VANQUISH
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Vanquish

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Was soll man zu einem Sci-Fi-Action-Spiel sagen, in welchem man mit Hyperspeed durch meist mechanische Gegnerhorden gleitet, und diese gleichzeitig in Slow-Motion niedermäht? Nur um kurze Zeit später ein 50-Tonnen-Stahlungetüm mit noch mehr Kanonen zu erblicken, welches unmittelbar vor einem aus dem Boden kraxelt? Zwei Dinge: Wer stehen bleibt, wird schneller Opfer der eigenen Trägheit als eine Kröte auf der Hauptstrasse. Und zweitens – wer Shooter mag und sich SEGAs Überholspur-Knaller entgehen lässt, kann einem mehr leid tun als jede arme Kröte.

Ohne grosse Worte

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Slide on dudes! Dieses Spielgefühl hat es noch nie gegeben, und entsprechend sollte man es sich auch nicht entgehen lassen.

Eine Tatsache gleich vorweg: Vanquish ist nichts für Besitzer schwacher Nerven, Controller-Schwachpresser oder Literaturliebhaber. SEGAs neue Ballerorgie unter der Regie des Resident Evil-Erfinders Shinji Mikami ist ein Spiel ohne Verschnaufpausen, ohne Gnade und ohne viel überflüssiges Tamtam. Die herumfliegenden Metallschrott-Teile, begleitet von gewaltigen Explosionen, markigen Erschütterungen von neben euch abstürzenden gigantischen Raumkreuzern, und Thriller-mässigen Slow-Mo-Sequenzen, bilden eine fantastische Game-Kulisse. Es tut sich vor euren Augen eine bebende und blitzende Spielumgebung auf, der man sich nur schwer entziehen kann – und welche euch einiges an Geschick und Fingerausdauer abverlangt. Dieser Testbericht soll auch ein wenig das Spielerlebnis widerspiegeln: Kaum im Spiel, hämmerts und rummst es von allen Seiten.

Dabei fängt alles so beschaulich und ruhig an. San Francisco liegt an einem schönen Sommertag ruhig und beschaulich in der Bay. Die Leute gehen spazieren, flanieren durch die Shoppingmeilen und Parks der Stadt, und plötzlich werden alle weggebraten vom Mikrowellenstrahl eines gigantischen russischen Killersatelliten. Das geht natürlich gar nicht. Und als die bösen Ostmannen (Herrgott, welch dauerverbrauchtes Cliché lach) erst noch damit drohen, als nächstes New York City zu grillen, wenn die US of A nicht bedingungslos kapitulieren, ist es mehr als höchste Zeit, etwas zu tun. Das alles klingt nach viel Unsinn, ist aber derart genüsslich mit Selbstironie versehen und überzeichnet, dass es überhaupt nicht stört. Vanquish nimmt sich selbst nicht so ernst.

My Name is Gideon – and I have an ARS

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Die Situation schreit entsprechend nach einem veritablen vierschrotigen Helden, und so schlüpft ihr in die Rolle des krassen Hi-Tek-Kriegers Sam Gideon. Dessen Stimme erinnert ein bisschen an Snake aus MGS4, und der Look entfernt an Raiden aus demselben Titel. Starker Raucher und mit trockenem Humor ausgestattet ist der Junge auch, siehe Snake. Seine Mission: Fortan an verschiedenen Einsatzorten die Russen und ihre Robo-Kollegen pulverisieren.

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Sam kann sich mit seiner ARS (nein, das Hinterteil ist damit nicht gemeint) Thermorüstung nicht nur blitzartig schnell bewegen, sondern auch gleich ein ganzes Arsenal von Waffen in morphilierbarer Form mit sich herumtragen im Gefecht. Wechselt man die Waffe, legt sich die Knarre wie ein Ameisenschwarm auf Speed zusammen, und baut sich um den gleichbleibenden Knauf neu auf. Und pling habt ihr eine anderen Wumme mit neuer Form und Funktion in der Hand. Das Ganze geschieht in unter einer Sekunde, und passt perfekt zum Rest des stimmigen Settings. Auch Sams Rüstung scheint wie eine zweit Haut zu leben und zu atmen, die Teile verschieben sich ineinander, sortieren sich neu, beginnen zu glühen und zu dampfen.

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Auf dem Schlachtfeld seid ihr aber trotz dem ganzen krassen Gerät nicht allein. Gröbere Geschütze schleppt euer Mitkämpfer und Kommandant Lt Colonel Robert Burns aufs Schlachtfeld. Dieser wirkt wie ein typischer Gears-Of-War-Häuptling, und seine Stimme klingt schwer nach den Marine-Voices in Starcraft. Könnte sogar sein dass es sich um denselben Sprecher handelt (englische Version). Das verbindende Element eurer Einsatztruppen und Streitkräfte ist wie schon so oft in Filmen und Games das Marine-Corps der US-Army. Eure Marine-Compagnons sind zwar eher Kanonenfutter als eine wirkliche Unterstützung, und dennoch können sie nützlich sein. Nämlich dann, wenn sie verletzt liegen bleiben. Wenn ihr sie heilt, bekommt ihr dafür Extra-Munition oder ein paar Granaten – eine feine Sache.

Ab und zu dürft ihr auch ein paar Mechs, Walker oder Geschütztürme steuern, was dem Spiel zusätzlich ein paar kernige Momente verleiht. Gerade der Walker gleich im ersten Level macht schon ordentlich was her. Vorausgesetzt natürlich ihr schafft es ohne Tod und Verderben den Piloten zuerst zu entfernen per Weitschuss und anschliessend zum Einstieg zu gelangen.

Präzise Controls, geniale Grafik, Splitterregen

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Ins Gefecht steigt ihr gleich mit drei Waffen und zwei verschiedenen Granatentypen. Die Waffen lassen sich auf dem Schlachtfeld frei austauschen oder aufmunitionieren. Die Steuerung eures Ultraboost-Helden könnte nicht präziser und süffiger sein. Federleicht lässt sich Sam durch jeden Bombenregen, Granatenhagel und Gegnerpulk manövrieren. Feuert man während dem Sliden los, schaltet die Zeitlupe ein. Diese wird von hübschen Filtern, Extra-Displays und Unschärfe-Effekten begleitet.

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Die Bullettime ist ein unabdingbares Mittel zum Überleben bei den heftigen Schwierigkeitsgraden. Der einfachste ist dabei noch recht gut bewältigbar, und bietet für ganz grüne Greenhorns auch noch eine Stufe mit Zielhilfe. Schaltet man aber auf die oberen zwei Heftigkeitsgrade, kommen auch geübte Schützen man schnell an ihre Grenzen. Die Checkpoints sind zwar fair gesetzt, und bei Nahtod-Erfahrungen gibts gratis Bullettime um aus der Schusslinie zu gelangen. Steht vor euch einer der zahlreichen Bosse oder Minibosse hilft aber auch das des öfteren nicht mehr.

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Atemberaubende Momente serviert euch Vanquish alle Viertelstunde mal. Entweder pflügt sich ein Riesenmech vor euren Augen aus dem Boden, bricht die halbe Spielwelt zusammen oder stürzt ein paar Dutzend Meter neben euch ein gigantischer Raumgleiter ab auf dem Schlachtfeld. Die Entwickler haben sich nicht lumpen lassen und servieren eine Spielumgebung, die seinesgleichen sucht quer durch das Shooter-Genre. Weit oben am Himmel ziehen gigantische Rauchschwaden vorbei, Raumkreuzer liefern sich Luftkämpfe, Granaten mit Rauchschweif donnern über eure Kopfe hinweg, ein Funkenregen nach dem anderen geht nieder und ein Boss lässt innerhalb weniger Sekunden eine dermassen grosse Menge Raketen auf euch los, die es locker mit dem gesamten Sommernachtsfeuerwerk in Luzern aufnehmen könnte – das alles komprimiert auf wenige Augenblicke. Beschreiben ist bei sowas schwierig, selber anschauen heisst hier die Devise.

Zur Veranschaulichung hier ein Gameplay-Zusammenschnitt:

Russensofa und Probotector

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Die Russen scheinen indessen lieber auf ihrer Couch zu sitzen und ihre Robos die Arbeit machen zu lassen, als selbst ins Kampfgeschehen einzugreifen. Ihr kämpft deswegen zum grössten Teil, zumindest zu Beginn, gegen Blechkameraden und veritable Stahlmonster. Das Feeling gleicht dabei Spielen wie Probotector – Vanquish ist der erste echte 3D-Shooter, der die Gene eines 2D-Shooters auf Speed in sich trägt.

Manche Gegner scheinen von Matrix oder Metal Slug inspiriert, andere von Transformers. Die Anmutung des Spiels bewegt sich irgendwo zwischen Mangas und Mechas, gemischt mit einer Prise Gears Of War und Metal Gear Solid. Irgendwie passt die Collage aber gut zusammen, nichts wirkt irgendwie fehl am Platz, und ein paar gute eigene Ideen ergänzen die witzige Action-Gourmet-Suppe.

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Mit etwas Übung und viel Flankier-Arbeit gelingt einem schnell einmal unglaubliche Gefechts-Manöver, die es so bisher in keinem Spiel gegeben hat. Das zügig und smooth funktionierende Deckungssystem hilft da natürlich auch viel. Nie bleibt man an einer Deckung hängen oder macht Sam partout nicht das, was man will. Der Einsatz aller taktischen und technischen Mittel im Spiel geschieht nach kurzer Angewöhnungszeit intuitiv und flüssig.

Fazit

Für einmal kann das Fazit sehr kurz gehalten werden: Das Spiel schaut toll aus und macht einfach Spass. Wer mit Actiongames und 3rd-Person-Shootern etwas anfangen kann, muss hier schon fast zugreifen.

Trotzdem schrammt Vanquish ganz knapp am Wisegamers Gold Award vorbei, denn der phasenweise etwas nervige Soundtrack, das hohe Spieltempo und die nicht sehr grosse Vielfalt an Gegnern machen das Spiel nicht für jedermann sofort zugänglich. Auch Liebhaber von phasenweise ruhigen Actiongames sind hier wohl am falschen Ort.


judgementbox
Vanquish
Positiv

Viel rasante Action mit grossem Spassfaktor, geniale Präsentation, butterweiche Framerate, perfekte Controls, ausreichend Selbstironie

Negativ

Story vernachlässigbar, etwas arg clichierte Figuren, manche Gegnertypen etwas repetitiv, Soundtrack etwas arg nervös

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
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Vanquish
Erhältlich für PlayStation 3, Xbox 360
Von Sega (Developer, Publisher)