INFINITY BLADE – UND EWIG SIRRT DIE KLINGE
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Infinity Blade – und ewig sirrt die Klinge

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Nomen est omen – der böse Gottkönig besitzt das Infinity Sword, und unter dessen Klinge musst du geschickt durchtauchen und vorher mächtig an deinen Skills schrauben, wenn du ihn und seine Schergen besiegen willst. Bis da hin wirst du ein paar Mal in's Gras beissen, und in der Haut deines Nachkommens 22 Jahre später die Herausforderung erneut annehmen. Das Prinzip hinter Infinity Sword ist bestechend einfach, das Resultat etwas Geschmackssache.

Es war einmal...

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Eine gewaltige Feste erhebt sich an der steilen Felsküste eines unbekannten Landes. Sie birgt die Gemächer eines schrecklichen und mächtigen Wesen, das über die Lande gebietet. Der Kauderwelsch-König, wie der gottähnliche Herrscher auch heissen könnte, metzelt im Intro ohne grosses Federlesen euren ehrenwerten Vater dahin, der sich aufgemacht hatte, den Übelmann zu beseitigen. In der Rolle seines Sohnes findet ihr euch augenblicklich in der Nähe der Festung wieder, und macht euch auf euren Ahnen zu rächen. Die 22 Jahre Zwischenzeit wurden elegant ausgeblendet. Der Kampf durch die Festung ist in der Folge weniger anspruchsvoll, als den Oberbösen mit dem merkwürdigen Sprachgebrauch um die Ecke zu bringen.

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Für dieses Unterfangen benötigt ihr auf jeden Fall mehr als einen Versuch, und so geht's wieder 22 Jahre vorwärts, als der Enkel wieder zur Burg zurückkehrt mit allen Fertigkeiten und der kompletten Ausrüstung, die der Vorgänger bereits sein eigen nannte.

Bis ihr in der Lage seid, den Level 50-Big-Boss erfolgreich niederzusäbeln, dürften vier bis fünf Durchgänge nötig sein. Der Ur-Ur-Ur-Enkel des ursprünglichen Recken ist demnach der Erste, der einigermassen den Rank findet im Endkampf. Der Hauptfokus liegt ganz klar auf dem Schwerktkampf, welcher sich ganz genial ausgeköchelt spielt. Das Prinzip ist bestechend einfach: Parieren geht mit gegengesetzter Bewegung zu der eures Gegners, welche es zu antizipieren gilt. Blocken geht mit Schild, jedoch nur eine begrenzte Anzahl steht zur Verfügung, bis die Blockerei aufgrund schmerzender Arme nicht mehr drinliegt. Je besser der Schild, desto häufiger darf man trotzen. Ist der Gegner aus dem Rythmus geworfen via erfolgreiches Ausweichen, Block oder Parade, gilt es kreuz und quer über den Screen zu zischen um möglichst viele Attacken in kurzer Zeit anzubringen. Wer geschickt angreift und die Attacken klug aneinanderhängt, z.b. von links nach rechts und zurück, wird mit Schadensboni belohnt.

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Ein einfaches Leveling-System erlaubt das Meistern bestimmter Rüstungsgegenstände und Waffen. Man darf sich auch magisch aufpimpen, was in durchschlagskräftigeren Feuer-, Eis- oder anderen Magieattacken restultiert. Solche Spezialmoves werden Okami-mässig auf den Screen gezeichnet. Diese Zauberkracher stammen aus magischen Ringen, die ihr nach der Wahl eures Gustos tragen dürft.

Technische Perfektion

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Die Macher von Shadow Complex auf Xbox Live Arcade sind technische Meisterschmiede. Bereits das Metroidvania-mässige Action Adventure bot geniale Grafik und viel Spannung. Umso mehr war ich gespannt auf die Kooperations-Premiere von Epic Games und Chair auf den portablen Äpfeln mit Streicheldisplay hinsichtlich der Spieltiefe. Wer Epic Citadel, die Gratis-Unreal-3-Demo im App-Store, schonmal ausprobiert hat, dürfte eh schon mehr als gespannt gewesen sein auf den Release des Schwerterschwingers.

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Die freie Begehbarkeit der Spielwelt ist zwar nicht Teil von Infinity Blade, aber die Kämpfe und auch sonst sämtliche Controls gestalten sich absolut präzise und die Umgebungen samt Gegnern kommen optisch brillant daher. Ihr bewegt euch an fixe Punkte der Festung des Oberbösen, sammelt unterwegs per antippen Items, Gold und Tränke ein, und hämmert dem einen oder anderen Gegner in der weiter oben beschriebenen Manier eure Klinge um die Ohren. Die Kämpfe sind in dem Sinn statisch, abgesehen von euren Armen und einer Ausweichfunktion bewegt ihr euch nicht. Angesichts der geschickten Paraden, Blocks und Konterangriffe, welche die Kämpfe euch besonders auf höheren Gegnerstufen abverlangen, ist dies aber wenig bedauerlich. Man hat mehr als genug zu tun mit der Fechterei.

Fazit

Infinity Blade ist eher ein Snack-Game als ein typisches RPG oder Action-RPG, in welche man locker fünf oder sechs Stunden am Stück investieren kann, ohne mit der Wimper zu zucken.

In seiner Reduziertheit könnte man den Touch-Säbler ansatzweise auch mit Demon's Souls vergleichen. Ein Fehltritt und ab zurück an den Start. Bloss waren die Welten von D'sS um ein vielfaches grösser.

Infinity Blade ist in mancherlei Hinsicht ohne Zweifel ein Meisterstück, ich persönlich habe jedoch etwas mehr erwartet. Die Tech-Demo liess auf einen Titel mit etwas mehr Beinfreiheit schliessen, was mir sehr getaugt hätte. Auch mit dem vorliegenden Kampfsystem wäre eine grössere Welt für Entdeckungen durchaus denkbar gewesen.

Unser Kaufempfehlung zum günstigen Preis von CHF 6.60 ist mit einer Prise Vorsicht zu geniessen. Wer nichts mit Spielen mit wenig gewichteter Story und ziemlich reduziertem Gameplay anfangen kann, dem sei hier zur Vorsicht geraten. Die Präsentation, welche PSP, DS und 3DS locker in den Schatten stellt, macht andererseits wieder einiges wett. Der eigene Charme und die Stimmigkeit des neusten Chair-Kindes macht den Titel trotz einiger Abstriche zu einem spannenden Release.

Fechten mit Freunden? Not yet. Ein Online-Multiplayer-Modus wird laut Chair später nachgeliefert.

judgementbox
Infinity Blade
Positiv

Geniale Präsentation, stimmiges Design, unglaublich präzise und reaktionsfreudige Controls, einfach gehaltenes und verständliches Leveling-System

Negativ

Eher kleine Spielwelt zur Erkundung, reinrassiges Schwertkämpfen mit ein wenig sammeln und leveln dürfte nicht jedermann restlos zufriedenstellen

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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