NEED FOR SPEED RIVALS - PS4
Testbericht | PS4 | Xbox One

Need For Speed Rivals - PS4 gold_medium

vor 3 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 2 Jahren

Wo Criterion draufsteht, war in der Vergangenheit nicht überall auch wirklich echtes geniales Criterion-Gameplay der Sonderklasse drin. Der neuste Wurf, eine Kooperation der Action-Racer-Spezialisten mit dem Team von Ghost, kommt als durch und durch benzintriefender Super-Arcade-Racer daher und überzeugt mit tollem Speedfeeling samt schnittiger Optik: Ein Launchtitel, der süchtig macht.


Good Cop Bad Cop

Die Story von Rivals ist genauso kurz erzählt wie belanglos: In einer fiktiven US-amerikanischen Gegend, welche nützlicherweise innerhalb von wenigen Fahrkilometern alle möglichen Szenarien – von Küstenstädtchen über Alaska-artige Wälder bis hin zu Canyons – miteinander verbindet, streiten sich Polizisten in hochgeschraubten Supersportwagen mit irgendwelchen Gesetztlosen in ebenso ansehnlicher Fahrware um die Vorherrschaft.

Spielen darf man beide Seiten, muss aber nicht. Ich habe mich für den Test vorwiegend auf die Gesetzlosen fixiert, aber auch die Seite der Gesetzeshüter hat ein paar nette Runden in peto.

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Das Spiel wurde zwar mit ein bisschen Sprachausgabe und einer Art Missionsstruktur aufgepimpt, aber seien wir ehrlich: Das interessiert keinen Pudel und ist in der minimalen Form mehr Hindernis als Wegbereiter. Sobald man dieses Spiel aufstartet, will man einfach nur noch eines: Drauflosheizen, Punkte sammeln, Bolide aufmotzen und irgendwann den gröbsten Kasten sein eigen nennen. Criterion hat es schon immer hervorragend verstanden, die niedersten Instinkte im rennwilligen Digitalraser-Volk zu wecken, und Rivals ist seit langer Zeit das absolut beste Werk zu diesem Zweck. Mehr PS geht schon fast nicht mehr.

Brachial ohne Ende

Rivals macht einfach Spass. Und zwar fast ab Start, wäre da nicht das nervige Tutorial. Vielleicht wurde dieses eingefügt, um zumindest ein paar Promille unter den Gamern zum Wählen des Cop-Modus zu bewegen. Ich konnte mich dafür nicht wirklich begeistern, aber das ist sicherlich Geschmackssache. Zum anderen hilft die Zeit natürlich dem Spiel, sich im Hintergrund noch eine Weile weiter zu installieren.

Startet man als Outlaw, ist das erste Fahrzeug leider ein absolut lahmer, furchtbar hässlicher, gelber Porsche Cayman. Mann, zum Glück wird man diese Büchse bald mal los, und am besten überspringt man den zweiten Wagen auch gleich. Der Mustang ist noch schlimmer als der knutschgelbe Altherren-Stuttgarter. Erst so ab Stufe Aston Martin Vanquish geht der Knopf so richtig auf, und mit etwas Tuning samt optischem Geplänkel macht der Wagen bald mal so richtig was her. Ich habe sehr viel Zeit mit dem Vanquish verbracht, was einerseits auf meine Vorliebe für richtige Sportwagen im Zusammenhang steht, andererseits auch mit dem tollen Sound des Motors und der schieren Schönheit dieses Gefährts zusammenhängt. Mit etwas Motorgeschraube holt man aus dem Ding auch ordentlich Traktion und Schmackes heraus, was den Kauf eines höher situiterten Models für eine Weile erübrigt.

Befindet man sich unterwegs auf der Strasse, erwartet einen ein absolut packendes – um nicht zu sagen: hypnotisierendes – Geschwindigkeitsgefühl. Es ist schier unglaublich, was da an Abschrankungen, Tunnelwänden, Bäumen und Bäumchen, Häusern, Staubwolken und Regentropfen an einem vorbeiwischen.

Das dynamische Gameplay überzeugt ebenso. Mit ständig sich aneinanderreihenden Events und gleichzeitigen Überlagerungen mit Verfolgungsjagden gegen die Cops, falls man die Outlaws spielt, vermag Rivals zu punkten. Es befinden sich laufend einzelne Gegner auf den Strassen, welche zirkulieren, und auf einen Herausforderer warten. Diese Widersacher darf man per einfachem Tastendruck beim Annähern zu einem Duell anstacheln. Man braucht also nicht mal die Events, welche auf der ganzen Karte verteilt sind, anzupeilen, es ist immer ordentlich was los, und diese Rennen gegen einzelne Boliden verschaffen ein dermassen grosses Mass an Spielspass, dass man darob die eigentlichen Missionen quasi links liegen lässt. Diese werden erst dann zur Pflicht, wenn man einige davon für das Vorankommen in der Erfahrungsstufe absolvieren muss.

Mit jedem Rennen kann man Punkte sammeln, und man muss diese zu einem der Verstecke zurückbringen bevor man von den Cops auseinandergenommen wird. Sonst gehen die Dinger flöten, und da die Fahndungslevels ständig steigen, gesetzt man flüchtet immer wieder erfolgreich vor der Polizei, und so auch die Punkteausschüttung erhöht wird, ist man schnell mal geneigt, zuviel zu riskieren. Ich habe locker eine halbe Million Punkte verdaddelt innerhalb kürzester Zeit, da der Gedanke «nur noch eins, nur noch eins» einfach stärker war als die Vernunft. Wobei in einem solchen Spiel das Wort «Vernunft» allenfalls etwas merkwürdig erscheint.

Neben den Tuning-Optionen darf man das eigene Fahrzeug zusätzlich mit EMP-Wellen-Emitter, Minen und sonstigem Kampfgerät ausstatten, was die Hetzjagden kreuz und quer durch die wilde Gegend noch knackiger macht.

Getriebeschaden behoben

Need For Speed Rivals war die erste Scheibe, die wir nach der Inbetriebnahme der PS4 unter die Lupe genommen haben. LKM und ich waren uns schnell einig: Diese Framerate geht gar nicht, die Auflösung etwas verpixelt. Nach einem oder zwei Patches sah das Ganze schon besser aus. 1080p vollaufgelöst, dazu 30 FPS.

Läuft es erstmal so wie es sollte, macht Rivals schon unglaublich was her gemessen daran, dass es sich um einen Launchtitel handelt. Es gibt einen Tag-Nacht-Zyklus, und so fährt man ab und zu in der Dämmerung, in stockdunkler Finsternis, in der Mittagssonne oder sonst zu einer Tages- und Nachtzeit. Das zusätzlich dynamisch wechselnde Wetter trägt zusätzlich zu spielerischer und insbesondere optischer Abwechslung samt Pracht bei.

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Zwar sind die Hintergründe der Szenerie in weiter Ferne nicht superdetailliert, aber dafür fliegen Blätter vom Wind getrieben umher und viele weitere Details sorgen für Glotzfreude. Besonders reizvoll fand ich die Abschnitte des Strassennetzes, wo sich links und rechts der Fahrbahn irgendwelche Büsche, Rebberge oder sonstige zerstörbare Objekte befanden. Mit viel Gerumpel und 300 Sachen über einen holprigen Abhang zu fetzen hat schon was für sich, während einem Kleinholz um die Ohren fliegt.

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Die Deformations-Systeme sind je nach Fahrzeug ordentlich bis hübsch, besonders schön sind die abperlenden Tropfen auf der Karrosserie bei Regen oder die nassen Asphaltpartien auf der Strasse. Der bombastische Soundtrack unterstützt das Motorengeheul quasi ideal und trägt zu einer rundum gelungenen Präsentation bei.

Fazit

Das süchtigmachende Speedfeeling macht dem Namen des Spiels alle Ehre. Man verspürt effektiv einen Drang nach Geschwindigkeit, und davon kriegt man im Spiel mehr als genug.

Es macht ganz einfach Spass, in der Gegend rumzukurven, und ständig irgendwelche willkürlich auftauchende Rivalen zu einem halsbrecherischen Duell herauszufordern. Man benötigt nicht mal die eigentlichen Rennevents, um glücklich zu werden.

Die Bildrate kann – trotz versprochenem Lock bei 30 FPS – nicht immer und überall ganz mithalten. Patches helfen, aber mancher Special Effect im Spiel schaut ein wenig wie ein Stottern aus, was nicht ganz nachvollziehbar ist.

Alles in allem aber ein sehr gelungener Launchtitel, meines Erachtens das beste momentan erhältliche Spiel für PS4 als Gesamtpaket gesehen.

Wir bedanken uns bei Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgaben für PS4 (vorrangig) und PS3.


Zweite Meinung von LKM

Ich war nie ein grosser Fan der Open-World-Autorennspiele, und Need For Speed Rivals ändert nichts daran. Das Spiel basiert stark auf Burnout Paradise, verbessert aber viele Problem des Vorgängers. Am Ende bleibt trotzdem ein Spiel, welches von Kompromissen geprägt ist:

Die Grafik ist mässig. Wie bei vielen Open-World-Spielen wird bei der Grafik gespart, damit die Welt grösser gemacht werden kann. Wer sich eine PS4 kauft, möchte vermutlich von den Games überwältigt werden, damit er sieht, was sich im Vergleich zu den Konsolen der letzten Generation verbessert hat. Rivals tut aber nichts dergleichen. Das Spiel sieht nicht schlecht aus, aber auch nicht PS4-gut.

Das Gameplay wird von Flauten dominiert. Oft fährt man ziellos durch die Gegend und sucht das nächste Rennen. In alten NfS- oder Burnout-Games war das nicht so. Rennen um Rennen lösen sich nahtlos ab, Flauten kommen nie vor. Hier pausiert man schon mal ab und zu das Spiel, um im GPS irgend ein Ziel einzugeben, weil dort irgend ein Event stattfindet. Dann verbringt man die nächsten Minuten damit, einfach an dieses Ziel zu fahren. Wenn ich mit GPS im Auto an Ziele fahren will, brauche ich dazu kein Videospiel. Das kann ich auch mit meinem richtigen Auto.

Die Renen sind teilweise — wie schon bei Paradise — etwas verwirrend. Weil oft keine spezifische Strecke vorgegeben ist, nimmt man schnell mal die falsche Abzweigung. Oder alle Gegner fahren einen anderen Weg, und man ist alleine auf der Strasse. Nicht sehr befriedigend.

Auch nicht befriedigend sind die eigentlichen Rennen. Wenn man in einem traditionellen (nicht-Open-World) Autorennspiel eine Rennstrecke entwirft, hat man die absolute Kontrolle über die Experience. Lange Kurven wechseln sich mit Geraden, Steigungen, engen S-Kurven oder einem plötzlichen Gefälle ab, so dass man immer auf der Hut sein muss. Und weil man die selbe Strecke mehrere Runden fährt, kann man das Rennen lernen und darin besser werden, um jede Sekunde kämpfen. All diese Dinge passieren in einem Open-World-Spiel nicht. Die Strecken sind nicht einzeln entworfen, sondern in eine vorgefertigte Welt gepackt, was sie oft weniger interessant macht. Die Strecken sind zudem meist linear, und haben nicht mehrere Runden. Und man fährt dauernd andere Strecken, einen Lerneffekt gibt es also kaum.

Zum Schluss muss ich jedoch anmerken: all diese Dinge kann man jedem Open-World-Autorennspiel vorwerfen. Alle Open-World-Rennspiele haben eher mässige Grafik, nicht sehr fantastisches Streckendesign, und ein von regelmässigen Flauten durchzogenes Gameplay. Damit bleibt die Frage: wenn man alle diese Nachteile ignoriert, wie gut ist Rivals im Vergleich zu anderen Open-World-Racern? Die Antwort ist eindeutig: sehr gut. Neben dem fantastischen Driver: San Francisco gibt es nur wenige solche Spiele, die mit der Qualität von Rivals mithalten können.

Wer also auf Open-World-Racer steht, keine umwerfende Next-Gen-Grafik erwartet, und mit den Nachteilen dieses Genres kein Problem hat, der macht mit Rivals sicher nichts falsch. Alle anderen sind mit mehr traditionellen Autorennspielen aber besser bedient.

judgementbox
Diverse
gold_medium
Positiv

Ansprechende Grafik, einnehmendes Gameplay, gelungener Mix aus Events und freier Fahrt in der gesamte Spielwelt, variable Modi mit zwei Parteien, schöne Tuning-Optionen, merklicher Einfluss der Veränderungen an Automodellen auf das Spielgeschehen, tolles Speed-Feeling

Negativ

Framerate ohne Patches nicht konsistent, manche Hindernisse neben der Strecke unglücklich platziert - kann zu Festsitzen führen im dümmsten Moment, einige Blurs und Spezialeffekte können als Stottern der Bildrate missverstanden werden

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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