CRYSIS 2
Testbericht | PS3 | Xbox 360

Crysis 2

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Cryteks Software-Produkte bedeuten für die Rechner dieser Welt aus Tradition Schwerstarbeit. Mit Crysis 2 versuchen sich die Edelshooter-Spezialisten zum ersten Mal mit mehreren Plattformen und Wohnzimmerkonsolen. Leider gelingt der Einstand nur bedingt, zumindest was die Technik angeht. Spielerisch hingegen macht den Gebrüdern Yerli so schnell keiner was vor.


Welcome to New York Contamin-City

Der Big Apple muss wieder einmal dran glauben. Eine mysteriöse Seuche hat die Bevölkerung zu willenlosen Zombies gemacht, viele Tausend Menschen sind geflohen, die Stadt ist ein Niemandsland. Zu allem übel wird die Metropole auch noch von Aliens heimgesucht, und das urbane Gebiet gleicht je länger je mehr einem gigantischen System von Schützengräben und Kratern, denn einem Wohngebiet.

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Du bist ein ahnungsloser Marine, der auf dem Weg zum Überwachungseinsatz im kontaminierten Gebiet Opfer eines Angriffs und zum einzigen Überlebenden seines Trupps wird. Ein Agent namens Prophet rettet dich, und übergibt dir eine Aufgabe, von der das Schicksal der Menschheit abhängt. Und zusammen mit der Aufgabe hast du auch die Last der Nanosuit zu tragen, die nicht nur Gimmicks und mächtige Fähigkeitsverstärker bereithält, sondern auch ein merkwürdiges Eigenleben zu entwickeln scheint.

Der Einstieg ist spielerisch wie von der Präsentation her überaus gelungen. Endlich wieder einmal ein origineller Anfang, wenn auch leicht an den Beginn von Call Of Duty: Modern Warfare 1 angelehnt. Allerdings nur ansatzweise, von «abgeschaut» kann nicht die Rede sein.

Die Story verläuft mehr oder weniger in gewohnten Bahnen. Die Suche nach einem Wissenschaftler mit Nerd-Attitüden führt euch kreuz und quer durch die Stadt, und kaum hat man ihn gefunden, geht schon wieder alles drunter und drüber. Unterwegs leisten dem aufgepimpten Nano-Marine diverse Söldnertruppen, Aliens und Soldaten in unterschiedlicher Manier massiven Widerstand. Auch der eine oder andere Mini-Boss-Fight ist dabei.

Der Nanosuit reine Seele

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Die actiongeladene Entdeckungsreise durch Lower Manhattan in der High-Tech-Suit macht mächtig Spass. Die Spezialfertikeiten wie das Sliden (à la Vanquish, aber etwas weniger rasant und andauernd), die taktische Sicht mit allerhand Infos zu Vorgehensweise, Munitionsdepots, Gegnern und Spezialitems- und Orten ist supernützlich. Man kann Gegner und Items auch tagen, wonach sie auf der Karte im «normalen» Gefechts-Ansicht-Modus speziell verzeichnet sind.

Die Controls sind flüssig implementiert, an manchen Stellen scheint ein wenig Cryteks PC-Entwickler-Mentalität durch, was dazu führt, das Schalter oder Items, die mit der Maus einfach zu fokussieren sind, mit den Thumbsticks in einer unnötig nervigen Sucherei ausarten. Dies kommt zum Glück selten vor, aber es kommt vor.

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Das Gameplay an sich hat einen hübschen Flow, viele Objekte können umhergeworfen, rumgekickt oder hochgejagt werden. Hie und da finden sich witzige Spezialobjekte, wie z.b. alte Kanonen in einer Festung, die man abfeuern darf. Cooler Gag.

Zur Flüssigkeit des Spielgeschehens trägt auch die einfache Einsetzbarkeit der Tarnung und Panzerung bei, die ohne grosse Übungen und Verrenkungen von jedem Spieler leichterhand verwendet werden dürften. Natürlich je nach Gusto mit unterschiedlicher Häufigkeit, Kopf-durch-die-Wand-Helden werden die Panzerung häufiger einschalten als Stealth-Kill-Fans.

Viel zum Spassfaktor tragen auch die Waffenoptionen bei, die mitten im Gefecht umgeschaltet werden dürfen, sobald man sie entdeckt hat. Schalldämpfer und grössere Magazine sind Beispiele für dieses pragmatische und entsprechend coole Feature.

Ausbauen und Erweitern lassen sich auch Spezialfunktionen der Nanosuit, die man mit Hilfe von Alien-DNA-Punkten von erledigten Aliens freischalten kann. So kann man sich leiser bewegen, schneller Energie wiederaufladen, und im Verlauf des Spiels natürlich noch wesentlich mächtigere Zusatzmodule einrichten. Auch dies eine gelungene und einfach handhabbare Umsetzung eines Mini-Experience-Points-Systems. Der eine oder andere Aliengegner wird so vehementer gejagt und erlegt, wegen dessen «Fell» – sozusagen. Eigentlich sind wir ja für Artenschutz, aber die Besucher zeigen sich auch nicht gerade freundlich der menschlichen Spezies gegenüber. Wenn es also irgendwo Aliens gibt, lohnt es sich, dies restlos auszuschalten und die Punkte zu ergattern.

Battle: NYC

Der brillanteste Aspekt an Crysis 2 unserer Meinung nach ist ohne Zweifel das Leveldesign. Endlich wieder einmal ein Shooter mit Beinfreiheit und unterschiedlichen taktischen Möglichkeiten. Wer Rambo-Action mag, ist hier genauso zuhause wie Freunde der subtilen Vorgehensweise. Passagenweise wird man das eine oder andere Handeln einsetzen müssen, da kein Weg drumherum führt, aber über weite Teile überlässt das Spiel dem Spieler einen genau richtig gebauten kleinen Sandkasten für vergnügliches Rumtaktieren und Routenausdenken.

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Neben den sich bietenden Bewegungsfreiheiten sind die Umgebungen schlichtweg atemberaubend gestaltet. Blätter schweben durch die Luft, Funken steigen gen Himmel empor, satte Spiegelungen erscheinen in Tümpeln, Wolkenkratzer stehen einsam und verlassen in Brand - Flammen züngeln aus manchem Stockwerk.

Das Geschehen findet in luftigen Höhen, in Strassenschluchten, unter Wasser, in U-Bahn-Schächten und auf offenen Plätzen statt, neben vielen anderen. Crytek hat sich also einiges einfallen lassen, damit den Spielern so schnell nicht langweilig wird. Dazu tragen die widerspenstigen und überaus clever agierenden Gegner bei, die mit manchem unvorhersehbarem Manöver zu würdigen Widersachern werden.

Technik, die nicht nur begeistert

Leider gibt es von der technischen Seite her einige Mängel zu verzeichnen, was so eigentlich nicht unbedingt zu erwarten war. Die Xbox 360-Version läuft grösstenteils flüssig, wenn auch nie mit idealen 50 oder 60 Frames pro Sekunde. Die PlayStation 3-Version hat hie und da gröbere Einbrüche in der Framerate zu verzeichnen, besonders wenn viel Gegenwehr zu verzeichnen ist, was ein bisschen an die alten Zeiten erinnert, wo der etwas in die Jahre gekommene eigene PC bei grossen Gegneraufkommen im neusten Actiongame in die Knie ging. Hier zeigt Crytek leider eindeutig, dass die Cry Engine 3 mit dem Cell-Prozessor noch nicht wirklich die Kurve gekriegt hat. Betrachtet man Musterschüler wie Killzone 3 oder Uncharted 2, kommt einem dieser Umstand schon etwas merkwürdig vor. Auch 3rd-Party-Publisher ausser Sony's eigenen Studios haben schon mehrfach gezeigt, dass man mit der PS3 durchaus stabile Framerates mit hübscher Optik hinkriegt.

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Die Pflicht-Installation auf der PS3 macht diesen eher lauwarmen Eindruck zu Beginn auch nicht gerade viel positiver. Mal abgesehen von den Patches, die gleich nach Verkaufsstart auf die Käufer losgelassen wurden. Tja, auch hier scheint halt ein wenig die PC-Entwickler-Mentalität durch. Nicht so nett.

Neben ab und an auftauchenden Framerateeinbrüchen ist die Destructability ein wenig enttäuschend. Ein paar Bäume mit Granaten umknicken wäre doch sicherlich dringelegen. Nicht?

Suit vs. Suit - Der Multiplayer

Nicht von schlechten Eltern ist der Multiplayermodus, der mit klassischen Matches aufwartet und durch die Fähigkeiten der Nanosuit, welche allen Spielern zur Verfügung steht, auch gewohnten Spielprinzipien wie Team Deathmatches eine neue Facette verleihen.

Eine Neuerfindung des Multiplayer-Rades darf man bei Crysis 2 nicht suchen. Zusammenarbeiten ist auf den meisten Levelmaps zweitrangig, es gibt keine wirklich aussergewöhnlichen neuartigen Spielmodi. Viel bewährtes ist hier drin, angelehnt an Bombenentschärfen aka. DNA-Daten-Entschlüsseln und Flaggensammeln und ins Ziel bringen aka Data-Chips – einfach mit anderen Items und anderem Setting. Been there, done that. Was nicht schlecht sein muss. Lieber Funktionierendes anders gewanden als neues erfinden, was nicht funktioniert.

Auch der Umfang hält sich in Grenzen, Crysis 2 ist von der Ausrichtung her sicherlich eher ein Single-Player-Game mit einem netten Multiplayer-Zusatz. Wer nach vollendeter Solo-Mission seine Nano-Fertigkeiten noch weiter pushen will, wird hier übers Netz sicherlich noch ein paar Wochen Spass haben.

Fazit

Spielerisch ist Crysis 2 ein Action-Schmankerl. Die Mischung aus tollen Leveldesigns, Fertigkeiten mit einfachem Zugriff und weiteren gut ausbalancierten Gameplayelementen macht Cryteks Konsolenpremiere zum bisher besten Shooter des Jahres 2011.

Am Gold-Award segelt das Kindchen knapp vorbei: Es ist technisch einfach nicht ganz so gut, wie das zu erwarten war, besonders auf der PlayStation 3. Wer die Wahl hat, hole sich die Xbox 360-Version für eine etwas bessere Framerate.

Unspielbar ist die PS3-Version jedoch keineswegs, über weite Strecken ist die Framerate okay und die Optik überaus hübsch, wie auch der Soundtrack. Schade halt, dass sich Crytek hier nicht Unterstützung bei Sony geholt hat.

Wir bedanken uns bei Electronic Arts / ABC Software für die freundliche Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken.


judgementbox
Crysis 2
Positiv

Geniales Leveldesign, spassige Gameplayelemente und gelungener Spielfluss, Präsentation ausserordentlich stimmig und plastisch, detailreich und edel

Negativ

Gleich nach Verkaufsstart gepatched, PS3-Version teilweise mangelhafte Framerate, Installation nötig (PS3)

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Crysis 2
Erhältlich für PlayStation 3, Windows PC, Xbox 360
Von Crytek (Developer), Electronic Arts (Publisher)