KILLZONE 3
Testbericht | PS3

Killzone 3

vor 13 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 13 Jahren

Unser erster Eindruck von der GAMESCOM hat nicht getäuscht: Killzone 3 legt grafisch und umfangmässig noch einen oben drauf. Wurden auch die Schwächen des Vorgängers ausgemerzt?


[Update] Hands On mit dem Sharp Shooter

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Die Leute von PlayStation Schweiz waren so nett, uns einen Sharp Shooter für eine eingehende Betrachtung und Testrunde auf Schützengrabentauglichkeit auszuleihen. Die Installation ging eigentlich schmerzlos vonstatten — Move Controller oben in die Halterung, Navigation Controller unten in den vorderen Griff, fertig. Das Einsetzen des Navi-Controllers war etwas zäh. Der Navi sitzt dafür satt, eine wacklige Halterung wäre hier nicht besonders nützlich für wendige Bewegungen während dem Spiel.

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Was positiv auffällt ist die Reaktionszeit des Controllers, welche sehr kurz und knackig daherkommt. Man muss sich etwas daran gewöhnen, um nicht ständig zwischen Himmel, Boden und Pirouetten hin und herzugondeln. Kleine Bewegungen führen zu ausreichend Bewegungseingabe. Wer noch mehr Sensitivity mag, kann diese entsprechend noch hochschrauben. Die Minimaleinstellung dürfte für die meisten Zwecke jedoch reichen.

Die Erschütterungen bei Schussabgabe dürften noch etwas stärker sein, hier wurde das Force-Feedback wohl zugunsten der Präzision etwas dezenter gehalten als möglich. Der Controller liegt dabei gut in der Hand, und verfügt über ein angenehmes Gewicht. Für wirklich lange Sessions ist er allerdings etwas gar schwer und dürfte für einigen Muskelkater sorgen.

Aber eben, Infiltrationen in echt sind ja bekanntlicherweise auch kein Zuckerschlecken, und setzen mehr Fitness voraus als das Rumdrücken an Thumbsticks. Wer echten Militärdienst geleistet oder schon mal Paintball gespielt hat, weiss wovon hier die Rede ist.

Über das Design in funktionaler Hinsicht gibt es nichts auszusetzen, ebensowenig an der Präzision. Was die Farbgebung angeht erinnert die Plastikknarre etwas an Fisher Price. Aufgrund der aktuellen Hysterie von wegen Waffenimitaten bleibt hier den Herstellern aber offensichtlich kaum Spielraum. Wer mag kann die Digital-Donner-Büchse ja selbst einfärben. Solang das Spielzeug das Haus nicht verlässt dürfte kaum jemand was dagegen haben.

Schade: Man kann nicht zwischen Sharp Shooter und normalem Controller hin und her wechseln, wenn man müde wird. Hier sollte, ja muss Guerrilla Games nachlegen per Patch, sonst nervts.

Herzlichen Dank an Claudia für Testlauf, Feedback und Handmodell.

Stahl muss man haben

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Die Story setzt da an, wo Teil 2 aufgehört hat, und zwar ohne viel Zeit zu verlieren. Rico hat gerade Chef-Helghast Visari um die Ecke gebracht, statt ihn gemäss Befehl für ein Verhör festzunehmen. In jeder anderen Armee der Welt hätte dies wohl düstere Konsequenzen gehabt für Rico, der des öfteren eh mehr nervt als sonstwas, aber wir sind ja hier bei der ISA. Und wenn bei der ISA ein Korporal den Oberbefehlshaber der Gegner mal kurz umlegt, ist das dann halt einfach so. «Tja, schon passiert, weitermachen!».

Aber eben — die Story war schon in Teil 2 eher lauwarm. Zumindest bekommt man im neusten Abenteuer von Sev und Rico einen wirklich charmanten Gegenspieler. Waffeningenieur und selbsternannter Oberkommandeur Jorhan Stahl ist ein würdiger Nachfolger Visaris — um nicht zu sagen, der wesentlich bessere Ober-Helghast. Toll gesprochen und dem Setting entsprechend cool in Szene gesetzt, macht der weisshaarige Fanatiker in seiner an Rober Lusser angelehnten Rolle (der Mann, der für Hitler die V1-Lenkwaffe entwickelt hat) eine überzeugende Figur. Und schaut dabei irgendwie ein bisschen aus wie Billy Bob Thornton, was auch nicht schadet.

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Dieser nette Herr hetzt der ISA auf jeden Fall seine ganze komplett revidierte Armee auf den Hals. Die Nuklearexplosion am Ende von Teil 2 hat neben der Helghast-Hauptstadt Pyrrhus auch die ISA stark dezimiert, und kurze Zeit später bestehen die Armeen der Erde nur noch aus einigen verstreuten Freischärlern, die sich in irgendwelchen Löchern auf dem unwirtlichen Planeten verstecken. Auch hier wären ein paar Löcher weniger in der Story ratsam gewesen, bekanntlich wäre die Strahlung nach einem Atomschlag derart gross, dass niemand mehr in heldenhafter Manier quer durch die Stadt rennen dürfte. Aber Hauptsache Actionspass pur, und über Mangel daran kann man sich in Killzone 3 nicht beklagen.

Crash Boom Bang

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In Sachen Gameplay hat sich einiges getan:

  • Die neuen, präziseren Controls machen Freude. Das angenehme Gefühl der Schwere kommt immernoch rüber (im Vergleich zu den Schwebeplattform-samt-Waffenrucksack-Feelings bei anderen Shootern eine Wohltat). Neu sieht man auch die eigenen Beine beim Runterschauen — ein cooles Feature.

  • Gigantische Mecha-Bossgegner à la Resistance 2 hinterlassen einen nachhaltig monströsen Eindruck.

  • Montierte Waffen von Geschütztürmen wie MGs oder Minikanonen können grösstenteils abmontiert und als schwere Waffe mitgeführt werden — und auch wieder aufgesetzt werden bei Bedarf. Eine sehr gelungene Neuerung.

  • Neben Haupt- und Zweitwaffe darf man nun auch noch eine schwere Waffe permanent mit sich rumtragen. Und da gabs ein paar neue Modelle in der galaktischen Lieferung, wo besonders eine Art Mini-Lenkwaffen-Kanone mit Artilleriemodus für gute Laune im Schützengraben sorgt.

  • Geht der Magazin-Inhalt gegen Null, werden die Schussgeräusche mit einem Filter belegt und sie werden dumpfer. Das hilft dabei, intuitiv rechtzeitig nachzuladen. Eine tolle Idee für den Spielfluss.

  • Die Jumpsuits, die steuerbaren Kampfroboter und die Fahrzeugsequenzen auf «Schienen» machen ordentlich was her und sorgen für ein gelungenes Mass an Abwechslung.

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  • Die grösseren Levels, gemischt mit engen Passagen, geben dem gesamten Setting des Spiels eine unglaubliche Dimension. Die Orte auf dem Planeten Helghan werden dadurch greifbar und in ihrer schieren Grösse fassbar. Besonders cool ist der Umstand, dass es nun auch Bereiche gibt, wo man seine Taktik selber wählen kann durch mehr Beinfreiheit, und Spielabschnitte, wo man verdeckt und versteckt vorgehen muss.

  • Die abwechslungsreichen Settings wie ein insektoider Dschungel und die Polarregion wirken farbiger, kräftiger, detailreicher — und bilden neben den «klassischen» Killzone-Levels zum Beginn des Spiels eine gelungene Erweiterung des Spektrums.

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  • Die KI wurde nochmal verbessert und erweitert. Die Gegner waren bereits in Teil 2 sehr cool gemacht und verfügten über ein grosses Spektrum von Aktionen. Neu legen sie sich auch mal hin und nehmen euch im Liegen ins Visier.

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  • Wie im GAMESCOM-Preview bereits besprochen, sowie im PlayStation-Studio im Dezember ausprobiert, unterstützt Killzone 3 sowohl 3D als auch PlayStation-Move. Ob sich die Bewegungscontroller-Ballerei für lange Sessions eignet sei mal dahingestellt, erhält aber besonders mit dem Sharp-Shooter-Zubehör sicherlich eine interessante neue Dimension (siehe Update mit unserem Eindruck von dem Gerät am Anfang des Artikels).

Ein Schauspiel der Sonderklasse

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Killzone 2 war vor dem Erscheinungstermin in Sachen grafische Leistungskapazität der PlayStation 3 das absolute Gesprächsthema Nummer 1. Die fertige Version glänzte dann auch mit nie dagewesener Präsentation auf einer Konsole. Die Spielwelten aus der Deferred-Rendering-Engine schauten überaus plastisch aus, und brillierten mit abgedunkelten Ecken, allen möglichen Partikelanimationen, herumwirbelnden Funken, scharfen Texturen und Hunderten von dynamischen Lichtern.

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Killzone 3 stellt den zweiten Teil in jeder erdenklichen Hinsicht in den Schatten. Wer gedacht hat, dies sei kaum machbar, wird grosse Augen machen. Die Sichtweite wurde massiv vergrössert, die Himmel bestehen aus mehreren bewegten Ebenen, die Tiefenschärfe wurde nochmals verfeinert, und die Rauchanimationen suchen ihresgleichen auf Konsolen. Feuer, Explosionen, Rag-Doll-Physik, Nebel, Splitter und glänzend umgesetztes Wasser runden einen überaus beeindruckenden Bilderreigen ab, der sich über jeden ergiesst, der sich ins digitale Gefecht aus Holland wirft.

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Der Soundtrack wurde ebenfalls erweitert und wartet neu auch mit einigen Hardrock-Songs auf. Die orchestralen Parts vermögen im gewohnten Stil zu gefallen, und die Sprecher samt Gefechts-Sound-Kulisse erfüllen die höchsten Ansprüche.

Gemeinsam in den Kampf: Splitscreen Co-Op

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Eigentlich gibt es dazu nicht viel mehr zu sagen als «YAY!», ergänzt mit einem fette Smile auf dem Actionfan-Gesicht. Diese Addition hätten wir gerne schon in Teil zwei gehabt, aber Hauptsache es ist jetzt endlich soweit. Zu absolvieren gilt es dabei genau die gleiche Kampagne wie im Single-Player-Modus, und das funktioniert weitgehend einwandfrei.

Die Engine quittiert den zweiten Spieler mit einigen gelegentlichen Rucklern und seltenen Textur- oder Objekt Pop-Ins, und die Cutscene sind nicht auf den zusätzlichen Teilnehmer am Schiesserei-Reigen angepasst worden.

Etwas zu bedauern ist der Umstand, dass nicht wie bei Resistance der gesamte Screen zum Zug kommt, die Grössen-Reduktion der beiden Spielscreens dürfte aus Performancegründen vorgenommen worden sein. Dafür schaut der 2-Spieler-Modus haargenau wie der Singleplayer aus, ohne Abstriche bei Lichteffekten, Partikeln und Tempo.

Spielerisch gibt es am Splitscreen-Modus nichts auszusetzen. Die Heilungs-Funktion ist auch hier sehr mächtig und mit etwas Geschick und Koordination bleibt man zu zweit — bzw. zu dritt, denn Rico bleibt ein NPC, der zweite Spieler vor der Kiste schlüpft in die Rolle eines Killzone 2-Mitkämpfers — recht lange am Leben.

Online Multiplayer

Da die Server noch nicht online waren zum Zeitpunkt des Testes, folgen einige Ausführungen hierzu später.

Die Bot-Zone im Hauptmenu ist ein neues Feature, welches den Multiplayer-Neulingen die Chance bietet, die Spielmodi und Levels schon mal kennenzulernen. Neu gestaltet wurden die Klassen, die in Teil 2 noch ziemlich fix daherkamen. Neu darf man sich Spezialfertigkeiten nach Gutdünken etwas freier zusammensuchen.

Warzone war bereits in Teil 2 ein Hammerspass, und wurde zum Glück kaum verändert. Wer auch nur einen Hauch von Online-Battle-Affinität aufweist, dürfte hier schnell einer grossen Faszination verfallen. Die beiden neuen Multiplayermodi mit einer Art Team-Deathmatch und einer mit Zwischensequenzen durchsetzten Art Kräftemessen werden wir ebenfalls später noch eingehend testen.

Fazit

Killzone 3 ist ein Must-Have für Actionfans und Kenner der Serie. Es übertrifft den Vorgänger in jeder Hinsicht um ein wenig bis um ein vielfaches.

Die Story ist vernachlässigbar. Wünschenswert wäre diesbezüglich ein etwas grösserer Mut der Entwickler hin zu wirklich drastischen Wendungen und vielleicht — wer weiss — irgendwann mal sogar einer Kampagne aus der Sicht der Helghast. Das wäre mein ganz persönlicher Wunsch, denn in den Online-Battles erfreuen sich die Helghast bereits seit langem grösserer Beliebtheit als die ISA.

Splitscreen Multiplayer ist ein längst fälliges und überaus gelungenes Feature für Killzone auf Wohnzimmerkonsolen. Danke nach Amsterdam!

Wir bedanken uns bei Sony Computer Entertainment Schweiz für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.


ps: Momentan läuft auf Games.ch ein Fan-Art-Wettbewerb, an dem wir uns — Ehrensache — natürlich auch beteiligt haben. Wer für uns voten mag verdient ewigen Dank. Hier geht's zur unterhaltsamen Galerie »

Unser Entry:

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judgementbox
Killzone 3
Positiv

Geniale Präsentation, Grafische Meisterklasse, sinnvolle Anpassungen an Controls und Waffenauswahl, Kampfmechs sowohl in Single- als auch im Multiplayermodus, mehr Abwechslung in den Levels, guter Spielfluss, immenses Gefühl für die Dimension der Spielwelt

Negativ

Story immernoch etwas halbbatzig mit Logiklöchern, etwas mehr Destructability wäre wünschenswert, etwas gar viele Zwischensequenzen, zu Beginn etwas zu ähnliche Missionen wie in Teil 2, Helghast etwas arg mit Nazi-Clichés behaftet, übertrieben blutige Nahkampfattacken

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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Killzone 3
Erhältlich für PlayStation 3
Von Guerrilla Games (Developer), Sony (Publisher)