FAR CRY 3
Testbericht | PS3 | PC | Xbox 360

Far Cry 3

vor 4 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 4 Jahren

Von den staubigen Steppen Afrikas in die tropische Welt des Südpazifiks: Das Team von Ubisoft Montreal wechselt von sandig rot zu blattgrün / azurblau. Der Tausch bekommt dem Spiel gut, das Openworld-Actiongame setzt zu neuen Höhenflügen an und vermag in der Form eines Dschungel-Spektakel durchaus zu gefallen. Ein bis in fast jedes Detail perfektes Spiel — wäre da nicht die generisch-dümmliche Rahmenhandlung. Wie schlägt sich das supergrüne Far Cry in spielerischer Hinsicht?


Bock auf die etwas andere Art von Ferien?

Damit hat das spektakelsüchtige Jungvolk rund um den Hauptdarsteller Jason nicht gerechnet. Die vermeintliche Tropenparadies in den Weiten des Pazifiks entpuppt sich als hart umkämpftes Eiland. Man könnte sagen: Ein Tropen-Punkradies. Auf der einen Seite kämpfen psychopathische Piraten um die Vorherrschaft auf der Insel (welche sie zu Beginn auch inne haben), auf der anderen Seite versucht der letzte Rest des kriegerischen Urvolkes sich die Plünderer vom Hals zu halten.

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Im Gegensatz zu Far Cry 2 dürfen wir die Seite diesmal nicht wechseln, sonderen kriegen mit einem ebenfalls «eingewanderten» Nigerianer einen Quasi-Coach zur Seite gestellt. Dieser stellt für Jason ein umfangreiches Abenteuer-Ferien-Programm zusammen, im Verlaufe dessen der in Piratengefangenschaft geratene Freundeskreis wieder vervollständigt werden soll. Und so ganz nebenbei erhält Jason — ohne gefragt zu werden — allerhand kriegerische Kriegertattoos auf den Arm geklöppelt. Was seiner Freundin, welche er später befreit, etwas befremdlich reinkommt, aber das ist eine andere Geschichte.

Die einzelnen Episoden machen über alle Massen Spass, die Missionen sind abwechslungsreich gemacht und die Spielwelt ist ein Hingucker schlechthin. Leider sind die Freunde Jasons, darunter sein Herzblatt, etwa so generisch wie die durchschnittliche amerikanische Teeny-Soap am TV. Zum Glück sind die Abschnitte, in denen die Rahmenhandlung nicht wegdenkbar ist, eher kurz gehalten. Schade eigentlich um die im Detail fantastisch umgesetzten Missionen. Ich für meinen Teil hätte mir die Rahmenhandlung eher in einer Form gewünscht, die etwas verbindlicher wäre. Oder erst gar keine Rolle spielt. Far Cry 3 wäre das bessere Spiel, wenn Jason die Aufgabe hätte, einfach selbst von der Insel wegzukommen, ohne das Aufspüren der generischen Freunde.

Alles halb so wild. Der Unterhaltungswert der Nebenmissionen und der einzelnen Kampagnen-Aufgaben ist dafür sehr hoch: Drogenplantagen in Brand setzen, Höhlensysteme erkunden, uralte asiatische Hochkultur-Stätten untersuchen, Tauchen, Schiffe entern, und so weiter und so fort. Alles was das Abenteurerherz begehrt.

Was kann man essen und was nicht?

Diese Frage stellt sich sehr früh im Spiel — genauso wie jene nach dem Fressen und Gefressenwerden. Viele Pflanzen darf man ernten und daraus kleine Ampullen-Tränke herstellen. Heilung, Schutz gegen Feuer, verbesserte Sicht, psychedelische Drogen — alles da.

Alle möglichen Tiere dürfen gejagt und erlegt werden, um anschliessend deren Leder für die Herstellung von Munitionstaschen und Rucksackerweiterungen zu missbrauchen. Es kommt öfters vor, dass die Tiere Jason finden, und nicht umgekehrt. Und man sollte für das Abwehren einer Tigerattacke oder eines wütenden Rinder-Bullen stets mindestens ein halbvolles Magazin im Sturmgewehr mit sich mitführen. Tigerfelle sind heutzutage schwer zu kriegen, und man will ja nicht als (schwer verdauliches) Tiger-Frühstück enden.

Das eigentliche Hauptverdienst des Teams von Ubisoft Montreal liegt aber nicht an diesem oder jenem Detail, sondern an der schieren Smoothness des ganzen Geschehens. Das Ernten, Jagen, Erkunden, Missionen erfüllen, Zeugs verkaufen, Schätze aufspüren etc. geht dermassen seidenfein ineinander über, dass man kaum jemals aus der Immersion getrommelt wird. Es gibt kaum Längen, kaum langweilige Landstriche. Stets lädt einen die Umgebung zu neuen Tötigkeiten — ähem... Tätigkeiten — ein.

Falls es wirklich einmal soweit kommen sollte, dass einem gerade nichts mehr in den Sinn kommt, ausser halsbrecherische Inselrennen zu gewinnen oder auch einfach mal mit dem Buggy über eine Klippe in das Hundert Meter darunter liegende Meer zu rasen, darf man auch einfach die Gegend anzünden. Ja, meine Freunde, das macht mächtig Spass. Nicht dass ich einen Hang zum Feuerteufel hätte, aber die Feuerengine in Far Cry 3 ist wirklich der Oberhammer. So kann Feuer auch als taktische Waffe eingesetzt werden, um ganze Horden von Gegnern zusammenzutreiben oder auszuräuchern. Far Cry 2 war diesbezüglich schon cool, aber der dritte Teil setzt gehörig einen obendrauf.

Ist die neue Engine wirklich so hübsch wie auf den Bildern?

Ja, das ist ohne Wenn und Aber tatsächlich so, sogar auf der PlayStation 3 kann sich die Pracht sehen lassen. Der fliessende Wechsel zwischen Innen- und Aussenwelten, Höhlen und Grotten, Tauchgängen und Fahrzeugbenutzung ist ein einziger Genuss. Insbesondere die Sequenzen unter der Wasseroberfläche haben was für sich. Sogar der Branchenprimus CRYSIS kann da nicht mehr. Lichteffekte und Tag-Nacht-Zyklus tun ihr übriges, neben verschiedenen Wetterlagen und exzellent umgesetzten Himmeln. Aber Bilder sagen ja bekanntlich mehr als Worte, und darum für einmal einfach schauen und geniessen:

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Fazit

Far Cry 3 ist gut. Sehr gut sogar. Das Sandbox-Game mit dem paradiesischen Setting ist vor allen Dingen sehr hübsch und darf mit gutem Gewissen als das schönste Openworld-Game auf Konsolen aller Zeiten bezeichnet werden.

Ein zwei Schwächen haben sich leider auch eingeschlichen, insbesondere die Teeny-Twenty-Something-Befreier-Story hat mich persönlich sehr gelangweilt. Die einzelnen Missionen sind fantastisch umgesetzt und spannend, die Episoden vermögen zu gefallen, die Spielwelt ist unglaublich toll gemacht — aber die Rahmenhandlung empfand ich als arg aufgesetzt.

Im Gegensatz zu den grossen Problemen von Assassin's Creed 3 hat das Team hinter Far Cry 3 alle Sandbox-Elemente genau richtig zusammengesetzt und das Gameplay flüssig gehalten. Wäre nicht der wirklich kaum erwähnenswerte Storybogen der Haupthandlung, hätte es auf jeden Fall für den Gold Award gereicht.

Lobenswert sind auch die vielfältigen Spielmodi, darunter Online- und Offline Kooperativspiel. Sehr cool!

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben die Ausgabe für PlayStation 3.


judgementbox
Far Cry 3
Positiv

Fantastische Spielwelt, satte Action, hervorragende Grafik, spannende Missionen (mal abgesehen vom Grund, warum man diese absolviert), coole Nebencharakteren und illustre Inselbewohner, flüssiges Shooter- und Sammler-Gameplay mit fliessenden Übergängen und interessanten Produktionsmöglichkeiten eigener Items

Negativ

Rahmenhandlung könnte kaum aufgesetzter und langweiliger sein, die zu befreienden Freunde von Jason könnten kaum künstlicher und generischer sein, Bösewicht etwas zu sehr überzeichnet, hie und da ärgerliche Tode, Fahrzeughandling nicht überall sattelfest

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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