KILLZONE: SHADOW FALL
Testbericht | PS4

Killzone: Shadow Fall

vor 3 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 3 Jahren

Killzone-Titel glänzten in der Vergangenheit nicht gerade mit Gameplay-Innovationen oder besonders toller Story. Killzone Mercenary für die PS Vita setzte bereits eine Duftnote, in welche Richtung sich die Franchise in Zukunft entwickeln wird, und Shadow Fall führt diese neue Devise ebenfalls mit sich: Mehr Abwechslung, mehr Stealth, mehr Taktik. Dazu eine Grafik, welche locker alles und jedes vom Tisch wischt, was es bisher auf Konsolen (und den meisten PCs) zu sehen gab. Spielt sich Shadow Fall auch so gut, wie es aussieht?


Another brick in the wall?

Killzone Shadow Fall ist auf jeden Fall kein weiterer Backstein in einer Wand von Normalo-Shootern ohne grosse Ambitionen auf Innovation. Das Spiel wartet mit einem interessanten Setting auf, welches zu den spannenderen Beispielen im Sci-Fi-Gros der Videogamewelt gehört. Nach der Zerstörung des Heimatplaneten Helghan durch eine Massenvernichtungswaffe der Vektaner, welche so ziemlich alles und jeden dem Erdboden gleichgemacht hat, lässt sich eine Kolonie des vermeintlich immerbösen rot-schwarzen Imperiums der Helghast auf Vekta nieder. Notabene der Heimatplanet der Vektaner. Eine gigantische Mauer trennt den Quasi-Osten vom Westen. Personenfreizügigkeit ist in dieser Welt ein Fremdwort, es existiert ein eiserner Vorhang, welcher am ehesten mit der Situation zwischen Nord- und Südkorea vergleichbar ist.

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Die Vektaner können als Parallele zu den USA gelesen werden, oder vielleicht allgemeiner, als Pendant zur westlichen Welt, während die Helghast als Russen oder sonstwie gelagertes klassisches Bös-Volk herhalten darf. Dass dem nicht ganz so ist, erfährt man im Verlauf der Geschichte von Shadow Fall, und die Story bietet auf dem Weg einige Überraschungen und Wendungen, welche angenehm unüblich sind für die Franchise.

Die Hauptfigur des Spiels, Lucas Kellan, verliert als kleiner Junge seinen Vater bei der Räumung der Distrikte, welche für die Ansiedlung der Flüchtlinge vom Planeten Helghan gedacht sind. Dass die Verantwortlichen für den Tod unter den Helghast zu suchen sind, ist mehr in den Umständen als in einem bösen Willen begründet. Trotzdem landet der kleine Lucas alsbald in den «Fängen» der Vektaner-Elite-Truppe als Shadow Marshall. Sein ganzes Leben verbringt er mit verdeckten Missionen in einem neuen kalten Krieg gegen die Kräfte jenseits der Mauer.

Terroranschläge, politische Gefangene und alle anderen unschönen Auswirkungen einer solchen Lage sind an der Tagesordnung. Erst als während eines Auftrages unschöne Details zu den Machenschaften der Vektaner auftauchen, kommt der bis anhin unkritische Agent Lucas ins Grübeln. Wie die Geschichte weitergeht, dürft ihr gerne selbst rausfinden, sie bietet auf jeden Fall den einen oder anderen Twist mehr als ein gewöhnlicher Alltagsshooter wie Battlefield oder andere übliche Verdächtige.

Das Potential des Settings wird zwar nicht ganz ausgeschöpft, aber es ist durchaus lobenswert, was Guerrilla uns hier als Launchtitel in Sachen Story auftischt. Leider hat die eine oder andere Figur einen etwas eindimensionalen Charakter, da wäre durchaus mehr dringelegen. Auch der Hauptcharakter Lucas bleibt eher farblos. Killzone ist und bleibt halt ein Actiongame, was will man mehr.

Neue Wege

Die Levels in Shadow Fall sind an vielen Stellen offenere Welten als in den Vorgängern. Nicht alle Abschnitte sind gleich weitläufig, aber meist muss man in einem Areal diverse Punkte erreichen und irgendwelche Dinge erledigen, wobei man immer zwei oder drei verschiedene Pfade abschreiten kann. Dies bietet taktisch einige Möglichkeiten und spielt sich vielenorts hervorragend.

Mancher Bock im Leveldesign, den das Team leider nicht ausmerzen konnte vor dem Launch, trüben ein wenig das Bild. Es kommt vor, dass man nicht auf den ersten Blick erkennt, wo es weitergeht. Manchenorts gibt es nervig gesetzte Checkpoints, was dazu führt, dass man gewisse Stellen einige Male repetieren muss. So wird man ab und zu mitten in eine Gegnerhorde «geschmissen»Â oder quasi von solchen überfallen, ohne dass man sich dagegen grossartig rüsten könnte. Hätte Guerrilla diese handvoll Stellen besser ausbalanciert, statt alle Energie in die Präsentation zu legen, wäre für das Spiel generell eine wesentlich höhere Wertung dringelegen.

Was die Settings angeht, so bleibt einem schlichtweg das Maul offen. Diese sind einerseits grafisch und hinsichtlich des Detailgrades einfach nur atemberaubend, andererseits aber auch spielerisch abwechslungsreich. Es gibt Stealth-Abschnitte, Sniper-Sequenzen, stille Passagen ohne Gegnerkontakte oder auch massive Gefechte mit Dutzenden von involvierten Gegnern und Mitstreitern.

Die stets im Handgepäck befindliche Drohne bringt zusätzliche Spieltiefe und neue taktische Möglichkeiten. Sie sorgt für Ablenkung, Feinde angreifen, kann gegnerische Schilde deaktivieren, Displays hacken und mittels Enterhaken dabei helfen, Abgründe zu überwinden und last but not least Wiederbelebung aktivieren, falls ein Adrenalin-Paket im Vorrat ist.

Die Waffen zeigen sich ebenfalls von ihrer unterhaltsamen Seite. Man darf stets zwei verschiedene Exemplare mit sich rumtragen, die guten Stücke haben grösstenteils zwei verschiedene Schussmodi und liegen gut in der Hand. Die Waffen sind gut ausbalanciert und bieten einige Abwechslung. Sie fühlen sich knackig an und auch das Handling passt quasi perfekt. Die klassischen Splittergranaten, EMP-Bomben und Bewegungsmelder-Minen runden das Arsenal sinnvoll ab. Zusammen mit der Drohne lässt die Ausrüstung keine grossen Wünsche offen.

Spielbare Artworks

Ich habe mir noch nie ein Videospiel reingezogen, welches mich dermassen in Staunen versetzt hat. Alle Viertelstunde gibt es eine Szenerie, wo man einfach mal ein paar Minuten in die Gegend glotzen muss. Die Grafik ist absolut unglaublich und nie gesehen abartig krass. Mir fehlen die Worte. Man hat bei jedem Abschnitt, wo man in die Weite sieht, das Gefühl, man habe eines der hochwertigen Artworks betreten, welche meist im Vorfeld einer Game-Produktion angefertigt werden.

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Ein Abschnitt jenseits der Mauer im Regen, von uns aufgenommen.

Die Charaktermodelle sind unglaublich detailiert, man traut den Augen kaum, was da an Texturschärfe und Polygon-Anzahl auf dem Screen vor einem abgeht. Die unterschiedlichen Materialien im Spiel sind so plastisch wie nie zuvor. Das gilt für Kleider, Metall, Felsen, Kieselsteine, Holz, Kunststoff und alle anderen Oberflächen, welchen man über den Weg läuft.

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Die Charakterdesigns und die Elemente der Spielwelt brauchen auch eine lupengenaue Betrachtung nicht zu fürchten, wie diese von uns aufgenommenen Bilder zeigen. Die Charaktermodelle sind plastisch wie nie und schon fast greifbar klar.

Killzone Shadow Fall muss man einfach in Action gesehen haben, um zu glauben, wie unglaublich detailliert und scharf alles daherkommt, bis ins Detail modelliert und animiert. Insbesondere die schiere gigantische Grösse der Spielwelten erstaunt immer wieder aufs Neue. Man sieht kilometerweit in eine Richtung geradeaus, aber auch gen oben und gen unten scheinen die Umgebungen kaum eine Begrenzung zu haben. Die Welt von Vekta mit all ihren schönen und eher dunklen Ecken ist schlichtweg riesig gross. Dazu kommen die Sequenzen im Weltall, welche den Szenerien auf festem Boden in keiner Weise nachstehen. Der Gipfel der Unglaublichkeit bildet das Level auf dem zerstörten Planeten Helghan, welches an Bilder vom zerbombten Hiroshima erinnert. Aber genug der Spoiler, am besten selbst hinfliegen.

Den Vogel schiessen jedoch die ganzen Lightings ab. Kein Spiel, welches ich bisher auf irgendeinem Screen live gesehen habe, verfügt über eine derart komplexe Belichtung, gemischt mit Spektraleffekten, Blendungen, Farbfiltern, Spiegelungen und Zwischentönen. Kaum zu glauben was hier an Vielfalt in butterweichen 60 Frames pro Sekunde hingeballert wird auf dem Bildschirm. Dazu kommen die Wettereinflüsse, welche nicht nur als Dekoration dienen, sondern echte Tiefe hervorbringen. Wenn es regnet, dann verwischt der ganze Himmel, Gebäude in der Ferne werden mit einem Blur überdeckt. Das führt jedoch nicht zu einer Pixelsuppe, sondern schaut sehr plakativ aus (siehe Screenshot von jenseits der Mauer weiter oben).

Verfeinert wird das ganze Grafik-Bombardement auch noch von hochwertigem Antialiasing, kaum eine Kante flimmert störend im Bild.

Die folgenden Screenshots in HD-Auflösung zeigen die Pixelpracht in voller Enegie:

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Fazit

Killzone Shadow Fall ist ein sehr gutes Actiongame mit atemberaubender Grafik, mit einigen exzellenten Abschnitten und einer handvoll sehr schwachen Sequenzen. Letztere trüben den sonst tollen Gesamteindruck immer mal wieder. Shadow Fall stolpert manchenorts über die eigenen Beine, oder besser gesagt: Der Spieler stösst sich den Kopf da und dort am nicht ganz runden Leveldesign. Schade. Mit etwas mehr Feinschliff wäre ein Award dringelegen.

Die Präsentation ist eine absolute Bombe. So etwas hat man auf einer Konsole, und wohl auch auf den meisten PCs, bis dato noch nie gesehen. Wer Shadow Fall in Action sieht, wird zwangsweise in Staun-Starre verfallen.

Auch der Multiplayer ist absolut packend und gehört zum Besten, was man an Actiongames online zocken kann. Die neue flexible Struktur und die Freischaltung aller Waffen sorgt für ordentlich Spielspass ohne lange Aufarbeitungszeit und Erfahrungspunkte-Ramscherei.

Die Franchise entwickelt sich in die richtige Richtung. Mehr spielerische Freiheit, ein paar nützliche Optionen wie die Drohne, und mehr taktische Möglichkeiten. Jetzt ist es an der Zeit für ein noch etwas besseres Leveldesign, und allem voran für ein Killzone-Game mit einem Helghast als Hauptcharakter. Um nicht zu sagen: Höchste Zeit!


judgementbox
Killzone Shadow Fall
Positiv

Grandiose Grafik, atemberaubendes Design und abwechslungsreiche Welten, toller Sound, ansprechendes Setting mit überraschend guter Story, detailversessene Umsetzung, knackige Gefechte und Waffen, innovative Ideen mit Drohnentaktik und offenen Levels, Beinfreiheit bietet taktische Optionen an manchen Stellen, butterweiche Framerate

Negativ

Streckenweise verwirrendes Leveldesign, Checkpoints nicht immer ideal gesetzt, Potential des Settings nicht ganz ausgenützt, Balancing in manchen Levels frustrierend, Gegner-KI nicht ganz fit genug für das komplexe Leveldesign

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Killzone Shadow Fall
Erhältlich für PlayStation 4
Von Guerrilla Games (Developer), Sony (Publisher)