PROTOTYPE 2
Testbericht | PS3 | PC | Xbox 360

Prototype 2 gold_medium

vor 5 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 5 Jahren

Renn donner schnauf Oh Gott! Nicht schon wieder eine Horde Blackwatch-Schergen samt Luftunterstützung! Es hilft alles nichts. Die Scheibe dreht unentwegt im Laufwerk, Schar um Schar von Mutanten und Eliteeinheiten muss dran glauben, es gibt kein Halten mehr. Prototype 2 hat ordentlich Tempo mit im Gepäck. Einmal angefangen, ist es schwer den Controller zur Seite zu legen. James Heller jagt seine Peiniger, und was er dabei an Zerstörung anrichtet in den verseuchten Strassen von Pseudo-NYC, kann ohne weiteres als »vernichtend» bezeichnet werden. Bombastisch und explosiv ist auch das Gemaplay. Aber warum genau muss sich jeder Openworld-Actionfan dieses Spiel kaufen? Hier ist die Antwort:


Outbreak

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Vor zwei Jahren sorgten die ersten wirklich guten Superhelden-Openworld-Games, welche nicht auf herkömmlichen Marvel- oder DC-Figuren basierten, für Furore. Also genau genommen eigentlich nur eines, nämlich inFamous mit dem smarten Strom-Powerhous Cole McGrath.

Die Konkurrenz mit dem Titel Prototype aus dem Hause Radical Entertainment — gespickt mit vielen Stacheln, zahlreichen Mutanten, ordentlich Blut und heftigen Fights — vermochte hingegen nicht so recht zu überzeugen. Zu generisch wirkten die Schauplätze, zu wenig drang das wirklich coole Kerngameplay bis in die Fingerspitzen am Controller vor, zu repetitiv die Missionen.

Nun — die Entwickler haben ganz offensichtlich aus ihren Versäumnissen gelernt. Und dabei ein paar funktionierende Elemente bei Sucker Punch's inFamous geklaut, was aber nicht weiter stört. Im Gegenteil. Der Schritt von Prototype 1 zum Sequel mit der Nummer 2 ist in etwa vergleichbar wie dazumals von Assassin's Creed 1 zu Teil 2 mit dem Renaissance-Setting. Auch da wurden die Hausaufgaben gemacht, mehr noch.

Aber alles der Reihe nach. Fangen wir bei der Story an. Die in Sepia-Tönen und roten Akzenten erzählte Geschichte folgt dem Protagonisten namens James Heller. Als Irak-Veteran der US-Army ist er sich rauhe Umgebungen gewohnt. Als aber seine Frau und Tochter dem mysteriösen Virus zum Opfer fallen, schwört er Rache. Rache an Alex Mercer, der für den Ausbruch des Mutagens allgemein verantwortlich gemacht wird.

Das ist natürlich Blödsinn, steckt doch hinter dem Virus der Gentek Konzern mit Unterstützung der Blackwatch-Elitetruppen. Wie wir bereits aus Teil 1 wissen, handelt es sich bei der Freisetzung des Virus um einen durch und durch geplanten Feldtest. Versuchskaninchen: Die Einwohner von NYC.

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James Heller, von Wut und Vergeltung getrieben, ist ein ausreichend glaubwürdiger und vor allen Dingen greifbarer Hauptdarsteller. Schwer zu sagen wieso genau, aber irgendwie mag man den Kerl. Er bringt die richtige Mischung aus Bosheit, Rücksichtslosigkeit und Fokussiertheit auf seinen ganz persönlichen Rachefeldzug mit. Er hat ein bisschen was von Kratos, wenn ich's mir genau überlege. Dazu eine grosse Portion HULK, gewürzt mit einer Prise Wolverine.

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Es gilt also, sowohl Gentek als auch Blackwatch das Handwerk zu legen, und im Endeffekt auch herauszufinden, was Alex Mercer genau im Schilde führt. Der hat Heller ja schliesslich zu dem gemacht, was er gleich nach Anfang des Spiels ist: Ein nahezu unbesiegbares, zorniges Monster.

Variationen wo man hinsieht

Das Gameplay von Prototype 2 ist sehr vielseitig. Drei grosse Stadtteile gilt es zu erkunden, manche Haupt- und Nebenmission wartet darauf, erledigt zu werden. Soweit so gut, das kennt man aus den Assassin's Creeds, inFamous und GTAs dieser Welt zur Genüge.

Prototype 2 überzeugt mit haufenweise Interaktivität. Viele Teile der Welt lassen sich manipulieren oder zumindest zerstören. Man darf alles mögliche aufheben und rumwerfen, herumliegende Waffen benutzen, Fahrzeuge hijacken, andere Spielfiguren «aufsaugen»Â aka. consume und deren Identität annehmen (Terminater 2 lässt grüssen, einfach auf die DNA- statt die Flüssigmetallvariante), TOW-Raketenwerfer von Panzern runterzerren, und allerhand mutagene Attacken auffahren. Darunter Klingen, Tentakeln, Kraftwellen, Schilde und anderes. James Heller ist auch ein ganz agiles Kerlchen mit Doping-verdächtiger Sprungkraft, und es lohnt sich die gewonnen Erfahrungspunkte zuallererst in den weiteren Ausbau seiner Beweglichkeit zu investieren, Der Rest kann warten. Nur so brennt Heller so richtig hell, und ausgedehnten Schwebe-Sprung-Gleit-Ausflügen kreuz und quer durch die Stadt steht nichts mehr im Wege.

Prototype der zweiten Generation in Form von J.H. spielt sich weitaus variantenreicher als auch flowiger als Teil 1. Die Wechsel zwischen James' Normalform und der jeweilig abrufbaren Gestalt, welche er als letztes absorbiert hat, gelingt selbst in vollem Sprint eine Hausmauer hoch. Die Controls sitzen satt, man fühlt sich James Heller auf Schritt und Tritt verbunden.

Ich habe mir lange überlegt, wie ich das Gameplay möglichst authentisch wiedergeben könnte. Ich habe mich entschlossen, dies in Form von drei Szenen zu tun:

  • Ich stehe auf einer Kreuzung, rundherum reichen die Fassaden bis in den Himmel wie es scheint. Direkt gegenüber steht ein altes Hotel. Hier und da stehen brennende Autowracks. Aus allen Ecken und Gassen strömen Blackwatch-Söldner auf mich zu. Meine Gesundheitsanzeige ist schon etwas angeschlagen. Schnell sprinte ich zur ersten Gruppe in der Nähe und konsumiere gleich alle vier Blackwatch-Söldner nacheinander. Aufgetankt geht's dem Panzer an den Kragen, der etwas weiter unten auf der Strasse steht. Überall rundherum Passanten und Zivilisten, welche reihenweise dem Feuer der Blackwatch-Truppe zum Opfer fallen. Ich springe hoch, gleite hinüber zum Panzer und lasse mich fallen. Schnell wird der TOW-Raketenwerfer abmontiert. Ein weiterer hoher Sprung gerade nach oben, Drehung, Panzer ins Visier, und schon donnern vier Geschosse aus dem TOW-Werfer nach unten, um den Panzer in ein brennendes Wrack zu verwandeln.

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  • Mein Auftrag besteht darin, eine Gruppe Gentek-Wissenschaflter auszuschalten, welche von zwei Dutzend Blackwatch-Söldnern bewacht werden. Ich besorge mir vorgängig eine Wandlungsform eines Blackwatch-Kommandanten und nähere mich dem alten U-Bahn-Schacht, wo sich meine Ziele aufhalten. Ich steige hinunter, und stelle mich zwischen die erste Gruppe Söldner, welche von einer Gruppe Mutanten angegriffen wird. Ich konsumiere einen nach dem anderen, wenn gerade niemand hinsieht. Bald sind alle Wachen verschwunden, ein Trupp nach dem anderen, inklusive herumrennende Wissenschaflter. Und ich komme mir vor wie ein Solid Snake in Kannibalenlaune.

  • Ich stehe auf dem höchsten Dach des Stadtteils Oakhurst. Geschätzte 80 Meter unter mir kursieren Truppentransporter der Blackwatch, Passanten gehen vorüber, selbst aus dieser Höhe ist vieles erkennbar (Drawing Distance lässt grüssen). Ich drehe mich nach rechts und sprinte dem First entlang, die Mauer des obersten Turms des Gebäudes hoch, bevor ich mich mit einem weiten Sprung in die Lüfte erhebe. Ich beginne zu gleiten und schwebe hoch über den Dächern vorüber. Langsam beginne ich zu sinken, und mit einem Schwung hole ich erneuten Schwung für eine weitere Gleitsequenz. So durchquere ich beinahe das ganze Viertel von Ost nach West. Ich lande schliesslich mitten in einem Beobachtungsposten der Blackwatch und verarbeite diesen in einem Anfall von Spontanität zu Kleinholz. Ich drehe mich um, verwandle mich in einen Blackwatch-Söldner und gehe die Strasse hinunter als wie wenn nichts gewesen wäre. Bald ist der Alarm verklungen.

Ein paar lustige Ideen, was man in Prototype 2 alles anstellen kann, liefert dieses Video:

Glitzer und Glanz

Die neue Engine präsentiert sich im besten Licht. Die vielen Spiegelungen und unterschiedlichen Oberflächen machen den Reiz besonders aus. Sprintet man an einem Gebäude hoch, spiegelt sich die Stadt in der Fensterfront. Wow. Das muss man sich erstmal reinziehen.

Die Sichtweite kann ebenfalls total überzeugen, man sieht effektiv ziemlich weit gemessen an anderen Open-World-Games.

Zu gefallen vermögen auch die Lichteffekte, die Sonneneinstrahlung und die nassen Oberflächen. Die Stadt versprüht den richtigen Mix aus Endzeitstimmung und melancholischer Schönheit. Diese kommt erst richtig zum Zug, wenn es mitten auf einem Strassenzug zu einem hitzigen Gefecht kommt. Die aufflackernden Flammen, der Rauch, die herumfliegenden Trümmerteile, James' mutierte Tentakel, herumgeschleuderte Autowracks und Panzerteile, ein überfliegender Kampfhelikopter — all das fügt sich zu einem epischen Kaleidoskop der Vernichtung zusammen. Hier kann Prototype 2 selbst hartgesottene inFamous 2-, GTA4- oder Just Cause 2-Spieler in ungläubiges Staunen versetzen. Sowas hat die Gamerwelt in Sachen Massenzerstörung ausgehend von einer einzigen Spielfigur noch nie gesehen, ohne zu übertreiben.

Fazit

Wow. Ich bin sehr positiv überrascht. Dieses Spiel macht fast alles richtig, was ein Openworld-Actiongame ausmacht.

Nicht ganz mithalten mit dem sehr guten Gesamteindruck kann stellenweise die KI. Und man kann bemängeln, dass das Missionsdesign nicht mit ultimativer Vielfalt glänzt. Einige Aufträge haben es allerdings in sich, das Gestaltwandler-Feature kommt gut zum Zug und sorgt für einige witzige Twists.

Alles in allem sind die Mängel kleine Kritiktropfen auf den heissen Gameplaystein. Prototype 2 macht einfach verdammt viel Spass. Volle Glühung sozusagen.

Wir bedanken uns freundlich bei Activision | Blizzard für die Bereitstellung einer Vollversion zu Testzwecken. Getestet haben wir die Ausgabe für PlayStation 3.


judgementbox
Prototype 2
gold_medium
Positiv

Bombastische Action, bemerkenswerte Grafik, tolle Sprecher, packende Story mit dem Lonely Wulf-Twist, vielseitiges Gameplay, Gefechte die kaum je langweilig werden, vielseitige Optionen für Kampfverhalten, satte Controls

Negativ

Missionen immernoch etwas repetitiv, kein richtiger Tag-Nacht-Zyklus, kein Moralsystem oder wegweisende Entscheidungen, Handlungen haben keinen bleibenden Einfluss auf den Ruf, etwas gar blutig, Penner auf Terrassen von Hochhäusern? Lustig.

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Gibt's nicht.
Mit Freunden im Internet spielen: Gibt's nicht.
Du kannst DN, den Autor dieses Beitrags, über seine Kontakt-Seite erreichen.


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Erhältlich für PlayStation 3, Windows PC, Xbox 360
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