DEAD SPACE 3
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Dead Space 3

vor 4 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 4 Jahren

Wer seit Anbeginn zu den Lesern von Wisegamers gehört, weiss wieviel ich von der Dead Space-Serie halte. Teil 1 gehört immernoch zum Besten, was man im Bereich 3rd Person und Sci Fi spielen kann, Teil 2 vermochte auf sinnvolle Weise an das Original anzuknüpfen, wenn auch mit einigen Zugeständnissen auf Kosten des Explorings und zugunsten von Shooter-Sequenzen. Von der Gamescom 12, wo ich Teil 3 zum ersten Mal angespielt habe brachte ich einen mehr oder weniger positiven Eindruck zurück. Wie schlägt sich nun das fertige Spiel im Vergleich zu seinen Vorgängern?


«Make Us Whole!»

Isaac Clarke ist nicht zu beneiden. Freundin weg, Wahnsinn im Kopf, quälende Bilder aus den beiden vergangenen Albträumen auf der USG Ishimura und später auf der Raumstation Titan Sprawl. Er steht am Fenster seiner heruntergekommenen Wohnung in einer namenlosen Stadt und weiss nicht mehr weiter. Er blickt hinunter auf die nicht enden wollenden Konvois von Schwebegleitern, die sich in mehreren Strängen übereinander kreuzen. Es ist still im Raum, aber die Stimmen in seinem Kopf schreien unaufhörlich. Die Nekromorphs und die geheimnisvolle Technologie der Marker scheinen wie durch Vorbestimmung mit seinem Leben verknüpft zu sein.

400 Jahre ist es her, seit der Marker auf der Erde entdeckt worden ist. Ein mächtiges Artefakt von der Grösse eines Einfamilienhauses, welches auf mysteriöse Art und Weise Energie zu konzentrieren vermag. Der Versuch der Menschheit, das Gerät zu duplizieren, endete in einem Blutbad. Die Kräfte des Markers führen zu einem religiös-fanatischen Desaster, die Unitology-Kirche bildete sich und macht Jagd auf alle Ungläubigen. Die Sekte versuchte zu verhindern, dass die Kopien des Markers im ganzen Universum verstreut wurden, was jedoch nicht gelang. Seither streckt die mächtige Organisation ständig ihre Finger nach den Markern aus.

Die Jahrhunderte verstrichen, Rohstoffe wurden rar, und die Menschheit durchforstete das Universum ohne Unterbruch nach neuen Bodenschätzen. Und so kam es wie es kommen musste — bei einer dieser gigantischen Abbau-Vorhaben geriet die USG Ishimura in höchste Not. Der Planetenknacker aka. Bergbau-Kreuzer war offenbahr in einem entlegenen Winkel der Galaxie auf etwas gestossen, was der Crew nicht besonders behagt hat in der Folge. Den Rest der Geschichte kennen wir. Isaac Clarke wird als Techniker mit einem Team zur Ishimura gerufen, um zu helfen. Eine der Kopien des Markers war entdeckt worden. Das war Dead Space 1.

Die spätere Gefangenschaft Isaacs auf der Raumstation Titan Sprawl, wo EarthGov das Wissen um die Konstruktion des Markers aus Isaacs Kopf extegrieren wollte, um weitere Marker zu bauen, war Dead Space 2. Die Flucht gelang. Physisch zwar, aber nicht seelisch. Seit diesen Ereignissen wird Isaac geplagt von Horrorvisionen und Albträumen, verflucht durch das Wissen um die Technologie und die schrecklichen Vorkommnisse im Zusammenhang mit der Marker-Krise.

Nach einem eher überflüssigen kurzen Abschnitt, der auf Tau Volantis spielt, geht Isaac's Abenteuer weiter. Ein ungewöhnlicher Einstieg für die Serie, eine Art ethnische Säuberung ist im Gange, die Stadt brennt. EarthGov wurde offenbahr von den Unitology-Leuten gestürzt, Isaac wird gejagt. Der Oberhetzer der Sekte verlangt Isaac's Tod. Isaac wird von ein paar wenigen verbleibenden EarthGov-Männern «freundlich» hinausbegleitet, es gilt dem Ursprung der Marker auf den Grund zu gehen. Damit nicht genug: Isaac's Ex ist verschollen, ihr letzte Lebenszeichen kam aus der Nähe des Eisplaneten Tau Volantis. In der Folge entwickelt sich eine schlüssige und überraschende Story, welche zu fesseln vermag.

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Etwas quer in der Landschaft stand meines Erachtens die unnötige Actionsequenz ganz zu Beginn des Spiels, wo man bereits die Oberfläche des mysteriösen Eisplaneten sieht. Das fand ich extrem schade, da ein Stück Spannung dadurch verloren geht. Als Isaac im Orbit von Tau Volantis ankommt, und sich durch das wunderschön gestaltete und animierte Trümmerfeld von Wrack zu Wrack vorarbeitet, schaut man ihm mit Freuden über die Schulter. Die Umgebungen und Szenerien von Tau Volantis gehören zum visuell Prachtvollsten, was man auf dieser Generation von Konsolen zocken kann. Es wäre wesentlich effektvoller gewesen, den Planeten und sein rauhes Klima nicht gleich zu Beginn in einer nichtssagenden und lauen Sequenz vorwegzunehmen. Das ist ein grober Design-Schnitzer in einem über weite Strecken hervorragenden Sci-Fi-Videogame.

Eiszapfen und Frostbeulen in voller Pracht

Sobald Isaac im Orbit und später auf der Oberfläche des Planeten Tau Volantis ankommt, spürt man quasi mit jedem Finger am Controller die eisige Kälte der einsamen Welt. Das Trümmerfeld im Orbit des Planeten mit dem Lichteinfall aus den Weiten des Alls vermitteln eine fast magisch kalte Atmosphäre.

Zwar explodiert und knallt es für meinen Geschmack zu Beginn ein bisschen zuviel, aber die Dramatik von Isaac's Lage kommt natürlich voll zur Geltung auf diese Weise. Kaum im Orbit angekommen, muss er sich mit einem beherzten Sprung das Leben retten, indem er dem davonschwebenden Helm seines Panzeranzuges in's All hinaus hinterherhechtet. Dies wäre theoretisch eher unklug, im echten Weltall herrscht eine Temperatur von -270 Grad Celsius, was zu einer blitzschnellen Erblindung und akutem Kopffrost führen würde. Aber wir wollen mal nicht so sein.

Die gesamte Szenerie des Spiels ist äusserst reizvoll, da es sich um eine Art Vintage Sci-Fi handelt. Tau Volantis und der Weltraum rundherum wurden vor einigen Jahrhunderten (vor Zeitpunkt der Handlung von Dead Space 3) besiedelt, und so kommt die ganze Technologie und das Design der Spielwelt ein bisschen antiquiert daher. Da kleppert, dampft, rumpelt und staubt es mehr als in Teil 1 und 2. Das ist durchaus reizvoll. Man riecht fast den Moder und den Rost, man spürt die klobige Schwere des alten Metalls und der knarrenden Tore.

Nettes Grafik-Detail: Wo früher einzig das Zielen mit der Waffe zu einem minimalen Lichtschein führte, hat Isaacs Helm neu eine Art Standard-Licht mit dabei. Die Schlitze in seinem Visier, wo das Licht hindurchdringt und auf die Umgebung fällt, ermöglichen ein rudimentäres Erkennen der Spielwelt auch in komplett dunklen Räumen, ohne dass man ständig mit erhobener Waffe durch die Gegen latschen muss. Die organischen Formen des Helm-Lichtes sind ganz abgesehen davon auch nett anzuschauen.

Nekromorphs auf Eis — geschüttelt, nicht gerührt

So tot wie es der Name des Spiels vermuten lassen könnte, ist der (Welt-)Raum um Tau Volantis nicht. Es hätte dem Spiel gut getan, die eine oder andere ruhige Sequenz mehr zu beinhalten. Manchenorts macht die Flut an Gegnern durchaus Sinn, auch hinsichtlich der Story, aber wenn ich an die vergangene Teile der Serie denke, so hat hier Visceral Games ein bisschen geschlampt. Die Spielwelten sind fantastisch umgesetzt und weisen eine Detailverliebtheit auf, welche kaum zu übertreffen ist bis zur nächsten Konsolengeneration. Aber: Es kommt für meinen Geschmack zu oft vor, dass einem willkürlich Gegnerscharen vor die Flinte geworfen werden, wo ein bisschen bedrohliche Ruhe mehr für die Atmosphäre getan hätte.

Was das Gameplay angeht, so haben sich ein paar grundlegende Dinge geändert:

  • Neu gibt nur noch eine Sorte Munition, was durchaus Sinn macht. Früher musste man ständig das Inventar säubern, wenn eine neue Waffe erhältlich war. Andererseits ist dies ein klares Zugeständnis an die Shooter-Freunde und Balleristos.

  • Es gibt kein Geld in Form von Credits mehr, sondern Rohstoffe für Waffenbau, Itembau und das Aufpimpen des RIGs.

  • Eine tolle Neuheit: Es gibt fakultative Nebenmissionen, welche man idealerweise spielen sollte. Man wird dabei nicht nur mit Items belohnt, sondern erhält auch eine reichere Story mit mehr Tiefe und Hintergrundwissen zu den Geschehnissen auf und um Tau Volantis. Meist handelt es sich bei den Schauplätzen aber mehr oder weniger um grössere Depots von Items und Rohstoffen.

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  • Grösste Neuerung: Man kann in Dead Space 3 keine Waffen mehr mit Powernods verbessern, sondern muss einzelne Module anbauen oder erweitern mit Hilfe von gesammelten «Zutaten», und einer währschaften Werkbank. Auch komplette Eigenbauten sind möglich und erwünscht. So gilt es Materialien einzusammeln, sowie Baupläne für die Konstruktion von abgefahrenen Megaknarren. Spannend dabei ist insbesondere, dass man an dieselbe Waffe zwei Schuss-Module anbauen darf. So ergibt sich beispielsweise ein Sturmgewehr mit unterbautem Granatwerfer, beide haben eine eigene Munitionsanzeige und lassen sich mit Standard-Muntions-Energie füttern.

  • Die augenfälligste Neuerung: Online-Kooperativ Multiplayer. Leider — das muss so gesagt werden — konnten die Entwickler nicht überall kaschieren, dass das Spiel einige Kompromisse zugunsten des Freundschafts-Geballers eingegangen ist. Wenn man das Spiel alleine spielt, spürt man über grosse Strecken nichts davon, aber es gibt die eine oder andere Sequenz, welche schwer nach Kooperativlevel riecht. Dead Space 3 leiht sich so manche Eigenart insbesondere hinsichtlich des Online-Coop bei Spielen wie Gears Of War, Uncharted oder lustigerweise auch Lost Planet 1 aus. Die eigenen Wurzeln werden dabei zwar nicht komplett ignoriert, aber halt auch nicht wirklich gepflegt. Tja. Wem's gefällt.

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Zu den absoluten Highlights gehört sicherlich die Thriller-Szenen wie z.B. da, wo Isaac gejagt wird vom unsterblichen Nekromorph, dessen Glieder immer wieder nachwachsen. Von Raum zu Raum rennen, immer wieder Stasis einsetzen, ja nicht zuviel Munition verschwenden, um am Ende sehnlichst auf die öffnende Tür hoffen, die einem aus dem Schlamassel entkommen lässt. Das treibt einem so richtig schön das Adrenalin in die Gefässe. Oder cool auch jene «echten» Dead Space-Momente, wie die Erkundung der Gewölbe einer alten Pumpstation auf Tau Volantis, mit vorangehenden unheilverkündenden Botschaften über die Leichen im Keller, im wahrsten Sinn des Wortes. Bei solchen Gelegeneheiten kommen Fans der Serie voll auf ihre Kosten, ich persönlich hätte noch ein zwei mehr davon gerne gesehen.

Fazit

Die abschliessende Beurteilung des dritten Teils fällt mir nicht ganz leicht. Ein lachendes und ein weinendes Auge: Wenn Dead Space 3 seine besten Momente hervorzaubert, fühlt man sich im siebten Gamer-Himmel. Andererseits hat das Team von Visceral leider die Survival Horror-Elemente weiter zurückgestutzt zugunsten der Action, und nicht alle Abschnitte vermögen restlos zu überzeugen.

Fest steht: Dead Space 3 ist eines der visuell und audiomässig hochpoliertesten Spiele auf der gegenwärtigen Konsolen-Generation. Selten hat ein Sci-Fi-Game dermassen gut ausgesehen und geklungen.

Wäre es nach mir gegangen, hätte die Entwicklung der Serie eine andere Richtung erhalten als die Anbandelung mit dem Shooter-Genre. Andererseits wäre es unfair, dem Spiel deswegen schlechte Noten zu erteilen. Dead Space 1 gehört nach wie vor zu meinen absoluten Favourites aller Zeiten, Dead Space 3 hingegen wird auf dieser Liste keinen Platz erhalten. Spass macht's trotzdem.

Kleine Notiz zum Schluss: EA's neuster Einfall, manche Gameinhalte einzig über zahlbare Zusatzinhalte zur Verfügung zu stellen, ist das Allerletzte. Die im Spiel einsetzbaren Rohstoff-Sammel-Bots können einzig mit kostenpflichtigen DLC-Add Ons aufgepimpt werden, damit sie schneller sammeln oder mehr Rohstoffe finden. Dazu gibt's nur einen Kommentar: Pfui!


judgementbox
Dead Space 3
Positiv

Gratis Bonus-Items für Spieler von Dead Space 2 und Mass Effect 3, einer der besten Game-Soundtracks aller Zeiten, gelungene Präsentation mit stimmiger Szenerie und prächtiger Grafik, spannendes Setting, sinnvolle Weiterentwicklung der Waffen-Upgrades

Negativ

Seltene Bugs wie Türen die sich nicht öffnen, Isaac redet ein bisschen zuviel im Vergleich zu früher, Speicherpunkte nicht immer ganz ideal gesetzt, Bug mit Savegames kann zu Verlusten von Spielabschnitten führen (in meinem Fall etwa vier Checkpoints zurückgefallen), zuviel Actionanteile was leider zu erwarten war, kostenpflichtige exklusive Game-Features ohne Möglichkeit zum Freispielen, Finale etwas langfädig

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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