F1 2010 – WELTMEISTERTRäUME
Testbericht | PS3 | Xbox 360

F1 2010 – Weltmeisterträume

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 6 Jahren

Lange ist es her, seit ein wirklich gutes Formel 1-Spiel die Welt bereichert hat. Die Kodiermeister von Codemasters haben sich angeschickt, die Saison 2010 der Königsklasse auch digital als solche zu präsentieren. Ob der Coup gelungen ist, lest ihr in unserem Testbericht.

Willkommen im Fahrerlager

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Gleich zu Beginn werdet ihr zu einem Interviewtermin gebeten. Auf noch etwas wackligen Beinen schreitet ihr zum Podium. Ihr werdet gefragt, was denn Eure Erwartungen sind hinsichtlich der kommenden Saison 2010 als Rookie im Team von (wahlweise) Virgin, HRT oder Lotus Cosworth. Also vorerst nix mit Ferrari und Silberpfeilen (meine Wahl fiel auf Lotus, des klingenden Namens wegen).

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Kaum ist der erste noch etwas unliebsame Pressetermin vorbei, findet ihr Euch im Fahrerlager von Bahrain wieder. Hier könnt ihr mit eurer Agentin plaudern, euch alle möglichen Infos zu den anderen und zum eigenen Team anschauen, euer Helmdesign bestimmen und die Details eures ersten Vertrages begutachten.

Im Wohnwagen gibt es auch Einstellungen zum Schwierigkeitsgrad, zur Länge des Rennwochenendes und zur Rundenzahl des Hauptrennens, welche nach dem eigenen Gusto angepasst werden dürfen. Kaum einer dürfte die volle Renndistanz über eineinhalb bis zwei Stunden fahren wollen, meine Wahl fiel vorerst mal auf die Minimumdistanz und einfache Schwierigkeit. Wär doch schade um den hübschen Boliden, wenn er bereits in der ersten Kurve zu Schrott gepresst würde.

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Die Möglichkeit zum Betreten des Multiplayer-Modus und die freien Rennen auf jeder beliebigen Strecke und (juhee!) mit jedem beliebigen Boliden befinden sich ebenfalls im Fahrerlager. Da kann man es sich gleich zu Beginn kaum verkneiffen, mal kurz den Ferrari von Alonso auszuleihen und Monaco unsicher zu machen. Respekt vor den echten Piloten macht sich breit gemessen an der Präzision, welche dieser enge Kurs mit den vielen Tempi-Wechseln den Fahrern abverlangt. Aber kehren wir von der Côte d'Azur zurück zum Ernst des Lebens und ab nach Arabien.

Bahrain und der Rennzirkus

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Nachdem einige Grundeinstellungen getroffen worden sind, heisst es das erste Mal freies Training und Rennluft schnuppern. Im Pit kann der eigenen Wagen wahlweise selber bis ins fast jedes Detail eingestellt werden, oder man zieht den Renningenieur des Teams hinzu. Dies ermöglicht auch Einsteigern ein ziemlich direkter Weg in die Renn-Action, und echte Formel 1-Freaks haben alle möglichen Mikrodetails zu Reifen, Wetter, Fahrwerkeinstellung, Motorabstimmung und so weiter griffbereit.

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Pilot DN jedoch schwenkt ohne grosse Umwege aus dem Pit in die Boxengasse ein und steuert die «Startbahn» für auf den Rundkurs an. Die Steuerung offenbart sich als höchst präzise und trotzdem einigermassen «echt» auf der einfachsten Anspruchsstufe. Wer also übersteuert bei der Ausfahrt aus einer engen Kurve, findet sich schnell mal gedreht im Kies wieder.

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Nach einigen Runden mit Ideallinienangabe und Bremsunterstützung gelingt das Ganze schon recht bravourös. Schnell kommt man ins Fieber mit dem Blick auf die Sektor- / Abschnittszeiten, wie hypnotisiert fliegt man von Kurve zu Kurve, immer auf der Suche nach der Ideallinie. Das freie Training kommt ganz gut voran. Eine Stunde hat man Zeit, und man darf auch gelegentlich bei Bedarf an der Box was einstellen lassen.

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Das Qualifying und auch das Rennen laufen ganz nach den kühnsten Träumen eines F1-Rookies. Auf Anhieb gelingt dem Team Lotus dank Pilot DN einen zweiten Platz herauszufahren – Hamilton wollte sich partout nicht einholen lassen. Bedauerlicherweise gibt es kein Visual zur Siegerehrung... vielleicht aufgrund meiner Easy-Einstellung (welche so «easy» nun auch wieder nicht war) – jedenfalls schien dieser Umstand merkwürdig. Vorerst müssen die Fans halt ohne Champagnerdusche auskommen. Da auch schon die Boxenmädchen und die Parade derselben vor dem Rennen gefehlt hat, fühlt man sich für einen Moment ein wenig angestaubt. Der nächste Interviewtermin weckt mich aus meinen Gedanken, und es wartet die nächste Station Melbourne.

Weder Arcade noch Simulation

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Codemasters hat mit den frei personalisierbaren Rennen und der Dynamik der Steuerung einen tollen Weg gefunden, sowohl Renn-Freaks als auch Hobby-Piloten zu erfreuen. Wer den Schwierigkeitsgrad nach oben schraubt, wird um eine genaues Studieren des Streckenverlaufes und viel viel Übung nicht herumkommen. Der kleinste Fahrfehler führt ins Nirvana aka. Abschrankung / Kiesbett / Betonmauer, und die Autoteile fliegen in alle Richtungen.

Wer aber einfach mal ein bisschen Formel 1-Feeling erleben möchte, kann mit einer einfachen Einstellung schnell mal kurz auf jeder der 19 Strecken sein Unwesen treiben.

Am Ende der Saison, je nach Erfolg, gibt es dann die Möglichkeit, quasi «gesellschaftlich» aufzusteigen, und in ein besseres Team zu wechseln. Die Motivation bleibt von Strecke zu Strecke hoch, und auch weniger begabte Piloten können sich mit Ruhm bekleckern.

Das Gewand des Königs

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Die Visuals und Wettereffekte, welche uns die EGO-Engine mit dynamischem Wetter und hohem Detailgrad samt Framerate auf den Screen zaubert, ist wirklich erste Sahne. Man könnte meinen, dass die teilweise eher tristen Rundkurse in einem Videogame entsprechend trostlos daherkommen müssten, aber meist fährt man ja nicht selbst herum wenn am TV ein Rennen läuft. Die Wüstenkurse überzeugen dabei natürlich eniger als Perlen wie Melbourne mit viel Grün oder Monaco – der Klassiker schlechthin.

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Abgesehen von den Kursen gefällt auch der Regen, der dahinziehende Wolkenschleier, Dunst, die hervorblickende Sonne und die Detailtreue bei Schadensmodell und Bolidendesign. Die beiden Videos geben einen Eindruck von der visuellen Qualität des Spiels:

Impressionen von der Gamescom-Version

Und ein Gameplay-Video direkt von der Rennstrecke in Melbourne, der zweiten Station der Saison

Fazit

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Ein Rennspiel zu bewerten ist nicht ganz einfach. Wer mit dem Rumkurven auf realistisch animierten und gebauten Tracks und mit der Formel 1 nichts anfangen kann, dem sei hier abgeraten. Wer aber etwas Benzin im Blut und eine Schwäche für ein (in meinem Fall natürlich das Sauber-)Team hat, dem werden die optischen Schmankerl, die vielen Rennoptionen und die Atmosphäre im Spiel gefallen.

Wir bedanken uns bei der Koch Media AG / Codemasters für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken


judgementbox
F1 2010
Positiv

Solides Spiel, macht Freude bei Renn-Freaks als auch bei Hobby-Piloten, tolle Visuals, flexible Renneinstellungen, detailgetreue Tracks und Features

Negativ

Rennspiel-technisch nicht viel bahnbrechend Neues, fehlender Split-Screen-Modus

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Nur für Fans.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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