MEGATEST: GTA V
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Megatest: GTA V gold_medium

vor 3 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 2 Jahren

Fünf Jahre und fünf Monate ist es her, dass die riesige Fangemeinde zum letzten Mal GTA-Neuland betreten durfte. Jetzt steht der 10. Eintrag der Serie mit der schicken Bezeichnung «V» für «5« endlich bereit für lange Spins in den Konsolen dieser Welt. Neu sind gleich drei Hauptfiguren spielbar, und viele weitere neue Features warten auf ihre Entdeckung - und das in einer Spielwelt, welche mit «riesig» noch freundlich untertrieben beschrieben ist. Aber Quantität ist bekanntlicherweise nicht gleich Qualität - hält GTA 5 den gigantischen Erwartungen stand?


Welcome to Los Santos

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Beim Öffnen der Spielpackung fällt einem die obligate Landkarte in die Hand, welche natürlich auch dieses Mal nicht fehlen darf. Eine Detaildarstellung der Hauptstadt Los Santos auf der einen, die Umgebungskarte von Blaine County auf der anderen Seite aufgedruckt. Bevor man die Spielwelt von GTA V überhaupt das erste Mal betreten hat, bleibt einem da schon die Spucke weg.

Gleich zwei grosse Flughäfen hat Rockstar dem Spiel spendiert, und neben der Hauptstadt gibt es mit Paleto Bay, Grapeseed und Sandy Shores noch ein paar weitere Ortschaften für waghalsige Stunts.

Das Setting hat gewechselt im Vergleich zu Liberty City, vielen ist die Gegend aus San Andreas aber sicher bereits bekannt. Werfen wir einen Blick auf die Aufträge, welche uns kreuz und quer durch Blaine County führen. Jeder spielbare Charakter hat dabei eigene Startpunkte und Nebenmissionen, welche exklusiv für die jeweiligen Spielfigur vorbehalten sind.

«Grand Theft Anything» wäre der besser geeignete Name für das Spiel, denn im Verlauf der Story wird so ziemlich alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist. Autos sind da noch das kleinste Kleinod unter all den Gütern und Schätzen, welche man in Dutzenden von Stunden anhäuft.

Neu gibt es ein Rating für Missionen, welche in verschiedenen Bewertungen resultieren. Gelingt die Mission nicht ganz nach Wunsch, darf sie jederzeit und unabhängig vom Spielfortschritt (und ohne Einfluss auf die Story) nochmals durchgespielt werden. Erfüllt man alle erforderlichen Teilziele, gibts als Belohnung eine Goldwertung.

A propos Belohnung: Hie und da darf ein Abstecher zur Erholung von den Gangster-Strapazen natürlich nicht fehlen. Lapdances sind interaktiver und wesentlich freizügiger geworden, Tänzerinnen lassen sich via Flirt-o-meter unter Umständen sogar aufreissen und gelegentlich für ein Schäferstündchen im privaten Rahmen ausserhalb des Clubs überreden. Dazu kann man sich vorgängig frische Klamotten holen, sich tätowieren lassen oder sich eine neue Frisur samt Bart leisten. Dies erhöht zwar nicht den Flirfaktor, aber das Selbstbewusstsein.

Auch Gespräche sind teilweise interaktiv gestaltet, was den Charakteren mehr Tiefe verleiht. Eine Neuerung für die GTA-Serie. Hier haben die Leute bei Rockstar sicherlich die eine oder andere Szene aus Heavy Rain, Mass Effect oder Skyrim als Vorbild genommen, auch wenn deren Tiefe natürlich in keiner Art und Weise erreicht wird. Trotzdem: Eine willkommene Ergänzung.

Komplett neu ist die iFruit-App, welche man auf sein eigenes Smartphone oder Tablet runterladen kann aus dem Android- oder App-Store, mit deren Hilfe man weitere Optionen im Spiel kriegt. Da man im Verlauf des Spiels auch Haustiere haben kann, eröffnet diese Oberfläche neue Möglichkeiten für die Dressur.

Was hat sich seit Teil 4 getan?

Einige grosse Kritikpunkte aus GTA IV waren die folgenden Features. Die Neuerungen oder Optimierungen aus Teil V jeweils untenstehend in kursiv

  • Das Handling der Autos war teilweise seifig, die Vielfalt der Wagen war eher klein, Optionen für Farben und Parts waren quasi nicht existent. Die Fahrzeuge steuern sich teilweise ähnlich, manche sind deutlich besser geworden. Die Vielfalt der Wagen wurde ebenfalls erhöht, leider gibt es das Spawning-Problem immer noch. Sprich: In manchen Phasen gibt es immer wieder ähnliche Wagen, die Durchmischung ist nicht so toll. Schön sind die neuen Personalisierungs-Optionen für Autos, von Tunings über Farben bis Auspuffrohr, alles da.

  • Gefechte waren eher mühsam, Schiessereien verkamen streckenweise zur Folter – des Spielers, wohlgemerkt, nicht der Gegner. Die Shooter-Mechanismen wurden über Max Payne 3 und andere Titel laufend optimiert vor Erscheinen des neusten Kindchens, und das merkt man. Die Gefechte laufen flüssiger ab, aber ein Uncharted haben wir hier immer noch nicht vor uns.

  • Charakterpersonalisierung war quasi inexistent, bis auf ein paar Kleider. Rockstar hat mächtig Gas gegeben. Es gibt fast nichts, was man nicht kaufen könnte. Tätowierungen, Bärte, Frisuren und alle möglichen Klamotten. Dazu Immobilien und sonstiger Schnick-Schnack, langweilig wird es einem also nicht so schnell.

  • Die Flugzeuge und Vielfalt der Aktivitäten samt Minigames war etwas mager. Gleicher Song wie bei den Charakteroptionen: Hier gibts Optionen in Hülle und Fülle. Tauchen? Easy. Hubschrauber in allen Varianten? Jep. Ich zähl gar nicht weiter auf, es ist unglaublich viel drin in diesem Spiel. Ganz gross: die Immobilien-Geschäfte. Man kann alle möglichen Grundstücke erwerben, und damit eine regelmässige Einkommensquelle erschliessen. Manche Liegenschaften können nur von bestimmten Charakteren erworben werden.

  • Sichtweite und Framerate genügten nicht den Ansprüchen. Hier liegt der auf Anhieb augenfälligste Unterschied zu Teil 4. Die Grafik hat riesige Sprünge gemacht, sowohl in Sachen Framerate, als auch in Sachen Weitsicht. Wow!

  • Missionsdesign in Teil 4 war eher langweilig, eine tolle Mission auf vier öde Aufträge Mit dem neuen Einbrecher-Reigen, den unterschiedlichen Charakteren in spielbarer Form und den vielen Missions-Optionen (Varianten in der Herangehensweise, etc.) kann GTA V hier massiv punkten.

Drei Bengel für Charly

Die Besetzung von GTA V erinnert an Filme wie Heat, manche Szene ist angelehnt an Sopranos. Es finden sich im Verlauf der Story massenhaft Zitate, manche böse, manche charmant, von Filmen und Büchern aus allen möglichen Genres.

Die Hauptfiguren Michael, Franklin und Trevor (plus weitere «Wesen» und Leutchen, welche an dieser Stelle nicht verraten sein sollen) vermögen zu überzeugen und man mag die Verlierer-Ganoven auf Anhieb gut leiden - mir persönlich lag Trevor nicht besonders, aber das mag Geschmackssache sein. Die drei abgedrehten Typen sind aber wie gesagt nicht die einzigen Charakteren, die man kontrollieren darf.

Die Protagonisten, zwischen welchen sich jederzeit wechseln lässt, bieten jeweils eine eigene Spezialfertigkeit, welche in brenzligen Situationen eingesetzt werden will. Auch alle Basisfertigkeiten wie Handling von Autos, Schussgenauigkeit und Fitness, um ein paar zu nennen, lassen sich gezielt trainieren oder in Missionen verbessern.

Wechselt man zwischen den Figuren hin und her, fliegt die Kamera à la «Enemy Of The State» rauf in luftige Höhen, die Ansicht wechselt auf eine Art Google Maps, und stufenweise landet man dann wieder ganz unten auf der Erdoberfläche bei der anderen Person, welche gerade telefonierend durch die Gegend spaziert, Auto fährt oder sonst was tut. Wechseln kann man auch während Missionen fliessend, was dem ganzen Treiben eine Art Regiesseur-Flair verpasst. Man wird quasi zum Director des interaktiven Films vor sich auf dem Screen.

Die Herren der Ganoven-Schöpfung tragen dabei ihr Eigenes zur Originalität der Handlung bei. Allzu sehr ins Detail zu Hoffnungen, Träumen, Verlusten, Pleiten und Pannen der drei Pechvögel möchte ich an dieser Stelle nicht gehen, das muss man einfach selbst erlebt, gesehen und gehört haben. Es lohnt sich alleweil.

Was ich persönlich als ein wenig überbordend, wenn nicht sogar anstossend empfand, war die teilweise wenig bereichernde und derb grafisch dargestellte Gewalt. Damit meine ich nicht die klassischen Szenen wie Schiessereien oder umgefahrene Passanten. Das gehört zu GTA seit Anbeginn der Autoklau-Zeit. Eher geschmacklos war die eine oder andere Szene, welche nichts zur Story und wenig zur Unterhaltung beitrug, und einfach schlichtweg too much war. Aber das sei dem Urteil jedes Einzelnen überlassen.

Allgegenwärtig sind die satirischen Elemente: Die amerikanische Gesellschaft auf Pump, Apple, Facebook, Hochfinanz, die Oberschicht Hollywoods, der Geldadel beim Psychoklempner, die Autoindustrie, die Politik - alle kriegen ihr Fett weg. Der zynische Grundton war allerdings auch schon bissiger, mancher Mechanismus und der eine oder andere Spruch wirkt etwas bemüht.

Schöne neue Verbrecherwelt

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Rockstar hat richtig vorwärts gemacht mit der Engine seit Teil 4. Die Präsentation ist kaum vergleichbar mit der eher schwachen Sichtweite und manchen Framerate-Problemen in Liberty City. Zwar ist der Charme der New York-Satire in Sachen Dichte und Detailtreue nicht ganz derselbe, aber der pseudo-kalifornische Himmel samt Skyline kommt auch ganz flott daher.

In einem Cabrio in die laue Abendstimmung zu gleiten, entlang der Boulevards und Strände von Los Santos, hat schon etwas Monumentales. Wird es Nacht, bietet Downtown L.S. einen Anblick, der einen mit staunendem Mundöffner zurücklässt. Aber damit nicht genug, auch von oben kann sich die Landschaft sehen lassen. Oder man tauche ein in das Meer an der Küste, um die reichhaltige Unterwasserwelt zu erforschen. In Sachen schöne Ecken und weitläufige Entdeckungsgründe hat Rockstar Games hier eine Fülle erschaffen, die einen schon fast erschlagen kann.

Wer die Landschaft in Red Dead Redemption genossen hat, wird in GTA V sein blaues Wunder erleben. Die Prärien und Gebirge von Blaine County sind alleweil einen Ausflug wert und bieten inbesondere bei Abenddämmerung einige atemberaubende Aussichten.

Aber nicht nur die Grafik hat grosse Schritte vorwärts gemacht, auch Sprecher und Sound wurden nochmals ausgebaut und konsequent erweitert. In Sachen Klänge lässt das Spiel absolut keine Wünsche offen, von den vielen Radiostationen über die Sprechrollen bis zur Soundkulisse der Spielwelt inklusive dröhnenden Motoren weit entfernter Sportwagen ist in GTA 5 alles da wo es sein soll.

Die Spielwelt ist aber nicht einfach nur hübscher geworden, sie wirkt auch lebendiger und frischer. Zufällig eintretenden Events wie Polizeiwagen, welche fremde Autos verfolgen, spontante Crashs, vorbeigehende Passanten, spielende Kinder, herumliegende Gegenstände, fein säuberlich platzierte Müllsäcke, kristallklare Himmel, detailiert modellierte Gebäude und viele weitere Einzelheiten tragen dazu bei, dass die Erforschung von Los Santos und Umgebung zu einem wahrlich bezaubernden Entdeckungsreise wird, welche bei jedem Wetter und jeder Tag-/Nachtzeit eine eigenartige Magie aufweist.

Und der Multiplayer?

Unsere Anmerkungen zum Mehrspielermodus folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Fazit

Rockstar hat tatsächlich geschafft, was manche für unmöglich gehalten haben: GTA 5 übertrifft sogar die galaktischen Erwartungen der eingefleischten Fans.

Was die spezielle GTA-Experience im Kern ausmacht, sind meiner Meinung nach die unverkennbaren Momente, wo man gegen Ende einer Mission meint, man müsse noch einen Stunt hinlegen, dabei die Polizei auf den Plan ruft, und die anschliessende halsbrecherische Verfolgungsjadg damit endet, dass man querfeldein auf nen Hügel raufheizt, den zerbeulten Müllhaufen stehen lässt, um sich am Ende im Pool einer Luxusvilla zu verstecken. Und die ganze Übung natürlich auch noch mit nem NPC-Buddy am Hals, der nicht sterben darf. Einmalig!

Schade nur, dass die Macher nicht den Mut hatten, eine weibliche Hauptdarstellerin mit einzubauen. Es würde dem Team von Rockstar gut stehen, das Bild von Frauen in seinen hochklassigen Videogames im Allgemeinen ein wenig zu überdenken.

Ansonsten: Nichts auszusetzen - viel Kreativität und tonnenweise Futter für monatelanges Umherirren in Blaine County werden für exzellente Unterhaltung sorgen bis weit über den Herbst hinaus.

Wir bedanken uns bei Rockstar Games für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.


judgementbox
Grand Theft Auto 5
gold_medium
Positiv

Gigantische offene Spielwelt mit Aberdutzenden von interaktiven Elementen und schönen Ecken, witzige Charakteren und Dialoge, packende Story mit völlig neuer Charaktervielfalt, gelungene Bankräuber-Gaudi mit ausbaubaren Skills der Mitläufer und einfallsreiche Missionen, Aufgaben mit wählbaren Vorgehensweisen, genialer Soundtrack, schöne Physik- und Partikeleffekte, haufenweise witzige Szenen

Negativ

Frauenfiguren arg eindimensional - wieso nicht eine weibliche Protagonistin neben den abgedrehten Typen?, Ladezeiten nicht immer angenehm kurz, seltene Framerate-Einbrüche, überbordende Gewaltdarstellungen streckenweise geschmacklos, Checkpoints bei manchen Missionen etwas unglücklich gesetzt

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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