METROID: OTHER M
Testbericht | Wii

Metroid: Other M gold_medium

vor 6 Jahren von LKM, Aktualisiert: vor 3 Jahren

Wenn Team Ninja ein Metroid-Spiel macht, darf man etwas Aussergewöhnliche erwarten. Die Ninja-Gaiden-Macher haben die Metroid-Prime-Spiele ignoriert und das originale NES-Metroid-Spielprinzip auf die Wii gebracht. Und das funktioniert.

Allein im Weltall

Es ist schwierig, die Metroid-Spiele einem Genre zuzuordnen. Am ehesten passen sie in die Reihe von Horror-Games wie Silent Hill oder Resident Evil: ein einsamer Protagonist wird ganz alleine in eine feindliche Umgebung gesteckt und muss sich gegen albtraumhaftige Monster wehren. Aber im Gegensatz zu anderen Horror-Spielen spielt Metroid im Weltall. Meistens verschlägt es Samus Aran, die Protagonistin der Serie, auf einen verlassenen Planeten oder auf eine zunächst leer erscheinede Weltraumstation. Damit erinnern die Metroid-Spiele eher an Filme wie Alien oder Event Horizon, mit dem Unterschied, dass Samus ganz auf sich selbst gestellt ist und nicht auf Hilfe von Aussen hoffen kann.

Diese Einsamkeit ist ein Faktor, welcher in den Metroid-Spielen eine wichtige Rolle spielt und von düsterer Musik und Grafik unterstützt wird. Bereits im ersten Metroid-Spiel ist dieser Aspekt von Samus eindeutig ersichtlich: Samus Aran ist eine Einzelgängerin.

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In Metroid: Other M wird dieser Aspekt der Metroid-Spiele zunächst ignoriert. Samus Aran empfängt ein SOS-Signal von einem enormen, verlassenen Raumschiff. Nachdem sie in dem Schiff landet, trifft sie eine Gruppe Soldaten der Galactic Federation an, und schliesst sich diesem Team an. Mit anderen Worten, Samus ist in Metroid: Other M nicht alleine, sondern agiert als Teil eines Teams. Das ist atypisch für ein Metroid-Spiel, schadet dem Spiel aber nicht gross, da man trotzdem meistens alleine unterwegs ist.

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Die Interaktionen mit den anderen Team-Mitgliedern wird vom Spiel benutzt, um in Rückblenden mehr der Hintergrundgeschichte von Samus Aran anzusprechen. Wirklich nötig sind diese Rückblenden nicht, und teilweise wirken sie etwas langatmig. Glücklicherweise verbessern sie sich im Verlauf des Spiels sukzessive. Einen solchen Einblick in die Hintergrundgeschichte von Samus Aran hat man in anderen Metroid-Games nie bekommen, und die Neuerung sorgt in Other M für eine willkommene Abwechslung im Vergleich zu früheren Metroid-Spielen.

Interessant ist, dass man beim Laden des Spiels an die Ereignisse erinnert wird, die man während der letzten Spiele-Session erlebt hat. So bekommt man trotz einer bisweilen komplexen Story auch bei längeren Spielpausen wieder einen einfachen Zugang zu den Geschehnissen.

Gameplay

Metroid: Other M ignoriert die Metroid Prime-Games und setzt storytechnisch direkt nach Super Metroid auf dem SNES an. Aber nicht nur storytechnisch werden die Prime-Spiele ignoriert, auch das Gameplay hat oft mehr mit Super Metroid zu tun als mit Metroid Prime. Während man in Metroid Prime das ganze Spielgeschehen aus Sicht der Protagonistin erlebt, wechselt Other M zurück auf die klassische "Aussenansicht":

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Die Steuerung erinnert enorm stark an die klassischen Metroid-Spiele — mit dem kleinen Unterschied, dass man sich dieses mal nicht nur seitwärts bewegen kann, sondern meistens auch ein bisschen Platz für Bewegungen nach vorne und hinten zur Verfügung hat. Und noch eine Änderung gibt es: Sobald man mit der Wii-Remote auf den TV zeigt, wechselt das Spiel vorübergehend den Blickwinkel. Plötzlich sieht man das Spiel nun doch aus der Perspektive von Samus:

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Bewegen kann man sich in dieser Perspektive nicht mehr, dafür ist es nun möglich, Objekte zu untersuchen, und mit den Waffen genauer zu zielen. Dieser Übergang funktioniert erstaunlich gut, und bereits nach einigen Minuten wechselt man flüssig zwischen den beiden Blickwinkeln.

Wie in früheren Metroid-Spielen ist auch in Other M eines der wichtigsten Gameplay-Elemente, dass Samus regelmässig neue Fähigkeiten bekommt, die ihr erlauben, weitere Bereiche des Raumschiffs zu erforschen. Hier wurde aus Sicht der Geschichte die seltsame Entscheidung getroffen, diesen Mechanismus durch ein "Verbot" zu erklären. In anderen Metroid-Spielen findet Samus im Verlauf des Spiels Artefakte, die ihr neue Fähigkeiten geben. In Other M hingegen hat Samus von Beginn alle Fähigkeiten. Da sie als Mitglied eines Militär-Teams agiert, wird ihr aber verboten, ihre Fähigkeiten auch anzuwenden. Nach und nach erlaubt der Team-Leader ihr dann, mehr Fähigkeiten zu verwenden.

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Dass Samus eigentlich von Anfang an alle Fähigkeiten hat und sie einfach nicht anwenden kann nervt gewaltig. Ich bin mir nicht ganz sicher, weshalb mich das derart stark nervt: aus Sicht des Gameplays macht es ja keinen Unterschied, ob Samus neue Fähigkeiten "findet", oder ob ihr der Gebrauch neuer Fähigkeiten plötzlich erlaubt wird. Aber für mich macht es halt trotzdem einen Unterschied, und zwar aus folgendem Grund: Samus Aran ist eine Kopfgeldjägerin. Wenn Samus Aran ein verlassenes Raumschiff erforscht und von einem Monster angegriffen wird und sich nicht richtig wehren kann weil irgend ein Militär-Futzi ihr gesagt hat dass sie ihre Waffen nicht gebrauchen kann, dann ignoriert die Samus aus den früheren Metroid-Games diesen Befehl einfach! Die Idee dass sie zwar alle Fähigkeiten hat, diese aber einfach nicht gebrauchen darf, diese Idee macht schlicht keinen Sinn.

Dass Metroid: Other M nicht von Nintendo stammt, sondern vom Ninja-Gaiden-Entwickler Team Ninja programmiert wurde, erkennt man vor allem am Kampfsystem. Samus Aran rennt agil durch die Levels und verfügt über verschiedene Nahkampf-Techniken, die das Kampfsystem in Other M etwas tiefer machen als in früheren Metroid-Spielen.

Präsentation

Was extrem positiv Auffällt ist die Grafik. Überraschend ist, dass das Spiel sowohl aus der Aussenperspektive als auch aus der Perspektive von Samus sehr detailliert wirkt.

Die einzelnen Abschnitte des Spiels sind grafisch abwechslungsreich. Die für Metroid-Spiele übliche düstere, gotische Atmosphäre wird teilweise von farbenfrohen Gegenden wie ein einer Lava-Gegend oder üppigen Urwald-Abschnitten aufgelockert.

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Dem Spielgefühl tut dies keinen grossen Schaden: Die Industrie-Grafik der klaustrophobischen Abschnitte gewinnen durch die kurzen offenen Bereiche an Geltung; sie wirken viel enger und gefährlicher wenn man vor kurzem noch über eine offene grüne Wiese flanierte. Dazu kommt, dass sich Teile der offenen Abschnitte als blosse Illusionen entpuppen, die von dem Holografie-System des Raumschiffs produziert werden.

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Fazit

Der DS oder die Wii haben schon lange einen würdigen Nachfolger für Super Metroid verdient. Metroid: Other M ist nicht das zweidimensionale Metroid-Spiel, welches sich Fans gewünscht haben (und über ein derartiges Spiel würde ich mich nach wie vor enorm freuen), aber es ist definitiv ein Spiel, welches das klassische Metroid-Prinzip auf eine interessante Art modernisiert, und alten Metroid-Fans wie mir genau das bietet, was sie von einem Metroid-Spiel wirklich wollen: die freie Erforschung eines düsteren Horror-Labyrinths im Weltall, gepaart mit schnellen, präzisen Action-Sequenzen.

Wir bedanken uns bei der Waldmeier AG für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken

judgementbox
Metroid: Other M
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Positiv

Tolle Grafik, innovativ, gut umgesetztes Perspektiven-Wechsel-Prinzip, gut gelungenes Kampf-Gameplay, klassisches Super-Metroid-Prinzip wurde clever an die Wii angepasst, Horror-Aspekte kommen gut rüber, Metroid: Other M is schlicht und einfach ein packendes Spiel

Negativ

Story teilweise etwas langatmig, Samus als Teil eines Militär-Teams wirkt etwas seltsam, neue Fähigkeiten werden über den Team-Leader "freigegeben"

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst LKM, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Von Nintendo (Publisher), Team Ninja (Developer)