RESISTANCE 3
Testbericht | PS3

Resistance 3

vor 6 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 6 Jahren

«I killed Nathan Hale» — Es gibt nicht viele Männer, die das behaupten können. Joseph Capelli, der Protagonist und neuer Einzelkämpfer des dritten Krieges gegen die Bestien, ist genau gesagt der einzige. Er hat den von Wahnsinn und Bestienwillen befallenen Helden von Teil 1 und 2 kurz vor der Zündung der Atombombe und der Zerstörung des vermeintlichen Hauptknotens der Chimera erschossen. Was für ein Schicksal erwartet den tragischen Helden?


Nathan Hale starb nicht vergeblich

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Aus dem Blut des amerikanischen Soldaten konnten Wissenschaftler einen Impfstoff extrahieren, der in der Folge den Überlebenden der Chimera-Kriege — knapp zwei Millionen an der Zahl — sicherstellte.

Aber drehen wir das Rad der Zeit noch einmal ein paar Jahre zurück. 1908 gehen in Sibirien mysteriöse Asteroiden nieder, und verbreiten in kürzester Zeit ein Mutagen-Virus, welches die Bewohner zu rasenden Bestien degenerieren lässt. Andere werden gefangengenommen, zusammengepfercht und zu Kampfmaschinen, halb Mensch halb Irgendwas umgebaut.

Die so entstandene Streitmacht marschiert Richtung Westen, ein erbitterter Krieg zwischen Armeen der Menschen und der Bestien entbrennt. Die Geschichtsschreibung ändert sich, weder der erste Weltkrieg, noch die Weltwirschaftskrise, noch der zweite Weltkrieg werden Realität. Der Chimera-Krieg verwischt die Geschichte der Menschheit zu einer völlig neuen Situation.

1951 haben die Bestien den gesamten europäischen und asiatischen Erdteil überrannt, London steht kurz vor dem Fall. Amerikanische Soldaten landen in Grossbritannien, darunter Nathan Hale, aber auch sie können die Bestien nicht stoppen. Das war Resistance - Fall Of Man.

In Teil 2 — aka. 1953 — gelangen die Bestien schliesslich nach Amerika und unterwerfen auch diesen Erdteil. Der erbitterte Widerstand bewahrt die Menschheit nicht vor der heranschreitenden und sich rasant ausbreitenden Chimera-Macht. Hale wird je länger je mehr zur Bestie und entschliesst sich zu einer Suizid-Mission: Eine Atombombe, gezündet im Hauptturm mit dem Hauptknoten der Chimera-Versorgung, soll das Blatt zugunsten der Menschheit wenden.

Ein Sturm zieht auf

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Haven, Oklahoma. Wir schreiben das Jahr 1957, ein kleiner verschlafener Ort in Weiten der amerikanischen Prärie bietet einer kleinen Gruppe von Widerstandskräften unterirdische Zuflucht. Die Atombombe hat nicht die gewünschte vernichtende Kraft entfaltet, im Gegenteil. Allerdings bekämpfen sich unter den Chimera seit neuster Zeit wild lebende und militärisch organisierte Verbände untereinander. Die Erde gleicht einem Chaos.

Joe Capelli gehört mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn zur lokalen Résistance. Vier Jahre sind vergangen, seit er als Teil des Sturm-Teams den ausser Kontrolle geratenen Nathan Hale erschiessen musste. Die Bilder verfolgen Joe noch heute. Und trotzdem hatte es keinen Ausweg gegeben, damals. Die Folgen waren hart: Unehrenhafte Entlassung aus der Armee, ein Dasein geprägt von Angst, Hunger und Tod. Das Klima wird kälter und kälter, niemand weiss genau warum. Und zu allem Übel haben die Bestien angefangen, mit gewaltigen Terraformer-Schiffen die Erde für die dem Anschein nach bald bevorstehende Ankunft der Ur-Chimera aus dem All vorzubereiten.

Mitten in dieser Tristesse taucht eines Tages ein alter Bekannter auf — Malikow. Der Wissenschaftler fordert Joe auf, ihn auf eine weite und gefährliche Reise zu begleiten. Die einzige Chance, die Bestien loszuwerden, so Malikow, besteht darin, das durch die Atom-Energie-Überladung entstandene Portal über New York City zu schliessen mit der Zerstörung des dortigen Megaturms.

Joe muss sich entscheiden: Seine Familie beschützen oder die Menschheit vor einer gigantischen Gefahr bewahren? Er entschliesst sich für zweiteres, auf Wunsch seiner Frau. Die Reise führt quer durch die USA und führt euch an manche skurrile Orte, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Alte und neue Bekanntschaften

Was gleich zu Beginn im Menü heraussticht, sind die kooperativen Multiplayeroptionen. Endlich zurück und bekannt aus Teil 1 ist die Möglichkeit, die Kampagne gemeinsam mit einem Mitstreiter am selben Screen zu spielen via Splitscreen. Eine Premiere für ein Resistance-Game bedeutet der DropInDropOut-Kooperativmodus für Online. Ihr dürft also gemeinsam mit Freunden (und Freundinnen) die Kampagne auch via Internet bestreiten. Bravo!

Was das Arsenal angeht, mit welchem ihr unterwegs seid, gab es ebenfalls einen Schritt zurück zur Mentaliät von Teil 1. Das Waffenrad mit dem vollen Arsenal steht euch wieder zur Verfügung, wo in Teil 2 die Beschränkung auf zwei Waffen Pflicht war.

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Was die Bestandteile des Arsenals angeht, so wurden leider ein paar wirklich coole Wummen gestrichen und teilweise durch ziemlich unbrauchbaren Klemper ersetzt. Die Virus-Schleuder und die Frost-Kanone hätte man meines Erachtens getrost vergessen können. Diese erinnern doch ein bisschen gar stark an die Fantasie-Knarren aus Ratchet & Clank. Und wenn man rausfindet, dass dafür sogar die Chimera-Gatling mit der schicken Feuerrate über die Klippe springen musste, geht das dabei entstehende Gefühl von Unverständnis in leichten Frust über.

Das Spielgeschehen ist gewohnt linear aufgebaut. Wer die weitläufigen Areale insbesondere aus manchen Abschnitten von Teil 1 sucht, der findet zuwenig davon in Resistance 3. Dies scheint merkwürdig, waren doch gerade die grösseren und trotzdem in sich geschlossenen Gebiete einer der grössten Reize der Serie. Das soll nicht heissen, dass es die offenen Kampfzonen in Resistance 3 überhaupt nicht gibt, mir persönlich waren sie einfach etwas zu selten.

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Cool inszeniert sind andererseits manche Passagen im Spiel mit total eigenem Style und viel Liebe fürs Detail. So empfand ich den zwischenzeitlichen Besuch eines heruntergekommenen Knastes mit haufenweise ehemaligen Gefangenen, die jetzt Wärter spielen, überaus reizvoll. Die Levels wirken gesamthaft fein gestaltet und feudal, bloss sind sie deswegen nicht unbedingt durch das Band besser.

Kleine Details wie Autos, die man zur Explosion bringen konnte, oder auch einfach nur Autotüren, die man mit der Wumme demontieren konnte, sowie Fensterscheiben und sonstige zerstörbare Objekte, gab es in Teil 1 zuhauf. Warum in aller Welt Insomniac diese Spasspotentiale bereits in Teil 2 halbwegs und schliesslich in Teil 3 fast völlig entfernt hat, ist mir ein Rätsel.

Die neue Zerstückelungs-Physik der Gegner hingegen hätte es für meinen Geschmack definitiv nicht gebraucht. Wie blutig muss denn ein solches Spiel sein? Bringt das wirklich mehr Spielspass, wenn man einem Gegner sämtliche Gliedmassen wegblasen kann? Begleitet von hektoliterweise Blut? Von mir dazu ein ganz klares Nein.

Wenn wir gerade von Gesundheit sprechen: Ebenfalls ein Schritt zurück zu Teil 1 ist die nicht selbstregenerierende Gesundheit. Aber auch dieser Aspekt war in Teil 1 besser gelöst. Es gab vier Health-Container, wenn einer nur «angebraucht»Â war, füllte sich dieser bis zur nächsten Grenze von selbst wieder auf. In Teil 3 gibt es keine Gnade, die einzige Hilfe zur Selbsthilfe besteht aus grün schimmernden Dosen.

Eine Neuerung, die wirklich Sinn macht, sind die erfahrungsbasierten Upgrades, die für alle Waffen verfügbar sind. Benutzt man eine bestimmte Wumme häufig, schalten sich mit der Zeit verbesserte Munition oder zusätzliche Wirkungseigenschaften frei, wie z.B. die Brandmunition bei der Rossmoore Schrotflinte oder das Bajonett für den Nahkampf beim klassischen Karabiner.

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Ein klares Highlight im Resistance-3-Universum sind die gelegentlich auftretenden Kämpfe von wilden Chimeras gegen die Miliz-Chimeras. Da kann es ganz schön zur Sache gehen, und das eigene Vorgehen ist taktisch sinnvoll gegen die Übermacht zu richten. Die neuen Gegnertypen spielen dabei eine grosse Rolle: Mega-Gorilla-mässige Riesenbrocken sind neu dabei, dazu flinke und trotzdem massive Elektrokanonenträger. Dazu gesellen sich ein paar weitere Spezies wie die Langbein-Springer, die besonders mit Scharfschützengewehren im Gepäck ordentlichen Ärger verursachen können und von Dach zu Dach weite Sprünge unternehmen.

Abwechslungsreiches Wetter und Blutwolken

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Resistance 3 bietet viel grafisches Spektakel und abwechslungsreiche Leveldesigns. Die Qualität der Grafik variiert jedoch je nach Abschnitt recht stark. Die Szenen in den Verstecken der Widerstandskämpfer zu Beginn wirken ein wenig schwummrig, andere Szenerien wie die Städteruinen im Regen sind wiederum hervorragend umgesetzt. Der Grund-Tonus von Resistance 3 ist stärker auf dunkel und grimmig getrimmt als der von Teil 1 und 2. Doch trotz allen Anstrengungen, um Joe Capelli's Dilemma und seine Reise in eine erdige Road-Movie-Stimmung zu setzen, ist das Abenteuer streckenweise zu bunt und zu hektisch umgesetzt, um die nötige Stille für die perfekte Lonely-Wulf-Atmosphäre hervorzubringen.

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Was die Effekte angeht hat Insomniac seit Teil 2 nicht geschlafen. Wehende Bäume und Gräser bei der Landung von Landungsschiffen der Chimera, schöne Schneeflocken und komplexe Lichtstimmungen mit Sonnenuntergängen und feinen Abstufungen vermögen zu gefallen.

Die Physik ist ebenfalls noch etwas feingliedriger geworden, die Gegner bewegen sich flink und lebendig. Das resultiert merkwürdigerweise trotz erprobter Engine aber in zahlreicheren Bugs mit hängenbleibenden Gegner-Leichen und zwirbelnden inaktiven Polygonen. Eigentlich unnötig gemessen an der langen Erfahrung der Entwickler.

Was den Sound angeht gibt es wenige Neuerungen zum gewohnten Resistance-Kostüm zu vermelden. Die Sprachausgabe ist top, die Gesichtsanimationen nicht mehr ganz Industrie-Spitze.

Multiplayer

Neben dem bereits besprochenen Online-Kooperativmodus und dem zurückkehrenden Split-Screen-Vergnügen gibt es im Online-Kampf gegen andere Spieler wenig berauschend Neues zu berichten. Ein paar neue Spielmodi wie das Zonenverteidigen im Kontext des Wurmloch-Portals sind ganz okay, aber für Fans der Online-Arenen gibt es definitiv reizvollere Herausforderungen bei anderen Shootern.

Ein grosses Potential hat Insomniac nach wie vor vergeben: In den Online-Battles machte es (mir zumindest) besonders viel Spass, als Chimera zu spielen. Wieso lässt uns Insomniac nicht auch im Single-Player als Bestien spielen? Oder warum gibt es keine spezifischen Online-Multiplayer-Modi aus der Sicht der Chimera? Das wäre doch mal spannend, wenn man als Spieler beispielsweise die bulligen und schnellen Elektroschocker steuern dürfte.

Fazit:

Gesamthaft gesehen blieb für mich der dritte Teil eher unter den (zugebenermassen hohen) Erwartungen zurück. Trotz einigen interessanten Neuerungen wie den Waffenupgrades weist R3 auch ein paar nicht nachvollziehbare Schwächen auf. Resistance 3 ist beileibe nicht Mittelmass, aber wirkt an manchen Stellen etwas in den eigenen Konzepten gefangen. Vielleicht hätte etwas mehr Zeit für den letzten Schliff gut getan?

Genial ist die Rückkehr von Splitscreen-Coop, und eine super Sache die Möglichkeit mit Drop-In-Drop-Out Online-Kampf mit Freunden für die ganze Kampagne.

So bleibt für mich Resistance - Fall Of Man (Teil 1) ist immernoch das unerreichte Original und in mancherlei Hinsicht ungeschlagen.

Gar nicht gut finden wir die Einführung eines Online-Passes für die Online-Aktivitäten. Wer Resistance 3 aus zweiter Hand kauft, wird nochmal in die Tasche greifen müssen.

Andererseits ist der Wiederspielwert des Games hoch, da man alle Waffen und Upgrades mit in eine zweite Runde nehmen darf und so auch höhere Schwierigkeitsgrade machbar werden.

Wir bedanken uns bei Sony Computer Entertainment Schweiz für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.


Unser Interview mit Jon Pacquette von Insomniac findet ihr hier


judgementbox
Resistance 3
Positiv

KI ziemlich clever, streckenweise fantastische Präsentation, tolle Multiplayer-Optionen für gemeinsame Kämpfe, flüssige Inszenierung, motivierende Waffenupgrades und Verbesserungen, viel Wiederspielwert

Negativ

Kampagne eher kurz geraten mit knapp 7 Stunden, nicht wirklich alle Fragen und Mysterien um die Chimera werden gelöst - vieles bleibt im Dunkeln, Installation nötig, grosses Update gleich zu Beginn mit 650 MB :-/ eher unverständlich, einige coole Waffen aus Teil 1 und 2 gibts nicht mehr, einige neue Waffen sind eher Mittelmass, Gameplay eher zuviel Spektakel statt grosse Atmosphäre, neuerdings Online-Pass nötig für Multiplayer :-(

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Nur für Fans.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Resistance 3
Erhältlich für PlayStation 3
Von Insomniac Games (Developer), Sony (Publisher)