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EA setzt auf Mikrotransaktionen (Updated)

vor 3 Jahren von LKM, Aktualisiert: vor 3 Jahren

Offenbar sieht EA für die sinkenden Erträge nur eine mögliche Lösung: Gamer mit Mikrotransaktionen abzocken.

Das Problem hat, wie so vieles, mit dem iPhone begonnen. Zuerst kamen iPhone-Games zu einigermassen normalen Preisen auf den Markt. Preise von 10-20 Franken waren im App Store alltäglich. Doch iPhone-Gamer gewöhnten sich bald an supertiefe Preise, und Spiele über einem Preis von etwa zwei Franken verkauften sich kaum mehr.

Nun kann man — von einigen Ausnahmen abgesehen — leider keine Spiele-Entwicklung finanzieren, wenn man am Ende nur einen oder zwei Franken für das Produkt verlangen kann. Die Game-Entwickler fanden aber schnell eine Lösung: Mikrotransaktionen. Heute werden die meisten Spiele gleich ganz gratis in den Laden gestellt. Wer sie dann aber auch spielen will, wird abgezockt.

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Ein Beispiel: Smurfs' Village ist gratis. Wer in dem Spiel aber wirklich etwas erreichen will, muss für echtes Geld "Smurfberries" kaufen, eine Spiele-Währung, mit der man dann im Game weitere Dinge kaufen kann. Wer also nicht dauernd Geld bezahlt, erreicht nichts.

Mikrotransaktionen haben den Markt für mobile Spiele komplett zerstört. "Ehrliche" Games haben kaum noch eine Chance; wer Geld verdienen will, muss die Leute mit einem Gratis-Spiel anlocken, und dann hinterher schröpfen.

Am Ende hat der arme Gamer dann für das Spiel weit mehr bezahlt, als geplant, und Spass gemacht hat's eigentlich auch nicht, weil er statt durch die eigenen Fähigkeiten bloss durch finanzielle Investitionen weiter gekommen ist.

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Konsolen-Gamer hat das bisher kaum gekratzt. Konsolen-Games kosten weiterhin 80-100 Franken, und wenn man sie mal gekauft hat, bleibt man von Mikrotransaktions-Unsinn weitgehend verschont.

EA will das nun ändern.

Laut EA-CFO Blake Jorgensen (ein CFO ist der Finanzminister einer Firma) werden in Zukunft keine EA-Spiele mehr ohne Mikrotransaktionen ausgeliefert. Zitat:

Der nächste, und viel grössere Teil des Spiele-Business sind Mikrotransaktionen in Spielen. Wir bauen das in alle unsere Games ein, beispielsweise um höhere Levels zu erreichen, oder neue Charaktere zu kaufen, oder einen Truck, eine Pistole, was immer es sein wird, und Konsumenten werden das geniessen und annehmen.

Ich weiss ja nicht, wie es anderen "Konsumenten" geht, aber ich würde höhere Levels auch in Zukunft gerne über's Gameplay erreichen, und nicht über meinen Geldbeutel. Ich würde gerne in den Laden gehen, meine 90 Franken auf die Trese legen, ein Spiel nach hause tragen, und dieses Spiel spielen, ohne dauernd mehr Geld an EA senden zu müssen, nur weil ich in Battlefield eine etwas bessere Waffe benötige, in FIFA einen anderen Fussball will, oder in Dragon Age das nächste Level erreichen möchte.

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Bleibt zu hoffen, dass EA diesen Plan noch einmal überdenkt. Wir zumindest glauben, dass es sich hier nicht um einen besonders guten Plan handelt. "Konsumenten" lassen sich nämlich nicht unendlich lange veräppeln. Wenn man sie genug lang abzockt, verlieren sie irgendwann einmal das Vertrauen in eine Firma, und dann geht's EA vielleicht gleich wie dem ehemaligen Mikrotransaktions-König Zynga:

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Via Gamesindustry.biz, The PA Report.

Update

EA meint nun, dass man Mikrotransaktionen doch nur in allen Mobile-Games implementieren will. Mal schauen, wie lange es geht, bis dieser Plan erneut geändert wird. Und zumindest bei den Mobile-Games von EA dürfen wir also weiterhin damit rechnen, komplett abgezockt zu werden.

Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

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# vor 3 Jahren
Denkbar wäre ja eine Mischvariante: Entweder man kauft A) das Vollprogramm zum Vollpreis, mit allen Schikanen, oder B) man holt sich die Gratisvariante und kauft sich nach und nach Zeugs dazu, wobei es bei dieser Variante mehr Geld benötigt zur Vollversion.

Leider hat EA mit Dead Space 3 nicht gerade viel Sinn für das Gamerwohl bewiesen. Die im Spiel auffindbaren Rohstoff-Bots, welche man aussetzen kann, um wertvolle Baustoffe für neue Waffen und Items zu sammeln, verfügen über Zusatzfunktionen wie beschleunigte Suche und reichere Ausbeute, welche einzig über den Kauf von Zusatzinhalten freigeschaltet werden können. Das ist das Hinterletzte!

So gesehen werden wir uns wohl auf eine düstere Zukunft einstellen müssten, wo man für ganzes Geld halbierte Games erhält. Zumindest von EA.
DNDN
 
 


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# vor 3 Jahren
Das EA den Kunden noch mehr melken will ist schon länger bekannt. Doch die Art und Weise wie wird langsam aber sicher immer dreister. Es kann nicht sein das man seinen Spielerfolg kaufen muss... Seit dem immer mehr Games für Tablets und Smartphones erhältlich sind, hat auch die Zunahme dieser Mikrotransaktionen stark zugenommen. Egal ob ich mir ein Game zum "Vollpreis" oder die Gratisversion hole, die meisten warten mit genau diesem Prinzip ab.
Entweder die Games sind so ausgelegt, dass man ohne Bezahlung elend lange Zeit spielen müsste um erfolg zu haben, oder die Games sind ohne die nötigen Upgrades gegen Bezahlung super schwer.

Nun ich begrüsse diese Mikrotransaktionen in keinster Weise. Schon auf dem Smartphone habe ich meine Probleme damit jenes System zu akzeptieren. Da ich auf diesem Gerät nur kurze Zeit spiele pro Tag (zb. als Pausenspiel), kann ich damit leben. Sollte dieser Trend aber auf PC und Konsolen verstärkt übergreifen, dann sehe ich schwarz für den Spielemarkt. So fühle ich mich betrogen und aufs gröbste verarscht Seitens der Spielefirmen. Dies würde zu weit gehen, definitiv.

SWSW
 
 


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# vor 3 Jahren
Die Entwicklungskosten von Games sind sicherlich nicht gering, aber da es sich um ein digitales Produkt handelt (welches im Mobile-Bereich ohne physische Komponente auskommt), spielt der Verkaufspreis eigentlich keine Rolle. Ob man nun ein Exemplar für 100'000.– verkauft oder 100'000 Exemplare für 1.– deckt in gleichem Masse die Entwicklungskosten, da keine Kosten für die Produktion der einzelnen Einheiten anfallen.
Einen Unterschied macht es aber im Hinblick auf den «Erfolg» eines Titels und die damit verbundene Publicity, sowie die Wertsteigerung des eigenen Unternehmens (Zynga's Hoch-Zeiten sind ein gutes Beispiel hierfür). Klar bedeutet ein grösseres Einheitsvolumen geringfügig höhere Kosten für Support und Kommunikation, aber ich denke, dass die Vorteile dies bei weitem Wettmachen.

iA Writer (gab's mal einen Bericht in der SonntagsZeitung) ist zwar kein Game und der Entwickler wollte das Programm ursprünglich teurer anbieten, hat sich aber (mit etwas Widerwillen) für die Vorteile eines tieferen Preises entschieden und fährt eigentlich gut damit.

Microtransactions (MT) lässt sich verschieden definieren. Eine gängige Definition bezieht sich auf die Zahlung von Beträgen zwischen 0.01 und 5.– (im deutschen Wikipedia unter Micro Payment aufgeführt), andere Definitionen meinen das Geschäftsmodell von Free to Play (F2P) Spielen, welche sich durch ebendiese MTs finanzieren.

MTs bei Vollpreisspielen (meistens in der Form von kleinen DLC Packs, resp. Codes für Items) sind bisher meistens in Ordnung, denn für kleines Geld erhält man kaum oder nicht spielentscheidende Dinge. Zum Problem werden diese eigentlich erst, wenn sie das eigentliche Finanzierungsmodell des Spiels bilden. Also wenn das Spiel nicht mehr für den sagenhaft günstigen Preis von 1.– erhältich ist, sondern F2P wird (der Übergang ist natürlich fliessend). Jetzt liegt das Haupt-Interesse des Entwicklers nicht mehr darin, dass möglichst viele Leute das Spiel spielen wollen, sondern dass möglichst viele Spieler die Optionen per MTs kaufen. Die Folge davon haben wir ja zu sehen bekommen. Um Entwicklungskosten zu sparen kommt die x-te Kopie des selben Spielprinzips mit anderer Grafik: mal sind's Barbaren, dann Ponies, dann Roboter, dann Elfen, dann … Selbstverständlich blockiert einem das Spiel durch irgendwelche zeitliche oder sonstwelche Komponenten, so dass man auf diese MTs zurückgreifen muss, um «vernünftig» weiterspielen zu können. Diese Form kann mir in meinen Augen gestohlen bleiben, denn sie hemmt die Entwicklung guter Spielprinzipien zu Lasten von Masse und schadet somit der Game-Industrie.

Die momentane Situation, wie sie bei den Mobile-Games anzutreffen ist, scheint auf die Dauer nicht zu funktionieren. Die Konsumenten (Gamer) sind nicht lernresistent (nur äusserst träge) und werden mit der Zeit Abstand davon nehmen. Die Attraktivität der MTs bleibt aber bestehen, denn die Bereitschaft einen kleinen Geldbetrag auszugeben, wird auch auf Dauer proportional höher einzustufen sein. Von dem her würde ich davon ausgehen, dass MTs bleiben werden, in welcher Form auch immer. Die Game-Industrie ist ja ständig daran, neue Wege der Wertschöpfung auszuprobieren. Man möchte einfach die Bereitschaft der Leute, zusätzliches Geld auszugeben, nicht ungenutzt lassen … was ich sogar verstehen kann.

Solange die Implementierung eines MT-Systems in einem Vollpreisspiel nicht das Spielerlebniss des regulären Käufers mindern, ist es aus meiner Sicht OK.

Unproblematisch in «Vollpreisspielen» finde ich neue Animationen, Aussehen, Hintergrundbilder, etc., also die komplett irrelevanten Dinge.
Ebenfalls OK sind erweiterte Inhalte in Form von neuen Levels, Maps, Strecken, Songpacks, Missionen, etc. also die klassische DLC Sparte (man kauft ein «vollständiges» Spiel und kann per MTs Zusatzinhalte kaufen).
Tolerabel sind ausgewogene Items (wie z.B. eine gebalancte Waffe mit höherer Kadenz bei geringerem Schaden) und leichte Grinding-/Farmzeit-Ersparnisse (da ich ja die Möglichkeit habe, es trotzdem klassisch zu «erspielen»).
Inakzeptabel finde ich es, wenn das Spielerlebnis künstlich eingeschränkt wurde. Beispielsweise unendliche Wartezeiten, in denen man gar nichts tun kann ausser warten, fehlende (aber doch relevante) Optionen und selbstverständlich jeder unausgewogene Vorteile innerhalb eines Multiplayer Spiels Oder kurz: all die aufgesetzten Zwänge, MTs tätigen zu müssen (wie wir es von den F2P Titeln kennen).

Dead Space 3 zeigte nun einen solchen Versuch, den ich eigentlich als tolerabel einstufen würde … aber das folgende Statement kommt eher einer Kommunikationspanne gleich. John Calhoun, Producer von Dead Space 3 sagte sinngemäss: «Für die heutige Gamergeneration sind MTs durch Smartphones integraler Bestandteil des Spielerlebnisses geworden. Man kann nicht darauf verzichten, wenn man sein Publikum erweitern möchte. Aber lasst uns trotzdem nicht unsere Fans abschrecken.» WTF?!? Nicht abschrecken? Ich hätte mir zumindest eine ehrlichere Antwort erhofft. Wie man den bisherigen Fans begegnet ist auch eher fragwürdig: Es gibt einen Raum, in dem man unendlich Ressourcen «abfarmen» kann. Als EA darauf angesprochen wurde und die Frage auftauchte, ob es sich um einen Bug handle, war die Antwort ungefähr folgende: Nein, ein Feature (kennen wir ja :-). Aber das Interessante kommt noch: Man wolle eine Alternative zu den MT-Optionen im Spiel anbieten … Man will also die bisherige Kundschaft nicht durch irgendwelche Vorenthaltungen abschrecken? Auch wenn die Alternative existiert, sie ist mühsam und wirkt wie Bug-Abusing (nicht wie länger Spielen-müssen). Dies, um in Gegensatz die Option durch eine MT an die entsprechende Ressource zu kommen vergleichsweise bequemer und attraktiver zu gestalten. Hier hat die Implementierung der MTs eindeutig einen Einfluss auf das Spielerlebnis genommen und ist aus meiner Perspektive eben doch nicht mehr gutzuheissen (es gibt nicht die Möglichkeit anders an die erwünschten Ressourcen zu kommen). Die von EA gewählte Lösung ist schlecht. Aber sie lässt mich trotzdem noch hoffen, dass Hopfen und Malz nicht gänzlich verloren sind. Man scheint sich der Problematik zumindest bewusst zu sein … Jetzt müsste es eigentlich an der Gamercommunity liegen, EA zu zeigen, dass man ein solches Prinzip nicht gutheisst, sei es durch Boykott des Spiels oder zumindest durch einen Brief/Email an EA. Lediglich die Option der Microtransaction zu boykotieren würde nichts bringen, denn dann würde der logische Schluss sein, dass die MTs «zwingender» gestaltet werden.
KKKK
 
 


1990
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# vor 3 Jahren
Zur Frage, was EA denn konkret vorhat, muss man sich nur anschauen, wie sich Real Racing von Version 2 auf Version 3 verändert hat. Das ehemals absolut fantastische Racing-Game ist zu einem kompletten Joke verkommen, bei dem man nach jedem Rennen echtes Geld bezahlen muss, um das eigene Auto zu reparieren.
LKMLKM
 
 


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# vor 3 Jahren
Eben. Eine Microtransaction tätigen zu müssen um ein Auto zu reparieren, eine Waffe nachzuladen, etc. geht überhaupt nicht (bei einem Vollpreisspiel). Und ich hoffe, EA wird dies im Absatz der entsprechenden Titel auch zu spüren bekommen. Aber d.h. nicht, dass sie es nicht weiterhin probieren werden. Ich bin der Meinung, dass es Raum für MTs in Vollpreisspielen gibt ... aber eben, nur solange das Spielerlebnis der MT-Verweigerer nicht beeinträchtigt wird.
KKKK
 
 


1990
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# vor 3 Jahren
@KK: Das Sammeln von Rohstoffen in Dead Space 3 mit Hilfe von Bots ist ein absolut essentielles Gameplay-Element. Ohne die Rohstoffe kommt man einfach nicht vom Fleck, und mit dem bisschen was man im Spiel findet, lassen sich die gröbsten Wummen erst beim zweiten Durchspiel zusammenbasteln.

Und da finde ich es einfach komplett daneben, wenn man für die dreifache Sammel-Leistung von Bots zusätzlich was bezahlen soll. Zusätzliche Waffen als MT? Von mir aus. Neue Skins oder dekorative Elemente? Toll. Aber bitte keine Elemente des Kern-Gameplays, welche ohne Bezahlung NICHT zugänglich sind, auch nicht durch besonders erfolgreiches Spiel. Das wäre ja noch ne Alternative. Abkürzung bezahlen, und sonst einfach Mühe geben beim Spielen. Wär auch ne Möglichkeit.
DNDN
 
 


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# vor 3 Jahren
@DN: Sag ich ja. Hier fällt die Implementierung der MTs zu Lasten des regulären Spielerlebnisses aus. Trotz der peinlichen «Alternativmöglichkeit».
KKKK
 
 


1990
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7 Kommentare
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