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[Updated] Verwirrung um Gebrauchtspiele bei PS4 & Xbox One

vor 3 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 3 Jahren

[Update] STRIKE!!! Microsoft krebst zurück, das rigide DRM-System wird gemäss neusten Aussagen der Geschäftsleitung fallen!

Gemäss neusten Berichten wird Microsoft seine Pläne noch einmal komplett umkrempeln. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob dies aus Sicht der Systemtechnik so kurz vor Launch (6 Monate) noch durch und durch möglich ist. Wie dem auch sei, es ist offenbar dem weltweiten Protest der Gamer-Community zu verdanken, dass sich hier etwas ändert. Microsofts Interactive President Dan Mattrick, also der Chef der Xbox-Division, hat heute folgendes Votum veröffentlicht:

«Last week at E3, the excitement, creativity and future of our industry was on display for a global audience.

For us, the future comes in the form of Xbox One, a system designed to be the best place to play games this year and for many years to come. As is our heritage with Xbox, we designed a system that could take full advantage of advances in technology in order to deliver a breakthrough in game play and entertainment. We imagined a new set of benefits such as easier roaming, family sharing, and new ways to try and buy games. We believe in the benefits of a connected, digital future.

Since unveiling our plans for Xbox One, my team and I have heard directly from many of you, read your comments and listened to your feedback. I would like to take the opportunity today to thank you for your assistance in helping us to reshape the future of Xbox One.

You told us how much you loved the flexibility you have today with games delivered on disc. The ability to lend, share, and resell these games at your discretion is of incredible importance to you. Also important to you is the freedom to play offline, for any length of time, anywhere in the world.

So, today I am announcing the following changes to Xbox One and how you can play, share, lend, and resell your games exactly as you do today on Xbox 360. Here is what that means:

An internet connection will not be required to play offline Xbox One games – After a one-time system set-up with a new Xbox One, you can play any disc based game without ever connecting online again. There is no 24 hour connection requirement and you can take your Xbox One anywhere you want and play your games, just like on Xbox 360.

Trade-in, lend, resell, gift, and rent disc based games just like you do today – There will be no limitations to using and sharing games, it will work just as it does today on Xbox 360.

In addition to buying a disc from a retailer, you can also download games from Xbox Live on day of release. If you choose to download your games, you will be able to play them offline just like you do today. Xbox One games will be playable on any Xbox One console — there will be no regional restrictions.

These changes will impact some of the scenarios we previously announced for Xbox One. The sharing of games will work as it does today, you will simply share the disc. Downloaded titles cannot be shared or resold. Also, similar to today, playing disc based games will require that the disc be in the tray.

We appreciate your passion, support and willingness to challenge the assumptions of digital licensing and connectivity. While we believe that the majority of people will play games online and access the cloud for both games and entertainment, we will give consumers the choice of both physical and digital content. We have listened and we have heard loud and clear from your feedback that you want the best of both worlds.

Thank you again for your candid feedback. Our team remains committed to listening, taking feedback and delivering a great product for you later this year.»

Das bedeutet: Kein Online-Zwang für Offlinegaming, gleicher Umgang mit Gebraucht-Games wie auf der 360. Wir werden sehen ob dies auch wirklich zutrifft, wenn die Konsole auf den Markt kommt.


Der Aufruhr um die neuen Umgangsformen mit uns Gamern in Sachen Rechte und Weitergabe von Spielen auf Disc hat an und nach der E3 zu lauten Protesten und vielen Gerüchten geführt. Es ist an der Zeit, die Fakten auf den Tisch zu legen. Diese Klarstellung wird dem einen oder anderen vielleicht nicht gefallen, es handelt sich dabei um eine sauber recherchierte Sachlage. Kommentare sind herzlich willkommen.


Screenshot

Der Sachverhalt

Um die unterschiedlichen Umgangsformen und zukünftigen Schikanen gewisser Industriegiganten klar darstellen zu können, bediene ich mich eines Beispiels. Stellen wir uns vor, es sei der 20. Dezember 2013. Ich habe zuhause eine Xbox 360, eine PS3, eine PS4 und eine Xbox One stehen. Watch Dogs ist erschienen, und es ist Gameshop für alle drei Konsolen (und ein paar weitere) erhältlich. Im Folgenden werde ich erklären, was mit der gekauften Software passiert, je nach dem für welche Version ich mich entscheide.

Sony und PS4 (dito PS3)

Sony verfolgt mit der PS4 eine identische Politik wie mit der PS3. Das bedeutet im Detail:

  • Kein globales DRM-System: Freie Weitergabe aller physisch erworbenen Spielinhalte auf Gamedisc.

  • Eintausch oder Verkauf an einen Gamestore meiner Wahl, der das Game annimmt.

  • Keine Ländercodes: jedes Spiel, erhältlich in jedem x-beliebigen Gamestore auf der ganzen Welt, läuft auf meiner PS4.

Unser Beispiel: Ich kaufe mir Watch Dogs für PS4 (oder PS3), und mache damit was immer ich will. Ich kann es verschenken, nach einer Woche weiterverkaufen, im Gamestore eintauschen, oder einem wildfremden Menschen, den ich eben im Zug kennengelernt habe, für eine Weile ausleihen.

Quellen dazu finden sich hier, hier und hier

Microsoft und Xbox 360

Genau gleich wie PS3 / PS4, allerdings mit der Einschränkung, dass ich auf den Ländercode achten muss. Ein Watch Dogs aus den USA wird bei mir nicht laufen. Uncool!

Microsoft und Xbox One

Microsoft verfolgt mit der neuen Konsolengeneration eine noch rigidere Gebrauchtspiele-Politik als bis anhin schon. Das bedeutet im Detail:

  • Es gibt ein globales Xbox One-DRM-System. Jedes x-beliebige Spiel, das auf Disc oder sonstwie für die X1 erscheint, unterliegt diesen Bestimmungen. Und diese Bestimmungen besagen, dass man Disc-basierte Spiele nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen weitergeben kann.

  • Eintausch oder Verkauf gegen Bargeld nur in Gamestores, die offiziell mit Microsoft eine entsprechende Vereinbarung am Laufen haben.

  • Es gibt weiterhin Ländercodes, was es unmöglich macht, z.B. ein in den USA gekauftes Spiel für die X1 zuhause auf der eigenen Konsole spielen zu können :-(

Für unser Beispiel bedeutet das Folgendes: Ich kaufe mir Watch Dogs für die Xbox One, und darf dieses behalten. Das ist aber auch schon fast alles, was ich damit tun kann. Denn weitergeben, ob als Verkauf oder als Geschenk, kann ich die Disc nur an jemanden, der mindestens 30 Tage auf meiner Live-Freundesliste ist. Und noch wichtiger: Auch das nur ein einziges Mal. Das bedeutet wiederum, dass wenn ich meine Ausgabe von Watch Dogs an einen Freund verkaufe, er oder sie diese Disc nie mehr loswerden kann. Das Spiel kann weder ein weiteres Mal weiterverschenkt, noch weiterverkauft werden.

Quellen dazu finden sich hier und hier

Fazit

Es geht hier nicht um pro Sony oder contra Microsoft. Ich bin Gamer, und als solcher erachte ich es als absolute Frechheit, wenn mir ein Publisher jegwelcher Couleur vorschreiben will, was ich mit meiner für bare Münze gekauften Game-Disc anstellen darf.

Die Bestrebungen von Microsoft mit der Einschränkung der Gebrauchtgames-Märkte hat einen ganz klaren Grund, der für jeden Menschen mit halbwegs objektivem Blick auf Anhieb klar wird: Microsoft will die Gamer dazu bewegen, sich ihre Games online als Download zu kaufen. Denn da sind die Verbreitungskosten wesentlich tiefer, es bleibt mehr Geld für MS übrig. Plus: Microsoft hat gleichzeitig die Gamer an der Shopping-Angel, um ihnen weitere Inhalte zu verkaufen, wie Filme, Serien, Musik und Zusatzinhalte für Games.

Dieses Ziel via ein rigides und absolute Gamer-feindliches DRM-System zu erreichen, welches die Rechte an gekaufter Software massiv einschränkt, erachte ich als ethisch verwerflich und schlichtweg rotzfrech.

Die einzige Chance, diese grossangelegte Rechteverstümmelung der Game-Konsumenten zu verhindern, ist ein massiver Widerstand. Ich empfehle dazu diese Facebook-Page. Dass ausgerechnet Leute mit einer Vorliebe für die Xbox-Technologie auf allen möglichen Gamesites diese absolute jenseitige Politik seitens Microsofts auch noch verteidigen, ist mir ein ganz grosses Rätsel.

Der Ärger über die Gebrauchtspiele-Politik ist nicht der einzige Wehrmutstropfen am Konzept der Xbox One. Auch die Always-On-Pflicht (alle 24 Stunden, aber hey, du kannst das auch per Smartphone machen) ist ein schlechter Witz. Unser Redaktor SW hat sich dem Thema in einem eigenen Artikel angenommen.

Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.

Bilder


# vor 3 Jahren
Warum leckt sich ein Hund die Eier? Weil er kann. Warum erlaubt sich Microsoft eine dermassen bodenlose Frechheit? Genau: Weil sie können. Denn sie wissen was sie tun. Sämtliche Einschränkungen sind softwarespezifisch, und es wäre ein leichtes diese zu lockern oder ganz aufzuheben, doch würde dies das Grundkonzept des Geräts vollständig eliminieren. Das Geschäft mit der Dummheit liegt generell hoch im Kurs. Die Masse will hirnlos konsumieren. TV, Sport, Kriegsspiele und nebenbei noch Skypen... Der Name ist Programm: ONE. Erinnert mich an die Simpsons Folge mit dem Lustikus: Eine Spielzeugpuppe die alles kann, und nebenbei alle anderen Spielsachen zerstört. Der Spieltrieb wird auf die perfideste Art ausgenutzt: Die Konsole ist nichts weiteres als ein hübsch verpacktes trojanisches Pferd, denn im Innern lauert das pure Böse, ein machthungriges, kontrollsüchtiges Monster welches schlichtweg ethische und moralische Grenzen überschreitet. Klar handelt es sich beim Spielkonsolenmarkt um eine spannende und interessant Industrie, welche natürlich Gewinne erzielen will, doch wenn man den Konsumenten so offensichtlich zur Milchkuh macht (auf engstem Raum angebunden mit keinerlei Bewegungsfreiheit, nur um zu fressen und gemolken zu werden), nimmt dieses Geschäft dann doch eher eine lächerlich groteske Form an.
Der Begriff Ökonomie ist lediglich eine euphemistische Tarnung. Sony würde gut daran tun seine TV Geräte so zu programmieren, dass diese schreckliche, wenn auch technisch beeindruckende XBox gar nicht erst angeschlossen werden kann.. (hihi) Wir leben in einer merkwürdigen Zeit... faszinierend. ^^
shinobishinobi
 
 


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# vor 3 Jahren
Sorry Dave, aber einen ganz wichtigen Punkt gilt es richtig zu stellen. Sony verfolgt mit der PS4 eine identische DRM Politik, wie mit der PS3. Sie werden ihre eigenen Spiele nicht mit zusätzlichen DRMs ausstatten, überlassen es aber den Publishern auf ihrer Plattform auch andere Geschäftsmodelle anzubieten (auch Nutzungsvereinbarungen statt Kauf), wenn sie es denn wünschen. Dass heisst EA's Online Pass, etc. sind weiterhin möglich. Laut Jack Tretton's Aussage wäre auch folgendes Szenario vorstellbar: Ubisoft verknüpft Watch Dogs ebenfalls mit Uplay (PC Online Verifikation von Ubisoft). Onlinebasiertes DRM war unter PS3 schon im Einsatz – wer erinnert sich noch das PSN Zutage und die nicht spielbaren Capeom Titel? – und würde weiterhin von Sony genehmigt werden. Sie stellen einfach keine Infrastruktur zur Verfügung.

Microsoft hätte sicher, dass grösste Interesse daran, die Leute zum Onlinekauf via ihre Kanäle – aus den von dir genannten Gründen – zu bewegen.
Aber es besteht noch eine andere Motivation. Gamestop – um die Kette mal beim Namen zu nennen – zweigt zu viel Geld aus der Gamingindustrie ab, und dies schadet derselben. Klar werden Vielzocker permanent mit neuen Ressourcen für neue Spiele gefüttert, die sie sich ohne Weiterverkauf gar nicht hätten leisten können. Aber die Entwickler sehen einen Monat nach Release ihrer kaum mehr Umsatz dafür. Wer kauft sich denn das Vollpreisspiel, wenn es identisch zum Gebrauchtspiel ist und im gleichen Laden, möglicherweise direkt daneben, angeboten wird? Die Folge davon ist, dass möglichst viel in den ersten zwei Wochen abgesetzt werden muss! Danach sind die Gebrauchtspiele zwar noch rar, aber schon da. Ergo Riesenwerbetrommel wird angerührt, Games setze auf bewährtes Spektakel (statt innovatives Risiko) und die Läden sind jeweils voll von 1-2 Titeln. Wollen wir das? Diese ganzen draufgetackerten Online-Multiplayer-Modi sind ebenfalls Ausdruck davon, den Zeitpunkt des Weiterverkaufs herauszögern zu versuchen. Wollen wir das wirklich?

GTA ist vielleicht das Paradebeispiel, wie man es auch anders hinkriegt. Die GTA Reihe ist jeweils derart dicht und vollgepackt, dass die Leute die Titel nicht wieder so schnell in den Wiederverkauf geben. Dadurch generieren sie auch über eine längere Zeit Einnahmen aus Erstverkäufen. Skyrim schlägt in eine ähnliche Bresche. Das Geschäftsmodell Steam z.B. generiert auch längerfristig Einnahmen. unter anderem, weil Gebrauchtspiele ausgeschlossen sind, dafür die Preise sehr flexibel gestaltet werden können. Die Spiele sind im Gegenzug zur Einschränkung, nicht weiterverkaufter zu sein, von Beginn weg günstiger. Und die Preise können zu jedem späteren Zeitpunkt ohne grösseren Umstand beliebig angepasst werden.

Ich will Microsoft keines Wegs als weissen Ritter darstellen. Und denke auch, dass es ihr Ziel ist, möglichst attraktiv für die Publisher zu sein und den Konsumenten als Melkvieh zu betrachten … aber Gebrauchtspiele sind nicht bloss ein Segen. Ich hätte ihre Entscheidung zum Beispiel nachvollziehen können, wenn die Spiele im Gegenzug – ähnlich wie bei Steam – dafür günstiger würden. Aber eben ... Microsoft ist und bleibt mir als Firma unsympathisch.

Dieser Kommentar wurde nach seiner Veröffentlichung vom Autor nochmals geändert.

KKKK
 
 


1990
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# vor 3 Jahren
Leider handelt es sich nicht einzig um eine Rechteverstümmelung der Game-Konsumenten. Der Trend von Produzent du Dienstleistungsanbieter scheint immer grösser zu werden (regelmässige Einnahmen stellen das kleinere Risiko dar, sind einfacher zu kalkulieren und generieren im Endeffekt mehr Einnahmen). Am Schlimmsten finde ich Adobe's Creative Cloud. Aber das ist jetzt definitiv zu weit weg von Games … oder halt, warte ... angehende Gamedesigner könnte es zumindest tangieren. ;-)
KKKK
 
 


1990
0 2 7
# vor 3 Jahren
Das Argument, dass Spiele-Läden "zu viel Geld aus der Gamingindustrie abzweigen, und ihr schaden", finde ich ziemlich absurd. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, einer Hyundai-Vertretung zu sagen, dass sie Hyundai schadet, weil sie neben Neuwagen auch noch Occasions-Autos im Angebot hat. Spiele-Läden helfen der Spiele-Industrie, sie schaden ihr ganz sicher nicht.

Fakt ist: GameStop (und alle anderen Spiele-Händler) können froh sein, wenn sie nicht Konkurs gehen. Neue Spiele haben derart kleine (oder sogar negative) Margen, dass man mit ihrem Verkauf nur bankrott gehen kann. Diese Händler überleben nur dank den Occasions-Spielen. Unterdessen machen Spiele-Konzerne wie Activision Jahresprofite, die unterdessen die Milliarden-Grenze überschreiten.

Dass die Publisher nun auch noch den Occasions-Markt ausmerzen wollen, hat nichts mit Fairheit zu tun, und auch ganz sicher nichts damit, dass Gamestop zu viel Geld macht, sondern mit purer Profit-Gier.
LKMLKM
 
 


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# vor 3 Jahren
Der Vergleich zum Automobil hinkt. Willst du behaupten, ein gebrauchter Wagen sei einem neuen gleichzusetzen? Die Wertminderung eines gebrauchten physischen Produktes, vor allem wenn viele mechanische Teile involviert sind, ist um einiges grösser, als bei einem digitalen Produkt. Verminderte/wegfallende Garantieleistungen, etc. kämen dann noch hinzu.
Musik oder Filme wären als Vergleichsbeispiele angebrachter. Ich kann mich kaum an einen Laden erinnern, in dem gebrauchte CDs neben neuen angeboten wurden. Ich kann mich an Läden ausschliesslich für gebrauchte CDs erinnern, aber mit dem aufkommen von Napster und Co verschwanden die mir bekannten von der Bildfläche.

Ich habe sicherlich ein wenig provokativ und aus Sicht von Publisher, bzw. mitverdienenden Konsolenherstellern (Lizenzen) geschrieben. Es hat bestimmt nichts mit Fairheit zu tun. Aber von einem knallharten Businessstandpunkt aus betrachtet, schaden Gebrauchtspiele dem Markt, solange damit keine Wertminderung des Produktes einhergeht. Verständlicherweise werden mit den Spielen auch vermehrt digitale Inhalte gebundelt, um so eine Differenz der Neu-Version zur Gebrauchtversion zu schaffen, aber allem Anschein nach ist dieser Reiz zu gering.

Das heisst nicht, dass die aktuellen Margen gerechtfertigt sind, etc. Aus genau demselben knallharten Businessstandpunkt sollten die Margen der Spiele auch so hoch sein, dass für die Händler ein Anreiz besteht diese Produkte im Sortiment zu haben. Und nicht bloss, weil es ein Must-have-Titel ist und der Publisher so seine Muskeln spielen lassen kann, weil sonst die Endkonsumenten vom Angebot des Ladens enttäuscht werden.
Physische Läden haben sicherlich einen schwierigen Stand, zumal sie von den Publishern abhängig sind und die Publisher oft auch ihre eigenen Onlinestores betreiben. Es stimmt auch, dass die Publisher von den Spiele-Händler abhängig sind, da der grösste Umsatz nach wie vor mit dem Absatz von Datenträgern generiert wird, noch. Der Trend der letzten Jahre zeigt eine langsame Verschiebung hin zu mehr digitalen Online-Verkäufen.

Activision Blizzard ist sicherlich der am erfolgreichsten wirtschaftende Publisher, zumindest unter den grossen. Aber die wirklichen Geldkühe in ihrem Portfolio sind Onlineshooter, accountbasierende Onlinespiele und Skylanders (lebt von den als Spielzeug getarnten DLCs). Also alles Titel, die zum grossen Teil nicht vom Weiterverkauf – zumindest innerhalb der ersten 2 Wochen – betroffen sind. Die grossen Titel in Entwicklung (Activision: Destiny, Blizzard: New Unannounced MMO) gehen dabei in die gleiche Richtung. Activision Blizzard hat den Trend früh erkannt und die entsprechenden Massnahmen getroffen. Klar haben die haufenweise anderer Titel, aber dort kommt nicht ihr grosser Gewinn her.
Aber nur weil Activision Blizzard beweist, dass es trotz der Existenz eines Gebrauchtspielemarktes satte Gewinne erzielen kann heisst es noch lange nicht, dass es gute für die Gameindustrie ist. Ist es wirklich das, was wir wollen? Jedes Jahr ein neues CoD, eine Erweiterung für WoW und eine für Skylanders, resp. deren Äquivalente?

Und damit ich nicht falsch verstanden werde. Ich vertrete nicht die Meinung, dass Microsoft einen guten Zug gemacht hat. Ich finde es ebenfalls verwerflich und konsumentenunfreundlich, ja sogar -feindlich. Aber ich bin bemüht, dem Trend des allgemeinen Microsoft Bashings, dass von der Gamer-Community im Internet zur Zeit betrieben wird, wenigstens etwas Gegensteuer zu geben und die Sache ein wenig differenzierter zu betrachten.
KKKK
 
 


1990
0 2 7
# vor 3 Jahren
@KK: Respekt vor einer eigenen Meinung, klar. Du kannst natürlich denken was du willst.

ABER: Klar können 3rd-Party-Publisher alle möglichen Arten von DRM systematisieren und einsetzen, wie sie das in der Vergangenheit bereits versucht haben. Das konnten sie aber mit der PS3 schon und hat rein gar nichts mit der Konzern-DRM-Politik zu tun.

Im Gegensatz dazu baut Microsoft jetzt ein *GLOBALES* DRM-System auf, welches ohne Zutun der Publisher eine allgemeine, und zwar eine massive, Einschränkung der Rechte des Besitzers am jeweiligen Disc-basierten Spiel bedeutet.

Ich kann mit keiner Mikrofaser meiner Gamerseele auch nur im Ansatz nachvollziehen, wie du auf die Idee kommen kannst, Microsoft in dieser Hinsicht zu verteidigen. Das macht einfach überhaupt keinen Sinn. Aus Sicht der Gamer hat dieses System *NUR* Nachteile.

LKMs Beispiel mit Gamen in 20 Jahren bringts auf den Punkt. Und mein Beispiel mit dem Geschenk ist auch nicht ganz so weit von der Realität: Ich kann ein Spiel nicht mehr einfach so verschenken. Sorry, aber das ist doch einfach schlichtweg eine absolute Frechheit, überhaupt rein gar nichts Anderes.
DNDN
 
 


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# vor 3 Jahren
@DN:
Mal abgesehen davon, dass es die Attraktivität für Publisher enorm gesenkt hätte und sich SONY damit möglicherweise in's eigene Fleisch geschnitten hätte, wäre es für SONY theoretisch möglich gewesen, freies Weiterverkaufen von PS4 Titeln durchzusetzen (via Lizenzvereinbarung für Entwickler auf der PS4 Plattform). Auf genau diesen Punkt wurde Jack Tretton ja nach der Pressekonferenz angesprochen und dort erläuterte er, dass er den Publishern die Möglichkeit einräumt, die Kundenbeziehungen so zu gestalten, wie diese es für richtig erachten … also auch via DRM den Weiterverkauf unterbinden zu können.
SONY's Vorgehensweise, nämlich keine implementierte Lösung für ein DRM zur Verfügung zu stellen und bei den eigenen Titel gar darauf zu verzichten ist mehr als nur löblich und nicht umsonst eine der Topsensationen dieser E3! Ich wollte lediglich die Aussage klarstellen, dass nicht automatisch sämtliche Titel, welche auf der PS4 erscheinen werden, frei von DRM-Systemen sind und sich automatisch auch weiterverkaufen lassen. So wie ich aber deinen Artikel lese, ist er irreführend und verleitet zu falschen Annahmen.

Dass Microsoft mit ihrer Strategie vorzupreschen und den Weiterverkauf per Default unterbinden/kontrollieren will, ist die eigentliche Schweinerei. Da stimme ich dir auch absolut zu.

Und by the way, ich verteidige nicht Microsoft, sondern den Wunsch der Entwickler/Publisher den Weiterverkauf von Spielen zu unterbinden/einzudämmen. Microsoft erhofft sich mit dem Erfüllen dieses Wunsches ...
a) attraktiver für die Publisher zu werden
b) wahrscheinlich auch deren gesteigerte Bereitschaft höhere Gebühren für einen XB1 Release zu zahlen
c) am Weiterverkaufsgeschäft mitzuverdienen
… und dies alles auf Kosten der Konsumenten.
Nein, dass kann ich beim besten Willen nicht verteidigen.

Grundsätzlich gibt es zwei riesige Probleme mit dem Geschäftsmodell von Microsoft.
• Das Verhindern/Verumständlichen des Weiterverkaufs – Sinnig aus Perspektive der Publisher. Beschissen aus Sicht derjenigen, die daran partizipieren, nicht der Gamercommunity per se (auch wenn die Überschneidung riesig sein dürfte).
• Das zur Durchsetzung implementierte DRM-System – Beschissen für die Konsumenten, aus den bereits genannten Gründen (z.B. Gaming bei Serverausfall, bei Einstellung des Dienstes, etc.). Unter anderem auch die mitunter daraus resultierende Always-On-Policy ist Schwachsinn im Quadrat. Wie sonst könnte Don Mattrick Kunden ohne oder mit nur ungenügender Internetanbindung die Xbox 360 als DAS Offline Produkt anpreisen? Ich glaube in diesem Punkt sind wir uns alle einig.

Mögliche Szenarien, wie ich den ersten Punkt einigermassen gut hätte heissen können:
Microsoft erstellt eine eigene Plattform, auf der Spiele weiterverkauft werden können. Die Marge auf den Weiterverkauf wird unter Hersteller und Plattformbetreiber aufgeteilt. Somit hätten die Publisher direkt am Weiterverkauf verdient und Microsoft hätte sich an einer prozentualen Gebühr dumm und dämlich verdient. Der Zwischenhandel hätte das Nachsehen gehabt (weil der Verkäufer wohl nur direkt bei der Plattform neu hätte einkaufen können), für die Endkonsumenten wäre ungefähr alles beim Alten geblieben.
… oder …
Der Weiterverkauf wird ausgeschlossen, also reines Nutzungsrecht, dafür sinken die Spiele im Preis. Dies ginge stark zu Lasten der Händler, welche sich auf den Weiterverkauf gebrauchter Spiele spezialisiert hätten. Ebenfalls gelitten hätten die Vielspielekäufer, sie zahlten zwar weniger pro neuem Titel, verlören aber die durch den Weiterverkauf generierten Ressourcen, tendenziell ginge ihr Konsum wohl zurück, im Gegenzug behielten sie das Nutzungsrecht ihrer bisherigen Spiele. Für den bisherigen Gebrauchtspielekäufer hätte sich nichts geändert und der gelegentliche Neuspielekäufer hätte mehr Geld zur Verfügung und würde wohl mehr konsumieren.

Würde lediglich der Zwischenhandel aus der Rechnung gestrichen, würde das ganze Geld, welches für Spiele ausgegeben wird, direkt bei denjenigen landen, die mit der Produktion der Spiele zu tun haben. Für die Spielercommunity als Gesamtes wäre mehr oder weniger alles gleich geblieben und der Zwischenhandel hätte wohl gelitten. So wie es nun aber läuft, leidet nicht nur der Zwischenhandel, sondern auch wir Gamer.

Mögliche Szenarien, wie ich den zweiten Punkt einigermassen hätte gutheissen können:
Da fällt mir beim besten Willen nichts Schlaues dazu ein … wahrscheinlich gibt es auch nichts.

Aber ich warte genüsslich auf den Moment, wenn Microsoft zu erklären versucht, warum man für ausgeliehen Filme mehr bezahlen muss, sobald sich mehr als 2 Personen im Raum befinden. Der Shitstorm wird wohl noch einiges grösser werden. Als die das Patent dafür eingaben, fragte ich mich, wie zur Hölle sie das denn durchsetzen wollen … seit der XBOX ONE weiss ich es. ;-)
http://tinyurl.com/ojhczkz

Dieser Kommentar wurde nach seiner Veröffentlichung vom Autor nochmals geändert.

KKKK
 
 


1990
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# vor 3 Jahren
@KK: Spiele verlieren ihren Wert deutlich schneller als Autos, und DVDs und Blurays haben auch nicht eine unendlich lange Lebenszeit.

Mit Microsoft-bashing hat das übrigens nichts zu tun. Ich hab mir gerade letzte Woche wieder einen PC gekauft, und auf dem läuft Windows 8. Und in meinem Wohnzimmer steht die obligatorische Xbox 360 mit dem vollen Set Singstar-Mikros, Controllern, und mit Kinect. Einige meiner besten Freunde arbeiten bei Microsoft. Ich hab sicher nichts gegen Microsoft.

Und:

"Ich verteidige nicht Microsoft, sondern den Wunsch der Entwickler/Publisher den Weiterverkauf von Spielen zu unterbinden/einzudämmen."

Das ist meiner Meinung nach noch schlimmer als ersteres. Spiele sind ein Kulturgut. Spiele sind Kunst. Dass Spiele-Hersteller den freien Handel mit (nota bene teuer gekauften) Spielen unterdrücken wollen, ist eine Kampfansage an unsere Gesellschaft. Das ist, als ob sich die Mona Lisa nach fünf Jahren selbst gelöscht hätte, nur damit der Erstkäufer sie niemandem weitergeben kann. Wo wären wir heute, wenn wir mit all unseren Kulturgütern so sorglos umgehen würden, wie Spiele-Hersteller mit ihren eigenen Produkten?
LKMLKM
 
 


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# vor 3 Jahren
oh, man lese und staune:

"Microsoft Is Removing Xbox One DRM

[...]

An internet connection will not be required to play offline Xbox One games – After a one-time system set-up with a new Xbox One, you can play any disc based game without ever connecting online again. There is no 24 hour connection requirement and you can take your Xbox One anywhere you want and play your games, just like on Xbox 360.

Trade-in, lend, resell, gift, and rent disc based games just like you do today – There will be no limitations to using and sharing games, it will work just as it does today on Xbox 360.

In addition to buying a disc from a retailer, you can also download games from Xbox Live on day of release. If you choose to download your games, you will be able to play them offline just like you do today. Xbox One games will be playable on any Xbox One console — there will be no regional restrictions.

[...]

quelle: http://kotaku.com/microsoft-is-removing-xbox-one-drm-514390310?utm_campaign=Soci alflow_Kotaku_Facebook&utm_source=Kotaku_Facebook&utm_medium=Socialflow
shinobishinobi
 
 


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# vor 3 Jahren
@LKM: Ich sprach die Wertminderung durch Abnutzungserscheinungen an. Sind bei DVD so um die 20 Jahre – wenn ich mich nicht täusche – bis die Fehlerquote zu hoch wird. Sofern ich mich nicht täusche, sind Sicherungskopien nach wie vor erlaubt.

Und:
Jep, dies ist schlimm. Aber solange wir in einem kapitalistisch geprägten System leben und Spielehersteller börsenkotierte Unternehmen sind, wird das Bestreben nach Gewinnmaximierung leider vorhanden sein. Mir wäre es lediglich lieber gewesen, dass der Gewinn weder auf Kosten der Gamekonsumenten noch -produzenten maximiert würde.

Kulturgut? Ja. Aber jeder Künstler hat auch das Recht, die selbst erschaffene Kunst so zugänglich und dauerhaft oder unzugänglich und vergänglich zu gestalten, wie es ihm beliebt. Das Problem an diesem Vergleich – und das gebe ich zu – liegt darin, dass die Künstler hinter den Games in den seltensten Fällen diejenigen sind, welche über das Vertriebsmodell entscheiden.
KKKK
 
 


1990
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# vor 3 Jahren
@Update: Krass! Hätte Microsoft zugetraut, es in der ihr üblichen arroganten Art durchzuziehen. Aber die Vorbestellungszahlen (8x höher bei PS4) scheinen dann doch Kopfzerbrechen bereitet zu haben. Ein schöner Tag für die Gaming-Community. Wahrscheinlich war es dazu sogar nötig, über das Ziel hinauszuschiessen. ;-)
KKKK
 
 


1990
0 2 7
# vor 3 Jahren
@KK: Wenn du eine DVD in ihrem Case lässt, hält sie vielleicht 20 Jahre. Wenn du sie in eine Xbox steckst, bedeutend weniger. Und du kannst keine Sicherungskopie dieser Spiele machen, dank DRM.

Mit "Recht" hat diese Diskussion nichts zu tun. Niemand behauptet, dass Microsoft nicht das Recht hat, die Xbox One so zu machen, wie immer sie wollen. Niemand behauptet, dass Microsoft gegen irgend ein Gesetz verstösst. Na und? Dass Microsoft nichts Illegales macht bedeutet noch lange nicht, dass Microsoft nichts Schlechtes macht.

Und Kapitalismus ist ja gerade der Grund, weshalb wir über dieses Thema schreiben. Wenn wir wollen, dass die Spiele-Hersteller sich besser verhalten, müssen wir schlechtes Verhalten bestrafen, indem wir potentielle Kunden über die Probleme dieser Systeme informieren. Das scheint in diesem Fall ja sogar funktioniert zu haben.
LKMLKM
 
 


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12 Kommentare
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