SHADOWS OF THE DAMNED
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Shadows Of The Damned

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 6 Jahren

Vàmonos! Der geneigte Orpheus aka Garcia Fucking Hotspur (ja, der Mann heisst wirklich so), der seine Geliebte Paula zurückholen will aus den Fängen des Brutalo-Oberdämons namens Fleming, begibt sich zu diesem Zweck in die Unterwelt — genauer gesagt, direkt in die düstersten Ecken der Hölle. Was bietet der Horror-Shooter ausser literweise Blut und knochenspaltendem Gekreische?


My love, where have you gone?

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Die liebe Paula — entführt und sonst auch noch so ziemlich auf jede erdenkliche Weise schlecht behandelt.

Die Hölle ist ein Dorf. Als hätten wir das nicht schon längst gewusst. Zumindest bei Betreten der netten Untergrund-Ländereien befindet man sich in einem Kaff, und es wimmelt nur so von unsympathischen, lichtscheuen Psychos in Zombieform.

Tja...

Man muss schon entweder ordentlich verrückt oder total hyperverliebt sein, um sich für eine Frau in den Vorhöllen und Verliessen Lucifers herumzutreiben. Ein Stück weit nachvollziehen kann man es natürlich schon, als sich Garcia mit dem eindeutigen Mittelnamen und Hotspur (Heisssporn — ja, das trifft auch zu) auf die Suche nach seinem Schicksal begibt, in der Hoffnung, seine Paula zu befreien.

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Diesen netten Herrn muss man gleich mehrmals niederringen.

Dabei ist der Herr Garcia selbst auch nicht gerade der harmlose hilfsbereite Typ von nebenan — Schwiegersöhne aus dem Bilderbuch sehen wohl anders aus. Was Paulas Mama dazu meint? Never mind. Sympathisch und leidensfähig ist er zwar, aber fluchen tut er wie ein alter Seebär und seine Narben samt Tätowierungen lassen ihn wie einen alternden Rockstar nach der fünfzehnten Bandenschlägerei aussehen. Er ist jedoch tatsächlich auf seine eigene Art ein lustiger Kerl, und was mich im Verlauf des Spiels immer wieder erstaunt hat: Es gibt diese wirklich witzigen Momente und originellen Spielsituationen, die man diesem ach so brutalen und martialischen Titel von Weitem kaum zutrauen würde.

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Beispiel gefällig? Als Garcia rausfindet, dass man merkwürdigerweise manchen Türdämonen Riesenerdbeeren in dem Mund stopfen muss, damit sie sich öffnen (oder auch mal ein Hirn, je nach dem), meint er lakonisch zu seinem Dämonen-Freund Johnson:

«Just tell me if I have to fuck a horse to knock a door.»

(Lass es mich einfach wissen wenn ich ein Pferd ficken muss um eine Tür zu öffnen)

Ernst nehmen kann man solcherlei Geschwafel allerhöchstens in dem Mass, wie man Filme von Rodriguez oder Tarantino für voll nehmen kann. Nämlich keineswegs. Die Macher von Shadows Of The Damned haben auf jeden Fall alle Streifen der beiden Kracher-Macher gesehen, das merkt man dem Spiel ganz deutlich an. Man könnte gar sagen es ist eine Hommage an das Genre der absurden Splatter-B-Movies mit Höllensetting.

Morden, metzgen, schlachten

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Da stehen wir nun also in den Stiefeln des Herrn Hotspur, und schlachten nicht enden wollende Herrscharen von Dämonenhorden nieder mit den Dämonengegebenen Waffen. Das Multitool in unseren Händen ist nämlich selbst ein Dämon, der sich mit Hilfe von blauen Edelsteinen in immer wieder neue Nützlichkeiten verwandeln lässt. Wie ein Schweizer Sackmesser klappen wir mal ne Fackel, und kurz darauf eine Maschinenkanone aus dem Schädelchen namens Johnson, der auch noch sprechen kann. Johnson — ja, wohl eben dieser der in The Big Lebowski um Haaresbreite abgeschnitten wird. A propos abgeschnitten: Immer wieder gibts zermanschte Leichen zu sehen, ein ganzer Krattich abgeschlagener Köpfe kommt dahergerollt, auf einem Tisch in einem Haus liegt ein abgetrenntes Bein auf einem Hackbrett — H.P. Lovecraft und The Rocky Horror Picture Show lassen grüssen, für Kinderaugen ist das Spiel auf jeden Fall nix.

Aber zurück zu unserem Johnson: Das ist längst nicht die einzige Anspielung in der Art, und man wird das Gefühl nicht los, dass Suda 51 und seine Kumpels hier ein ziemlich pubertäres Kunststück voller überbordender Gewalt und massenhaft Phallus-Anspielungen samt Vaginal-Vergleichen abgeliefert haben. Das ist in dem Sinn auch Tatsache, aber es ist gekonnt aufgebrochen durch schmissige Sprüche des Latino-Helden und seines Dämonen-Pinsel-Begleiters. Und ob man es glaubt oder nicht, man bleibt wirklich dran, vorausgesetzt man mag Spiele wie Resident Evil oder Alone In The Dark — halt einfach mit überzeichnetem Allem. Wer mit den genannten Games nicht viel anfangen kann: Finger weg!

Die Levels in Shadows Of The Damned verlaufen für gewöhnlich recht linear, mehr als aus zwei oder drei Wege an einer Kreuzung gibt es kaum jemals zu wählen. Häufig gilt: Raum / Ort betreten, Dämonenhorde / Miniboss / Boss erledigen, Tür aufmachen, weitergehen. Unterbrochen wird dieses Prinzip von Passagen, wo man was Spezielles anzünden / finden / verfüttern muss, um weiterzukommen.

Ein Highlight in Sachen Levels ist sicherlich die Szene, wo plötzlich die Meistgesuchte alias Liebste aus dem Dunkeln dahergekeucht kommt und Garcia mit einem Kuss in die ewigen Jagdgründe schicken will. Nach vielen Täuschungen und Irrlichtern ist sie also da, und will ihm an den Kragen? Köstlich, die nachfolgende Flucht und das Gespräch zwischen Johnson und Garcia, wo sie sich über die Wutanfälle der lieben Paula unterhalten.

Zombiekopf im Visier

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Das Spiel hat ein wenig antiquiert wirkende Controls. Etwas genau zu treffen dürfte einigen geneigten Gamern zu Beginn etwas Kopfzerbrechen bereiten. Irgendwie scheint das Feintuning hier einfach aus vergangenen Tagen zu stammen, andere Vertreter des Genres können das wesentlich besser.

Speziell an SOTD ist der Lichtschuss, mit welchem Ziegenkopfkronleuchter oder mit Dunkelheit umhüllte Gegner beschossen werden wollen. Diese Lichtkugeln verbrauchen keine Munition, sie sind quasi gratis zu haben im Repertoire.

Die klassischen 3rd-Person-Shooter-Elemente, die sonst im Shadows OTD vorkommen, erfinden nichts neu. Man darf sich bewegen beim Zielen, im Gegensatz zu Resident Evil, und es verläuft so ziemlich alles in Sachen Gameplay wie erwartet in bekannten Bahnen. Ein paar rote Edelsteine dürfen für Upgrades eingesetzt werden, andere seltene blaue bringen neue Waffen, wieder andere in Weiss können für Alkohol aka Heiltränke und Munition eingesetzt werden.

Ein interessantes und einigermassen innovatives, wenn auch nicht neues Element sind die ausbrechenden Darkness-Areale. Plötzlich ist man mitten in einer Dämonensuppe, die Welt wird dunkel, und die Gegner unbesiegbar. An manchen Stellen muss man sich hineinbegeben, um einen bestimmten Schalter erst zu sehen, oder um aus der Dunkelheit heraus auf etwas ausserhalb davon zu ballern. Dies sorgt für einige unterhaltsame Spielstuationen.

Besonders witzig: Zwischen den Levels sieht man einen Comic-Umsetzung von Garcia an der Position seines momentanen Fortschrittes im Dämonen-Refugium. Wie früher in Ghosts'n'Goblins oder den alten Castlevania-Titeln sieht man eine Welt, hübsch gezeichnet von der Seite, und das jeweilig aktuelle Level entsprechend mittendrin. Bekannt sind auch die Levels an sich: Dorf, Turm, Friedhof, Höllental, Burg, etc.

Für einen genaueren Eindruck, hier ein kurzes Video mit einigen Gameplay-Szenen:

Fazit

Ich habe lange mit mir gerungen. Manche werden dieses Spiel vergöttern, einige werden es für absoluten Humbug halten. Shadows Of The Damned ist ein Spiel, das ich jedem ans Herz legen möchte, der entweder Filme von Rodriguez und Splatter-Horror liebt, oder Resident Evil und Konsorten bis zur Erschöpfung gezockt hat. Komischerweise mag ich keine Splatter-Movies und das Spiel hat mich trotzdem in den Bann gezogen. Wohl wegen meiner Vorliebe für gepflegten Survival-Horror, auch wenn dieses hier besprochene Spiel nicht so recht in diese Sparte hineinpasst.

Wer allerdings weniger antiquierte Steuerung und Zielcontrols mag, der spiele lieber Dead Space 2, Alan Wake oder ein anderes flüssigeres 3rd-Person-Game.

In diesem Sinne vergebe ich eine Kaufempfehlung mit Vorbehalten. Wer zart besaitet ist und den nötigen Sinn für Humor nicht aufbringen kann, der ist hier definitiv falsch. Ich fand das Spiel recht unterhaltsam, und irgendwie wollte ich es nicht recht beseitelegen. Merkwürdig. Funny. Fucking funny, sozusagen.

Wir bedanken uns bei Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für Xbox 360.


judgementbox
Shadows Of The Damned
Positiv

Einzigartiges Setting, witzige Dialog (Geschmackssache, wohlgemerkt), rasante Action, Coole Aufmachung, nette Artworks, originelle Figuren, gute Sprecher, einnehmender Spielverlauf, markanter Soundtrack, allerhand skurrile fantasievolle Figuren und Schauplätze

Negativ

Grafik wirkt teilweise etwas veraltet, viele Textur-Pop-Ins (360), Boss-Fights eher anspruchslos (man schiesse auf die roten Teile mit Menschenblut-Containern), Zielen nicht immer besonders flüssig umgesetzt, teilweise unmöglich zu bestehen wenn man nicht auswendig weiss was als nächstes passiert - erstmal sterben und dann weiterkommen

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
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Shadows Of The Damned
Erhältlich für PlayStation 3, Xbox 360
Von Electronic Arts (Developer, Publisher)