GEARS OF WAR 3
Testbericht | Xbox 360

Gears Of War 3

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Epic Games und Microsoft erfreuen die 360-Actionfans — zwar mit fünfmonatiger Verspätung, aber dafür umso überzeugender. Unser Testbericht kommt leider ebenfalls mit ein bisschen Verspätung, aber dafür mit umso kernigerer Wortmunition. Was erwartet ihr von Gears 3? Denkt ihr, das Spiel kann endlich die Versprechen einlösen, welche bereits beim ersten Teil gemacht wurden? Wir haben uns ausgiebig durch die Levels und Maps gesägt.


Marcus Fenix aus der Asche

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Ein absolutes Highlight der Kampagne: Der Besuch in der von Hammerschlägen zerstörten Stadt Char.

18 Monate ist es her, seit die letzte Stadt der Menschen im Kampf gegen die Locust gefallen ist. Viele Metropolen vor ihr mussten ebenfalls dran glauben, als sie durch die Hammerschläge zu Staub und Asche verarbeitet wurden. Dies geschah in der Hoffnung, so die Bedrohung durch die Locust aufhalten zu können.

Wie ihr leichterhand erahnen könnt, war dem nicht so. Eine neue Gefahr erhebt sich gegen die letzten Überlebenden der Menschheit und gegen die Delta Squad, und zwar die «Leuchtenden». Dabei handelt es sich um mutierte Locust und andere Lebewesen (Surprise, Surprise!), die aufgrund intensivem Kontakt mit Imulsion-Flüssigkeit zu abartigen Gebilden voller explosiver Eigenschaften geworden sind.

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Hier seht ihr ColeTrains ehemalige Spielwiese, als er noch ein berühmter Spitzensportler war.

Marcus Fenix und die Überreste der Delta Squad befinden sich zu Beginn des Spiels auf einem Schiff vor Hanover, während Cole sich in die Stadt begibt, um nach Vorräten zu suchen. Bald trifft ein unerwarteter Gast auf dem Flugdeck des Kreuzers ein, die Ereignisse überschlagen sich. Alles bricht zusammen, und die Delta Squad muss zu einer weiteren gefährlichen Reise aufbrechen. Aber lasst uns für die Rookies unter euch erst einen Blick auf die Begebenheiten vergangener Zeiten werfen:

Wie gesagt, bald heisst es «Adieu Hanover». Die dritte Reise führt Marcus und seine Gears an unterschiedliche und überraschende Orte. Über die Hintergründe und den Verlauf des Höllenrittes werden wir an dieser Stelle natürlich nichts verraten, aber man kann getrost sagen dass die Trilogie einen dramatischen und würdigen Abschluss erhält.

Die Dialoge zwischen den Teammitgliedern wie Anya, Cole und Marcus bewegen sich in gewohnter Schwarzenegger-Popcorn-Qualität, grosse Rhetorik oder allzuviel Sprachwitz ist also nicht zu erwarten. Manche Szene sorgt aber durchaus für den einen oder anderen Schmunzler, wie diese Aussage von Marcus Fenix: «Ich bin zwar nicht besonders gesprächig, aber wenn ich zurück bin, müssen wir uns unterhalten.» Zweckmässig halt. Ich persönlich hätte mich über etwas mehr Selbstironie durchaus gefreut.

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Eine der Premieren: Weibliche Gears im Team von Marcus, und keineswegs zweitklassig.

Epic nimmt sich und das Spiel jedoch nicht non stop bierernst. So darf man in Coles Gestalt auch mal eine Rutsche auf einem verlassenen Spielplatz runterrutschen oder kassiert ein «Hey, ich werd dich gern anschupsen» von einem der Teammitglieder beim Passieren der nahegelegenen Seilschaukeln. Solche Szenen helfen dabei, Gears 3 über die vergangenen Teile hinauszuschiessen, denn in den Details liegt die Kunst. Dass der Gesamtreigen funktioniert, wissen wir bereits aus Teil 1 und 2.

Noch wichtiger als die angesprochene Prise Humor für die Qualität des neusten Gears-Games ist die sehr gute Inszenierung der Kampagne mit stetig ansteigender Attraktivität bis zum Schluss. Stille, spannungsgeladene Passagen und intensive Gefechte wechseln sich in stimmiger Weise ab, das Pacing kann sich sehen lassen. Bewegt sich die erste Hälfte der fünf Kapitel umfassenden Actionorgie noch eher in gewohnten Gefilden, setzt das Abenteuer spätestens ab Kapitel 3 zum grossen Sprung an. Dabei werden zwei Dinge offensichtlich:

  • Epic Games musste hier nichts mehr beweisen. Der Spass an der Arbeit und die Leidenschaft für ihr Produkt ist durchgehend spürbar.

  • Epic Games hat einige Erfahrungen, Erkenntnisse und Experimente aus der Zusammenarbeit mit People Can Fly am überaus gelungenen Shooter «Bulletstorm» mit in die Arbeit an Gears 3 einfliessen lassen.

Hüte dich vor den Glühwurm-Bestien

Die Controls und die Mechanismen im Spiel sitzen wie die eng geschnallten Munitionsgürtel um die breiten Nacken der Gears-Kämpfer. Hier stimmt gemessen am typischen schweren Feel der Serie wirklich jedes Detail. Die Frage ist nur, ob die klobige und gewichtige Eigenart der Bewegungen und Animationen dem eigenen Geschmack entspricht. Objektiv gesehen macht Gears Of War 3 hier alles richtig.

Sehr gut gefallen hat mir die eine oder andere Wahl im Spiel, wo es zwei verschiedene Pfade zur Bewältigung der weiteren Kampagne gibt. Diese Abschnitte sind meist eher kurz, aber sie verleihen dem Ganzen eine interessante Würze und zusätzliche Spannung.

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Piff, Paff, Puff - Gears mögen keine Glühwürmchen.

Das Handling der Waffen und die Wummen selbst haben sich nicht gross verändert. Nach wie vor gibt es zwei Waffen zur Auswahl, die ihr permanent mitschleppen dürft, dazu eine Sorte Granaten (I love fire beans) und eine kleinere Handwaffe. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, eine schwere Turmwaffe abschnittweise einzusetzen, und die regulären Waffen währenddessen auf den Rücken zu schnallen. Cool fand ich, besonders für das gemeinsame Ballern, die schwere Minigun mit dem angehängten Munitionsbehälter. Sowas ist für Kooperativ-Geballer einfach der Hammer, weil irgendwie originell.

Der Schwierigkeitsgrad bewegt sich auf normaler Einstellung im eher einfachen Bereich. Geübte Schützen sollten hier unbedingt die schwerste Einstellung wählen, was bei manchen anderen Games in schieren Wahnsinn ausarten kann. Ich habe zwar die beiden Gears 1 und 2 auch durchgespielt, würde mich jetzt aber nicht als absoluten Crack bezeichnen. Trotzdem war Normal für mich ein bisschen an der Grenze zu «Spaziergang», mehr als zehn Mal bin ich nicht komplett abgetreten. Vielleicht hat hier Epic für das Massenpublikum noch ein bisschen an der Zugänglichkeit geschraubt? Wer weiss.

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Phew, ein hässlicher Geselle. Aber hey, zumindest leuchtet er im Dunkeln.

Die Gegner sind ordentlich zahlreich, vielfältig und sehr schön designed. Für meinen Gusto hätte es noch die eine oder andere Überraschung mehr vertragen, grosse Versprechungen erzeugen eben auch höchste Erwartungen. Neben den herkömmlichen Locust gibt es ein paar sehr ungewöhnliche Widersacher, welche wir hier nicht verraten möchten. Auf jeden Fall sind darunter einige neue berittene Einheiten, welche ganz schönen Aufruhr verursachen können. Besondere Vorsicht gilt es im Umgang mit den «Lambent», also den «Leuchtenden» walten zu lassen, pflegen diese nämlich bei Eintreten des Todes in aller Form und Kunstfertigkeit zu zerplatzen. Also schnell weg wenn insbesondere die grösseren Exemplare anfangen sich zu winden.

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Was die KI angeht, so gehört Gears Of War 3 leider nicht zur Spitzenklasse. Meist sind die Kampfbereiche eher schmal oder die Gegner rennen gegen eine Art Palisade an, was ihnen kaum Möglichkeiten für Flankieren oder Einkreisen lässt. Die meisten Gegner in Gears 3 beschränken sich darauf, euch überrennen zu wollen.

Schöne Aussichten mit leichter Bewölkung

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Die Grafik von Gears 3 ist so ein bisschen ein zweischneidiges Schwert. Weite Abschnitte des Spiels kommen schön designed und stimmig daher, manche gehören zum Besten, was es in einem Actiongame je zu sehen gab.

Leider gibt es auch Abschnitte, wo die Framerate ordentlich einbricht (selten, aber leider nicht ausgeschlossen), und an manchen Stellen zeigte sich auch, dass die Unreal-Engine 3 langsam aber sicher ihren Zenit überschritten hat. Der eine oder andere Hintergrund sollte lieber nicht durch die Visier-Funktion angeschaut werden, denn weit hinten ist nicht alles Gold was glänzt.

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Auf der positiven Seite hingegen, was die Glanzpunkte des Spiels angeht, müssen sich Szenerien wie das zerstörte Char oder die Piep — Sorry, wir wollen nicht spoilern — letzten Abschnitte vor dem Finale vor gar nichts verstecken. Einfach gesagt: Es gibt überaus geniale und eher durchschnittliche Passagen, was die Präsentation angeht. Sehr gut gefallen haben mir durchwegs die Lichtführung, sowie die Himmel und die ganzen Dunsteffekte. Auch der Rauch und die Staubwolken in bestimmten Situationen haben es in sich. Gears 3 ist ein hübsches Spiel, mit einigen wenigen Schattenseiten.

Schön gewesen wäre etwas mehr Zerstörbarkeit, und vielleicht die eine oder andere Innovation beim Soundtrack, der mit seinem orchestralen Klang nicht auf- und auch nicht abfällt.

Alle für einen, einer für alle

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«Gemeinsam sind wir stark, und besonders stark sind wir zu viert in der Kampagne von Gears 3.» So oder ähnlich wäre wohl das Verdikt von D'Artagnan und den drei Musketieren ausgefallen, wenn das Spiel vor dreihundert Jahren erschienen wäre. Die Möglichkeit zum einfachen Drop-In-Drop-Out und das Spiel mit drei Kumpels machen dieses Feature von Gears 3 zum absoluten Hit.

Aber nicht nur die Kampagne lässt sich gemeinsam durchsägen, auch die bekannten Modi wie «Horde» mit den Angriffswellen von Locust und anderen Unholden, sowie die bewährten Versus-Multiplayer-Maps sind selbstredend wieder mit dabei.

Kommen wir zum neuen Futter: Der wohl interessanteste Neuzugang unter den Modi nennt sich «Beast», und ist quasi die umgekehrte Form von «Horde». Ihr schlüpft nämlich in alle möglichen Monster-Gestalten und versucht so eine Gruppe von Gears abzuschlachten. Hierzu ein kleines Videofeature:

Fazit

Gears Of War ist was es ist — ein angenehm schwerfälliger 3rd-Person Deckungs-Shooter mit tollen Gefechten, gewichtigem Spiel-Feeling, genialen Multiplayer-Optionen und vernachlässigbarer Story. Der dritte Teil ist die finale Steigerung der Trilogie, und in jeder Hinsicht der beste und umfangreichste Teil. Das gilt auch ein klein wenig für die Story, was mich persönlich positiv überrascht hat.

Wieso kein Gold-Award? Gears 3 hätte ihn in vielerlei Hinsicht verdient, leider aber nicht ganz in jeder. Ein paar Clichés weniger, dafür ein zwei neue Ideen im Gameplay mehr hätten da schon sein müssen. Wie wär's z.B. mit einem Erfahrungspunkte-basierten Waffenpimpen im Single-Player-Mode gewesen? Oder mit auffindbaren Knarren-Add-Ons? Ein paar zusätzlichen Intelligenzpunkten bei den Gegnerhorden? Etwas offneren Kampfplätzen an manchen Stellen, die auch etwas mehr taktische Raffinessen zulassen?

Natürlich — Gears Of War 3 ist bestes Action-Popcorn-Gaming, ohne jeglichen Anspruch an Script oder tiefe Charakterzeichnung. Der Humor muss einem liegen, orientiert sich doch ganz eindeutig am bleihaltigen Gameplay. Trotzdem hätten die Figuren seit je her etwas mehr Tiefe verdient gehabt.

Wer Shooter und Actiongames mag, und eine Xbox 360 zuhause stehen hat, kommt um Gears 3 nicht herum. Wer noch keine 360 hat, und sich für diese Art Games begeistern kann, darf sich für Gears 3 durchaus eine Xbox kaufen.

Wir bedanken uns bei Microsoft für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.


judgementbox
Gears Of War 3
Positiv

Fantastischer Multiplayeroptionen mit 4-Spieler-Kampagnenmodus gepaart mit Kooperativspielen wie Horde und Beast und diversen nahezu perfekten Online-Gefechts-Möglichkeiten, lange Kampagne mit grossen Highlights in der zweiten Hälfte, Controls mit sehr gutem Feedback und knackig-schwerem Feeling

Negativ

Streckenweise repetitives Gameplay, Einstieg etwas unter den Erwartungen, erste Hälfte in Sachen Design und Levels nicht sehr abwechslungsreich, teilweise etwas zu sehr in Traditionen verhaftet

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Gears Of War 3
Erhältlich für Xbox 360
Von Epic Games (Developer), Microsoft (Publisher)