BATMAN: ARKHAM CITY
Testbericht | PS3 | PC | Xbox 360

Batman: Arkham City gold_medium

vor 4 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 4 Jahren

Zwei Jahre ist es her, als Rocksteady die Gamewelt in Aufruhr versetzte und mit «Batman: Arkham Asylum» eines der besten Spiele des Jahres 2009 ablieferte. Gleichzeitig war die Fledermaus-Jagd nach Meinung vieler Gamekritiker und Gamer gleichermassen das beste Batman-Spiel aller Zeiten. Nun legen Rocksteady / Warner nochmal ein Briquet nach und versuchen an den Erfolg von Asylum anzuknüpfen. Gelingt das ambitiöse Unterfangen?


Hello, Mr. Detective

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Batman ist kein stromgeladenes oder kernmutiertes Hyperwesen. Nein: Bruce Wayne aka. The Dark Knight setzt auf maximale körperliche Fitness, Nahkampftechniken aus Krav Maga und Ju Jitsu und seine ausgefeilte Ausrüstung. Diese kann sich mehr als sehen lassen, aber dazu mehr später.

Wenden wir uns der Story zu: Die Regierung von Gotham City hat beschlossen, die Anstalt von Arkham sowie das stadtgrösste Gefängnis gleich in ein ganzes Verbrecherviertel umzubauen. Zivilisten raus, Böze Jungs rein, Zaun drumherum, fertisch. Was nach einer ziemlich idiotischen Idee klingt (nicht von den Machern der Comics, sondern von den korrupten Regierenden), stellt sich noch als weit gefährlicher heraus. Ein Schlaraffenland für Gang-Kriege und mächtige Superbösewichte wurde da geschaffen, und jetzt droht erst noch eine zusätzliche Bedrohung durch das geheimnisvolle Protokoll 10. Mysterien über Mysterien, und so hat Batman erneut keine andere Wahl, als sich kopfüber in die Schlacht zu werfen. Dazu als kleine Einstimmung ein Video:

Unmittelbar nach den ersten Minuten im Spiel wird klar, dass Rocksteady sich erneut und bis in tiefsten Tiefen in die Aufgabe hineingekniet hat, das DC Comics-Universum von Batman in vollem Glanz lebendig werden zu lassen. Die Atmosphäre wurde perfekt eingefangen, gekonnte Wechsel zwischen Aussenräumen und Innenarealen bringen ästhetisch und spielerisch höchste Qualität zusammen und lässt einen so schnell nicht mehr los.

Zum kernigen Spielerlebnis tragen insbesondere die fantastisch umgesetzten Gefährten, Bösewichte und Schergen derselben bei: Pinguin, Two Face, Harley Quinn, Catwoman, Mr. Freeze und Hugo Strange – um nur ein paar der Figuren zu nennen – sind perfekt animiert und gesprochen. Und Joker, der wie bereits in Asylum eher der Interpretation von Jack Nicholson (meinem all time favourite Joker) als der superdüster-psychotischen von Heath Ledger entspricht, ist sowieso eine Klasse für sich.

Die Detektivgeschichte überzeugt mit spannenden Nebenepisoden und einem packenden Storybogen, dessen Qualität kaum je von einer Hollywood-Flettermaus erreicht worden ist bisher. Ausser vielleicht in Batman Begins, nach wie vor meinem persönlichen Lieblings-Batman. Nach Jack. Und nach The Dark Knight, der mir einfach zu bierernst und brachial war. Aber das ist ein anderes Thema.

Arkham wie es siecht und kriecht

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Das Stadtviertel von Gotham, in welchem Batman seinen Nachforschungen nachgeht, ist klein genug, um einigermassen die Übersicht zu bewahren, und gross genug, damit ausreichend Abwechslung und Umhergleiten möglich wird. Das Design der Spielwelt ist äusserst feingliedrig gestaltet und jedem Anhänger der DC-Reihe oder von Batman allgemein dürften die Äuglein in leuchtender Bub-im-Antlitz-der-Christbaum-Kerzen-Manier erstrahlen.

Neben der neuen Umgebung hat Batman auch ein paar frische Fertigkeiten und Tools im Gepäck. Die Balance des Kern-Gameplays wurde jedoch (zum Glück) nicht angefasst, und so spielt sich Arkham City genauso wendig und frisch wie der Vorgänger. Die Kämpfe sind erste Klasse, und werden mit zunehmend freigeschalteten Stärken und Skills immer schwungvoller im Verlauf des Spiels. Von Beginn weg passt das Beat'em'Up-Element wie angegossen, schon die ersten Prügeleien haben ordentlich Schmackes. Batman ist einer der agilsten Kämpfer dieser Konsolengeneration.

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Manche Passagen verlangen allerdings mehr Grips als Bizeps. Bewaffnete Gegner wollen umgangen und von hinten angegriffen werden, damit Batmans Anzug nicht sofort durchlöchert wird. Dazu kommen diverse Bossfights gegen übermächtige Mutanten und altbekannte Superbösewichte, welche in gewohnter Manier für Spektakel und taktisch geprägte Duelle sorgen.

Im Stile des Metroidvania-Prinzips, wonach manche Abschnitte der Spielwelt erst mit bestimmten Fertigkeiten oder Gegenständen freigeschaltet werden, bringt Arkham City laufend ein paar kleine feine neue Features auf den Tisch. Die gesamte Spielwelt ist zwar von Beginn weg begehbar (bzw. beschwing- und beschwebbar), aber manche Tür und bestimmte Hindernisse lassen sich erst nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen öffnen oder beseitigen.

Aufgelockert wird die Action und das Exploring durch kleinere Rätsel, wo bestimmte Fragemente zusammengefügt oder Schalter an unterschiedlichen Stellen betätigt werden müssen. Die Kniffler-Elemente sind nicht dermassen schwer, dass man tagelang daran hängenbleiben könnte, aber mit zunehmender Spieldauer gibts schon die eine oder andere Knacknuss zu lösen.

Speziell zu erwähnen ist in Sachen Untersuchen und Detektivarbeit der speziell zuschaltbare Modus für das Scannen der Spielwelt nach Hinweisen und bestimmten Mechanismen. Damit lassen sich auch Taktiken entwickeln für die Bezwingung mancher Gegner in gefährlichen Konstellationen, beispielsweise bei mehreren gleichzeitig auftretenden Schusswaffenträgern. Der alternative Sichtmodus ist aber auch grafisch eine Pracht und man ertappt sich hie und da beim Umschalten auf die Detektivsicht, auch wenn es nicht zwingend nötig ist. Durch das Viertel schwingen kann man auch im Scanmodus.

Fazit

Es ist ein wahres Vergnügen, die Welt von Arkham City zu erkunden. Batman bewegt sich stets geschmeidig und die Framerate auf der getesteten PS3-Version ist butterweich. So macht das sanfte Heruntergleiten von Hausdächern mit ausgebreitetem Umhang richtig Spass.

Wer mit Batman auch nur ein klein wenig was anfangen kann, muss sich dieses Spiel holen. Wer das Universum der Fledermaus noch nicht so gut kennt, aber auf Spiele wie Darksiders, Zelda oder Metroid steht, sollte sich die Gelegenheit auf dieses äusserst angenehme Kennenlernen nicht entgehen lassen.

Wir bedanken uns bei Warner Bros. für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.


Zweite Meinung von LKM

Spieler vom ersten Teil waren sich einig: der zweite Teil braucht mehr Super-Bösewichte und soll es Batman erlauben, eine grössere Welt zu erkunden. Der erste Teil spielte sich vollständig innerhalb von Arkham Asylum ab, und der Joker spielte die Hauptrolle. Diese zwei Wünsche hat Rocksteady erfüllt. Und das macht Arkham City zu einem genialen Spiel.

Gleichzeitig fragt man sich beim Spielen manchmal, ob das stromlinienförmige, reduzierte Spieledesign vom ersten Teil nicht doch auch ein paar Vorteile gehabt hat. Gerade zu Beginn von Arkham City rennt man mit Batman manchmal etwas ziellos durch die riesige Spiele-Welt, und wenn Two-Face, der Pinguin, und der Joker gleichzeitig in verschiedenen Stadtteilen für Unruhe sorgen stellt man sich die Frage, ob das alles das Spiel nicht eher verwässert, statt es besser zu machen.

Im ersten Teil gab es keine Pause, jede Sekunde des Spiels wurde ausgenutzt, jede Nische von Arkham Asylum verbarg ein Geheimnis. In Arkham City hingegen kommt es schon mal vor, dass man einfach ein paar Minuten durch die Stadt rennt, um zum nächsten Ziel zu gelangen.

Das alles ist nicht wirklich schlecht; Rocksteady hat das lineare Spielprinzip des ersten Teils durch eine offene Welt ersetzt, in der man die Story des Spiels selber voranbringen muss, und das bringt Vor- und Nachteile. Wer hier aber das selbe Gameplay wie im ersten Teil erwartet, der wird enttäuscht.

Klar ist aber: wer in einer offenen Welt die Rolle von Batman übernehmen möchte, der kommt hier voll auf seine Rechnung.

judgementbox
Batman: Arkham City
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Positiv

Fantastische Umsetzung der Comic-Vorlage, lebendige Figuren und Bösewichte, detailverliebte Spielwelt, brillante Präsentation in Grafik und Sound, Animationen vom Feinsten, kernige Kampfsequenzen, tolle Story

Negativ

Nur abgebrühte Batman-Hasser oder Mauerblümchen-Sammler können sich unter Umständen dem Sog dieses Spiels entziehen – vielleicht

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


# vor 4 Jahren
Mark Hamill ist in meinen Augen die beste Jokerbesetzung ever (auch wenn er ihn nur jeweils gesprochen hat). Schade hört er damit auf…
Muss LKM recht geben. AA war dichter, während AC offener ist. Mir gefiel die Dichte des ersten Teils, so wurde das Setting immer wieder verändert (passiert in AC kaum) und schuf neue Wege und Möglichkeiten und trieb dadurch die Story mit voran. Würde man beide Spiele in eines packen, wäre es perfekt. Zuerst die linearere Vorgehensweise im sich stetig verändernden Arkham Asylum, danach die Sandbox Arkham City. Von dem her hat Rocksteady alles richtig gemacht und bewiesen, dass ihr Gameplay derart solide ist, dass es sowohl in einer linearen, gescripteten Story, aber auch in einer offenen Sandbox funktioniert und Fans beider Genres beglückt.
ManmanManman
 
 


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Batman: Arkham City
Erhältlich für PlayStation 3, Windows PC, Xbox 360
Von rocksteady, Warner Bros.