RESIDENT EVIL REVELATIONS + CIRCLE PAD PRO
Testbericht | 3DS

Resident Evil Revelations + Circle Pad Pro

vor 4 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 4 Jahren

Die Gänge sind dunkel, die üblen Mutanten lauern an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Mit dem zweiten Stick des Circle Pad Pro schaue ich mich um. Ein leichter Druck auf den L-Button lässt meine Bio-Kriegerin die Waffe zücken, ich scanne die Umgebung. Langsames Vorrücken im schmalen Licht ist angesagt. Klingt nach Resident Evil? Bereits im kurzen «Rundgang» via spielbare Demo vor ein paar Monaten zeichnete sich ein positiver Eindruck ab. Revelations ist ein vollwertiges Horror-Action-Game, und nicht etwa ein halbbatziger Eintrag in die Serie, wie man auf einem Handheld vermuten könnte.


Das Mittelmeer bebt

Ein Jahr ist vergangen, seit die Metropole Terragrigia dem UV-Strahlenangriff des Killersatelliten RegiaSolis zum Opfer gefallen ist. Die Katastrophe hat eine gigantische Ruinenlandschaft hinterlassen. Die Umgebung der einst stolzen Stadt ist verseucht, das Sperrgebiet wird im grossen Bogen gemieden. Wieso kommt es dann, dass nicht allzu weit davon entfernt ein verwahrlostes Kreuzfahrtschiff im Meer treibt, und scheinbar führungslos vor sich hin rostet?

Jill Valentine und ihr Partner Parker machen sich auf, die Geheimnisse der Queen Zenobia zu lüften, während andere Zweierteams an anderen Orten des Planeten ebenfalls auf gefährliche Entdeckungsreise gehen. Im Verlauf des Spiels wechselt die Perspektive mehrmals, was ein angenehmes Mass an Abwechslung bietet. Schneereiche Gebirge, enge Schiffbauch-Gänge, Kombüsen, prachtvolle Sääle – die Vielfalt kann sich durchaus sehen lassen. Zwischendrin gibt es mehr und mehr Hinweise darauf, was es mit der Rückkehr der Bioterroristen Veltro auf sich hat.

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Die Story von Resident Evil Revelations wirft mehr als eine Frage auf, ist im Kern aber solide erzählt. Leider aber nicht viel mehr als solide. Für RE-Fans dürfte sich der Bogen der Geschichte in gewohnten und vielbefahrenen Gewässern bewegen. So gesehen stört der Umfang und die Erzhälweise nicht gross, allerdings reicht die Qualität leider auch nicht an brillant geschriebene Sci-Fi-Survival-Horror-Werke wie beispielsweise Dead Space oder BioShock heran.

Mutantenjagd für unterwegs

Die Übertragung bewährter und einiger neuer RE-Prinzipien auf Nintendos schicken 3D-Held ist grösstenteils gelungen. Ein paar Anmerkungen hinsichtlich des neuen Add On mit dem zweiten «Stick» gibt's im nächsten Abschnitt.

Capcom hat Verständnis für die Ansprüche moderner 3rd-Person-Games und erlaubt in Revelations die Bewegung während dem Zielen. YAY!! Hat mich das genervt in früheren Titeln, sorry liebe Traditionalisten. Aber damit konnte ich überhaupt nichts anfangen, gut dass sich das jetzt auch in Resident Evil-Games (hoffentlich permanent) etabliert.

Allgemein greifen die Controls ordentlich. Die Bedienung mit dem Hauptscreen und dem Touchscreen erlaubten den Entwicklern einige interessante Innovationen mit in das Spiel zu bringen, welche ich sehr erfrischen fand. Beispielsweise das «Scannen» des Fingerabdruckes für das Betreten mancher Räume war echt cool. Zugegebenermassen ein klitzekleines Detail, aber halt witzig.

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Die meiste Zeit geht es im Spiel darum, keine Munition zu verschwenden und die ebenfalls knapp bemessenen Heilkräuter-Rationen intelligent einzusetzen – sprich wann immer möglich zu sparen. Auf der Einstellung «Leicht» ist das Spiel bereits eine Herausforderung für ungeübte 3DS- oder Horror-Reisende, auf «Normal» muss man ganz schön die Po-Backen zusammenkneiffen in besonders stark mutantenverseuchten Levels. Revelations ist auf jeden Fall kein Spaziergang auf dem Sonnendeck, entspannende Kreuzfahrten sehen anders aus. Aber die will ja keiner, wenn es um Resident Evil geht, ergo passt das Alles ganz gut zusammen.

Die Waffen dürfen per Upgrades fast beliebig aufgepimpt werden, und bereits eingesetzte Module – eine sehr sinnvolle Einrichtung, wie ich finde – dürfen später auch wieder ausgebaut und für andere Schiesseisen verwendet werden. An den hier und da platzierten Waffenkisten dürfen Upgrades verwaltet und Waffen ausgetauscht werden. Maximal drei Waffen passen in's Arsenal, dazu eine fixe Nahkampfwaffe pro Charakter (praktisch nutzlos) und vier verschiedene Arten von Granaten. Sehr wirksam sind dahingehend die Mutantenminen, welche die Seuchenzombies anziehen und nach ein paar Sekunden detonieren.

Einige Minigames wie das Umzwirbeln von Schaltkreisen lockern die gruselige Entdeckungsreise auf. Wobei gruselig ein bisschen viel gesagt ist, Resident Evil Revelations ist nicht ganz so furchteinflössend wie andere Horror-Games.

Besonders cool fand ich die gefluteten Bereiche, wo man tauchend und schwimmend einen Ausgang finden muss, bevor man ertrinkt. Oder auch die Weitsicht in Levels wo man sich an der frischen Luft befindet.

Ein absolutes Highlight bildet ein Teil der Queen Zenobia, der vor Prunk fast überquillt und mit Kronleuchtern aufwartet. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Hervorzuheben gilt es auch die Tatsache, dass man in Revelations ständig mit einem KI-Partner unterwegs ist, der oder die aber kaum Einfluss auf das Bekämpfen der Gegner hat. Das hat Vor- und Nachteile, sprich: Man muss im Endeffekt alle Mutanten selber abmurksen, andererseits wäre es in manchen Abschnitten wünschenswert gewesen, man wäre nicht «zu zweit allein». Der Umstand der Begleitung bildet die Grundlage für die Kooperativspiele, welche über WiFi oder Online möglich sind.

Schnittige Visuals

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Die Präsentation von RE Revelations kann ohne Einschränkungen als bombastisch bezeichnet werden. Insbesondere im Verzicht auf die 3D-Tiefe erhalten geneigte Horror-Abenteurer hier fein gerenderte Grafikkost ohne Kantenflimmern serviert. Gemessen an Effekten wie Spiegelungen, Regentropfen, nassen Oberflächen, Unterwassersequenzen, Schneeflocken und komplex beleuchteten Räumen muss Capcom ein grosses Komplimente ausgesprochen werden. So etwas hat die Welt auf einem Handheld bisher noch nicht gesehen (mit Ausnahme von [Uncharted auf der Vita[(http://wisegamers.ch/artikel/727/_gc_2011__hands_on_mit_playstation_vita_uncharted_golden_abyss/), welche aber noch nicht offiziell lanciert ist).

Schaltet man den 3D-Modus ein, lohnt es sich in den Spieleinstellungen die Tiefe auf maximal zu stellen. Zum Preis eines deutlich erkennbaren Kantenflimmerns erhält man auf diesem Weg eine einwandfrei dargestellte Raumtiefe, welche die Atmosphäre zusätzlich unterstützt. Ich persönlich habe Mühe mit längerem Spiel in 3D, aber so halbstundenweise mal für zwischendurch vermag die Optik auf diese Weise absolut zu punkten.

Die Filmsequenzen sind in CGI gehalten, was aber nicht besonders stört. Die Filmchen sind hochwertig produziert und sorgen für tolle Unterhaltung. Im Non-3D-Modus ist die Spielgrafik einigermassen nah an der Qualität der Filme, und so entsteht ein harmonisches Ganzes in Sachen Visuals.

Brauchst du das «Schiebepad Pro?»

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Den merkwürdigen deutschen Namen – man verzeihe mir – werde ich grosszügig umschiffen. Circle Pad Pro (CPP) gefällt da schon besser. Aber am Namen soll das Zubehör natürlich nicht scheitern, und um «Schiebung» handelt es sich natürlich auch nicht.

Etwas fadenscheinig klingt die Erklärung des Herstellers, dass das Zubehör auch Linkshändern das spiel mit dem Stick / Knopf ermöglichen oder vereinfachen soll. Seien wir mal ehrlich: Die Lancierung des CPP basiert ganz einfach darauf, dass Nintendo inzwischen eingesehen hat, welches Manko die 3DS hat. Optisch und technisch ein Glanzstück, fehlt ganz einfach der zweite Stick. Und allenfalls die zusätzlichen Shoulder-Buttons, welche aber eine untergeordnete Rolle spielen. Gut möglich dass bei einer nächsten Hardware-Revision der zweite Knopfstick standardmässig verbaut wird – vorausgesetzt, Nintendo kriegt die momentanen Kosten- und Absatzprobleme in den Griff.

Sony bringt in Kürze die Vita auf den weltweiten Markt, und die beiden Sticks der neuen Hosentaschen-Rakete vermochten bei meinem Hands On an der Gamescom weitgehend zu überzeugen. Aufgrund der «Informationssperre» dürfen wir erst später eingehend über die Vita-Games schreiben, etwas Geduld ist also noch angesagt.

Aber lassen wir den grossen Rahmen der Sicht und die Mitbewerber mal beseite und schauen genauer hin was das CPP an sich zu bieten hat. Das Add On wird via Infrarot-Schnittstelle an der Rückseite der 3DS verbunden, und benötigt eine einzelne kleine Batterie für den Betrieb. Das Einsetzen der 3DS und der Spielbetrieb klappte bei mir einwandfrei, keinerlei Synchronisationsprobleme oder ähnliches. Wenn man sich das Halten der 3DS gewohnt ist, fühlt sich die Gesamtpackung mit CPP auf Anhieb etwas klobig an. Nach ein paar Stunden hat man sich aber schnell mal dran gewöhnt.

Etwas mühsam, oder besser gesagt, gewöhnungsbedürftig, ist die leicht spürbare Verzögerung in der Reaktionszeit des zweiten Buttons. Genaues Zielen verlangt in der Hitze des Gefechtes einiges an Geduld, und man kann sich schon mal nerven wenn die Kugeln partout nicht da landen wollen, wo sie hingehören, nämlich in den verwucherten Körpern der Mutanten.

Fazit

Resident Evil Revelations ist mitunter das visuell eindrücklichste Spiel auf der 3DS und für Fans von Action und Horror auf dem Handheld ein Muss. Ob man sich dafür eine 3DS kaufen sollte? Resident Evil-Fans ja, für Neulinge na ja.

Die teilweise etwas Cliché-behaftete Story ist ordentlich geschrieben, was abfällt sind die Dialoge und die (deutsche) Sprachausgabe. Gemessen an der grossflächigen Abwesenheit von ähnlich gelagerten Spielen bildet Revelations jedoch grossen Spielspass für Hardcore- und «erwachsene» Gamer.

Als Gesamtpaket packt Capcoms neuste Mutantenjagd viel Spielspass und tolle Atmosphäre mit hinein, und lässt geneigte Gamer so schnell nicht wieder die 3DS weglegen. Back to the roots – alte Tugenden der Serie, neu aufgelegt auf Nintendos Tragheld.

Wir bedanken uns bei Nintendo für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.


judgementbox
Resident Evil: Revelations
Positiv

Beste Visuals bisher auf 3DS, tiefer und hochqualitativer 3D-View, packendes Gameplay, abwechslungsreiche Settings, coole Kooperativ-Optionen, Controls mit Circle Pad Pro gelungen – wenn auch mit leichter Trägheit, streckenweise atemberaubende Leveldesigns

Negativ

Länge und Umfang des Spiels etwas kleiner als bei den grossen Brüdern auf Wohnzimmerkonsolen, Story fällt weder besonders ab noch auf, Reaktionszeit des Circle Pad Pro kann in hitzigen Gefechten etwas im Weg stehen, manche Actionsequenzen vermögen nicht ganz zu überzeugen, deutsche Sprachausgabe eher Mäh

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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Resident Evil: Revelations
Erhältlich für Nintendo 3DS
Von Capcom (Developer, Publisher)