DEAD ISLAND
Testbericht | PS3 | PC | Xbox 360

Dead Island

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Der Sand ist blutig, die Hotellobby voller Leichen. Nicht gerade die Sorte Urlaub, die man normalerweise in Katalogen findet. Ursprünglich war der Aufenthalt auf der (fiktiven) Insel Banoi in Papua-Neuguinea eher für ausgiebiges Feiern und anschliessendes Ausdünsten des Rausches am tropischen Strand gedacht. Aber wie so oft im Leben kommt alles anders...


Besof'n in Pabuah ähe.. Geuneä, na, weesst schon

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Die Idylle täuscht – in diesem Bungalow Nummer 57 wohnen Herr und Frau Zombie.

Der Einstieg in's Spiel gleicht einer Situation, die manche unter uns wohl auch schon durchlebt haben. Etwas mehr als ein Damenrausch hat vom bemitleidenswerten Menschen, in dessen Perspektive wir im Intro durch die Gegend wanken, Besitz ergriffen. Die Party geht voll ab, wir befinden uns in einer Art Strand-Club, welcher offenbahr zum angrenzenden Hotel gehört. Deftiger HipHop donnert aus den Boxen, auf der Bühne steht ein ehemals berühmter Star mit dem Hit «Who do You Voodoo, Bitch?!» und reimt «I got a zombie army and you can't harm me.» Was der nicht sagt.

Unser Aufenthalt beim netten Rapper-Onkel auf der Bühne ist nur von kurzer Dauer, spätestens als wir nach dem Mikrofon greifen im Suff. Die Schnapsflasche ist der einzige treue Begleiter, denn wissen will von uns in diesem Zustand so ziemlich niemand mehr etwas. Kein Wunder, bei der Anpöbelei und dem unsteten Gang.

Ein ebenfalls eher kurzer Besuch auf dem Frauenklo wird von den anwesenden Damen nicht besonders goutiert – was haben wir erwartet? Am Boden liegt eine hübsche Frau in ihrem eigenen Blut, ein paar rote Pillen verteilt um sich herum. «Das», so beschliessen wir sogar noch in unserem Super-Delirium, «verheisst auf jeden Fall nüscht Gudess! Hicks».

Wir landen schliesslich begleitet vom Sicherheitsdienst auf unserem Hotelzimmer, und da erwachen wir geschätzte 14 Stunden komatösen Schlummers später auch wieder. Das Hotel gleicht einem Kriegsgebiet, überall liegen Koffern und Leichen. Die Armee der Untoten hat Einzug gehalten, und woher dieser plötzliche Umschwung gekommen ist – tja, das gilt es nun herauszufinden. Kaum haben wir uns auf den Weg gemacht, werden wir ebenfalls gebissen. Unsere offensichtliche Immunität gegen das Virus / den Fluch / was auch immer hält uns jedoch im Spiel.

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Für unseren Ausflug dürfen wir aus vier spielbaren Charakteren einen auswählen. Diese vier Gestalten bilden auch den Reigen für allfällige Kooperativ-Spiele, welche den Spassfaktor nochmal um 100% nach oben schrauben. Die Cast:

  • Purna, Halb-Oborigine, Ex-Cop, von korrupten Vorgesetzten hintergangen und abgesetzt. Darum ab auf die Insel, hat sie sich wohl gedacht, und gleich mitgebracht hat sie ihr speziellen Schusswaffenskills

  • Logan, ehemaliger Spitzenathlet, irgendwann der Pillensucht, schnellen Autos und dem Schnaps erlegen, schwer verunfallt, und nie mehr Spitzenniveau erreicht

  • Frau Xian Mei, Tochter eines Detectives aus Hong Kong, mit speziellen Fertigkeiten im Nahkampf und im Umgang mit Klingenwaffen

  • Rapper Sam B, One-Hit-Wonder und Spezialist für schwere Nahkampfangriffe

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Gemeinsam ist den Figuren, dass sie alle etwas verbockt haben. Vom Lebenslauf her am wenigsten vorbelastet ist Sam B, trotz seines eigentlichen Bad-Boy-Images. Wen ihr aussucht, ist natürlich euch überlassen. Gerade die ersten Parts des Spiels sind jedoch sehr nahkampflastig, und so lohnt es sich eher auf einen Charakter mit entsprechender Grundausbildung zu setzen. Entgegen dieser Intuition habe ich mich für Purna entschieden, deren Schiesswut erst im letzten Drittel des Spiels wirklich zum Zug kommt.

Far Cry auf der Zombie-Insel mit RPG-Elementen

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Das Gameplay von Dead Island wirkt wie eine Mischung aus zwei Löffeln Far Cry, eine Prise Resident Evil 5, ein Teelöffel Elder Scrolls, gemischt mit einem Setting das mit einer grossen Portion 28 Days Later aufgeschäumt wurde.

Für einmal erfrischend ist die Tatsache, dass man wirklich bei Null anfängt. Keine Knarre, kein Messer, keine schweren Hämmer oder sonstigen vernünftigen Waffen liegen bereit. Jede Hiebwaffe will erst gefunden und idealerweise an einer der Werkbänke aufgemotzt werden. Dazu gehen gerade die frühen Gegenstände im Spiel schnell kaputt, also sollte man sich nicht allzusehr in ein bestimmtes Schläger-Utensil verlieben.

Anschleichen ist leider bei den lieben Herscharen von Zombies keine Option, die entsprechende Funktion hat Techland gleich ganz weggelassen. Es kann zwar helfen, manchen Horden per Davonrennen zu entkommen, um nicht ständig in ein Getümmel zu geraten, aber meist hilft nix ausser drauflosballern oder verheerende Hiebe mit allen möglichen und unmöglichen Knüppeln und sonstigen Waffen austeilen.

Die gesammelten EPs lassen sich in Zusatzfähigkeiten ummünzen, von welchen es gesamthaft rund 40 gibt, aufgeteilt auf drei Bereiche.

Die Insel, wo das Blutfestival stattfindet, ist recht frei begehbar. Angefangen bei der reisigen Hotelanlage mit Strandabschnitten und diversen Bungalows und Bars, über die Stadt in der Nähe bis zum Dschungel gibt es haufenweise Terrain zu erkunden.

Die Struktur des Spiels ist klassisch RPG-mässig aufgebaut: Wie wir es z.b. aus Oblivion kennen gibt es Hauptmissionen, die die Story weitererzählen, dazu Aberdutzende «Hilf mir bitte»-Nebenmissionen und einige Goodies, die man einfach so beim Durchstreifen der Landschaft finden kann.

Ein Schnitt in die richtige Richtung

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Zentral in Dead Island ist der Kampf, welcher äusserst kernig und über alle massen brutal in Szene gesetzt ist. Bei jedem Schlag ist die Auswirkung beim Gegner (oder bei mehreren Gegnern) abhängig von der aktuellen Waffe unterschiedlich, aber kaum weniger brachial. So lassen sich Beine mit Buschmessern absäbeln, Köpfe abtrennen, Arme zerfleischen, Schädel einschlagen und alle möglichen sonstigen abartigen Effekte erzielen mit Nahkampfattacken – später auch per Fernkampf. Wurfmesser bleiben in den Untoten stecken und lassen sich nach (oder für ganz Ehrgeizige auch während) dem Kampf wieder aus den Körpern ziehen.

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So gilt es fortwährend «Zutaten» wie Nägel und Schleuche zu sammeln, mit denen den sich Knüppel zu Morgensternen upgraden, oder etliche Extras zusammenbauen lassen. So darf man Molotov-Cocktails aus Schnaps und Lappen zusammenmechen, und diverse andere Bömbelchen, Mittelchen und Self-Made-Waffensysteme hermixen.

Einmal gespritztes Blutbad auf Eis, dazu Armstummel mit Rückenmark-Salat

Dead Island hat in Deutschland keine Verkaufszulassung erhalten, und auch diverse Verkaufsstellen in der Schweiz haben das Spiel zurückgewiesen (bei unseren Freunden von Softridge ist es auf jeden Fall erhältich).

Dies hat natürlich einen guten Grund: Das Spiel ist dermassen blutig und gemetzelverliebt, dass manche zartbesaitete Gamerseele sich angewidert abwenden wird. Die Gewalt im Spiel ist effektiv hart an der Grenze, und gerade durch die unmittelbare Nähe zu den Gegnern in den Handgemengen bekommt man die volle Packung um die Ohren gehauen.

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Einmal abgesehen vom allerseits vielbesprochenen Blut in Handel und Presse gibt es ein paar gewichtige Worte zur Präsentation zu verlieren. Der Soundtrack erinnert in Stille und Minimalismus, manchenorts aufbrausend zu richtigen Stürmen, stark an 28 Days Later. Gerade die Gitarrenriffs im Hauptmenu scheinen 1 zu 1 von den Filmemachern übernommen, und das nicht zum Nachteil des Spiels.

Was die Grafik angeht, so scheint hier die neuste Version von Techlands Chrome Engine mit der Nummer 5 am Rücken. Palmen biegen sich im Wind, Staubwolken werden vom Wind umhergetragen, die tolle Fernsicht überzeugt.

Dead Island ist wohl das schönste Openworld-Spiel bisher auf einer Konsole, und man darf gespannt sein, ob sich Bethesda mit Skyrim diesen Titel zurückholt – mehr dazu gibt es hier. Die vielen Details in der Welt der toten Insel wie Sträucher, Blumen, gewundene Pfade, Bungalows mit Pools und und und – man wird nicht müde, die Gegend zu bestaunen. Die Objekte sind zudem sehr organisch platziert, was der Szenerie einen tollen Echt-Charakter verleiht. Es könnte sich bei der fiktiven Ferienanlage um das detailgetreue Abbild einer echten Erholungs-Oase handeln, es ist alles da.

Weniger überzeugend sieht es mit manchen Innenräumen aus, da haben andere Games respektive Engines die Nase weiterhin vorn. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie die Openworld-Mitbewerber in Zukunft daherkommen werden.

Fazit

Dead Island ist ein gelungener Mix aus Far Cry und Resident Evil, mit passenden Würzbeigaben aus klassischen Fantasy-RPGs.

Wer Filme wie 28 Days Later liebt, und besonders gerne mit Freunden «auf die Jagd» geht, dem sei Dead Island nah ans (offene) Herz gelegt.

Wer blutige Spiele und viel Gore nicht verkraftet – Finger weg!

Wir bedanken uns bei Deep Silver für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.


Zweite Meinung von SW

Zobies niedermähen auf einer Ferieninsel? Dead Island macht's möglich und das sogar sehr gut gelungen!

Die erste Stunde dachte ich noch: "Das zocke ich nicht lange!" Doch ich hab mich dem Spiel dann doch noch etwas länger hingegeben. Später war ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe.

Dead Island ist ein mit Sonnen- und Schattenseiten gespicktes Spiel! Vieles das gut ist hebt sich im nächsten Schritt wieder halbwegs auf... Ich fang mit den Schokoladenseiten an:

Die Welt ist sehr gross, stimmig und für meine Geschmack sehr glaubwürdig. Egal ob man sich am Strand, an der Tanke oder beim Hotelkomplex rumtreibt, ich konnte mir sehr gut vorstellen an diesem fiktiven Ort Ferien zu machen! Denn die Detailverliebtheit, die Architektur und das Inseldesign ist wirklich sehr gelungen. Überall die schönen Bugalows, Pools auf mehrern Ebenen mit samt Liegestühlen und Sonnenschirmen, Umkleidekabienen, die grosse Küche in dem Hotel. Ich konnte das Leveldesign eigentlich immer nachvollziehen und staunte wie viele Details man da reingeworfen hat! Ja, hier will ich mich entspannen, wären da nicht die Zombies! Von der optischen Seite her also sehr gelungen. Der Umfang des Spiel ist ebenfalls sehr grosszügig.

Jetzt die Kehrseite: Ich vermisse die trotz schöner Grafik die Dynamik wie Tag- und Nachtwechsel oder mal einen Tropenregen. Der grösste Schwachpunkt von Dead Island ist aber die über weite Strecken fehlende Logik. Während man von Klebeband, Telefonen, Nägeln usw. eine Tonne mit sich rumtragen kann, ist der Inventar der aufsammelbaren Waffen begrenzt. Eine Möglichkeit zum zwischenlagern kommt erst später im Spiel... warum auch immer!.

Oder seltendämliche Nebenquests wie Wasser suchen, Essen beschaffen, obwohl die gefragten Dinge direkt vor den Nasen der Questgeber liegen! Desweiteren muss man "Baupläne" freischalten um den Baseballschläger mit Nägel zu versehen, HALLO?!

Oder plötzliches Auftauchen der Hauptcharaktere in Zwischensequenzen, was absolut nicht zur Situation passt weil man eigentlich immer alleine unterwegs ist! Nicht zu vergessen die schwankende Qualität der Dialoge. Die meisten sind super, doch es gibt immer wieder Dialoge wo man sich fragt: "What?!"

Fazit: An sich sehr gelungenes und spassiges Game! Wären die extrem schache Logik nicht, hätte Dead Island sogar für Perfektionisten interessant sein können! Ansonsten eher nur für Fans der Genres.

judgementbox
Dead Island
Positiv

Detailverliebtes Leveldesign, tolle Fernsicht, glaubwürdiges Urlaubsparadies, kaum Ladezeiten im Spielverlauf, schöne Grafikdetails, sattes Kampfgameplay, viele Spieloptionen, ausgiebige Fertigkeitsbäume, abwechslungsreicher Missionsverlauf

Negativ

Ab und zu Störungen im Sound, Framerate nicht ganz permanent stabil, Singleplayer kann streckenweise etwas repetitiv werden, manchmal verschwinden Items wie Waffen nach Gebrauch willkürlich (Wurfmesser), Kollisionsabfragen nicht immer sauber berechnet (Explosionen können durch Wände hindurch Schaden anrichten), nicht besonders glaubwürdige Charakteren (wieso nicht einfach mal ein Normalo statt digitale Action-Clichés?), Innenräume schauen nicht ganz so gut aus wie die Aussenareale

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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Von Deep Silver (Publisher), Techland (Developer)