Souls
Positiv

Einzigartiges Spielerlebnis, Intensität unerreicht, sinnvolle Charakterlevels, spannende Entdeckungsreise voller spürbarer Aussichtslosigkeit trotz fehlender Story im herkömmlichen Sinn, geniales Kampsystem mit feingliedrigem Timing, schöne Idee mit dem Hinterlassen von Botschaften im Level für andere Spieler mit Gnade oder Tücke

Negativ

Einige technische Schwierigkeiten meist im dümmsten Moment (ungenaue Kollisionsabfrage führt manchmal zu Treffern von Gegnern durch Mauern hindurch, Ruckler bei Bossfights oder Gegnerüberzahl), etwas eintöniger Look, Inventar umständlich

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Dark Souls
Erhältlich für PlayStation 3, Xbox 360
Von From Software (Developer), Namco Bandai (Publisher)