THE WITCHER 2: ASSASSINS OF KINGS
Testbericht | PC | Xbox 360

The Witcher 2: Assassins of Kings gold_medium

vor 5 Jahren von KK, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Eines der besten PC-Rollenspieltitel des letzten Jahres erschien nun in einer Enhanced Version auch für die Xbox 360. Was taugt die Portierung?

Ihr schlüpft in die Haut von Geralt von Riva, dem weisshaarigen Hexer, Hauptfigur diverser Romane und Kurzgeschichten des polnischen Fantasy-Autors Andrzej Sapkowski. Hexer werden schon von Kindsbeinen an auf ihre spätere Aufgabe, das Töten von Monstern, Geister und anderen Unholden, vorbereitet. Dazu gehören nicht nur der Umgang mit den Schwertern aus Silber (gegen unnatürliche Wesen) und und Stahl (gegen Menschen und Tiere), das Erlernen einiger Grundzüge der Magie und diverse zum Teil tödlich verlaufende Prüfungen … der Proband wird auch diverser Mutationen unterzogen, bis er ein vollwertiger Hexer ist. Und wie könnte es auch anders sein, stellt Geralt einer der besten seiner Zunft dar.


Schon in Teil 1 hat man sich eines Kniffes bedient, um nicht gegen bekannte Handlungsstränge der Romane zu verstossen. Geralt überlebte irgendwie das Pogrom von Riva, verlor dabei aber sein Gedächtnis und konnte frei von allen geschichtlichen Fesseln seine eigenen Wege, resp. die des Spielers gehen. Teil 2 knüpft handlungsmässig an Teil 1 an, wobei es nicht unbedingt nötig ist, den ersten Teil gespielt zu haben, um die Story zu verstehen. The Witcher 2 wirft einen zwar in's kalte Wasser, doch gibt es reichlich Rückblenden und kurze Sequenzen, so dass der Spieler schnell den Faden aufgenommen hat.

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Die Welt von Geralt ist eher düster, sehr derbe und gehört den Menschen. «Anderlinge», also Elfen und Zwerge, fristen ein eher tristes Dasein und ernten hauptsächlich die Verachtung der Menschen oder ziehen sich zurück und schliessen sich zusammen um einen Widerstand zu bilden, der Guerillataktiken verwendet und im Endeffekt eine kaum bessere Einstellung den Menschen gegenüber hat. Es sind nicht nur die Sexszenen oder Flüche, welches dieses RPG eher im Erwachsenenbereich ansiedeln, die Art der Konflikte, die Charakteren und deren Motive wissen ebenfalls zu überzeugen. So sind die Bewohner nicht einfach in gut und böse zu unterteilen. Es gibt kein simples scwarz-weiss, nur unterschiedliche Abstufungen von grau. Im Spiel geht es auch darum, wie man sich entscheidet. Auf eine Wertung (Moralsystem) wird debei verzichtet, die Geschichte wird einfach weitererzählt und durch die Konsequenzen mehr oder weniger stark beeinflusst. Das Fehlen eines erhobenen Zeigefingers finde ich grosse Klasse und ist in ähnlicher Art vor allem bei den RPGs von Bethesda zu finden. Einen Bonuspunkt holt das Spiel bei mir noch durch sein Design ab. Waffen, Rüstungen, Kleider, etc. sind stark vom Spätmittelalter geprägt und man merkt den Designern an, dass sie das Mittelalter nicht nur aus Hollywood kennen, gleiches trifft auch auf die Animationen zu. Auch wenn eine gute Dosis Fantasy beigemengt wurde, bleibt alles in der Wirklichkeit verankert, was die Welt sehr glaubwürdig erscheinen lässt.

CD Projekt RED haben mit ihrem Erstling, The Witcher schon reichlich Lob geerntet. Dass sie ihre Spiele nicht mit lästigen Kopierschutzmechanismen ausstatten, welche die legalen Käufer mehr behindern als die Raubkopierer, dass ihre Gratis Patches nicht bloss Bugs beheben, sondern auch das UI verbessern, neue Spiel-Inhalte und Videosequenzen beifügen (es gibt kostenpflichtige DLCs, welche magerer ausfallen), galt nicht nur für The Witcher, sondern auch für The Witcher 2: Assassin of Kings und beschert dem polnischen Studio zu Recht einen guten Ruf in der Spieler-Community.


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Wie sieht es aber mit ihrem ersten eigenhändigen Port auf eine Konsole aus?

The Witcher 2 überzeugte ja bei Release auf dem PC unter anderem mit der Grafikpracht seiner eigens für dieses Spiel entwickelten RED-Engine.

The Witcher 2 erschien für die Xbox gleich in der Enhanced Version und enthält sämtlichen bisher erschienen DLC. Neben der Anleitung gibt's noch eine gedruckte Karte, ein Lösungsbuch und den sehr gelungenen Soundtrack. In der regulären Fassung wohlgemerkt, die auf deutsch bereits vergriffene Dark Edition hielt noch mehr Extras bereit. Der Umfang kann sich also sehen lassen. Auch wenn die Grafik logischerweise einem aktuellen Game-PC hinterherhinkt, so vermag CD Projekt RED doch einiges aus der 6 Jahre alten Konsole herauszukitzeln. Die Grafik ist sehr gut gelungen und einzig gewisse Texture-Pop-ins stören etwas. Die Steuerung finde ich sehr gut gelungen und erstaunlich flüssig, was bei der Vielzahl an Möglichkeiten gar nicht so einfach ist, denn im Gegensatz zu Dragon Age wurde hier nicht die Komplexität «angepasst». Einzig in den Menüs vermisse ich meine Maus ein wenig, aber auch der PC Version würde eine effizientere Menünavigation gut tun. Die Portierung kann ich also als durchwegs gelungen bezeichnen. Respect!


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Doch was erwartet den Spieler?

The Witcher 2: Assassin of Kings ist ein Action RPG. Dabei folgt es mehreren Kapiteln an unterschiedlichen Orten, welche man nach Abschluss nicht wieder aufsuchen kann. Also weit entfernt vom Open World Ansatz in Skyrim, dafür in der Story etwas dichter und man ist trotzdem sehr frei innerhalb der einzelnen Kapitel. Dabei folgt die Geschichte einem Hauptstrang, welcher aber nicht linear ist. Je nachdem wie man sich entscheidet, kann ein folgendes Kapital komplett anders als beim ersten Durchgang ausfallen. Der Weg bestimmt dabei die unterschiedlichen Enden. Die zahlreichen Nebenstränge drängen sich nicht immer auf, was sie elegant zur Nebenquest macht aber gelegentlich auch schade ist, denn so verpasst man immer wieder mal etwas von diesem schön geschriebenen Content. Aber da es eh nicht möglich ist, alles beim ersten Mal zu sehen, ist halb so schlimm. Dabei wird das Questlog schön in Geschichtsform gehalten, man kann also die selbst erlebte Geschichte ähnlich wie einen Roman lesen. Daneben finden sich noch nette kleine Minigames wie Armdrücken, Fauskämpfe, Würfelpoker um für ein wenig Ablenkung zu sorgen. Typisch für ein RPG verbessert man ständig die Ausrüstung und seine eigenen Werte. Während man Ausrüstung finden, kaufen oder herstellen lassen kann, verbessert sich Geralt über Talentbäume (Hexer allgemein, Alchemie, Magie und Schwertkampf) und Mutagene.

Geralt ist nicht derart overpowered, dass er sich blindlings in die Kämpfe hineinstürzen kann, gute Vorbereitung in Form von verschiedenen Tränken, welche Fähigkeiten wie Nachtsicht oder schnellere Regeneration ermöglichen, gleichzeitig aber den Körper vergiften, gilt es weise zu kombinieren, das Gelände will vorteilhaft genutzt und mit Fallen versehen werden, Schläge, Paraden und Magie müssen gut getimed und gewählt sein um in höheren Schwierigkeitsgraden bestehen zu können. Die Möglichkeiten sind vielfältig und komplex.


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Fazit:

Für mich ein absoluter Top Titel dieses Genres. Kein Rollenspielliebhaber wird an diesem Titel vorbeikommen. Ich kann es aber auch jedem anderen empfehlen, der sich gerne etwas Zeit für Spiele nimmt. Die Story mit den vielen Richtungswechseln und Verzweigungen, das taktisch komplexe und doch auf Geschwindigkeit und Reaktion ausgelegte Kampfsystem, die glaubwürdigen liebens- und hassenswerten Charaktere, die Entscheidungsmöglichkeiten, die Grafikpracht, die tolle Synchronisation, eigentlich alles spricht für diesen Titel … ausser man hat eine Rollenspielallergie.

Wir bedanken uns bei Namco Bandai für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für die Xbox 360.


Update Kein riesiger, das Spiel total verändernde Patch wurde soeben online gestellt ...

... aber CD Project Red hat ein Video zu den sich ändernden Szenen bereitgestellt. Es zeigt wunderbar, was für Konsequenzen die Entscheidungen nach sich ziehen und wie sie im Spiel dargestellt werden:


judgementbox
The Witcher 2
gold_medium
Positiv

Grossartiger Geschichte. Tolle Charaktere. Entscheidungsmöglichkeiten und deren Konsequenzen. Hohe Komplexität (Story und Kampf). Sehr schöne Grafik. Guter Sound.

Negativ

Gelegentliche Texture Pop-Ins. Leicht ineffiziente Menüs.

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst KK, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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The Witcher 2
Erhältlich für Windows PC, Xbox 360
Von CD Project Red (Developer), Namco Bandai (Publisher)