ASSASSIN'S CREED 4 - BLACK FLAG
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Assassin's Creed 4 - Black Flag

vor 3 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 3 Jahren

Wir schreiben den (digitalen) Juli 1715: Piraterie und Freibeuterei in der Karibik stehen in ihrer Blütezeit, manch halbblütiger Süsswasser-Kapitän sucht sein Glück unter der schwarzen Flagge. Piraten sind ja heutzutage sowohl auf der Leinwand als auch an den Küsten von Ostafrika schwer en vogue, und was läge da ferner, als dem Gesindel ein Assassin's Creed-Game zu widmen? Wir haben für euch die Säbel geschliffen und das Enterbeil durch die Luft gewuchtet.


Ein Schwindler und ein Dieb

Alles beginnt mit einem Versprechen: Edward Kenway ist der Vorfahr – in dem Sinn der Grossvater – von Connor, dem Protagonisten aus Teil 3. Nicht wie der Enkel in den Weiten der Prärie und Wälder Nordamerikas geboren, sondern in England aufgewachsen, macht sich der Glücksjäger eines Tages auf die Jagd nach dem grossen Geld. Seiner Verlobten verspricht er zwei Jahre der Abwesenheit, nachher will er zurückkehren. Dass dem wahrscheinlich nicht so ist, darf man natürlich von Beginn weg annehmen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

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In Assassin's Creed 4 mit dem Beinamen «Schwarze Flagge» geht es nicht um enttäuschte Fast-Ehefrauen, sondern um das aufregende und gefährliche Leben der karibischen Freibeuter. Der Hintergrund ist wie immer detailgetreu recherchiert, das Spektrum an Schauplätzen mit Havana, Nassau und Kingston passend gewählt und die Atmosphäre stimmig.

Edwards Geschichte verläuft natürlich nicht linear und geradlinig zum grossen Goldschatz, wie sich das der junge Pirat wohl erträumt hat. Bald gerät er zwischen die Fronten von Assassinen und Templern, und auch das mehr durch einen Zufall als dass es seinem Willen entsprochen hätte.

Die Geschichte ist rasant erzählt und besteht aus bewährten Versatzstücken der AC-Ära. Das Spiel ist sicherlich toll gemacht, aber grossartige Überraschungen dürfen wir leider auch dieses Mal nicht erwarten. Die Hintergrundgeschichte mit Abstergo als Recherchen-Maschinen-Hersteller für die Produktion eines Piraten-Videogames klingt fast ein bisschen albern. Ubisoft? Wirklich? Ich finde man hätte auf den Sci-Fi-Klimbim in dieser banalen Form auch gleich ganz verzichten können. So wirkt das leider etwas läppisch.

Mit Schwung in die Takelage

Wenn sich Edward an Land befindet, fühlt man sich wie seit eh und je schnell zuhause. Alles wirkt vertraut, die Missionsstrukturen sind mehr oder weniger gleich geblieben, viele Anpassungen wurden nicht getätigt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Waffen- und Toolauswahl, welche neu auf den Kreuztasten liegt.

Viel Gewicht liegt neben den bewährten Verfolgungs-, Attentäter- und Einbruchsmissionen ganz klar auf den Seefahrten und -gefechten. Diese kennen wir bereits aus Teil 3. Nun ja, wers mag. Ich fand die Ausflüge aufs offene Meer unter Einsatz von Pulverdampf und Bleikugeln unterhaltsam, aber auch nicht mehr. Es schaut ein bisschen danach aus, als hätte Ubisoft einige Teams und Budgets in die Entwicklung der Schiffsmanöver investiert und möchte dies jetzt entsprechend zu barer Münze machen. Was natürlich zu respektieren ist, andererseits wäre etwas Innovation an anderen Enden wünschenswert gewesen.

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Für den Unterhalt der Schiffe ist man laufend auf frisches Piratenblut angewiesen. Crewmitglieder lassen sich in Tavernen anwerben oder aus den Fängen von Soldaten befreien. Beides dient dazu, den Bestand der Mannschaft auf vernünftigen Levels zu halten, um während Entergefechten und Beutezügen nicht allzu alt auszusehen. Auch die Schiffe wollen immer wieder repariert und ausgebaut werden. Es gibt also stets etwas zu tun an Land und auf See.

Der Einsatz von Schusswaffen wurde ebenfalls überarbeitet, die 3rd-Person-Shooter-Elemente sind jedoch nicht ganz ausgereift. Man merkt deutlich, dass dieses Genre nicht zu den Stärken der französisch-kanadischen Entwickler gehört.

Neu darf man jede Mission bewerten. Was das genau bringen soll, steht in den Sternen. Vielleicht ist Ubisoft nach der einen oder anderen Kritik an Teil 3 etwas unsicher geworden hinsichtlich der eigenen Fertigkeiten.

Die Missionen in Black Flag können, wie der Rest des Spiels, nicht mit dem riesen Haufen Überraschungsmoment aufwarten, spielen sich aber solide und besser inszeniert als in Teil 3. Kenways Beweglichkeit ist dabei nach wie vor nicht über alle Zweifel erhaben. Beispiele wegen ungewollten Aktionen auf der Flucht oder bei hitzigen Verfolgungen, wie das «Anklettern» eines Pfostens oder sonstige Debakel, wurden nicht komplett ausradiert und sorgen hie und da für rote Köpfe bei den Spielern.

Sehr schön gemacht sind Sturm und Wetter auf See, die Seefahrten und der Wellengang, da hat sich das Team ganz ordentlich ins Zeug gelegt. Dazu kommen Erkundungen von Inseln, welche viel Spass machen und Schatzsucher-Instinkte wecken.

Auch das Herstellen von allerhand Zeugs in Kombination mit Jagd und Plünderungen ist wieder mit von der Partie, was für eine Prise Abwechslung sorgt. Schön sind auch die Fischerei-Sequenzen, man darf sogar Haie schlachten. Ob das allerdings ethisch vertretbar ist, sei mal dahingestellt. Ich bin der Meinung: Pfui!

Cool hingegen sind die Enteraktionen, welche in manchen Lebenslagen unweigerlich zum Tagesgeschäft eines Freibeuters gehören. Schön, wie sich Schiffkontrolle und Kampf an Deck ineinandern verweben.

Krachende Brecher

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Zur Präsentation, selbst auf der alten PS3-Klapperkiste, gibt es nur eines zu sagen: Wow! Die AC-Engines haben sich ganz schön weiterentwickelt seit Teil 1. Black Flag ist in Sachen Grafik, Framerate und Sound in keiner Art und Weise vergleichbar mit den Anfängen und spielt in einer ganz anderen Liga. Zwar ruckelt es immer noch hie und da ein wenig, aber über das ganze Paket gesehen kriegt man hier ganz ordentlich was zum Staunen serviert.

Das Meer, die Wellentäler, die Dynamik der Segeltörns in den verschiedenen Tages- und Wettersituationen, die gesamte Seefahrer-Oper, all das formt sich zu einem grossartigen visuellen Erlebnis. Wenn auch eines, das mit der Zeit an Reiz verliert. Neben dem neuen Meer fallen die noch ein mal gewachsenen Menschenmengen auf, welche manchen Schauplatz schon fast echt bevölkert aussehen lassen.

Fazit

Assassin's Creed 4 Black Flag ist ein tolles Videogame, ohne Frage. Bloss reicht es nicht für viel mehr.

Was die Serie zu Beginn so faszinierend gemacht hat, ist mittlerweile fast gänzlich wegerodiert worden. Oder «wegentwickelt» worden, um es genauer auszudrücken. AC 4 hat einen Grad von Klamauk und Action erreicht, der mit dem mystisch-geheimnisvollen Gesamtpaket der Anfänge – insbesondere der Renaissance-Titel nach dem nur halbwegs gelungenen Einstand im heiligen Land – nicht mehr viel zu tun hat. Mir fehlt ein bisschen der Tiefgang, wenn wir es schon mit Schiffen zu tun haben.

Was fairerweise auch festgehalten werden muss: Teil 4 hebt sich äusserst positiv vom missratenen dritten Teil der AC-Reihe ab. Black Flag ist in jeder Hinsicht besser gelungen.

Bleibt zu erwähnen, dass die AC-Saga auf jeden Fall weitergehen wird. Ich wünschte mir ein wenig echte Innovation und etwas weniger Actionklamauk. So gesehen wäre ein Setting im alten Ägypten, Rom oder denn – falls es wieder die neuere Zeit sein muss – allenfalls die französische Revolution äusserst wohltuend.

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.


judgementbox
Assassin's Creed 4 - Black Flag
Positiv

Schöne Präsentation, süffisanter Hauptcharakter, mehr Action anstelle von Stealth, rasante Inszenierung, leichtherziger als mancher Vorgänger, manches neues Gameplay-Element, Selbstironie wird gross geschrieben, witzige Handlung, satte Seefights

Negativ

Etwas viel Hali-Gali, geheimnisvolles Element mit mystischem Touch der Ur-Versionen geht je länger je mehr verloren, mehr Segeltörn als Meuchelmörder-Mysterium, immer noch kein richtiger Tag-Nacht-Rythmus, Controls nach wie vor mit manchen Problemen behaftet

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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