TEST DRIVE UNLIMITED 2
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Test Drive Unlimited 2

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Bereits im ersten Anlauf versuchten die Entwickler von Test Drive Unlimited die Qualitäten von Arcade-Racing, Autosammlungen, freiem Herumfahren und spannenden Renn-Events zu kombinieren – mit mässigem Erfolg. Kratzt der zweite Teil die Kurve und vermag in der zweiten Runde die Konkurrenz zu überholen?


Welcome to the island

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Da bist du gerade erst in Schwung gekommen an der Party in einem edlen Apartment auf Ibiza, da bittet dich deine etwas merkwürdig anmutende Bekannte aka. Schminkbombe darum, dass du ihr in den Keller folgst. Es ist nämlich dein Geburtstag, du bist wahlweise einer von sechs verschiedenen Männlein oder Weiblein, unter denen du deinen Avatar auswählen darfst – und alle sechs haben heute Geburtstag. Ahem. Aber egal. Schnellen Schrittes folgst du der jungen Frau im Cocktailkleid. Ein Wunder wartet unten auf dich, alles fängt so schön an. Die Tante schenkt dir einfach so einen roten Ferrari. Ein paar Runden drehen, Spass haben, könnte so weitergehen. Könnte.

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Natürlich war alles nur ein Traum, und die Realität schaut leider nicht ganz so rosig aus: Erstens musst du alle möglichen Lizenzen in drei verschiedenen Fahrschulen mühselig zusammensammeln, um an bestimmten Renn-Events teilzunehmen, und eine Karre kriegst du auch nur im Altwagendepot offeriert. Schwere Empfehlung: Den Lancia nehmen, alles andere treibt dich nur in den Wahnsinn. Finger weg von Lotus und Konsorte. Das Design muss für einmal etwas egaler sein.

Mit deiner ersten alten Karre lohnt es sich, erstmal ein bisschen die Umgebung zu erkunden. Dafür gibts Punkte, man darf später an jeden bereits passierten Ort per Schnellreise wieder zurückkehren und die Gegend ist durchaus ein Auge wert. Zumindest die erste halbe Stunde, bis man merkt, dass Ataris Racer leider nicht mal die Detailgenauigkeit eines Grand Theft Auto 4 erreicht, welches ja auch nicht mehr zu den jüngsten Kinder dieser Konsolengeneration gehört. Gerade die Städte in TDU2 gleichen eher klotzigen Betonwüsten als einer Ferieninsel, und Bewohner scheint die Insel auch keine zu haben. Dieses Top-Flop-Gefühl fährt konstant während der Zeit, die du mit TDU2 verbringst, mit, aber dazu mehr später.

Viel drin, aber auch viel dran?

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Die Spielwelt ist riesig, die Auswahl an Autos und Events kann auch nicht beklagt werden, die begehbaren Räume bieten Abwechslung zum Rumfahr-Alltag, und die Cockpits der rollenden Ausrüstung überzeugen mit einiger Detailtreue. Das GPS ist gut brauchbar, die Karte ebenfalls, und die Lernkurve beim Fahren ist vernünftig linear aufgebaut. Der Sound ist weder besonders toll noch besonders abtörnend, aber als Gesamtpaket vermag TDU2 eigentlich zu überzeugen.

Bloss stören da immer wieder diese regelmässigen Launenverderberchen. Events sind beispielsweise nicht einheitlich per Karte zugänglich, sondern müssen teilweise in Fahrschulen oder sonstwo gesucht werden. Die Fahrpyhsik ist okay, aber eben niemals vergleichbar mit einem Gran Turismo – oder einem Motorstorm, wenn man denn einen Arcade-Titel als Vergleich herbeiziehen will. Das Schadensmodell ist kaum eine Rede wert. Die Echtwagen-Modelle machen Laune, aber vermögen nach all den Forza Motorsports, Project Gotham Racings, Need For Speed Hot Pursuits und Gran Turismos der letzten Jahre niemandem mehr vom Hocker hauen.

Nach einigen Runden auf den ersten Trainingskursen geht's bald mal um das Solar Crown Rennen. Und auch da kommt es wieder hoch, dieses Rauf-Runter-Prinzip. Kurzum: Hätte Burnout Paradise die Schnellreisefunktion von TDU2, wäre es in jeglicher Hinsicht meilenweit überlegen, trotz des «hohen» Alters. Vielleicht noch mit Ausnahme der echten Fahrzeuge.

Der Motor stottert

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Technisch ist TDU2 leider kein Meisterwerk. Dies äussert sich in unterschiedlichen Belangen. Die Framerate ist nicht überall stabil, was bei einem Autorenngame eigentlich schon fast ein Kapitalverbrechen darstellt. Wenn man mitten in einem Slide um eine Haarnadelkurve die Berechnung verliert, weil die Kiste stottert, ist das höchst unschön.

Auch die KI hinkt etwas hinter modernen Standards her. Die Fahrer glänzen nicht mit sonderlich ausgeklügelten Manövern und verlassen kaum die Ideallinie, komme was wolle. Und wenn wir dann noch den fehlenden Windschatten in der Physikengine auflisten, braucht das wohl keine grossen weiterführenden Erwähnungen mehr.

Online ist das neue Offline

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Ein überzeugendes Feature ist sicherlich die Verschmelzung von Singleplayer-Rennen und spontanen Duellen mit anderen Spielern via online. Diese tauchen unvermittelt in der Spielwelt auf, und man darf sie auch zugleich zu ein paar privaten Rennen auffordern. Auch kooperative Spielmodi sind vorhanden.

Diese Echtgegner-Snack-Rennen sind definitiv eine der Stärken von TDU2. Es kann schnell passieren, dass man sich dabei ertappt, wie man zehn, zwölf Miniduelle nacheinander kreuz und quer über die Insel ausficht, und immer wieder zu nächsten Startlinie weitergondelt.

Fazit

Test Drive Unlimited 2 ist kein überragendes Spiel, aber auch kein schlechtes. Mit ein bisschen mehr technischem Feinschliff wäre vielleicht sogar eine Kaufempfehlung dringelegen, aber in der vorliegenden Form ist der Titel nicht ganz gut genug für ein sehr gut.

Die Präsentation hält heutigen Standards nicht voll stand. Es gibt sehr hübsche Momente, die Lichtstimmungen vermögen hie und da ein Staunen aufs Gesicht zu zaubern, aber alles in allem einfach ein bisschen zu wenig.

Die Frage stellt sich: Will die Zunft der Digital-Rennfahrer überhaupt ein Open-World-Szenario? Und falls ja: Muss es so gross sein, oder wäre etwas mehr Liebe zum Detail mit ein paar Quadratkilometern weniger nicht mehr?

Der Online-Modus vermag zu überzeugen, die Menüführung und die Navigation im Spiel selbst ist jedoch nicht immer eine Wohltat für die Nerven. TDU2 ist ein eigenartiges Spiel, und mit etwas mehr Polish hätte es sogar richtig gut werden können.

Wir bedanken uns bei Namco Bandai / Atari für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.

judgementbox
Test Drive Unlimited 2
Positiv

Viele gute Ideen, nützliche Schnellreisefunktion, sehr guter Mix aus Online- und Offlinerennen, einige interessante Orte für Erkundungen

Negativ

Technische Unzulänglichkeiten, zu ambitiös, etwas weniger Features mit etwas besserer Ausarbeitung wäre mehr gewesen, nervige Spielfiguren und Konversationen, mässige Fahrphysik

Alleine spielen: Nur für Fans.
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Nur für Fans.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


# vor 5 Jahren
ich hab das Game bei Pidu (an)gespielt. Was ich geil finde: Die Ideeen und vor allem das man die meisten Wagen Probefahren kann! Allerdings ist das ganze mehr eine Testversion; zumindest hatte ich das Gefühl dafür. Die Server meist nicht erreichbar, die anderen Teilnehmer wollten nicht spielen, grafisch ist das ganze ziemlich unter dem heutigen Durchschnitt... alles in allem einfach ein wenig langweilig. Es hat wirklich sehr viele coole Einfälle, doch das macht die Technik irgenwie kaputt (das hatte ich zumindest das Gefühl). Schade auf ne gewisse Art und Weise...

Dieser Kommentar wurde nach seiner Veröffentlichung vom Autor nochmals geändert.

StephSteph
 
 


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Test Drive Unlimited 2
Erhältlich für PlayStation 3, Xbox 360
Von Atari (Developer, Publisher)